Andy Summers

Synaesthesia


CD-Review

Reviewdatum: 07.02.2014
Jahr: 2014
Stil: Jazz Rock

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Redakteur(e):

Marc Langels


Andy Summers
Synaesthesia, Esoteric Recordings, 2014
Andy SummersGitarre, Piano & Bass
Jerry WattsBass
Mitchel FormanKeyboards
Ginger BakerSchlagzeug
Gregg BissonetteSchlagzeug
Gastmusiker
Charlie BisharatVioline
Joel DerouinVioline
Steve RichardsCello
Larry CorbettCello
Produziert von: David Hentschel with Andy Summers Länge: 47 Min 19 Sek Medium: CD
01. Cubano Rebop06. Low Flying Doves
02. Chocolate Of Desperate07. Invisible Cities
03. Meshes Of The Afternoon08. Synaesthesia
04. Monk Hangs Ten09. I Remember
05. Umbrellas Over Java10. Triangles

Nach der Trennung von THE POLICE machte sich Band-Leader Sting auf zu popigen Gefilden. Sein ehemaliger Mitstreiter Stewart Copeland (Schlagzeug) machte insbesondere durch sein Mitwirken an zahlreichen Soundtracks – zum Beispiel zu “Wall Street“. “9 ½ Wochen“, “Highlander II“ – und die kurzlebige All-Star-Band OYSTERHEAD auf sich aufmerksam. Gitarrist Andy Summers hatte schon zu THE POLICE-Zeiten zwei Alben mit KING CRIMSON-Gitarrist Robert Fripp aufgenommen und wandte sich nun wieder seiner frühen Begeisterung für Jazz und teilweise auch New Age-Musik zu. Daneben wurde er als für seine Arbeiten als Fotograf bekannt.

Aber auf dem erstmals im Jahre 1995 veröffentlichten Album “Synaesthesia“ widmet er sich wieder der Musik. Und die klingt hier denn wie bei seinen anderen Solo-Projekten auch nicht nach THE POLICE, sondern nach einer wilden und stets abwechslungsreichen Mischung aus Rock, Jazz und Welt-Musik. Die sehr offene Ausrichtung der Musik schlägt sich auch in seiner Wahl der Musiker nieder, die er sich für dieses Album eingeladen hat. Da wäre zum einen der besonders in Jazz-Kreisen geschätzte Keyboarder Mitchel Forman, der insbesondere für interessante Sounds und Texturen mit seinen Tasten sorgt, sich aber nicht in den Vordergrund spielt, denn der gehört ja nun einmal der Gitarre von Summers.

Ebenfalls überwiegend im Genre Jazz beheimatet ist Bassist Jerry Watts, der unter anderem aber auch für Künstler wie Simon Phillips, Dave Stewart, Keith Emerson, Bill Cunliffe, Mylene Farmer oder Andy Timmons die tiefen Töne auf Platte oder Tournee eingebracht hat. Ein echter Coup gelang Summers aber auf der Position des Schlagzeugers. Denn kein Geringerer als die CREAM-Legende Ginger Baker nahm auf dem Hocker Platz und verpasst dem Album den nötigen Drive, Groove und Shuffle. Einzig bei Monk Hangs Ten und einigen Overdubs zu Cubano Rebop macht Baker dem nicht minder talentierten und überaus gefragten Session-Spezialisten Gregg Bissonette Platz.

Stellenweise, wie beim bereits erwähnten Opener Cubano Rebop, fühlt man sich als Hörer ob all der gewährten musikalischen Freiheiten an Frank Zappa und seine MOTHERS OF INVENTION erinnert. Hier trifft Rock auf Welt-Rhythmen und sphärische Klang-Collagen. Damit wäre auch die Marschrichtung für die verbleibende Spielzeit umrissen, denn Summers versteht sich nicht so sehr als Ego-getriebener Solo-Gitarrist, der beweisen will, welche tollen technischen Tricks er auf Lager hat. Vielmehr werden hier wunderbare Stimmungen und beeindruckende Klang-Landschaften kreiert, die vom Hörer für sich persönlich verarbeitet werden sollen.

Damit ist auch klar, dass “Synaesthesia“ keine leichte Kost ist und sich auch nicht wirklich an POLICE-Fans richtet, die konventionelle Song-Strukturen suchen. Denn diese Suche bliebe hier erfolglos. Vielmehr ist “Synaesthesia“ ein Werk für all die Musikliebhaber, die es gerne etwas experimenteller – und manches Mal auch ruhig etwas abgedrehter – mögen. Denn das bekommen sie hier über 47 Minuten lang geboten. Und auch knapp zwanzig Jahre nach dem ersten Erscheinen wirkt das Album kein bisschen antiquiert oder angestaubt. Es könnte in dieser Form genau so gut gestern aufgenommen worden sein.

Marc Langels, 01.02.2014

 

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