Anathema

Weather Systems


CD-Review

Reviewdatum: 13.05.2012
Jahr: 2012
Stil: Romantic, Progressive Rock

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Anathema
Weather Systems, K-Scope/Edel, 2012
Vincent CavanaghGesang, Gitarre, Keyboards
Lee Helen DouglasGesang
Daniel CavanaghGesang, Gitarre, Keyboards, Bass
Christer-Andrè CederbergBass
John DouglasSchlagzeug
Gäste:
Petter CarlsenGesang
Wetle HolteSchlagzeug
Produziert von: Christer-Andrè Cederberg Länge: 55 Min 45 Sek Medium: CD
01. Untouchable Part 106. The Storm Before The Calm
02. Untouchable Part 207. The Beginning And The End
03. The Gathering Of The Clouds08. The Lost Child
04. Lightning Song09. Internal Landscapes
05. Sunlight

Was für ein grandioses Album! Natürlich wird es wieder die Ewiggestrigen geben, die den Briten für ihre Entfremdung von den Ursprüngen die Pest an den Hals wünschen werden. Doch das Leben ist Wandel und Weiterentwicklung. Stillstand ist der Anfang vom Ende und der Tod jeglicher Kreativität und Kunst.

Blicken wir starke 20 Jahre zurück. In Großbritannien bäumt sich eine unheilvolle Woge düsterer Doom- und Death Metal Bands auf. Die heilige Dreifaltigkeit dieser Strömung schlägt höchst unterschiedliche Pfade ein. PARADISE LOST entdecken die SISTERS OF MERCY, Elektro und Gothic-Rock für sich. MY DYING BRIDE fahren einen spannenden, aber teilweise starken Qualitätsschwankungen unterworfenen Zickzackkurs zwischen tiefster Depression und räudigem Aufbegehren. ANATHEMA dagegen haben sich weiter als alle anderen von ihren Wurzeln entfernt. Über elegischen Gothic ist man 2012 bei einem ätherischen Sound zwischen Melancholie und Romantik gelandet.

Aus purer Verzweiflung packt man die Band inzwischen in die Schublade des Progressiven Rocks. Genauso gut könnte man von anspruchsvoller Pop-Musik sprechen.

"Weather Systems" erinnert an PINK FLOYD, PORCUPINE TREE, die MARILLION der Steve Hogarth-Ära, auch SIGUR ROS U2, ULTRAVOXX oder James Blunt mag man heraushören und am Ende ist es doch einfach nur ANATHEMA.

Musik, die bei aller Geschmeidig- und Eingängigkeit über Tiefgang verfügt und den Hörer berührt. Den in Melancholie erstarrten und in Einsamkeit Verlorenen gleichermaßen wie die frisch Verliebten, die vorsichtig ihre Fühler nacheinander ausstrecken, bevor sie in einem Strudel aus Leidenschaft versinken.

"Weather Systems" ist ein Manifest der universellen Dualität. Licht und Schatten, Leben und Tod, Liebe und Leid. Allgegenwärtig sind die unterschiedlichen Seiten der Medaille. Eine massentauglichere Reinkarnation der norwegischen ULVER? Das trifft es vielleicht am besten.

Wenn Lee Helen Douglas Leadsänger Vincent Cavanagh mit ihrer Engelsstimme wie bei Untouchable Part 2 oder The Gathering Of The Clouds unterstützt, dann schwingen sich ANATHEMA endgültig in überirdische Sphären auf. "Weather Systems" ist ein Meilenstein gefühlvoller Musik für emotional empfindsame Hörer und eins der herausragenden Alben des Jahres.

Martin Schneider, 13.05.2012

 

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