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Firepower
Judas Priest
Firepower, Sony Music, 2018
Rob HalfordVocals
Glenn TiptonGuitars
Richie FaulknerGuitars
Ian HillBass Guitar
Scott TravisDrums
Produziert von: Tom Allom & Andy Sneap Länge: 58 Min 21 Sek Medium: CD
01. Firepower08. Rising From Ruins
02. Lightning Strike09. Flame Thrower
03. Evel Never Dies10. Spectre
04. Never The Heroes11. Traitors Gate
05. Necromancer12. No Surrender
06. Children Of The Sun13. Lone Wolf
07. Guardians14. Sea Of Red

Es sind tatsächlich schon wieder vier Jahre, seit dem letzten PRIEST-Album „Redeemer Of Souls“ und sogar sieben Jahre, seit K.K. Downing die Band verlies. Aber solange Glenn Tipton noch seine Axt schwingt, muss einem um die Gitarrenfraktion der Metal-Legende nicht bange werden. Allerdings verdunkeln sich auch da die Wolken am Horizont: Vor wenigen Wochen wurde bekannt gegeben, dass Tipton bereits seit etlichen an Parkinson leidet und die anstehende Tour zum neuen Album nicht spielen kann. Auf “Firepower“ ist er allerdings sowohl songschreibetechnisch als auch an der 6-Saitigen noch in vorderster Front dabei. Dass wieder Tom Allom die Regler geschoben hat, scheint Gutes zu künden und dass man ihm mit Andy Sneap einen Vertreter der moderneren Produzentenriege zur Seite gestellt hat, spricht für den Blick nach Vorne.
Hören wir also einmal, was es hier auf die Ohren gibt.

Schon die ersten Töne beeindrucken mich schier wie damals, als die Metal Gods mit “Painkiller“ ein neues Metal-Zeitalter einläuteten. Klassische PRIEST-Riffs treiben den Titelsong dahin, und Scott Travis drischt in die Felle, dass man die Schweißtropfen förmlich sehen kann. Halford scheint seine Stimme seit Jahren konserviert zu haben und klingt hervorragend. Der Song erinnert mich entfernt an Electric Eye. Die Präzision, mit der die Rhythmus-Maschine aus Bass, Schlagzeug und Rhythmus-Gitarren arbeitet, ist wirklich beeindruckend und mit der Schlüssel zum Erfolg. Lightning Strike ist kein kreativer Songwriting-Höhepunkt, aber jederzeit geeignet, einem übelste Nackenschmerzen für den nächsten Tag zu verschaffen. Und Ähnliches trifft auf Evil Never Dies zu. Wobei mich hier erneut die Höhen wundern, in welche sich Halford noch aufschwingen kann. Wenn das alles mit rechten Dingen zugeht, zieh ich mehrere Hüte.
Und das auch vor dem, was Tipton hier noch auf der Gitarre liefert. Da schießen etliche Soli so “faster than a laser bullet“ aus seiner Gitarre und - so ungern ich auf K.K. Downing verzichte – was er zusammen mit Richie Faulkner kreiert ist schon erste Sahne. Tolle zweistimmige Soli und ein brutal harter und druckvoller Rhythmus.
Die Band hat schon so viele Alben und Songs veröffentlicht und trotzdem noch so ein Album wie dieses hinzukriegen, nötigt jeden Respekt. Ob Never The Heroes, in klassischer Metal-Manier, sich nahezu selbst kopierend, wie in Necromancer, auch mal die Metal-Urgesteine BLACK SABBATH verweisend, wie bei Children of The Sun, oder eine neue Metal-Hymne kreierend, wie sie es mit Rising From Ruins tun, ich finde hier keine Aussetzer. Klar, obwohl man tief in die Kreativitäts-Truhe greift, bleibt das schon alles “eine Schiene“. Also, wer mit PRIEST bisher nur bedingt etwas anfangen konnte, wird anhand von “Firepower“ auch kein Fan mehr, aber wer ihnen jemals eine gewisse Sympathie entgegenbrachte, der sollte zwingend hier reinhören. Ein – vielleicht letzter – Meilenstein in der Geschichte der Band.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 05.03.2018


Wenn man mich nach DEM prototypischen Heavy Metal-Album fragt, dann bekommt man recht schnell die Antwort “Painkiller“ von JUDAS PRIEST. Seitdem haben sich die Priester immer wieder daran versucht, diesem Werk etwas Ebenbürtiges folgen zu lassen. Manchmal kamen sie dem recht nah, zum Beispiel stellenweise bei “Angel Of Retribution“ oder jüngst bei “Redeemer Of Souls“. Andere Mal entfernten sie sich doch recht deutlich von ihrem „Markenkern“ – insbesondere bei dem gewöhnungsbedürftigen “Nostradamus“ (was ich ihnen im Rahmen der künstlerischen Freiheit aber absolut zugestehe). Und doch will ich eben diesen speziellen Klang und diese knallenden Riffs und die prägnante Stimme und Screams des „Metal-Gotts“ hören, wenn ich eine Scheibe mit dem Schriftzug JUDAS PRIEST drauf auflege.

Deswegen elektrisiert mich das aktuelle Werk der Briten dann auch, wie es schon lange nicht mehr der Fall war. “Firepower“ ist - fast zwei Dekaden nach “Painkiller“ - wieder dieser perfekte Heavy Metal in Reinkultur. Die beiden Gitarristen Glenn Tipton und Richie Faulkner knallen ein Monster-Riff nach dem nächsten raus, die eingespielte Rhythmus-Sektion Ian Hill und Scott Travis grooven teilweise unfassbar lässig. Sie alle geben Halford damit die perfekte Grundlage dafür, sich wieder als der „Metal-Gott“ zu gerieren, der er nun mal ist. Und mal abgesehen von Flame Thrower gehen die Gesangsmelodien – zumindest mir – direkt ins Ohr und unter die Haut. So will ich meinen Metal, so will ich meine Hohen-Priester des Metal hören!

Sehr positiv fällt mir dabei auch der Sound der Scheibe ins Ohr. Denn nachdem mir gerade dieser auf dem Vorgänger. “Redeemer Of Souls“. einen noch größeren Genuss der Scheibe doch etwas verleidet hatte, griffen PRIEST hier tief in die eigene Vergangenheit und zauberten mit Tom Allom ihren Stammproduzenten aus den 1980er Jahren hervor. Der Mann (der als Toningenieur auch die Entstehung der ersten fünf Werke von BLACK SABBATH begleitete) weiß natürlich nur zu genau, wie eine Scheibe der Band zu klingen hat – und das liefert er hier auch. Und vielleicht hat Allom auch Halford & Co. mit etwas „altem Esprit“ dazu gebracht, sich wieder komplett auf die eigene Tradition zu berufen und sowohl musikalisch als auch textlich sich in ebendiese einzureihen. “Firepower“ ist definitiv DAS Heavy Metal-Album des Jahres für mich.

Marc Langels, (Artikelliste), 06.03.2018


Genau was ich erwartet hatte!

Eine weitere Heavy Band, die sich in die breite Masse der Durchschnittlichen einreiht! Ein wenig klingt sie nach Priest und deren Sänger scheint sich mit olle Dirkschneider und einem unbekanntem ab zu wechseln! Firepower finde ich nun wirklich überzogen! British Porridge wäre ein zutreffenderer Name für den Silberling und Tootling Oldies ein guter neuer Band Name!!!

So bleiben die Metal Gods in unsterblicher Erinnerung und die Tootling Oldies können als Rentner Kapelle ihrem Hobby frönen, bis sie tot umfallen!

Es sei ihnen gegönnt.

Andreas Roth, (Artikelliste), 06.03.2018


Mein erster Gedanke auf die Vorabveröffentlichung des Titelstücks war eher verhalten. Firepower war zwar vergleichsweise stark, aber natürlich kein Painkiller sondern erschien eher bemüht. Meine Befürchtung war, dass dies vielleicht das Highlight des Albums sein könnte und was kommt dann?

Nun, von der Geschwindigkeit her ist es vielleicht zusammen mit Necromancer tatsächlich das Überstück des Albums, der große Rest schaltet zumeist ein bis zwei Gänge zurück, aber siehe da, das ist gar nicht schlimm.
Offenbar hat sich das PRIEST Gen seit den 70ern tief in meine DNA gebohrt, denn sofort fangen die Füße, der Kopf an zu wippen und die Finger improvisieren automatisch die Soli. "Firepower" ist kein zweites "Killing Machine" oder welches Album jeder für sich als numero uno verehrt, aber es ist solide Metal Kost und berührt mich mehr, als es jede skandinavische Copycat der jüngeren Vergangenheit je könnte.

Ein zusätzlicher Effekt der Heavyness ist, dass Zeit bleibt für hymnische Mitsingrefrains, die zumal haften bleiben, was in letzter Zeit nicht immer so war.
Die Studiotechnik ermöglicht Halford eine ordentliche Performance, die trotzdem nicht mehr an alte Zeiten anknüpfen kann, aber Verwechslung ist definitiv ausgeschlossen. Setzt die Nadel zufällig in irgendeine Rille (ich weiß, es gibt nur eine pro Seite) und es ist sofort klar, das ist PRIEST.

Cover und Titel implizieren zwar eine Art "Screaming For Vengeance" und schießen dabei etwas über das Ziel hinaus, aber es gibt deutlich schlechtere Alben in der bisherigen Diskographie und da macht "Firepower" insgesamt keine schlechte Figur.
Fazit: Ich find's gut.

Ralf Frank, (Artikelliste), 06.03.2018


Ich muss zugeben, dass JUDAS PRIEST mich mit den Produktionen nach ihrem 1990er Meisterwerk “Painkiller“ letztlich doch nur noch enttäuscht haben. Ich hatte die meisten ihrer späteren Veröffentlichungen deshalb eigentlich überhaupt nicht mehr auf meinem Schirm. Da demnächst aber der achtzehnte Longplayer “Firepower“ erscheinen wird und ein rundes Jubiläum ansteht, dachte ich mir: Gib den Briten doch eine neue Chance und befasse dich mit dem niegelnagelneuen Rundling. Gesagt, getan.

Nächstes Jahr werden JUDAS PRIEST ja immerhin schon fünfzig Jahre alt. Von der Gründungsbesetzung ist zwar schon längst keiner mehr dabei und im Laufe der Jahrzehnte haben sich obendrein einige Wechsel in der Zusammensetzung der Truppe ergeben, aber dennoch konnte sie zur Legende werden. Was vor allem an dem (mit Unterbrechung) doch über lange Zeit stabilen Line-up mit Frontmann Rob Halford, den beiden Gitarristen Glenn Tipton und K.K. Downing (seit 2011 nicht mehr dabei), sowie Bassist Ian Hill liegen dürfte, da es letztlich den längst unverkennbar gewordenen und zeitweise megaerfolgreich eingesetzten PRIEST-Sound (in Zusammenarbeit mit verschiedenen Schlagzeugern) maßgeblich geprägt hat.

Das vierzehn Tracks (die drei Singles Lightning Strike, Firepower und Never The Heroes inklusive) umfassende und nahezu eine Stunde dauernde Album macht durchaus Spaß. Alles in allem gibt es nichts Überraschendes oder Ungewöhnliches zu hören, aber das muss bei den Herren aus dem Vereinigten Königreich ja ohnehin nicht unbedingt sein. Wenigstens stehen die Zeichen hier zumindest phasenweise weniger auf Bedienung aus dem eigenen Katalog als es früher schon mal der Fall war. Trotzdem erinnert natürlich vieles an Klänge vergangener Tage aus unterschiedlichen Karrierephasen. Der hier gebotene melodische Heavy Metal mit (immer wieder) pop-artiger Attitüde, Pathos und Hymnencharakter besitzt einen recht hohen Unterhaltungswert.

Der von Tom Allom (seit “Ram It Down“ [1988] mal wieder dabei) produzierte und immerhin von Szeneproduzentengröße Andy Sneap co-produzierte Sound kommt über weite Strecken mächtig, schwer und gehaltvoll aus den Speakern. Die Instrumente schreien und krachen. Die Gitarrenarbeit geht in Ordnung. Schlagzeug und Bass geben ordentlich Stoff. Über allem thront die Stimme Mr. Halfords. Sie klingt selbst in höheren Lagen relativ natürlich und sicher.

Als echter Überflieger wird “Firepower“ wohl eher nicht in die JUDAS PRIEST-Diskografie eingehen, kann aber wenigstens als gutklassiges und solides Werk gelten. Jedenfalls dürften ein paar der neuen Nummern ziemlich problemlos ins Programm der kommenden Tour passen.

Michael Koenig, (Artikelliste), 07.03.2018