Andromeda

Manifest Tyranny


CD-Review

Reviewdatum: 26.11.2011
Jahr: 2011
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Andromeda
Manifest Tyranny, Inner Wound Recordings, 2011
David FrembergGesang
Johan ReinholdzGitarre
Linus AbrahamsonBass
Thomas LejonSchlagzeug
Martin HedinKeyboards
Produziert von: Andromeda Länge: 63 Min 55 Sek Medium: CD
01. Preemptive Strike06. Chosen by God
02. Lies R Us07. Asylum
03. Stay Unaware08. Play Dead
04. Survival Of The Richest09. Go Back To Sleep
05. False Flag10. Antidose

ANDROMEDA – kaum ein anderer Name wird derart strapaziert wie dieser. Es gibt, na klar, das berühmte Sternenbild, das nach Angaben amerikanischer Wissenschaftler bei einem Zusammenstoß mit unserer Milchstraße in rund zwei Milliarden Jahren unsere Erde an den Rand des Universums schleudern wird, dann eine Fernsehserie, ein Softwareunternehmen und mindestens zwei Bands desselben Namens. Hier interessiert uns die norwegische Band – die andere kommt aus Guatemala -, die sich schon seit einigen Jahren mit exzellentem Progressive Metal eine treue Fanbasis und einiges Ansehen in der Szene erworben hat. “Manifest Tyranny“ fügt dieser Erfolgsgeschichte ein weiteres hochwertiges Kapitel hinzu.

Dabei sind ANDROMEDA nicht dem Fehler vieler anderer Bands verfallen und orientieren sich zu sehr an einer bekannten Prog-Band, DREAM THEATER-Klone gibt es schon genug. ANDROMEDA sind da doch deutlich vom Power Metal etwa solcher Bands wie etwa BRAINSTORM beeinflusst. Als Beispiel dafür sei hier nur der Song Lies R Us angeführt, der so sicherlich auch auf einer der letzten BRAINSTORM-CDs hätte vorhanden sein können.

Jedoch sind die Kompositionen von ANDROMEDA selbstverständlich zumeist vertrackter und komplexer, sonst würde die Kategorisierung als Progressive Metal keinen Sinn machen. Und in dieser Hinsicht haben die Schweden schon seit ihrem Debüt-Album eine hochgradige Kunstfertigkeit erreicht. Die Stücke zeichnen sich gerne durch viele abwechselnde Parts aus, die aber so geschickt miteinander verwoben werden, dass die Übergänge wunderbar flüssig erscheinen. Darüber geraten die technischen Spielereien aber nicht in Vergessenheit.

Dies ist auch hier auf “Manifest Tyranny“ wieder der Fall. Dabei ist hier eine etwas erhöhte Aggressivität hinzugekommen, die Musik hat phasenweise schon was von Speed- oder Thrash-Metal, so zum Beispiel der Opener Preemptive Strike oder das Riffing in Stay Unaware. Dazwischen finden sich aber solche melodiösen Diamanten wie Lies R Us oder das melancholische Survival Of The Richest, das fast eine gewisse Endzeitstimmung transportiert. Dabei erinnern die Gitarren-Melodien zu Beginn etwas an IRON MAIDEN, bevor das Stück aber eine deutlich eigene Identität annimmt.

Aber was ANDROMEDA hier vielleicht besser gelingt als auf ihren bisherigen Alben ist es bestimmte Stimmungen aus den Texten auch in der Musik zu transportieren. Neben der Endzeit-Stimmung in Survival Of The Richest auch das Paranoide zum Beginn in False Flag, das sich im Laufe des Songs in Zweifel und Ablehnung steigert um dann in einem Zusammenschnitt aus der Dankesrede von US-Präsident Obama vor dem Nobelpreis-Komitee anlässlich der Verleihung des Friedensnobelpreises zu kulminieren. Dabei wird deutlich, dass auch dieser Präsident nicht bereit ist, auf das Mittel des Krieges zu verzichten. Aber am eindrucksvollsten gelingt dies ANDROMEDA bei Asylum, das sich darum dreht, wie aus Liebe Hass werden kann. Dabei sind die Passagen über die Liebe verspielt und harmonisch, während die Hass-Sequenzen ein wahres Metal-Riff-Feuerwerk sind und diese beiden Parts stehen im krassen Gegensatz und erzeigen so sowohl eine Dramatik als auch Spannung, die fasziniert.

“Manifest Tyranny“ ist tatsächlich ein Manifest geworden, aber keines der Tyrannei sondern eines der guten Musik. ANDROMEDA ist es gelungen an das hohe Niveau der vergangenen Alben anzuknüpfen und stellenweise es sogar noch einmal zu steigern. Diese Band macht musikalisch alles richtig und verdient einen wesentlich höheren Bekanntheitsgrad, sowohl in der Prog-Metal-Szene als auch in der Metal-Szene an sich.

Marc Langels, 25.11.2011

 

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