Angel Michaelsen

A Woman's Diary Chapter I


CD-Review

Reviewdatum: 04.08.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Angel
A Woman's Diary Chapter I, Black Lotus Records, 2005
Helena Iren MichaelsenVocals, Choir
Jan "Orkki" YrlundGuitar, Programming
John StamGuitar
Gary VerstrekenBass
Steve WolzDrums
Audrun GronnestadOrchestration
Produziert von: Oliver Philipps & Christian Moos Länge: 53 Min 14 Sek Medium: CD
1. Fallen angel7. Glow in the dark
2. A woman's diary8. Flames of desire
3. Little princess9. Darkness
4. Butterfly10. Little girl
5. Lead you through fire11. Love of my life
6. Mother12. Funeral

Nach dem herausragenden "Sakada"-Album von Ex-CRIMSON GLORY-Stimme MIDNIGHT, beschert uns das griechische Black Lotus-Label mit ANGELs "A woman's diary Chapter I" gleich den nächsten brandheißen Anwärter für die Top Ten der besten Veröffentlichungen des Jahres, der sogar noch einen Tick stärker ausfällt.

Natürlich haben wir es hier nicht mit den amerikanischen Glamrockern gleichen Namens zu tun, sondern im Prinzip mit IMPERIA, der multinationalen Band um die norwegische Ex-TRAIL OF TEARS-Sängerin Helena Iren Michaelsen.
ANGEL ist das Medium über das Helena Michaelsen all ihre anderen vielseitigen musikalischen Vorlieben ausdrückt, die nicht so recht in das metallische Grundkonzept IMPERIAs passen wollen.
Dabei gibt es für ANGEL nur ein Gesetz: Erlaubt ist was gefällt, und so entfaltet sich vor dem Hörer ein Album, das mit einer erstaunlich großen stilistischen Bandbreite aufwarten kann.

Stücke wie Lead you through fire oder Flames of desire bieten treibenden Gothic-Rock mit durchaus in die Beine gehenden Rhythmen, wie man ihn von den besten SISTERS OF MERCY-/SUNDOWN/INKUBUS SUKKUBUS-Momenten her kennt.
Little girl transportiert melancholische MILA MAR-Dramatik mit HAGALAZ RUNEDANCE-Neofolk-Anklängen. Der Opener Fallen angel oder Butterfly dagegen erinnern einen schmerzlich daran, welch große Lücke Kate Bush mit ihren theatralischen Rocksongs in der Szene hinterlassen hat und sollten auch eingefleischte Tori Amos-Anbeter überzeugen. Das einfühlsame Glow in the dark dagegen schlägt die Brücke zum Pop.
Beim epischen Love of my life oder dem Titelstück A woman's diary kommen dann wieder die Fans von NIGHTWISH oder WITHIN TEMPTATION voll auf ihre Kosten, bis es Darkness schließlich auf die Spitze treibt und durch die abgefahrenen experimentellen und unkonventionellen Gesangslinien gar Erinnerungen an CRIMSON GLORYs Lost reflection und Nina Hagens Naturträne weckt.

Gewaltige Orchesterarrangements stehen im krassen Gegensatz und doch im Einklang zu zerbrechlichen Balladen und dynamischen Rocksongs voller Emotionalität.
Was "A woman's diary Chapter I" trotz seiner bisweilen widersprüchlichen Vielseitigkeit zusammen hält und dem Album einen durchgängigen Charakter verleiht, ist neben der fast schon erschreckend hohen Qualität des Songwritings, Helena Michaelsens faszinierende und variable Stimme.
Das zudem ein Großteil der Stücke über nahezu unverschämte Eingängigkeit und Hitqualitäten verfügt ohne sie ihres Tiefgangs zu berauben, setzt dem Ganzen die Krone auf.

Es gibt nur wenige Dinge im Leben, die wirklich unverzeihlich sind. Eins davon ist dieses grandiose Album zu verschmähen und angesichts seiner Klasse nicht ehrfurchtsvoll auf die Knie zu sinken.

Martin Schneider, 04.08.2005

 

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