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Braver Than We Are
Meat Loaf
Braver Than We Are, 429 Records, 2016
Meat LoafVocals, Guitar
Paul CrookGuitars, Loops, Synths
Randy FlowersGuitars, Vocals
David LutherSax, B3 Organ, Strings, Horn Arrangements
Justin AveryPiano, Synth, Strings, Backing Vocals Arrangements
Danny MirandaBass
John MiceliDrums
Ellen FoleyVocals (track 2)
Karla DeVitoVocals (track 2)
Stacy MichelleVocals (track 3,4)
Cian CoeyVocals (track 9)
Imelda MayVocals (track 13)
Alicia AveryBacking Vocals
Rickey MedlockeSlide Guitar Solo (track 10)
Stephen StillsVocals, Guitar (track 11)
Produziert von: Paul Crook Länge: 74 Min 35 Sek Medium: CD
01. Who Needs The Young08. Godz
02. Going All The Way09. Skull Of Your Country
03. Speaking In Tongues10. Train Of Love
04. Loving You Is A Dirty JobBonus Tracks:
05. Souvenirs11. For What It's Worth
06. Only When I Feel12. Prize Fight Lover
07. More13. I Would Do Anything For Love

Logo Meat Loaf

Wenn sich zwei Ikonen wie Marvin Lee "Fleischklops" Aday und Jim Steinman fast vierzig Jahre nach dem Jahrtausendwerk "Bat Out Of Hell" für eine erneute Zusammenarbeit entschließen, ist die Erwartungshaltung natürlich entsprechend groß.
In der Presse wurde das Album auch sogleich auf einen recht hohen Sockel gehoben ("Hitverdächtig", "Ein Muss", "Meat Loaf in Höchstform"), von dem es eigentlich nur abstürzen kann, denn ein "Bat Out Of Hell" schreibt man nur einmal im Leben.

Leider kommt es sogar noch schlimmer. Ein neues "Bat Out Of Hell" konnte man sicher nicht erwarten, aber ev. etwas Ähnliches wie Vol. II oder Vol. III, aber "Braver Than We Are" bleibt weit darunter.
Ein Manko ist der auch schon zuvor vielfach geäußerte Vorwurf, Steinman würde allzu oft seine Reste verwerten anstatt sich tatsächlich hinsetzen und neue Songs zu schreiben. Dies ist auch hier wieder der Fall und der Griff in die Mottenkiste ist teilweise sehr tief. Warum ist das so, musste auf die Schnelle ein Album her, oder wieso war scheinbar nicht genügend Zeit sich ordentlich vorzubereiten?
Angeblich sei das alles Absicht sagt Meat Loaf: "Es ist ein Tribut an Jim Steinman, im Ernst, es ist ein Tribut an uns beide und unsere gemeinsame Arbeit."

Manko Nr. 2 ist die harm- bzw. bombastlose Instrumentierung durch THE NEVERLAND EXPRESS, aber Manko Nr. 3, und leider auch das (buchstäblich) schwerwiegendste, ist Meat Loaf selbst, der die Songs saft- und kraftlos vor sich hin stammelt ohne eigentlich wirklich zu singen und zu phrasieren.
Offensichtlich hat man nicht mal versucht, per Studiotechnik nachzuhelfen, "die Songs seien so, weil man es genau so wollte", wird quasi entschuldigend vorab verlautbart.

Wenn man das Cover und das Booklet betrachtet, muss man eigentlich ein Metal Album (oder TENACIOUS D) erwarten und während des kruden Openers hofft man jeden Moment auf einen entsprechenden Twist, der aber nicht eintritt.
Das epische (quasi Titelstück) Going All The Way (A Song In 6 Movements) ist mit seinen knapp zwölf Minuten und seinen beiden prominenten Gastsängerinnen sozusagen der Hauptsong des Albums, kann aber ähnlich gearteten früheren Hits in keinster Weise das Wasser reichen und plätschert mehr oder weniger vor sich hin.
Die Refrains werden überwiegend durch die Gaststars getragen, Meat Loaf selbst kann man nur erahnen (merkwürdigerweise wird er im Booklet selbst auch überhaupt nicht erwähnt?).

Ein bisschen Metal Guitars gibt's es irgendwann dann doch und Rickey Medlocke spielt am Ende auch noch ein Slide Guitar Solo, aber das reißt es dann auch nicht mehr raus.
Vielleicht hat man deshalb in den Bonus Tracks noch einmal einen der größten Hits I Would Do Anything For Love (But I Won't Do That) mit Imelda May in einer neu arrangierten Fassung eingebaut, um wenigstens so ein wenig des alten Meat-Feelings aufkommen zu lassen. Aber da die Bonus Tracks nicht auf allen Editionen des Albums enthalten sind, muss sich das Album an seinen regulären zehn Songs messen lassen, und das ist eines Altstars wie Meat Loaf (am Ende seiner Karriere) einfach unwürdig.

Eigentlich wollte Meat Loaf das Mikrofon aus Krankheitsgründen längst an den Nagel gehängt haben, und das wäre allemal besser gewesen, als so ein trauriges Abschiedsalbum zu hinterlassen, denn ein weiteres wird es, zumindest in dieser Form, hoffentlich nicht mehr geben.

Ralf Frank, (Artikelliste), 09.09.2016


Credits: Martin Hausler via CMM

Wie hoch waren die Erwartungen und Hoffnungen, als bekannt wurde, dass Meat Loaf für sein neues Werk wieder mit Jim Steinman zusammen arbeiten würde. Dem Komponisten, der ihm die Millionen-Seller “Bat Out Of Hell“ sowie die Nachfolger “Bat Out Of Hell II: Back Into Hell“ sowie Teile von “Bat Out Of Hell III: The Monster Is Loose“ auf den voluminösen Klang-Korpus maßgeschneidert hatte. Und wer kann es den Fans schon verdenken, schließlich waren die Kollaborationen der beiden Musiker immer ein Volltreffer gewesen.

Nun ja, irgendwo scheint dem einstigen Dream Team die Magie abhanden gekommen zu sein. Denn “Braver Then We Are“ kann zu keiner Zeit an die glorreiche Vergangenheit anknüpfen. Stellenweise wirken die Lieder wie bei den eigenen Hits abgekupfert (Going All The Way Is Just The Start oder das Bonnie Tyler-Zitat in Skull Of Your Country), an anderer Stelle einfach improvisiert (Souvenirs) und im Falle des Openers Who Needs The Young recht frech und offensichtlich stilistisch bei Frank Zappa geklaut. Und wenn wir schon mal bei Ideen-Klau sind: wer bitte hatte die Idee, den SISTERS OF MERCY-Klassiker More beziehungsweise For What It’s Worth von BUFFALO SPRINGFIELD zu covern? Besonders im ersten Fall ist wirklich Fremdschämen angebracht; ebenso wie beim Remake des eigenen Klassikers I Would Do Anything For Love (But I Won’t Do That), den es aber - ebenso wie die BUFFALO SPRINGFIELD-Nummer - nur auf den "Special-Editions" gibt.

Natürlich gibt es auch hier immer wieder Momente, in denen die alte Größe durchschimmert, aber a) sind sie rar gesät und b) meist so kurz, dass sie schon wieder vorbei sind, bevor man sie richtig genießen konnte. Es ist schon traurig, wie sich hier zwei musikalische Legenden selber demontieren, denn auch die Gesangs-Performance von Meat Loaf lässt hier an einigen Stellen arg zu wünschen übrig – ähnlich wie es ja bei Live-Auftritten schon seit einiger Zeit der Fall ist. Im Prinzip hatten die Beteiligten hier nur eine wirklich gute Idee – und die war das Werk vom Titel her nicht in die “Bat Out Of Hell“-Reihe einzugliedern. Denn das wäre eine noch größere Enttäuschung geworden.

Marc Langels, (Artikelliste), 09.09.2016


Credits: Martin Hausler via CMM

Das 'Dream Team' Meat Loaf und Jim Steinman ist über die Jahre ja nun vollkommen zu recht für die eine oder andere gemeinsam vollbrachte Heldentat gerühmt und gefeiert worden. Da gibt es nichts zu deuteln. Jetzt haben sich die beiden erneut zusammengetan, um das Album "Braver Than We Are" auf die Beine zu stellen.

Es fällt mir alles andere als leicht, diesen Kommentar hier zu schreiben, aber die Anhänger des Hackbratens in Menschengestalt brauchen jetzt ein wahrhaft dickes Fell. Diesen Longplayer hätte es nämlich besser niemals gegeben. Was hat Meat Loaf und Jim Steinman da denn bloß geritten? Wie konnten sie einen derartigen Bockmist fabrizieren und diesen Quark dann auch noch allen Ernstes herausbringen? Druck von der Plattenfirma vielleicht? Selbstüberschätzung etwa? Simple Fanverarschung? Ein völliges Rätsel.

Um es auf den berühmten Punkt zu bringen: "Braver Than We Are" erweist sich als kompletter Reinfall. Da passt gar nix. Aber nicht auch nur annähernd. Insgesamt wirkt alles wie eine leidenschaftslos und uninspiriert zusammen gerührte, vor sich hin blubbernde Suppe aus Rock, Hard Rock, Blues, Bombast, Pop, Jazz und sonstigem Tralala. Etliche der Songs klingen wie schon mehrfach durchgekaut. Steinman ist offensichtlich nichts Neues eingefallen, weshalb er sich fröhlich wiederholt, selber plagiiert und altes Zeug aufbereitet. Es kommen durch die Bank bereits anderweitig erschienene Stücke zum Einsatz (ganz so neu ist das ja nicht [siehe zum Beispiel "Bat Out Of Hell II: Back Into Hell"], nur klang es noch nie derart schlimm). Darunter Loving You's a Dirty Job But Somebody's Gotta Do It (1986 von Bonny Tyler eingesungen), Titel aus Steinmans eigener Diskografie und Nummern von Meat Loaf-Platten. Daneben gibt es drei Cover-Versionen. More von Andrew Eldritch stammt ursprünglich aus dem Katalog der SISTERS OF MERCY), Prize Fight Lover (Bonus) ist von Rick Brantley, Dave Bassett und Tommy Henriksen (war auch schon Bonus Track auf "Hang Cool Teddy Bear") und For What It's Worth (Bonus) hat Stephen Stills bereits 2009 selbst veröffentlicht (er nahm an den Aufnahmen seines Tunes für "Braver Than We Are" teil). Auch Don Black findet sich auf der Urheberliste.

Als absoluter Tiefpunkt dieses (von Paul Crook produzierten) Machwerks erweist sich der 'Gesang' unseres Titelhelden. Es ist regelrecht schockierend, diese saft- und kraftlose (am Ende vielleicht sogar noch technisch unterstützte) Stimme erdulden zu müssen. Wenn man nicht wüsste, dass da Meat Loaf am Mikrofon steht, es wäre kaum zu erkennen. Zu keinem Zeitpunkt kann er auch nur ansatzweise an seine früheren Vokalleistungen anknüpfen (die Bonusnummer I Would Do Anything For Love (But I Won't Do That) (Orchestral Version) [eine ältere Aufnahme] lässt den Abfall in Meat Loafs Stimmniveau nur allzu augenfällig werden). Die Gastsänger (Ellen Foley und Karla DeVito [beide unter anderem bekannt im Zusammenhang mit "Bat Out Of Hell"] und Stacy Michelle, Cian Coey, sowie Stephen Stills) können, obwohl sie ihr bestes tun, da nur mehr wenig retten.

"Braver Than We Are" ist ein Paradebeispiel dafür, wie man die eigene (im Grunde ziemlich erfolgreiche) Karriere und unter Umständen die Laufbahn des einen oder anderen in irgendeiner Form an der Einspielung Beteiligten so richtig nachhaltig an die Wand fährt. Ich kann Mr. Meat Loaf nach dem (mittels ausgiebigen Einsatzes der Skip-Funktion) erheblich verkürzten 'Genuss' dieses üblen Rundlings bloß noch eindrücklich nahelegen, künftig wohl besser Abstand von weiteren gesanglichen Darbietungen zu nehmen. Ganz egal, ob im Studio oder auf der Bühne. Es sei denn, die Stimme kommt wieder auf die Beine. Und Jim Steinman sollte sich in möglichst naher Zukunft selber tunlichst mal Gedanken darüber machen, ob er seinen Zenit als Songschreiber inzwischen nicht längst hinter sich hat.

Fazit: Finger weg von diesem mehr als überflüssigen, unausgegorenen, altbackenen, lieblos zusammengeschusterten, musikalischen Rohrkrepierer. Haltet Euch viel lieber an die längst legendären, zusammen erbrachten (Best)Leistungen der beiden US-Amerikaner.

Michael König, (Artikelliste), 09.09.2016


Credits: Martin Hausler via CMM

Da hat man sich nicht zum ersten Mal Sorgen um den Gesundheitszustand von Meat Loaf (bürgerlich: Michael Lee Aday) gemacht, als er im Sommer in Kanada auf der Bühne kollabiert ist. Der stramm auf die 70 zugehende Sänger hangelt sich in den letzten Jahren mit seiner Gesundheit anscheinend ebenso dahin, wie mit seinen Alben.
Die bringen, analog zu seinem Körper, weder Leistung noch Gewicht einstiger Tage. So gelingen die Tonträger mal etwas besser, wie bei "Hang Cool Teddy Bear", mal etwas schlechter, wie bei "Hell In A Handbasket". Im Zweifelsfall greift man bei Meat eh auf…, na ja, sie wissen schon, zurück.
Wie sieht’s mit dem neuen Album aus? Exakt 16 Sekunden glaubt man wirklich Who Needs The Young? Dann mündet das bluesige Intro, welches nahezu an frühe AC/DC-Zeiten erinnert – in eine Jahrmarkt-Schunkel-Nummer, die einen nicht mehr aus dem Schaukelstuhl locken mag. Fand man das irgendwie lustig? Oder kreativ? Nun, Fans, die das wohl meinend hinnehmen, wird man schon bestechen müssen. Ja, klar, der Oberguru Jim Steinman hat, wie einst im Mai, die Fäden gezogen und entsprechend theatralisch ist das Ganze aufgezogen. Hier und da kommen einem QUEEN in den Sinn, aber deren Spannungsbogen war…, spannender.

So fast eingeschläfert schleppt man sich in die erste Monumental-Nummer, namens Going All The Way, die auch den Albumtitel in sich birgt. Hier gibt’s ein paar der Meat-typischen Duette und man versucht eine gewisse Dynamik zu entfachen. Das gelingt punktuell, aber, hach, die Power hat der Dicke auch nicht mehr so, um – wie damals – alle gnadenlos mit sich zu reißen.
So beschränkt man sich zwangsläufig auf spirituell angehauchtes, wie Speaking In Tongues, Wortspiele, siehe Loving You Is A Dirty Job (But Somebody’s Gotta Doo It), und schwer schmalz-triefende Balladen, wie Only When I Feel.
Dazwischen weckt Souvenirs direkt mal aus dem Dämmerschlaf. Beim Intro schwant einem zunächst nichts Gutes, aber tatsächlich schlendert man in eine leicht hymnische Gospel-/New Orleans-Schiene, die vor allem durch das geile Saxofon ihre Würze erhält. Also…, gar nicht übel.
Kurz nachgedacht, und dann fällt einem irgendwann auch, wie die Pommes vom Teller, ein, woher man die Akkorde in More kennt: Na klar! Das ist der SISTERS OF MERCY ihr More!!! Ja, nur dass das dort ein geiler, mitreißender Song ist, der hier nur bruchstückhaft gebührend zitiert wird und letztlich dem Original kein Wässerchen reichen kann. Und: Richtig! Das hat Jim Steinman tatsächlich mitverfasst, aber da war wohl eher Andrew Eldritch federführend.

Bei einigen Songs hilft nur Weiterzappen, da nützen auch die engagierten weiblichen Beiträge nichts. Warum BLACKFOOT/LYNYRD SKYNYRD-Gitarrero Rickey Medlocke sich für das Slide-Gitarrensolo in Train Of Love herablässt, ist mir schleierhaft. Zumal, zwar gut gemacht, aber ziemlich in den Hintergrund gemischt. Also, Southern-Gents, deswegen lohnt die Anschaffung nicht.
Oder wenn, dann wenigstens diese Fassung mit drei Bonus-Tracks? Und dazu noch mit Stephen Stills, mit dem er dessen BUFFALO SPRINGFIELD-Klassiker For What It’s Worth neu einspielt? Na, gehört hier immerhin zu angenehmsten Erscheinungen. Etwas Meat-mäßig aufgeblasen, aber kann mal als “moderne Fassung“ gelten lassen.
Prize Fight Lover lag wohl noch irgendwo rum, denn Meat klingt hier, für mich, energischer als auf den meisten Songs auf diesem Tonträger. Also womöglich von einem früheren Album übriggeblieben. Nix für die Ruhmeshalle, aber ein “Meat-Tempo-Song“ mit Drive. Woher jetzt die Aufnahme von I’d Do Anything For Love stammt, darüber schweigt sich das Booklet aus. Ich würde mal sagen: Nahe am Original, allerdings ist Imelda May die Gesangspartnerin. Macht sie ziemlich gut. Jedenfalls gar nicht schlecht.
Würde man auch gerne über das Album sagen, aber letztlich gehört “Braver Than We Are“ zu den verzichtbareren Meat Loaf-Alben und kann nur den beinharten Fans empfohlen werden.

Epi Schmidt, (Artikelliste), 09.09.2016