5 Live

In The Kitchen

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 10.01.2009
Jahr: 2008

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Redakteur(e):

Frank Ipach


In The Kitchen, Eigenvertrieb, 2008
Moritz 'Mr.Mo' FuhropOrgan
Henrik FreischladerGuitar, Vocals
Tommy SchnellerSaxofon, Vocals
Mickey NeherDrums, Vocals
Olli GeeBass
Produziert von: 5 Live Länge: 64 Min 59 Sek Medium: CD
01. Little By Little06. Drown In My Own Tears
02. How Long07. Too Through With You
03. Days Alone08. Get Closer
04. Spooky09. Lonely Town
05. New Love

Wenn sich 5 Kumpels zusammentun, die ansonsten eher selten musikalisch miteinander kooperieren und sich dann aus einer Laune und der puren Lust daran, zu einer mehrtägigen Jam-Session auf einen Bauernhof am Ratzeburger See zurückziehen, kann durchaus etwas Großartiges dabei herauskommen. So geschehen beim Spaßprojekt 5 LIVE, der Band um Gitarrist Henrik Feischlader, Bassist Olli Gee, Organist Moritz Fuhrop, Saxofonist Tommy Schneller und Drummer Mickey Neher, die zudem das komplette Ereignis für die Nachwelt festhielten und es nun den geneigten Fans einerseits als simple CD, andererseits als Vinyl-Doppelalbum-Edelausführung mit beigelegter CD (wer hat schon 'nen Plattenspieler im Auto?) zum Kauf anbieten. Wichtig zu wissen, dass Songabfolge und Inhalt zwischen CD und Vinyl (hier gibt's zwei Songs mehr) differieren und das dieses limitierte Angebot ausschließlich auf Henrik Freischladers Website zu beziehen ist.

Die rein musikalische Seite dieses Projekts hat es tatsächlich in sich: Die Grundfarbe dieser "In The Kitchen"-Session (sie wurde an zwei Tagen in einer Wohnküche des o.a. Bauernhofes mitgeschnitten) ist natürlich blau, denn obwohl hier mit Schneller, Gee und Neher eher jazzorientierte Musiker agieren, bleibt der Blues logischerweise stets präsent und dominiert das Geschehen. Aus welchem Grund sollte man Jazz und Blues auch trennen? Das wäre schon frevelhaft. Dieses Album bläst jedenfalls mit jeder Menge Swing den Staub aus den Regalen und groovt sich mittels feindosierter Funk-und Souleinlagen scheinbar mühelos durch die urgemütliche Küche. "In The Kitchen" bleibt auf liebenswürdige Art 'old-school'.

Das Zusammentreffen unterschiedlicher Einflüsse, die Verquickung fünf grundverschiedener musikalischer Charaktere macht letztlich den Reiz dieser Scheibe aus. Alle fünf sind Meister ihres Fachs, wobei Freischlader (mit halbakustischer Epiphone) mit seiner zurückgenommenen, subtilen, manchmal sogar zärtlich verpielten Art den Fan möglicherweise überrascht, Tommy Schneller mit seinem charismatischen Saxofonton restlos überzeugt und Tastendrücker 'Mr.Mo' Fuhrop allein schon durch seinen höllisch geilen B-3 Sound jegliche Resentiments gegenüber Hammond Orgeln beiseite wischt. Schließlich reüssieren Freischlader, Schneller und Neher auch noch als (mehr oder weniger tolle) Sänger, um einer möglichen Eintönigkeit elegant zu entgehen, die aber aufgrund des geschickt ausgewählten Materials wohl kaum zu erwarten gewesen wäre. Neben Eigenkompositionen aus dem Hause Freischlader (ganz hervorragend das altbekannte Get closer) und Songs aus der Feder des Schlagzeugers Mickey Neher, treffen wir auf Coversongs von Junior Wells (das grandios nachempfundene Little by little), Dusty Springfileds Spooky, Ray Charles' tieftrauriges Drown in my own tears (Henrik ganz dicht auf Rays Spuren), auf einen Track des hierzulande eher unbekannten Engländers Steve Gannon (Too through with you) und ein cool groovendes Lonely town von Bill Withers (vom unvergessenen "Still Bill"-Album), auf dem Drummer Neher zeigt welches Potenzial in ihm steckt.
Der spannungsgeladene Hidden Track ganz am Ende zeigt die Band offenbar bei einer anderen Session (wahrscheinlich das im Dezember im Deutschlandfunk ausgestrahlte Konzert) und beschließt ein hervorragendes Album, das wohl jedem Blues-Fan ein gehöriges Maß an Anerkennung abringen sollte. Der Spaß der fünf Beteiligten ist in jeder Sekunde spürbar, die Magie dieser einmaligen Session kommt rüber und lässt hoffen, dass sich die fünf Jungs nicht zum letzten Mal getroffen haben.

Frank Ipach, 10.01.2009

 

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