Foto: Epi Schmidt
Mike Zito
Van Halen brachte mich zum Gitarrespielen, Interview

Im Rahmen seiner 2014er Solo-Tour, die er zusammen mit Samantha Fish absolvierte, stand mir Mike Zito kurz vor dem Konzert in Bensheim für ein kurzes Interview zur Verfügung.
Obwohl die Örtlichkeiten nicht die optimalsten sind (wir drängen uns dann in einen kalten Lagerraum) und Mike von dem Interview nichts wusste, ist er absolut entgegenkommend und zugänglich. Überhaupt nicht so, wie man sich einen Typen mit einem, na, sagen wir “schwierigen Lebenslauf“ vorstellt.

Mike_Interview

Hooked On Music: Zunächst einmal: Alles Gute zum Geburtstag, nachträglich. Du hattest gestern, oder?

Mike Zito:Ja, das stimmt, vielen Dank!

HoM: Du bist ja zusammen mit Samantha Fish auf Tour. Eine absolut tolle Gitarristin. Wie kam es zu dieser Konstellation?

M.Z.: Nun, ich kenne Sam seit sie 18 Jahre alt ist. Ich hab drei Alben für sie produziert. Wir sind gute Freunde.

HoM: Du hast sie also schon gekannt, bevor sie bei Ruf Records war?

M.Z.: Ja, in gewisser Weise habe ich geholfen, sie zu Ruf Records zu bringen.

HoM: In der Tat, abgesehen davon, dass du selbst Alben einspielst und auf Tour gehst, produzierst du ja auch Alben für andere Künstler. Wie kam es dazu, dass du ein Produzent wurdest? Ist das etwas, was du schon immer tun wolltest?

M.Z.: Ja, ich denke schon und ich denke auch, ich habe genug Alben über die Jahre gemacht. Zunächst habe ich fünf von meinen eigenen Alben produziert und dabei gelernt, wie das abläuft….

HoM: … aber du hast nicht deine ersten beiden Platten für Ruf Records produziert..

M.Z.: Nein, erst das ”Gone To Texas” Album. Aber das ist etwas, was ich schon immer machen wollte und irgendwie funktioniert das für mich auch recht gut. Ich mag es, mit jungen Künstlern zu arbeiten. Ich glaube, ich bin ganz gut darin, ihnen beim Finden ihres eigenen Stils, ihrer eigenen Stimme zu helfen. Passende Songs für sie auszuwählen.

HoM: Ich muss ja gestehen, ich hab ein bisschen ein Problem, mit Musikern, die ihre eigenen Scheiben produzieren. Oftmals rücken sie ihr eigenes Instrument zu weit in den Vordergrund. Wie schaffst du es, davon Abstand zu halten?

M.Z.: Nun, nehmen wir mein Album “Gone To Texas“. Ich hatte da schon einen bestimmten Sound, ein gewisses Feeling in meiner Vorstellung, welches ich einfangen wollte. Da ging es nicht um meinen Gitarrensound, sondern um den Gesamtklang, den Sound der Songs. Ich denke, nachdem ich ein paar Alben für andere Musiker produzierte, fühlte ich mich “reif“, dieses Album zu machen. Davor war das schon in Ordnung, mit anderen Produzenten zu arbeiten, denn irgendwo gibt dir das als Musiker schon mehr Freiheit und natürlich ist es auch nicht schlecht, noch eine andere Person zu haben, die dir hilft und dich vielleicht in eine Richtung dirigiert, an die du selbst gar nicht gedacht hast.

HoM: Du hast ja auf deinem letzten Album auch Sonny Landreth als Gast (bei dem Song Rainbow Bridge). Einer meiner absoluten Lieblingsgitarristen und –Slidespieler. Mit einem ganz eigenen Stil. Wie hast du den dazu gekriegt?

M.Z.: Sonny ist natürlich einer der Weltbesten. Weiß du was? Er wohnt vielleicht zwei Stunden entfernt von mir. Also wir kannte uns schon und waren auch schon zusammen auf Tour. Wir nehmen im gleichen Studio auf und da war das relativ einfach. Ich rief ihn an und er war absolut nett und hat seinen Part locker eingespielt.

HoM: (Die Tür öffnet sich und Samantha schaut kurz herein) Du hast ja auch Samanthas letzte Alben produziert. Wie war das arbeiten mit ihr?

M.Z.: Wundervoll. Großartig. Sie ist einfach klasse. Ihre ersten beiden Alben nahmen wir ja hier in Deutschland auf, in Berlin. In Ost-Berlin, um genau zu sein. Eine tolle Erfahrung. Und Samantha ist einfach toll. Sie wird ständig besser und besser.

HoM: Ja, das ist wahr. Ich hab sie vor Jahren mit dem BLUES CARAVAN gesehen …

M.Z.: ... als ich sie das erste Mal gesehen habe, war sie gerade mit der Highschool fertig und hat noch gar keine Ahnung vom Gitarrenspiel gehabt. Da hat sie erst mit der Musik angefangen und seitdem, das ist jetzt sieben Jahre her, hat sie sich unglaublich entwickelt. Sowohl was ihre Gitarrenspiel als auch was ihren Gesang angeht. Sie arbeitet unglaublich hart, will immer dazu lernen und wird so beständig besser. Es sind nicht viele so wie sie.

HoM: Ja, es finden sich auch wenige junge Künstler, die so eine Zigarrenbox-Gitarre spielen würden. Aber zurück zu dir: Du hast die ROYAL SOUTHERN BROTHERHOOD verlassen. Warum das? Du schienst mir ein wichtiger Bestandteil der Band zu sein.

M.Z.: Nun, es ist eine großartige Band und ich habe es sehr genossen, ein Teil davon zu sein und ich half ja auch die Band ins Leben zu rufen. Aber ich hatte ja damals schon meine Karriere am Laufen und die Idee war ja eigentlich, das so als Nebenprojekt zu machen. Spaß miteinander zu haben und nebenbei sein eigenes Ding durchzuziehen. Aber dann wurde das so erfolgreich, dass dreieinhalb Jahre überhaupt keine Zeit für irgendetwas anderes blieb. Und das war nicht die Vorstellung, unter der ich die Band mitgegründet habe. Letztlich lief es darauf hinaus, entweder du bist drin oder du bist draußen. Ich hab damals an ein paar Alben mit den Jungs gedacht und dann ist wieder gut und das sagte ich den anderen Jungs auch, aber es lief dann doch anders. Ich hab dann im Januar 2014 klar gemacht, dass ich die Band gegen Ende des Jahres verlassen würde. Sie wollten auch nicht weniger arbeiten und so gab es nur diese Möglichkeit. Für mich war es die richtige Zeit aufzuhören, zumal die Band gerade auf einem Hoch ist. So hatten sie dann auch genug Zeit einen Ersatz zu finden.

HoM: Kennst du deinen Nachfolger?

M.Z.: Bart Walker? Na klar! Ich half.., er ist ein guter Freund von mir und ich half ihm den Job zu kriegen. Ich denke er ist der perfekte Ersatz für mich.

HoM: Mir gefällt dein Live-Album sehr gut, tolles Gitarrenspiel, welches manchmal fast wie zwei Gitarren klingt. Wie kamst du denn zur Gitarre?

M.Z.: Oh, dankeschön. Weißt du, das erste Mal, dass ich auf Gitarren aufmerksam wurde, war als ich VAN HALEN sah. In den späten 70ern, als ich gerade acht Jahre alt war. Meine Eltern hörten eher so Big Band-Musik, aber eines Tages hörte ich bei einem Freund Eddie Van Halen und das was etwas, was du nicht auf einer Frank Sinatra-Scheibe hörtest (lacht). Also war ich fasziniert und wollte natürlich eine Gitarre und mein ersten Helden waren natürlich Hendrix, Clapton, Stevie Ray Vaughan, LED ZEPPELIN, Johnny Winter, und so weiter. Später, als ich so 20 war, wurde ich total von Countrymusik angezogen und die ganze Entwicklung davon. Dann kam Blues hinzu und versuchte alles Mögliche zu lernen. Jazzakkorde, Blues-Licks…

HoM: Du bist ja ziemlich viel auf Tour. Wo siehst du den Unterschied, zwischen den Auftritten in Amerika gegenüber denen in Europa?

M.Z.: Nun, in Amerika hab ich schon auch meine Fans. Die Sache ist die, wenn man in Bars spielt, muss man schon ganz schön arbeiten, um die Aufmerksamkeit der Leute zu gewinnen. Was mir in Deutschland auffällt, überhaupt in Europa, aber besonders in Deutschland, dass die Leute sich sehr gut im Blues auskennen und sehr genau aufpassen, was auf der Bühne passiert. Praktisch jede Note verfolgen. Während des Gigs machen sie selten etwas anderes, als das Geschehen auf der Bühne zu verfolgen. Hier ist es immer mehr wie Konzert, als wie ein Club- oder Bar-Gig. Aber das gibt es natürlich in Amerika auch. Obwohl es so aussieht, als ob es in Europa und England ein größeres Publikum für den Blues gibt. Ich weiß nicht. Vielleicht sind die Leute auch interessierter, weil die Künstler aus Amerika kommen. Keine Ahnung. Besonders hier in Deutschland scheinen sich die Leute sehr gut auszukennen. Sie kennen die Songs, wer sie geschrieben hat, usw.

HoM: Wie sieht’s denn bei dir aus? Wirst du bei Ruf Records bleiben?

M.Z.: Ja, klar. Ich hab noch eine weitere CD zu machen für Ruf Records, die wir 2015 aufnehmen werden. Ich weiß noch nicht genau wann. Ich hab so 15 bis 20 Songs in Arbeit und das Album wird wohl so im Herbst erscheinen.

HoM: Wirst du wieder selber produzieren?

M.Z.: Nein, diesmal nicht. Ich weiß noch nicht, wer es machen wird, aber ich hab schon ein paar im Kopf. Und diesmal werde ich mit meiner eigenen Band THE WHEEL aufnehmen, mit der ich auch gerade auf Tour bin. Wir sind ein gut eingespieltes Team und das dürfte ein gutes Album werden.

HoM: Fein. Nun, wir kommen zum Ende des Gesprächs. Abschließend eine Frage, die ich gerne stelle: Welchen Song oder welches Musikstück würdest du wählen um eines Tages bei deiner Beerdigung gespielt zu werden.

M.Z.: Oh, das ist eine interessante Frage. Hm, nicht einfach. Vielleicht würde ich If I Had A Boat von Lyle Lovett nehmen. Lyle ist einer meiner Lieblingssongwriter und ich mag diesen Song sehr.

HoM: Ja, das ist war und ich kenne den Song. Eine gute Wahl. Könnte ich mir für mich auch vorstellen. Dann vielen Dank für das Gespräch und alles Gute für die Show und die weitere Zukunft.

M.Z.: Danke, bis bald!

Epi Schmidt, (Artikelliste), 20.11.2014