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Michael Schenker
Michael Schenker
Die Kunst der Lead-Gitarre, Interview

Nach ein paar kleinen Problemen ist es tatsächlich soweit: An einem kalten Februarabend klingelt mein Telefon und an der Strippe ist Michael Schenker!
Der rührt gerade die Werbetrommel für sein in Kürze erscheinendes CD/DVD/BluRay-Album "Michael Schenker Fest Tokyo" und ist vielleicht deswegen so voller Elan. Jedenfalls klingt er von Stimme und Ausdruck her wie ein Endzwanziger und nicht wie... na, lassen wir das mit dem Alter.
Er ist jedenfalls in Hochform und Fragen braucht es bei diesem Interview fast nicht, denn einmal in Gang gesetzt, ist er kaum noch zu bremsen und die Worte fließen aus meinem Telefon fast so, wie die Noten von Michaels legendärer Flying V, während eines seiner berühmten Soli.
Der einstige SCORPIONS, UFO, MSG (und noch einiger kleinerer Projekte) Gitarrist hat einiges loszuwerden und da wollen wir gar nicht mehr lange im Weg stehen!
Vorhang auf für Mr. Michael Schenker:

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Hooked On Music: Hallo Michael, du rufst aus England an. Lebst du dort?

Michael Schenker: Ja, in Südengland, in Brighton.

HoM: Ah, na das ist ja ein geschichtsträchtiger Ort. Fahren da noch, wie in “Quadrophenia“, Mods mit ihren Rollern herum?

M.S.: (Lacht) Nee, ab und zu gibt’s mal so ein Treffen von so Mini Coopern. Roller auch mal, aber sind nur so bestimmte Zeiten. Einmal im Jahr , oder so.

HoM: Ok, du bist ja auch häufig unterwegs, sodass du da nicht immer vor Ort sein kannst. Recht erfolgreich auch zurzeit. Im letzten Jahr hast du in Tokyo das “Michael Schenker Fest“ gefeiert, welches mitgeschnitten wurde in Kürze auch hierzulande veröffentlicht wird. Allem Anschein nach, bist du im Moment sehr zufrieden mit deinem Leben?

M.S.: Ja, absolut! Das sind so die drei Teile in meinem Leben: Der erste Teil, in dem ich Vieles geschaffen habe, ohne dass es mir richtig bewusst war. Wo Rudolf mir dann später erzählt hat, “ey, Michael, die spielen ja hier in Amerika deinen Gitarren-Stil!“. Da sag ich : “Was? Das gibt’s doch gar nicht!“ Denn ich hab‘ einfach nur in dem ersten Teil meines Lebens Freude an der Musik gehabt und gespielt und da was geschaffen, was ich gar nicht so realisiert habe. Das hab ich erst später, so in den 90er Jahren dann mitgekriegt. Wobei ich in den 90er Jahren, also in dem zweiten Teil meines Lebens, ich mich dann mehr darauf konzentriert, mit Musik zu experimentieren. Wollte da auch nichts Großes machen, denn ich hatte ja bereits mit 23 alles erlebt! Da hatte ich mit UFO “Strangers In The Night” fertig gehabt, als ich 21 Jahre alt war, hatten wir schon den ersten Hit mit Lights Out in Amerika und dann Only You Can Rock Me und Too Hot To Handle. Und 78 haben wir dann die Live-Platte gemacht und dann war ich 23 und da hab ich dann genug von dem gehabt. Da hatte ich dann mitbekommen, wie der Ruhm und alles andere da oben aussieht. Da bin ich dankbar, dass ich das erfahren durfte, aber ich hatte dann genug davon und wollte viel lieber mit mehr musikalischer Freiheit arbeiten.
Als 2008 wieder richtig Lust hatte auf der Bühne zu stehen und da ging das auf einmal wieder richtig los. Also der erste Teil meines Lebens, da hatte ich unbewusst etwas geschaffen, was ich nun im dritten Teil meines Lebens – mithilfe des zweiten Teils meines Lebens – durch die Entwicklung jetzt bewusst genießen kann und hab da meinen Spaß damit.

HoM: Da freuen wir uns auch und natürlich möchten wir das auch gerne miterleben. Bei dem Konzert in Tokyo im letzten Jahr, hast du mit Gary Barden, Graham Bonnet und Robin McAuley die drei wichtigsten MSG-Sänger dabei gehabt. Wie hast das geschafft, alle drei für dieses Konzert zu gewinnen? Stell ich mir nicht so einfach vor.

M.S.: Nee, ja, dann muss man schon… also, ich stell mir immer vor, das sollte so sein. Also wenn Dinge so sein sollen, dann kommen die auch zusammen. Es war ja so, dass wir in Japan spielten, mit TEMPLE OF ROCK, mit Francis und Herman und Doogie und Wayne Findlay und ein Promoter hatte uns vorgeschlagen, den Graham Bonnet als Vorgruppe zu nehmen und dass der dann bei uns noch zwei Stücke mitsingt und das war eigentlich der Anfang. Da dachte ich dann, Menschenskinder, das wäre jetzt eigentlich mal wieder die Zeit, wo ich mit Original-Sängern, also zumindest mit MSG-Original-Sängern, auf der Bühne stehen könnte und die Musik mal wieder mit diesen Originalen machen könnte. Und da hab ich überlegt, wer denn so in Frage käme und natürlich waren das Robin und Graham und Robin und dann fiel mir ein, dass der Steve Mann ja damals bei der McAULEY SCHENKER GROUP Gitarre und Keyboard gespielt hat und dass das ja geil wäre, wenn der dabei wäre. Und dann natürlich der Chris Glenn und Ted McKenna, die ja bei der “Assault Attack“ mit Graham die Rhythm-Section waren, gleichzeitig aber auch nach Cozy Powell mit Gary Barden die Besetzung waren. Im Grunde genommen also genau das richtig Line-Up. Besser hätte es nicht gehen können und als ich die Leute angefragt habe, waren alle begeistert und voller Freude da mitmachen zu können.

Dann hat man sich getroffen, geübt… ich fahre jetzt morgen schon wieder nach Glasgow zur Probe, sozusagen “Zwischenprobe“. Im Oktober – ich hätte nicht gedacht, dass es so lange dauert, aber wir haben Angebote aus Amerika – kommt dann erst die Europa-Tour. Das dauert, denn wir sollen größere Venues spielen. Zunächst in England und Spanien, aber wir arbeiten an Frankreich und Deutschland, usw.
Der Vorlauf ist leider bei größeren Hallen so, dass wir nicht vor Oktober da spielen können. Aber es kommt und da darf man sich auf einiges gefasst machen.

HoM: Da sind wir sehr gespannt. Bei der Besetzung hätte ja eigentlich nur noch Paul Raymond gefehlt?

M.S.: (Lacht) Ja, ja, aber bei UFO will man sich nicht einmischen.

HoM: Wie kam es damals eigentlich zur Gründung von MSG? War das ein Traum, den du schon immer hattest – die eigene Band - , oder war das mehr aus der Not geboren, weil es mit anderen nicht mehr so geklappt hat?

M.S.: Nun, das war eine Entwicklungssache. Ich habe bei UFO aufgehört, da ich wie gesagt, mit 23 alles, im materiellen Bereich, erlebt hatte und da musste ich meine eigene Sache machen. Nun hat aber Rudolf (Anm.: Rudolf Schenker, Bruder von Michael und SCORPIONS-Gitarrist) das rausgekriegt und die hatten gerade “Lovedrive“ in der Mache und der Matthias konnte das noch nicht so gut und da hat Rudolf mich gebeten auszuhelfen. Wir haben dann einen Vertrag gemacht, dass ich ein sechstes Mitglied bin für die Platte und dann hat das denen so gut gefallen – wurde dann übrigens Vince Neils Lieblingsplatte, der von MÖTLEY CRÜE – und dann haben die sich gedacht, Mensch, jetzt haben wir den Michael dabei, der kann uns die Türen zu Amerika öffnen. Was ich mit “Lovedrive“ ja auch gemacht habe, aber ich wollte ja nur eine Aushilfe sein und kein permanentes Mitglied. Tja, dann haben bin ich nach der Platte ausgestiegen und dann hat Rudolf mich angerufen und praktisch angefleht zu bleiben. Und als nächstes hat er mich darum gebeten das schwarz-weiße Gitarren-Design von meiner Gitarre übernehmen zu dürfen und dass ich ihm Coast to Coast komplett die Credits überlasse, obwohl ich es geschrieben hatte. Naja, ich sagte dann okay und hatte mich schon gewundert, warum er das wollte, und hab erst 2015 heraus bekommen, dass die SCORPIONS da eine völlig falsche Geschichte erzählt haben. Ich hab da gelesen, dass ich angeblich bei denen gebettelt hätte, mitspielen zu dürfen, aber so ist es nicht gewesen! Ich war schon Top-5-Gitarrist in Amerika, da hatten die noch gar nicht da gespielt! Da hatte ich schon ein paar Hits mit Anfang 20 in Amerika, wo die alle schon fast 30 waren und noch nicht einmal dort gespielt hatten. Wie können die so eine Scheiße schreiben? UFO waren damals eine größten Bands weltweit, als ich ausgestiegen bin! Ich hatte zum Beispiel auch für Holiday so ein 45 Sekunden langes Instrumental-Intro geschrieben. Das wurde total ignoriert, für mich als Komponist in den Credits. Dann hab ihnen noch das Coast To Coast gegeben und er hieß ja auch Schenker und dann noch das Design der Gitarre usw. Also letztlich hat man da versucht so zu tun, als wäre gar keiner ausgestiegen und alles wäre noch da.

Naja, für die nächste Platte mussten sie sich wohl was überlegen. Da hat Rudolf wohl zu Matthias gesagt, versuch mal so wie Michael Schenker zu klingen, und dann kam wohl irgendwas zwischen Eddie Van Halen und Michael Schenker raus und Rudolf hat dann versucht – der kann überhaupt nicht gut Gitarre spielen – die langsamen Sachen so in meiner Art zu spielen. Blackout war natürlich ein gutes Stück, mit dem sie dann den Durchbruch geschafft haben. Haben aber am Anfang immer meinen Namen benutzt “feat. Michael Schenker from UFO“. Und dann in Neuauflagen zum 50. SCORPIONS-Jubiläum wurde ich dann gar nicht mehr erwähnt, denn da hatten sie ja dann paar Hits gehabt. Obwohl für Rock You Like A Hurricane haben sie ja noch bezahlt, damit der in Amerika im Radio gespielt wurde. Und damit haben sie es erst geschafft. Naja, dieses 50 Jahre SCORPIONS hätte ja auch erst 2020 sein dürfen, denn da sind Klaus und ich, da war ich 15, erst eingestiegen. Klaus war ein geiler Sänger, ich ein junges Talent, da haben wir dann die “Lonesome Crow“-Platte gemacht. Eines der ersten Stücke, das ich geschrieben hab, In Search Of The Peace Of Mind, dafür hätte ich eigentlich die Composer-Credits kriegen müssen, aber das haben sie einfach unter sich aufgeteilt. Das war schon der erste Versuch, mich auszunehmen. Das hab ich aber alles nicht mitgekriegt, weil ich einfach zu sehr an der Musik interessiert war. Bis mir eines Tages meine Schwester mal per E-Mail die Augen geöffnet wurde.
Letztlich wollte Rudolf den Ruhm, den ich dann bekommen habe, obwohl ich viel jünger war. Mich hat er damals dem Klaus Meine vorgestellt, denn der Klaus war Rudolf Lieblingssänger aus dem Umfeld, und mich als talentierten Gitarristen hat er vorgeschickt, um den Klaus zu kriegen. Er hat ja als Gitarrist nicht so viel Talent, deswegen musste er sich solche Leute suchen, die ihm weiterhalfen. Ich bin ja dann bei SCORPIONS raus, weil in Deutschland wurde meine Art Gitarre zu spielen damals nicht so verstanden, von der breiten Masse. Die Kunst der Lead-Gitarre, um das zu präsentieren, musste ich nach England.

Aber was die SCORPIONS nicht verstanden haben, eigentlich nie, dass sie davon nur profitiert haben. Denn so konnten sie immer draufschreiben “feat. Michael Schenker from UFO“. Bevor Klaus und ich dazu kamen, waren die SCORPIONS noch eine Tanzkapelle und erst dann ging das richtig los. So haben sie auch bei “Fly To The Rainbow“ von mir profitiert und später eben bei “Love Drive“, wo immer mein Name mit draufstand.
Naja, ich hatte dann eben mit 23 von dem allen genug und wollte mit meiner eigenen Band dann das machen, was ich wollte, ohne Druck . Aber die Sache war die, ich wurde ewig verfolgt, von Leuten, die großes Business mit mir machen wollten. Da hat mich gleich der Peter Mensch angerufen, der ja METALLICA immer noch macht, und DEF LEPPARD und diese ganzen Gruppen, und wollte mich unbedingt managen. Da hat er mir gleich eine Gruppe vorgeschlagen mit Sammy Hagar und Aynsley Dunbar! Ich denke mir, Mensch, jetzt das schon wieder los! Jetzt bin ich grad bei UFO weg und hab den SCORPIONS abgesagt, weil ich das nicht mehr möchte und jetzt das immer noch weiter.

“Strangers In The Night“ war ein Riesenerfolg gewesen und Peter Mensch hatte sich da das Big Business mit mir vorgestellt. Als Nächstes hat er den Denny Carmasi und Billy Sheehan vorgeschlagen. Ich hab dann den Sänger Gary Barden gefunden, aber dann wurde ich auch gleichzeitig noch nach New York geschickt, denn bei AEROSMITH war gerade Joe Perry ausgestiegen und der Peter Mensch wollte sehen, wie ich da reinpassen würde, wie die Chemie so wäre. Da bin ich dann da hin und Steven Tyler war aber auch nicht so gut drauf und ich dachte mir, das geht doch schon wieder so weiter und hatte gar keine Lust.
Das wurde dann auch nichts und die Versuche mit Carmasi und Sheehan, das war auch nicht das Richtige. Dann wollten als nächstes Geddy Lee und Neal Peart, von RUSH, meine Soloplatte machen und dann kam Peter Mensch uns sagt „Hey, Michael, der Steven Tyler ist krank, AEROSMITH haben sich aufgelöst! Der Joey Kramer und Brad Whitford wollen bei deiner Soloplatte mitmachen“. Ich denk, oh, geil, bin dann ab nach Boston und hab mit denen geprobt. Dann hat der Steven Tyler das wieder mitbekommen und …. Naja, letzten Endes hat der Peter Mensch dann den Simon Philips aufgetrieben und dann später noch Don Airey hinzu und ich hatte den Gary Barden und so haben wir dann die erste Platte gemacht.

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HoM: Wo hast du den Gary Barden denn aufgetrieben?

M.S.: Das war ein Demo. Die Stimme hatte mir sehr gut gefallen. So im Midrange, bisschen bluesig, schöne Melodien, gutes Vibrato. Hat mir gut gefallen. Und dazu hatte der nicht so ein Über-Ego und man konnte sich mit dem gut verstehen.
Na, der Peter Mensch wollte dann gleich zum nächsten Level und hat Cozy Powell als Drummer angebracht und Paul Raymond und Chris Glen. So ging das wieder los, dann sollte Mutt Lange produzieren, aber da hab ich gesagt, nee, ich will nicht wie AC/DC klingen, oder wie was anderes. Dann kam der Ron Nevison als Produzent und … dann war die Platte noch gar nicht gemischt, da waren wir schon in Japan. Der Peter Mensch hatte es eilig, das sag ich dir!

Dann haben wir uns von Nevison getrennt und ich hab dann die Live-Platte, “At Budokan“, mit dem Tontechniker von Nevison gemischt. Als Nächstes wollte Peter Mensch dann zum nächsten Level und den Sänger ersetzen. Da wurde David Coverdale geholt. Mit dem hatte ich auch schon gejammt und was dann der Song Dancer wurde, zu der Musik davon hatte Coverdale schon gesungen. Da hab ich ihn gefragt, ob er nicht zu MSG kommen will. Da sagte er, nee, warum kommst du nicht zu WHITESNAKE?
Tja, keiner wollte und ich hab dann den Graham Bonnet gefragt und, ich schätze, der David Coverdale hat bei mir heimlich den Cozy Powell angefragt und der ist dann zu WHITESNAKE gewechselt. Naja, ich hab mit Graham dann eine geile Platte gemacht, “Assault Atack“ ….

HoM: … ja, leider nur eine…

M.S.: …ja, leider nur eine und dann standen wir gerade 15 Minuten zusammen auf der Bühne und dann war der Graham weg! Ja, dann kam das Reading Festival und wir mussten schnell den Gary Barden zurückholen, weil wir da einen Headliner-Gig auf diesem berühmten Festival in England hatten.
Dann hab ich mich von Peter Mensch getrennt und mehr auf Self-Production gemacht und dann kam “Built To Destroy“ und das wurde dann nicht so gut und das war auch meine Schuld, denn ich habe den Gary da zu hoch gepusht und der hat sich da nicht mehr so gut angehört. Und dann kam schon wieder der nächste, der David Krebs, und wollte was Großes mit mir machen und alle wollten immer… ich wollte aber nie “was Großes“ machen… ich wollte einfach experimentieren mit Musik und mein Vergnügen dabei haben. Dann ging das mit dem David Krebs weiter, der hat dann die “Built To Destroy“ mit Jack Douglas, dem AEROSMITH-Produzenten, nochmal neu gemischt und haben wir das Hammersmith-Konzert aufgenommen, das fand ich überhaupt nicht gut und wollte das gar nicht freigeben, aber der David Krebs hat das einfach gemacht.
Ja, und dann hab ich erst mal die Schnauze voll gehabt. Der Gary war auch nicht mehr so gut drauf und der Chris Glen hatte auch keine Lust mehr und hat sich erst mal verzogen.

Dann wollte ich mal 50/50-Partnership und da kam der Robin McAuley zum Vorschein, da hab ich dem das “M“ gegeben. Der wurde dann auch so ‘n bisschen, naja, dass er seinen Namen jetzt vor Michael Schenker hatte und so, aber mir war das egal, ich wollte MSG behalten und deswegen passte das gut rein. Dann haben viele Leute mitgeschrieben und naja, ich hätte da mehr bei meiner Richtung bleiben sollen. Nun, ok, dann kamen die 90er und das war alles nicht mehr so interessant. Ich hab dann ein Akustik-Instrumental geschrieben… Ich hatte auch bis zu dem Punkt nie was live verdient! Ich hab da nie Geld gekriegt! Die Leute haben immer gesagt, es ist kein Geld übrig. Und ich hab das auch immer geglaubt. Mir ging’s ja auch gut, ich hatte ‘ne Wohnung und Spaß an der Musik…
Aber was ich hatte, war ein Limo- (Limousinen-) Driver und der hat mich überhaupt mal aufmerksam gemacht und gesagt, hey, du bist so berühmt und die nehmen dich nur aus! Die nehmen dein ganzes Geld weg!

Ich hab dann auch zu den Leuten gesagt, wenn ihr mich nicht bezahlt, dann spiel ich nicht mehr und ab da hab ich auch Kohle gesehen. Aber mir war das dann alles zuviel und ich hab mich dann auch von Robin getrennt und hab mir gedacht, komm, ich brauch keine Leute, die mich ausnehmen, ich mach einfach weiter alleine. Ich brauch nicht viel, drei Mal am Tag was zu Essen, was zum Anziehen und ne Bude überm Kopf und… ich kann bestimmt eine CD am Tag selbst verkaufen. Und habe meinen Frieden. Und das hab ich dann auch gemacht und hab das Album “Thank You“ gemacht, das wurde auch sehr gut, wurde unter anderem in Krankenhäusern benutzt für die Genesung der Patienten. Ich hab dann mit dem Rest Geld, das ich noch hatte, einfach so 'ne Promotiontour gemacht, hab da ganz bescheiden angeklopft bei Radiostationen. Mit zwei Gitarren und zwei Taschen mit Klamotten bin ich da mit einem Greyhound-Bus 10.000 Meilen durch Amerika gereist. Ich hab da bei jeder Radiostation angeklopft und 80% machten auf und als ich nach Hause kam, war ich ein reicher Mann (lacht).

Wie aus dem Nichts heraus habe ich dann festgestellt, dass ich immer nur ausgenommen wurde, weil da war so viel Geld. Und durch dieses bescheidene Abenteuer hab ich die Wahrheit erfahren.
Dann hab ich natürlich meine eigene Plattenfirma aufgemacht, ein Aufnahmestudio gebaut… und … , also sobald ich alleine anfing, hab ich auf einmal Geld verdient. Schweinerei (lacht).

HoM: Du bist ja dann doch noch einmal bei UFO gelandet …

M.S.: Genau! Da wollte ich dann den UFOs, weil die ja auch ausgelutscht wurden, wollte ich denen was beibringen. Ich hab denen gesagt, passt mal auf, Leute … Die Sache war ja so, 1992/93 wurde ich von Rudolf gefragt bei den SCORPIONS auszuhelfen, bei deren Akustik-Set. Da hatten die im Ostblock gespielt und Japan. Zur gleichen Zeit kam der Phil Mogg mit seinem Manager nach Los Angeles geflogen und haben mich gefragt, ob ich UFO wieder aufbauen würde. Und ich denk mir was ist denn jetzt los? Ich bin jetzt gerade selbstständig, jetzt kommen die Leute schon wieder an! Alles auf einmal!
Das war ja damals schon so, als wir “Assault Attack“ gemacht hatten, da fragte Ozzy Osbourne an, als Randy Rhoads gestorben war, ob ich einsteigen könnte! Ich denk mir, was soll ich bei Ozzy Osbourne? Das wäre ja der gleiche Blödsinn, wie mit AEROSMITH!

Also, da bin ich immer so haarscharf dran vorbei gekommen. Als das mit UFO wieder losging, kamen dann auch noch DEEP PURPLE, aber ich hab mich dann für UFO entschieden, unter einer Voraussetzung: Dass ich 50% des Namens UFO bekomme. Denn der Phil hatte den Namen so zerstört und war gar nicht in der Lage, ohne mich weiterzumachen. Ich hatte damals ein Angebot einer großen japanischen Plattenfirma für einen Super-Deal mit MSG. Also hab ich denen gesagt, wenn ihr mir den gleichen Deal für UFO macht, dann mach ich auch den MSG-Deal. Und das haben die gemacht.
Meine Bedingung war, mit einem guten Produzenten – den wir mit Ron Nevison ja bekamen – und der Originalbesetzung aufnehmen und auf Tour gehen und wie die Platte auf Tour verkaufen. Weil ich wollte, dass die Geld, das ihnen gestohlen wurde, dass die miterleben konnten, wie sie das Geld zurückkriegen können auf diese Art und Weise. Weil mir das Gleiche passiert ist mit “Thank You“. So habe ich das für UFO tun wollen und getan. Und alle freuten sich und hatten Spaß und der Phil Mogg erholte sich.
1995 hatten wir dann eine Tour gemacht in Amerika, die wurde eine der Fünf am besten verkauften Touren in dem Jahr. Und dann ging es dem Phil wohl zu gut, er wollte dann nicht mehr, hatte irgendwie die Kontrolle verloren, bzw. war das für sein Ego nichts und ich wollte denen eigentlich nur zeigen, wieviel Geld sie verdienen können, wenn sie sich nicht von den ganzen Managern über den Tisch ziehen lassen.

Aber der Phil wollte dann doch wieder mehr Kontrolle, ihm ging es wieder gut und dann schlug er vor, dass wir mit Mike Varney und Shrapnel Records was machen und anderer Besetzung. Und ich sag, nee, mach das nicht! Wenn mit UFO was gemacht wird, dann auf jeden Fall in der Originalbesetzung! Weil das ist sonst eine ganze andere Chemie.
Ja, dann ging das hin und her und letztlich hat man sich doch mit Mike Varney geeinigt und dann wurde Aynsley Dunbar als Drummer vorgeschlagen, das hörte sich interessant an, aber das wurde dann zu einem Low-Budget-Projekt. Die Platte wurde dann eigentlich ganz gut, aber einfach eine andere Chemie. “Sharks“ war auch noch ganz gut, aber einfach nicht mehr die Originalband und kein Ron Nevison als Produzent. Also eigentlich nicht so gut, wie UFO mal gewesen war. So kam es 2002 zum Abbruch der ganzen Sache und dann hat der Phil mich angerufen und gesagt, hey, Michael, ich brauche unbedingt den Namen, denn ich kann ja gar nicht arbeiten. Und dann hab ich ihm den Namen UFO ohne irgendwelche Bedingungen zurückgegeben. Ich wollte nichts dafür, einfach nur meine Ruhe, weil ich so die Schnauze voll hatte und genug von den Leuten. So sind die dann ihren eigenen Weg gegangen, sind stolze Inhaber eines Namens, den ich mit aufgebaut habe, und geben damit groß an, genau wie die SCORPIONS. Das sind die drei Leute, wo nur der eine, der Klaus, wirklich Talent hat und was Eigenes, was Besonderes hatte. Aber, wie gesagt, der Rudolf hat das mehr manipuliert und die Band wahrscheinlich immer unter Druck gesetzt, auf die Art, wenn ihr nicht macht was ich will, dann mach ich mit Michael Schenker weiter.

Ich weiß noch, wie er sich gefreut hat, als so die 80er zurückkamen und hat er in seiner Rumpelkiste gekramt, nach altem Zeug, Songs, die damals nicht akzeptiert wurden. Und da hat er mich nochmal angerufen und hat sich gefreut und hat gemeint, hey, Michi, da machen wir aber jetzt echt die Schenker-Brothers zusammen. Und ich sag, ja, ja, machen wir. Und danach, als die Box rauskommen sollte und ich diese gelogene Geschichte mit “Love drive“ gelesen habe und dieses ganze Puzzle mir zusammengestellt habe, da hab ich eben festgestellt, wie ich da beschissen wurde. Ich bin da jetzt nicht verbittert, aber doch sehr enttäuscht. Ich hab aber mal festgestellt, dass der Rudolf gar nicht so ist, bzw. sein Leben aus zwei Teilen besteht. Zum einen aus dem Teil, der immer so auf Ruhm aus war, weil er dachte, dass ihn das glücklich macht, was aber natürlich gar nicht so ist. Und jetzt, wo er eine neue Familie hat und neues Kind…das wird ihm jetzt das zweite Leben geben. Er wird lange leben und verstehen, was wirkliche Freude ist, in dem zweiten Teil seines Lebens.

Und da wird er einsehen und verstehen können, dass er Unfug getrieben hat. Er wird gesegnet sein und diese Welt eines Tages mit einem erfüllten Leben und der nötigen Erkenntnis verlassen. Das wünsche ich ihm. Wir machen alle Fehler, aber ich muss mich fernhalten von ihm, sonst kriegt er das nie selbst geregelt.
Ich hab meinen Teil beigetragen und muss mich auf mich selbst besinnen, im dritten Teil meines Lebens, und das genießen. Viele Leute sterben, die im Tempel des Rocks dabei gewesen sind und beigetragen haben. Also mache ich weiter voll Power und mache mit den Leuten, die noch da sind Musik, solange es noch geht.

HoM: Du hast schon ein Stichwort gegeben: Leider haben uns im letzten Jahr einige Leute aus dem Musikbusiness verlassen…

M.S.: …wie die Fliegen! Die verlassen uns einer nach dem anderen! Und das geht einfach zu schnell, man muss jetzt einfach weitermachen, soviel wie es geht und besonders ich, die Kunst der Lead-Gitarre weiter entwickeln und präsentieren und den Leuten die Möglichkeit geben, diese Kunst verstehen zu können, bevor es bei mir soweit ist.

HoM: Da wollen wir mal hoffen, dass das noch recht lange dauert, bis dahin. Vorher wollen wir dich auf jeden Fall auf Tour sehen. Sind denn dann alle drei Sänger, wie in Japan, dabei?

M.S.: Ja, ja, wir machen ja Balingen, “Bang Your Head“, wir sind Headliner zusammen mit Vince Neil. Dann hab ich noch einen Auftritt mit Robin McAuley in Madrid und dann kommt eben im Oktober das Michael Schenker Fest. Da geht das los!

HoM: Kurz zu deiner Gitarre. Wie bist du denn damals auf die Flying V gekommen?

M.S.: Du, die Gitarre ist zu mir gekommen! (lacht) Pass mal auf, das ist ganz wichtig. Als ich 14 war, da musste ich im Werkunterricht etwas bauen, und da wollte ich eine Gitarre bauen und weißt du was ich gebaut habe? Eine dreieckige Gitarre! (lacht) Klingt wie ein Witz.
Und dann war da der Rudolf, der sammelt lieber Gitarren, anstatt zu üben, ich spiele lieber Gitarre und hab lieber weniger Gitarren. Naja, er kauf lieber ein, Schuhe, hat immer die letzte Mode geholt und dann hat er diese Flying V gefunden, die schon was Außergewöhnliches war.
Aber er konnte ja nicht richtig spielen und eine Gitarre ist nichts, wenn der, der dahinter steht, nichts darstellt. Da will er immer so stolz sein, weil er der Erste war, der hier diese Gitarre gespielt hat. Dabei versteht weder er noch die Leute, dass es gar nicht um die Gitarre geht, sondern um den, der sie spielt. Die Gitarre spielt nicht von allein! Es war so, ich hatte eine Les Paul damals und mir riss eine Seite, also musste mir Rudolf seine Gitarre geben und ich hab dann festgestellt, dass die über meinen Verstärker total gut klang, also haben wir uns dann geeinigt, dass ich sie ihm abkaufe.

Bei UFO hatte ich eine weiße und eine schwarze Flying V, klangen beide gut und ich konnte mich nie entscheiden welche ich spielen sollte. Und da hab ich mich eines Tages entschieden, eine schwarz-weiße Gitarre zu machen. Das war dann im Grunde genommen das Ende von UFO und der Beginn von MSG – die schwarz-weiße Gitarre.
Naja, der Rudolf wollte dann später auch eine Gitarre in dem Design spielen, damit es so aussah, als sei ich bei SCORPIONS gar nicht ausgestiegen. So konnten die praktisch mit dem Trick überleben. Seine Haare hat er ja später auch noch blond gefärbt.
Es ist schon nicht schön, was da so gelaufen ist, aber natürlich hat er auch den Überblick verloren und wenn man mit zu wenig Talent zu viel Erfolg hat, und das zu lange. Da wird man größenwahnsinnig. Und als man dann so Sprüche hörte, wie, er könnte besser Gitarre spielen als Uli (Anm. Uli Jon Roth), da dachte man nur noch, oh, oh, Rudolf, das geht zu weit jetzt. Du musst auf deine Füße zurück. Deswegen muss ich die Wahrheit über ihn sprechen, sonst findet er diesen Weg nicht zurück. Aber er wird das schaffen und ich sag toi, toi, toi, Rudolf.

HoM: Nochmal ganz kurz zur Gitarre: Du bist ja dann später von Gibson zu Dean Guitars gewechselt…

M.S.: Ja, richtig, und Dean Rubinson ist ja erst vor ein paar Tagen gestorben, ich kann es gar nicht glauben! 2004 bin ich bei Dean Guitars gelandet. Da war ein wunderbarer Typ, also Dean, wir waren mit Uli Roth als Vorgruppe in Chicago, der kam da mit dieser Gitarre und ich hab da drauf gespielt und ich denke, Mensch, da steckt was drin! Sogar Uli hat sich damit angefreundet, aber war dann doch noch nicht so überzeugt.

Als ich das Angebot dann angenommen habe, und Elliott hat mir da eine wunderbare Gitarre gebaut, die immer klasse geklungen hat, toll gesungen hat und… ich hab ja im Prinzip all die Jahre für Marshall und Gibson kostenlose Promotion gemacht, aber auch da: Keine Bitterkeit. Ich kann nur sagen, Leute, wenn man sich nicht auf Geld konzentriert, gibt’s wenig Bitterkeit. Wenn das Geld im Spiel ist, dann schlagen sich die Leute, wie auch der Rudolf und der Francis.
Also die Tatsache war dann, dass der Dean mir mit so einem kompletten Paket ein Angebot gemacht hatte, dass ich nicht absagen konnte. Und ich bin seit 12 Jahren dabei und hab das nie bereut. Mit der Gitarre hab ich so viel Vergnügen gehabt. Ich bin da so enttäuscht, dass der gestorben ist.

HoM: Ja, damit kommen wir leider auch zum Ende unseres Gesprächs. Aber nachdem wir so viel von Leuten gesprochen haben, die gestorben sind, möchte ich dir noch die Frage stellen, welches Lied eines Tages bei deiner Beerdigung gespielt werden soll?

M.S.: Wie, bei meiner?? In Search Of The Peace Of Mind. Oh, und außerdem noch, dieses neue Instrumentalstück, welches ich geschrieben habe und das auf dem neuen Live-Album ganz am Anfang läuft: Searching For Freedom.

HoM: Alles klar, wir notieren uns das. Vielen Dank fürs Gespräch und alles Gute, Michael!!

M.S.: Alles klar, ich danke auch!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 09.02.2017