Adaro

Reichenbach, Die Halle, 12.04.2003


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.04.2003

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Reichenbach, Die Halle, 12.04.2003

ADARO ist wirklich keine Band die sich permanent im Übungsraum oder Studio versteckt, sondern jede sich bietende Gelegenheit nutzt um sich live zu präsentieren. Trotzdem hat es einige Anläufe benötigt, bis es bei mir endlich mit dem Besuch eines ADARO-Konzertes klappte.

Christoph & Jürgen In der Halle fand sich wieder einmal ein für den Club typisches Publikum ein. Eine bunte Mischung aus Fans der jeweiligen auftretenden Band und Stammgästen, die Saison-Abonnements besitzen und sich queerbeet anschauen, was ihnen die Veranstalter präsentieren. Das macht Auftritte in der Halle auch für die Künstler immer wieder zu einer spannenden Herausforderung, gilt es doch auch ein Publikum für sich zu gewinnen, das vielleicht noch nie von einem gehört hat und eventuell musikalisch völlig anders geeicht ist.

Für ADARO stellt dies jedoch an diesem Abend überhaupt kein Problem dar. Unterstützt von der vielleicht aufwändigsten Lightshow, die ich bisher in der Halle erleben durfte, startet die Band schon mit den ersten Songs voll durch und reißt das Publikum einfach mit.

Adaro ADARO wirken sehr routiniert und eingespielt, aber keinesfalls steril. Christoph Pelgen und Konstanze Kulinsky teilen sich den Platz am Bühnenrand, während der Rest der Musiker gestaffelt die gesamte Tiefe der Bühne nutzt. Die beiden sind ohnehin die dominierenden Bühenpersönlichkeiten der Band, was keineswegs die Qualitäten ihrer Mitstreiter schmälern soll.

Christoph ist ein sympathischer Sänger mit angenehm-harmonischer Stimme unterhält das Publikum zusätzlich mit humorvollen Ansagen. Es wird viel gesprochen zwischen den Stücken, doch es sind zumeist interessante historische Informationen zu den einzelnen Songs. Das ist eine echte Bereicherung gegenüber dem puren Hörgenuss in den eigenen vier Wänden.

Konstanze Konstanze ist es, die den größten musikalischen Mittelalter-Anteil mit ihrer Drehleier in die Musik von ADARO einbringt. Doch noch faszinierender ist es, wenn sie ihre glockenhelle Stimme erhebt. So singen Engel und Stücke wie Ich zoch mir einen valken, Owe diu minne, Wigen wagen aber vor allem Winnenden jagen einem einen wohligen Schauer nach dem anderen über den Rücken.

Live wirken ADARO eine Spur härter, wovon vor allem die schnelleren Stücke wie Der Schall oder Mich wundert harte zusätzlich profitieren.

Das Publikum ist begeistert von ADAROs Mischung mittelalterlicher Musik mit Folk und traditionellem Rock. Dazu erleichtern die eingängigen Refrains den Zugang zu den Songs, so dass beim letzten Titel des ersten Sets Wan sie dahs fast alle in der Halle begeistert mitsingen und die Band danach sichtlich zufrieden sich eine kurze Pause gönnt.

Christoph Bestand der erste Set fast ausschließlich aus Material des noch aktuellen Albums "Minnenspiel", so können sich ADARO im zweiten Set verstärkt ihren früheren Veröffentlichungen zuwenden. Das bedeutet noch mehr traditionelle mittelalterliche Elemente, doch auch hier zieht das Publikum phantastisch mit. Reichenbach hat sich dafür entschieden mit ADARO abzufeiern und tut das nach allen Regeln der Kunst.

Jetzt überraschen ADARO zusätzlich mit unerwartet harten Gitarren, die man ihnen, wenn man nur mit dem Material von "Minnenspiel" vertraut ist, kaum zugetraut hätte. Walter von der Vogelweides Palästinalied hat nun ja fast wirklich jede mittelalterlich beeinflusste Band im Liverepertoire. Bei ADARO heißt die Nummer kurz und knapp Palästina und weder IN EXTREMO noch CORVUS CORAX sind auch nur ansatzweise in der Lage diesen Song dermaßen intensiv und unverbraucht darzubieten. ADAROs Version ist fast purer Metal, kompakt auf drei, vier Minuten komprimiert, brachial und brutal oder um es kurz zu machen, einfach geil.

Konstanze & Christoph Ob Sanctus dominus oder Virgen Santa Maria, ADARO rocken die Halle fast in Grund und Boden. Als schon fast keine Steigerung mehr möglich scheint, zaubern ADARO noch Der Todten Dantz hervor, ein fast zehnminütiges Instrumentalstück, bei dem sich Konstanze an der Drehleier als das blühende Leben und Christoph am Krummhorn in der Rolle des Todes entsprechend kostümiert einen musikalischen Schlagabtausch höchster Güteklasse liefern. Welch ein grandioses Finale!

Mit diesem großartigen Auftritt haben sich ADARO in meiner Gunst als Liveband ganz weit nach vorne katapultiert.

Martin Schneider, 26.05.2003

 

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