Adversus

Winter, so unsagbar Winter...


CD-Review

Reviewdatum: 24.09.2004
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Adversus
Winter, so unsagbar Winter, Sonorium, 2003
Susanne StitzStimme, Querflöte, Keyboard
RosendornStimme, Kompositionen, Worte, Grafik
Gäste
Sabeth KöhlerVioline
Thomas ZöllerGreat Highland bagpipe, Border pipe, Small pipe
Carsten HundtKontrabass
Thomas Steuerlaute und leise Gitarren
VolandGesang
Produziert von: Rosendorn & Thomas Steuer Länge: 77 Min 57 Sek Medium: CD
Erstes KapitelDrittes Kapitel
1. Auftakt11. In Teilen geträumt
2. Präludium adversi12. Berühr' mich nicht
3. Dämon, allzutief in dir13. Wie klingt dein Herz von innen?
4. Schwester der Wahrheit14. Seelenwinter
5. Des Regens Kälte15. Eiswand
Zweites KapitelViertes Kapitel
6. Zimmer im Kopf16. Katharsis
7. Mein Hass treibt Nadeln17. Unser beider Babylon
8. An dies' Kind18. Sturmschwingen
9. Klingentanz19. Schwarzer Vogel, flieg
10. Stirb in mir20. Ausklang

Anfang 2003 erschienen, ist "Winter, so unsagbar Winter" trotz wohlwollender Besprechungen in nahezu allen Szenepostillen dennoch etwas untergegangen und in Vergessenheit geraten.
Zu Unrecht, wie ich meine, ist das Debüt der Gothic-Formation ADVERSUS aus dem Großraum Offenbach/Frankfurt doch eine der faszinierendsten und facettenreichsten Genreveröffentlichungen der letzten Jahre.

"Winter, so unsagbar Winter" ist ein zwanzigteiliger vertonter Gedichtzyklus, ein in vier Kapitel unterteiltes Gesamtkunstwerk, das sich über fast achtzig Minuten erstreckt und inhaltlich trotz vielschichtiger individueller Interpretationsansätze sich schwerpunktmäßig mit den unterschiedlichen Bewusstseinszuständen einer im Eis der Emotionslosigkeit gefangenen Seele auseinandersetzt.

Mit der Ambition Musik, Text und Artwork gleichberechtigt auf hohem Niveau in Einklang bringen wecken ADVERSUS Erinnerungen an GOETHES ERBEN oder LACRIMOSA, gehen musikalisch jedoch noch einen gewaltigen Schritt weiter.

"Winter, so unsagbar Winter" macht vor keiner Stilgrenze halt, sondern schreitet im Namen uneingeschränkter Kreativität mutig darüber hinweg. Was oberflächlich wie ein episch-orchestrales Dark-Wave-Album mit leichten metallischen Versatzstücken erscheint, enthält eine Vielzahl folkloristischer und mittelalterlicher Stilelemente, greift gleichermaßen Electrobeats, wie sakral anmutende Keyboardteppiche oder neoklassische Strukturen auf.

So vielschichtig wie die Arrangements und die Instrumentierung ist auch der Gesang. Susanne Stitz beeindruckt mit einem sauberen, wohlklingenden Mezzosophran, ADVERSUS-Chefdenker und -lenker Rosendorn alias Torsten Schneyer übernimmt die männlichen Gesangsparts und beackert dabei ein weites Feld vom sonoren Rezitator a la Oswald Henke, über cleanen und elektronisch verfremdeten Gesang bis hin zu schwarzmetallischem Keifen a la Dani von CRADLE OF FILTH.

"Winter, so unsagbar Winter" ist ein Album, dass diese Bezeichnung noch zurecht verdient, entfaltet es doch in seiner Vollständigkeit eine einzigartige Stimmung und Atmosphäre, verfügt über eine durchdachte Struktur mit dramaturgischen Stimmungshöhen und -tiefen und schafft es den Hörer auch nach unzähligen Durchläufen noch zu fesseln.
Gleichzeitig jedoch beeinhaltet das Epos durchaus einzelne Fragmente, wie Präludium adversi, Klingentanz, Katharsis, Unser beider Babylon, Schwarzer Vogel flieg oder das romantische Berühr' mich nicht, die jederzeit für sich alleine stehen und überzeugen können.

Mit "Winter, so unsagbar Winter" haben ADVERSUS schon zu Beginn ihrer noch jungen Karriere einen Meilenstein schwarzer Kultur erschaffen. 'Wenn Engel verbrennen, dann weinen die Teufel, denn Schönheit berührt dich, was immer du seist' (aus: Des Regens Kälte)

Martin Schneider, 24.09.2004

 

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