Various Artists

Alice Cooper

Going To Hell - A Tribute To Alice Cooper


CD-Review

Reviewdatum: 13.05.2012
Jahr: 2012
Stil: Hard Rock, Classic Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Various Artists
Going To Hell - A Tribute To Alice Cooper, Cherry Red Records, 2012
Dave Mustaine, Roger Daltrey, Ronnie James Dio, Alexi Laiho, Matthew Barlow, Bruce Dickinson, Matthew Bizilia, Don Dokken, Vince Neil, Joe Elliot, Phil Lewis, Steve Jones, Glenn Hughes & Dee SniderGesang
Marty Friedman, Slash, Steve Lukather, Rope Latvala, Jon Schaffer, Jim Morris, Adrian Smith, Michael Romeo, Steve Pollick, Eric Klinger, John Norum, Mick Mars, Phil Collen, George Lynch, Billy Duffy, Steve Jones, Paul Gilbert, Zakk Wylde, Bob KulickGitarre
Bob Daisley, Mike Inez, Phil Soussan, Henkka Blacksmith, James McDonough, Tony Franklin, Sin, Tim Bogert, Chuck Wright, Mike Porcaro, Rudy SarzoBass
Paul Taylor, Janne Warman, Derek SherinianKeyboards
Eric Singer, Carmine Appice, Randy Castillo, Jaska Raatikainen, Richard Christy, Tommy Aldridge, JC Dwyer, Gregg Bissonette, Vinnie Colaiuta, Pat Torpey, Matt Sorum, Frankie BanaliSchlagzeug
Produziert von: Bob Kulick, Jim Morris, Anssi Kippo, Eric Klinger & Icarus Witch Länge: 62 Min 24 Sek Medium: CD
01. School's Out08. Eighteen
02. No More Mr. Nice Guy09. Cold Ethyl
03. Welcome To My Nightmare10. Under My Wheels
04. Bed Of Nails11. Billion Dollar Babies
05. Dead Babies12. Elected
06. Black Widow13. Only Women Bleed
07. Roses On White Lace14. Go To Hell

Tribut-Alben sind eine spezielle Sache, die Bands sollen den Künstler ehren, aber den eigenen Charakter bewahren. Die Stücke sollen erkennbar bleiben, aber auch etwas Eigenständiges besitzen. Diese Alben richten sich an eine spezielle Gruppe von Musik-Interessierten: entweder an die Fans des Musikers, dem Tribut gezollt wird oder aber an die Anhänger der Bands, die dort Tribut zollen.

Die erste Ernüchterung macht sich beim Überfliegen der beteiligten Bands und der gecoverten Stücke breit. Das vorliegende Werk “Going To Hell – A Tribute To Alice Cooper“ ist eine Wiederveröffentlichung von “Welcome To The Nightmare – An All Star Tribute To Alicer Cooper“ (nur mit anderer Song-Reihenfolge) und weist zudem erhebliche Übereinstimmungen mit einem weiteren Tribut-Album namens “Humanary Stew“ auf. Wer also eines der beiden Alben – und dabei insbesondere “Welcome To The Nightmare“ besitzt -, der muss sich diese Anschaffung redlich überlegen.

Es handelt sich überwiegend um einen weiteren Streich aus der musikalischen Tribut-Schule von Bob Kulick, der hier neben der Produzenten-Aufgabe auch einen Großteil der Rhythmus-Gitarren beisteuert. Zudem ist es ihm gelungen, eine Reihe der ganz Großen ins Studio zu locken, um den Godfather des Schock Rock Tribut zu zollen. Da wären unter anderem die Gitarristen Marty Friedman (MEGADETH), Steve Lukather (TOTO), Slash (Ex-GUNS’N’ROSES, VELVET REVOLVER), Adrian Smith (IRON MAIDEN), Zakk Wylde (Ozzy Osbourne, BLACK LABEL SOCIETY), George Lynch (Ex-DOKKEN, LYNCH MOB, LYNCH & PILSON), Paul Gilbert (MR.BIG, RACER X) und John Norum (EUROPE).

Auch bei den Sängern liest sich die Beteiligung wie ein Who-is-who der Spitzenklasse: Ronnie James Dio (Ex-RAINBOW, Ex-BLACK SABBATH, DIO & HEAVEN AND HELL), Bruce Dickinson (IRON MAIDEN), Glenn Hughes (Ex-DEEP PURPLE, BLACK COUNTRY COMMUNION), Dee Snider (TWISTED SISTER), Matthew Barlow (Ex-ICED EARTH, Ex-PYRAMAZE) und Don Dokken (DOKKEN) veredeln die Stücke mit ihren Organen.

Dabei verdienen insbesondere die Versionen von Welcome To My Nightmare und Black Widow ein großes Lob. Ronnie James Dio beziehungsweise Bruce Dickinson singen wie gewohnt göttlich und das verleiht den Stücken schon eine besondere Atmosphäre. Da schadet es natürlich auch nicht, wenn die Instrumente von solchen Können wie Steve Lukather, Phil Soussan, Randy Castillo (Welcome To My Nightmare) oder Adrian Smith, Tony Franklin, Tommy Aldridge (Black Widow) bedient werden. So sehen rundum gelungene Tribute aus. Knapp dahinter rangiert Billion Dollar Babies, dem Phil Lewis von den LA GUNS und Ex-DOKKEN-Gitarrist George Lynch eine Adrenalin-Spritze verpasst haben. Dass ALICE COOPER auch großartige Balladen geschrieben hat, beweisen auf diesem Album Glenn Hughes (Ex-TRAPEZE, Ex-DEEP PURPLE, BLACK COUNTRY COMMUNION) und Paul Gilbert (MR. BIG) mit einer feinfühligen Version von Only Women Bleed. Ein letztes Lob geht dann noch an den coolen Rausschmeißer Go To Hell. Man ist versucht zu sagen: Aber gerne doch, wenn da dann Dee Snider, Zakk Wylde, Rudy Sarzo und Frankie Banali für die Musik sorgen.

Aber man kann ja auch eine Cover-Version so anlegen, dass die covernde Band sofort klar erkennbar ist: hier zum Beispiel die Bed Of Roses-Version von CHILDREN OF BODOM. Abgefahren, wahnwitzig, auf höchstem Niveau und ganz klar Bodom-Hardcore-Style. Und auch ICED EARTH schaffen bei den Dead Babies den Spagat zwischen Hommage und Eigenständigkeit. Die Atmosphäre ist schon arg beklemmend und wird dem Song vollauf gerecht. Einzig die Produktion hätte hier etwas mehr Räumlichkeit gut vertragen können.

In die Kategorie „lässig“ schaffen es noch Dave Mustaine & Marty Friedman von MEGADETH, die School’s Out mit dem nötigen Drive und der angebrachten Portion Wut darbieten, sowie das MÖTLEY CRÜE-Doppel Vince Neil und Mick Mars, die sich an Cold Ethyl zu schaffen machen. Und auch das Cover von Under My Wheels mit den beiden DEF LEPPARDs Joe Elliot sowie Phil Collen kommt locker aus der Hüfte.

Etwas indifferent stehe ich Stücken wie Roses On White Lace von ICARUS WITCH gegenüber. Der Song gewinnt nur durch die Gast-Gitarre, die niemand Geringeres als Michael Romeo von SYMPHONY X beisteuert. Aber auch Eighteen mit Don Dokken kann nicht vollauf überzeugen und das liegt ganz klar an der unterdurchschnittlichen Leistung des Sängers, denn John Norum (Gitarre, EUROPE), Tim Bogert (Bass, VANILLA FUDGE) und Gregg Bissonette (Schlagzeug, unter anderem David Lee Roth Band) machen ihre Sache mehr als nur gut.

Irgendwie nicht ganz so großartig sind dagegen die Versionen von a) No More Mr. Nice Guy, denn den großartigen Roger Daltrey (THE WHO) hat man schon besser erlebt und seine Backing-Band rund um Gitarren-Legende Slash spielt das Lied wie eine gute Cover-Band, aber ohne besonderes Verve, sowie b) Elected mit Steve Jones, der einfach kein guter Lead-Sänger ist.

Zusammengefasst ist “Going To Hell – A Tribute To Alice Cooper“ ein würdiges Tribute-Album für den Großmeister des Schock-Rock. Natürlich ist es enttäuschend, dass die Songs schon auf anderen CDs und unter anderem Titel veröffentlicht wurden, aber die gebotene Musik sollte man schon im Schrank stehen haben. Es macht einfach hin und wieder großen Spaß, diese CD einzulegen und die altbekannten Songs in neuem Sound-Gewand zu erleben. Die Stücke sind überwiegend überzeugend intoniert und verfügen jeweils über ihren eigenen Reiz, entweder ist es der Gesang, das Gitarren-Solo oder die gesamte Instrumentalisierung. Ein rundum würdiges Werk, das sicher auch beim Meister selbst Gnade finden würde.

Marc Langels, 10.05.2012

 

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