Angus Khan

Black Leather Soul


CD-Review

Reviewdatum: 11.11.2009
Jahr: 2009
Stil: Kick Ass Rock

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Angus Khan
Black Leather Soul, Nickel And Dime Records, 2009
Derek "Dirty D" ChristensenVocals, Harmonica
Frank "Sgt. Rock" MeyerGuitars, Backing Vocals, Synthesizer
"Screaming Lord" Bruce DuffGuitars, Backing Vocals, Organ
Dino EverettBass, Backing Vocals
Andy BakerDrums Percussion
Produziert von: Messiaz Länge: 46 Min 56 Sek Medium: CD
01. Midnight Moses07. On The Run
02. Call Me Motherfucker08. Hot Pants
03. Big Balls09. Black Leather Soul
04. Mr. Living Dead10. Bop City
05. Scene Bitch11. Chainsaw Betty
06. Silver And Green12. Exile On Mean Street

Wie der Bandname schon vermuten lässt, befassen sich ANGUS KHAN (eine Namensschöpfung aus ANGUS Young – Genghis KHAN) mit einem eher simplen Hauruck Rock in klassischer Kick Ass Manier. Das ist an sich nichts Verwerfliches und ich leugne nicht, dass solche Musik, wenn handwerklich gut gemacht, solide komponiert und mit ordentlichem Songwriting versehen, durchaus Laune macht. Leider legen ANGUS KHAN mit "Black Leather Soul" eine ziemliche Schlitterpartie hin und rutschen, planlos zwischen ein paar wirklich guten Nummern und übelster Proll-Mucke, dahin wie der Esel auf dem Eis.

Nach dem gelungenen Nackenbrecher-Intro Midnight Moses, einem ollen Alex Harvey Song, folgt mit Call Me Motherfucker gleich mal eine absolute Nullnummer. Ich hab' keine Ahnung, wen die Band mit solch hirnrissigen Stoff ansprechen will; selbst Freunde von der etwas raueren Biker-Abteilung haben für solche Mucke nur einen kurzen Spruutz durch die Schneidezähne übrig. Zwar bügeln ANGUS KHAN diesen Tiefpunkt mit Big Balls wieder halbwegs glatt, doch bleibt auch hier ein etwas bitterer Nachgeschmack. Denn wer darauf hofft, dass sie mit ihren Dicken Eiern auch nur im entferntesten an die (wohl) angepeilten AC/DC heran reichen, sieht sich getäuscht. Der Song bollert und kracht ordentlich nach vorne, macht sogar, möglichst laut wieder gegeben, ein Stück weit Laune; bleibt letztlich aber doch meterweit hinter dem frühen AC/DC Output zurück

Doch das Rauf und Runter geht munter weiter: Laut und direktemang ans Schienbein tretend raunzt und knurrt Frontmann Derek "Dirty D" Christensen ein finsteres Mr. Living Dead durch die Boxen. Das Leit-Riff, die Hook, Licks und Fills, alles schon 14000 mal gehört. Sorry Jungens, selbst wenn ihr euch fünf Kränze Lyoner ums Bein wickelt, holt ihr damit keinen Hund mehr vor die Tür!
Wesentlich erleuchtender rifft sich Scene Bitch dahin. Ein Song, dem man sogar ein gerüttelt Maß an Struktur nachsagen kann und der laut nach einem eiskaltem Bier schreit. Mit Midnight Moses ist das die bisher beste Nummer dieser Scheibe. ANGUS KHAN bleiben sogar auf dem Kamm der Welle, die sie mit Scene Bitch geschlagen haben, denn Silver And Green muss man sogar richtig gutes Songwriting konstatieren; die können ja tatsächlich was...!

Das startende Bike mit dem die Band das simple On The Run einleitet, fehlte mir bislang und ehrlich gesagt überhaupt nicht. Aber offensichtlich ist das ein Klischee, das, wie die noch simpleren "Hoi-hoi Chöre", aus solcher Kick-Ass Mucke nicht wegzudenken ist. Gleichsam einfältig: Hot Pants! Und auch der Titeltrack Black Leather Soul reißt nichts heraus; dümpelt rau und finster, vor allem aber seelenlos vor sich hin und dauert zum Entsetzen des Schreibers auch noch doppelt so lange wie die beiden Song-Blasen davor...

Mit guter Laune, einem einfachen, aber einprägsamen Refrain und munter machenden Harp-Spiel kehren ANGUS KHAN dann nochmal ihre positive Seite nach außen. Sicher, vom Hocker reißt dieser Song auch niemanden, aber immerhin taugt er wunderbar als Soundträckchen für ein herzhaftes Biker BBQ!
Kaum gelobt, geht es aber auch schon wieder bergab. Chainsaw Betty... au-haua-haua-ha, was soll ich dazu noch schreiben... ach ja, ich könnte die Lyoner durch Schnitzel ersetzen...
Das Ende der CD naht mit Exile On Mean Street. Wer insgeheim dachte, dass sich dieses Wortspiel ein wenig, wenigstens einen Hauch, quasi so ein klitzekleines bissl an "Exile On Main Street" orientiert, sprich ein Blues- oder Boogie-Pfund in die Waagschale wirft, sieht sich kurz darauf in einer schier endlosen, nächtlichen Öde, mit zwei Pfund Rindfleisch am Bein im Regen stehen... kein Hund weit und breit...!

Fazit? Fazit gibt es keins. In die Sparte "Biker Rock" mag ich ANGUS KHAN gar nicht erst stellen, denn von AC/DC, ZZ Top, LITTLE CÄSAR oder den THUNDERHAWKS sind sie Meilen entfernt. Und von den Bands, die ANGUS KHAN auf ihrer Promo-Biographie avisieren, fang' ich gar nicht erst an.
Wer auf Kick Ass, Schweine Rock und Hauruck Mucke steht, mag "Black Leather Soul" durchaus ein paar positivere Seiten abgewinnen. Allerdings wage ich auch hier zu prophezeien, dass diese Scheibe, spätestens nach dem achten Hördurchgang, immer tiefer ins CD-Regal rutschen wird...
Um weiter vorne zu bleiben fehlt ihr schlicht und einfach das Potential.

Christian "Grisu" Gerecht, 10.11.2009

 

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