Amplifier

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CD-Review

Reviewdatum: 20.10.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Jürgen Ruland


Amplifier
Amplifier, SPV/Steamhammer, 2005
Sel Balamir Vocals & Guitar
Neil Mahoney Bass
Matt Brobin Drums
Produziert von: Steve Lyon & Sel Balamir Länge: 81 Min 54 Sek Medium: Do-CD
1. Motorhead9. One Great Summer
2. Airborne10. UFOs
3. Panzer11. Boomtime
4. Old Movies12. Half Time
5. Post Acid Youth13. Throwaway
6. Neon14. Glory Electricity
7. On/Off15. Enhanced Track: The Consultancy (Video)
8. The Consultancy16. Enhanced Track: Neon

Ich neige nicht unbedingt zur Schwelgerei in Superlativen. Vielleicht tun das jüngere Menschen auch eher als einer um die Plus/Minus Vierzig. Fakt dürfte wohl sein, dass ein solcher Zeitgenosse aufgrund seines Lebensalters einfach mehr Erfahrungen gemacht hat, sofern er nicht Zeit seines bisherigen Daseins an Muttis Rockzipfel gehangen hat oder ausschließlich hinterm viel zitierten "warmen Ofen" saß. So manches gemachte Erlebnis kann regelrechte Anschübe verursachen, anderes Erlebte einen wiederum regelrecht auf den harten Boden der Tatsachen zurückholen, ernüchtern oder vollkommen deprimieren.
So ist das auch mit der Musik. Und da wir uns im Bereich der Rockmusik tummeln, macht man diese Feststellung selbstverständlich ebenfalls in dieser Sparte des großen Reiches der Klänge. So manches hat einen regelrecht vom Hocker gerissen, anderes kalt gelassen, so einiges (mit eventuell vielen Vorschußlorbeeren Bedachtes) vollkommen enttäuscht. Jede(r) wird zu diesem Thema mit einer ganz eigenen Geschichte aufwarten können.

Genug des Philosophierens übers zuweilen nüchterne Leben und hinein in die phantastische Welt der (zumeist) elektrisch verstärkten Rockmusik. Schlägt man das Wort "Amplifier" in "Langenscheidts Taschenwörterbuch - Englisch" auf, findet unsereiner die deutschen Begriffe "Radio: Verstärker". Möglicherweise verbindet die/der eine oder andere bald noch etwas ganz anderes damit, nämlich den Namen einer großartigen (Achtung: hier beginnen die Superlative!!) Band vom Eilande der Angelsachsen. Eigentlich die Wiege vieler großartiger Rockbands, stellte sich die Situation in den vergangenen Jahren (wie viele eigentlich? ..., dies leere Feld kann jeder für sich ausfüllen!) anders da.
Das UK kam diesbezüglich doch ziemlich herunter und lebte wie das ganze (ehemalige) britische Empire vornehmlich vom Glanz längst vergangener Tage. Das könnte sich jetzt wieder ein wenig ändern, denn mittlerweile hat man in Deutschland (apropos "verblichenem Glanz", wovon zehren wir eigentlich?) endlich auch ein Album veröffentlicht, welches in Great Britain bereits im Vorjahr das Licht der Welt erblickte. "Amplifier", das gleichnamige Debüt jener Band welche zu deutsch auf den Namen "Verstärker" hört.

Das englische Trio hat uns ein Album beschert, das ohne Übertreibung sicherlich eines der besten Debüt-Alben seit vielen Jahren darstellt. Die/der dem Hooked On Music geneigte Leser(in) fragt sich an dieser Stelle jetzt bestimmt: "Was will der Rezensent uns mit seinem Geschwafel sagen?" [Ja!? Was eigentlich? Red.]
Ähm... Leute, Ihr müsst das hören, echt!! Nun ja, zumindest wenn Ihr eine Ader für einige der Bands habt, die ich Euch nachfolgend nennen möchte. Schon klar, das verläuft jetzt wie immer im Schubladen-Denken... meint Ihr?! Soll es aber nicht, lediglich als Ansatzpunkt dient es, denn AMPLIFIER sind einzig artig genial!! (Naja, zumindest auf ihrem Debüt. Den Rest... Time will tell!). Wer etwas mit Acts namens PINK FLOYD, LED ZEPPELIN, BLACK SABBATH, MONSTER MAGNET oder THE TEA PARTY anzufangen weiß, liegt hier goldrichtig.

Geschwindigkeitsrekorde werden bei keinem der teils recht langen Tracks gebrochen. Man verliert phasenweise das Zeitgefühl und begibt sich so manches Mal auf eine Reise durch musikalische Phantasiewelten, um dann plötzlich wieder durch brachiale Riffs zurück in die Welt des Hardrocks geholt zu werden. Ihr glaubt es nicht? Bitte Airborne antesten!! Und nicht zusammenzucken, wenn es plötzlich heftig wird.
Wo Motorhead draufsteht, ist nicht immer MOTÖRHEAD drin. Der Opener mag titelmäßig an Lemmy & Co. erinnern, doch ein tonnenschweres Riff kommt mit Lava-ähnlichem Tempo aus den Boxen gekrochen und ab geht die Reise durch ein phänomenales Album. Verstärker aufdrehen, Fenster zumachen... und das Dach (und Ihr höchstwahrscheinlich auch) hebt ab! Und das ganz ohne bewusstseinserweiternde Substanzen, der Sound und die Songs von AMPLIFIER schicken Euch auf die Reise durch ein Rock-Universum, welches bisher zwar nicht unentdeckt, doch viel zu lange sträflich vernachlässigt blieb.
Nachdem Panzer besonders die MONSTER MAGNET-Fraktion erfreut haben dürfte, schaltet man härtegradmäßig ein wenig herunter und bekommt einen verträumteren Anstrich. Sel Balamirs Vocals, eher im melancholisch ruhigen Bereich anzusiedeln, ziehen einen während dieser Passagen ganz besonders in ihren Bann. Wer allerdings glaubt, man tauche jetzt in die nebelverhangenen Klänge irgendwelcher Alt-Hippies ab, kriegt über kurz oder lang eines mit der hardrockenden Kelle übergebraten. Der Kontrast zwischen Ruhe und Sturm durchzieht das Album wie ein roter Faden.
Eine Besprechung weiterer Tracks verbietet sich nahezu aufgrund der Erfahrungen, die jede(r) einzelne Hörer(in) machen dürfte.

Ist es nur eine Einbildung? Mir erscheint das Bonus-Material (Tracks Nr. 11-14) unter dem Strich noch einen Zacken härter. Vielleicht auch nur Geschmackssache. Ich sag Euch was: Testet es selber an! Und dann schreibt Euren Kommentar ins Forum! Die Meinung anderer wird immer gern gehört bzw. gelesen.

Jürgen Ruland, 20.10.2005

 

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