Andy Bown

Unfinished Business


CD-Review

Reviewdatum: 31.07.2019
Jahr: 2019
Stil: Rock
Spiellänge: 45:13
Produzent: Mike Paxman

Links:

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Andy Bown @ facebook


Plattenfirma: NoCut


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Status Quo

The Herd

Peter Frampton

Pink Floyd

Titel
01. Ruby And Roy
02. Rubber Gloves
03. A Matter Of Time
04. When The Lights Went On
05. Keeping The Wolf Away
06. Right As Ninepence
 
07. Got A Million
08. Tick My Box
09. Build To Last
10. A Good Innings
Bonus Track:
11. Dancing In The Rain
Musiker Instrument
Andy Bown Acoustic and Electric Guitars, Mandolin, Keyboards, Harmonica, Kitchen Sink, Vocals
Mick Rogers Electric Guitars, Guitar Solos
Henry Spinetti Drums
Trevor Bolder Electric Bass
Brad Lang Electric and Acoustic Bass
Juliet Roberts Backing Vocals
Sylvia Mason-James Backing Vocals

Andy, wer? Ja, nur Unkundige können diese Frage stellen, denn der Mann ist britisches Rock-Urgestein. Als Mitte der 60er Jahre in England die Bands wie Pilze aus dem Boden schossen, gründete auch Andrew Steven Bown seine erste Band. THE HERD hatten auch ein paar Hitsingles und konnten mit dem jungen Peter Frampton nicht zuletzt beim jungen Publikum punkten. Als Frampton von Steve Marriott für HUMBLE PIE abgeworben wurde, waren die Tage von THE HERD gezählt. Nicht jedoch die ihres Gründers, denn Andy Bown startete eine Solo-Karriere, aus der einige Alben hervorgingen.

Ab Mitte der 70er erlangte er seine bis heute gültige Bekanntheit, als QUO-Keyboarder. Wenn es auch noch bis in die 80er dauerte, bis er vollwertiges Mitglied wurde, prägte er durch seine Tastenarbeit die Musik der Band entscheidend. Das Intro zu Rockin‘ All Over The World gehört sicher zu den bekanntesten im Rock-Business und an Whatever You Want war er ebenfalls maßgeblich beteiligt.

Dass er bei QUO nicht restlos ausgelastet war/ist, zeigt seine Teilnahme an diversen PINK FLOYD-Aktivitäten sowie eben seine Solo-Scheiben. “Unfinished Business“ erschien eigentlich bereits 2011, aber vielleicht betrachtete Bown das Album als “unfinished“? Womöglich liegt‘s auch an der neuen Plattenfirma, aber auf jeden Fall erscheint das Album dieser Tage mit neuem Cover und einem zusätzlichen Song.

Ihm zur Hand gingen mit Mick Rogers (MANFRED MANN‘S EARTH BAND), Henri Spinetti (Eric Clapton und als Perkussionist so ziemlich bei jedem englischen Musiker…) und Trevor Bolder (URIAH HEEP) kaum weniger profilierte Kollegen, sodass man fast schon Angst hat “too many cooks...“. Aber lasst uns sehen. Respektive hören.

Mit Ruby And Roy geht es auf jeden Fall gleich ansprechend los. Kerniger, treibender Boogie von Rogers, schön angeraute des zum Zeitpunkt der Aufnahmen stramm auf die 70 zugehenden Bown und treibender Groove der Rhythmusabteilung. Dazu kurzes und feines Slide-/Wah-Wah-Solo von Rogers. Hat durchaus was Pub Rock der späten 70er Jahre, mit ein paar an George Harrison erinnernden Einflüssen.

Gummihandschuhe hat man bei Rubber Gloves sicher nicht angehabt, denn auch das rockt ziemlich prächtig. Bown ist nicht der Rock‘n‘Roll-Schreihaus und klingt – gerade jetzt im Alter – mehr Richtung Mark Knopfler, aber das äußerst angenehm und durchaus mit Charakter. Gute Nummer, die richtige Hitqualitäten hätte, schrieben wir andere Zeiten.

A Matter Of Time suggeriert im Titel schon gemäßigteres Fahrwasser. Das ist recht akustisch angelegt, mehr was für die ruhigen Stunden, aber auch das gut arrangiert und des genaueren Zuhörens absolut wert. Man kann wohl hier schon sagen, dass die “Köche“ gut abgeschmeckt haben. Ich denke, es ist zu einem großen Teil der Verdienst von Andy Bown, dass STATUS QUO einst Gerdundula wieder ins Programm nehmen konnten und mit seinem keltischen Grundtenor geht When The Lights Went On etwas in diese Richtung. Besonders Mick Rogers glänzt hier mit seinen Licks. Wie auch mit den Riffs in dem bluesigen Keeping The Wolf Away.

 Right As Ninepence erinnert an Art Folk-Rock, wie ihn JETHRO TULL in den 70er präsentierten. Zumindest zu großen Teilen. Mit Got A Million orientiert man sich dann wieder mehr Richtung Pub Rock und klingt auch ein bisschen wie THE WHO um die erste Zeit mit Kenny Jones.

Zurück zum boogie-orientierten Rock mit Tick My Box allerdings rhythmisch von der Akustischen bestimmt, über die Rogers seine elektrischen Riffs und Fills streut. Bown, mit Sprechgesang, wird effektiv von den Background-Damen unterstützt.

Build To Last hat was von Lou Reed und macht durchaus Spaß. Kann ich mir gut im Auto vorstellen. Wippt man ziemlich schnell mit, zu diesem Ohrwurm. Damals hat es ziemlich Sinn gemacht, mit dem leicht nachdenklichen A Good Innings das Album zu beschließen. Stilistisch irgendwo zwischen Carl Carlton und Ray Davies auch das ein Song, bei dem man gern zuhört.

Die Dreingabe Dancing In The Rain bleibt im entspannten Laid Back-Wohnzimmer-Stil. Cool, jazzy, was für die “wee hours“. Ich finde, das Album hat jedes Recht, jetzt noch einmal veröffentlicht zu werden und erhält hoffentlich die entsprechende Anerkennung. Bown und Kollegen haben es allemal verdient.

 

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