Annihilator

Double Live Annihilation


CD-Review

Reviewdatum: 02.11.2013
Jahr: 2013
Stil: Thrash Metal

Links:


Redakteur(e):

Marc Langels


Annihilator
Double Live Annihilation, UDR, 2013
Jeff WatersGitarre
Joe ComeauGesang
Curran MurphyGitarre
Russ BergquistBass
Randy BlackSchlagzeug
Produziert von: Jeff Waters Länge: 92 Min 30 Sek Medium: CD
CD 1:
01. Murder05. The Blackest Day
02. Ultra-Motion06. King Of The Kill
03. The Box07. Torn
04. Denied08. Lunatic Asylum
CD 2:
01. Set The World On Fire07. Bliss
02. I Am In Command08. Phantasmagoria
03. Refresh The Demon09. Crystall Ann
04. Syn. Kill 110. Alison Hell
05. Never, Neverland11. Shallow Grave
06. Striker

Die Geschichte der kanadischen Thrash Metal-Institution ANNIHILATOR ist nach fast 30 Jahren vor allen Dingen durch eines gekennzeichnet: Durchhaltewillen. Eigentlich hätte schon ihr Debüt “Alice In Hell“ mit Killer-Tracks wie Alison Hell, W.T.Y.D. und Burns Like A Buzzsaw Blade den großen internationalen Durchbruch für die Band von Gitarrist Jeff Waters bedeuten müssen. So kompositorisch zwingend und gleichzeitig technisch auf allerhöchstem Niveau starteten nicht viele Thrash Bands. Auch das anschließende “Never, Neverland“ musste sich in seinem Entstehungsjahr vor keiner anderen Veröffentlichung verstecken – und doch die Fans blieben zurückhaltend.

Anschließend standen sich ANNIHILATOR auf Grund verschiedener Streitigkeiten – sowohl innerhalb der Band als auch mit Label und Management – auch ein kleines bisschen selber im Wege. Der Posten am Mikrofon wurde zu einem Karussell, dessen Geschwindigkeit teilweise furcht einflößende Züge annahm. Teilweise übernahm sogar Waters selber die Aufgabe zusätzlich zu seinem exzellenten und extrem anspruchsvollen Spielstil. Aber Ruhe sollte erst einkehren, als der junge Dave Padden als Sänger und auch als Zweit-Gitarrist zu ANNIHILATOR stieß. Dort übernahm er den Posten von Joe Comeau (LIEGE LORD, zeitweise als Gitarrist bei OVERKILL aktiv), der sich mit der Live-CD “Double Live Annihilation“ absolut würdig verabschiedete.

Die Doppel-CD zeigt das Schaffen von ANNIHILATOR in allen Facetten – und davon gibt es zahlreiche. Von den gnadenlosen Abrissbirnen über die fetten Midtempo-Nummern bis hin zu den vom Tempo her gemäßigten Groovern ist hier alles vertreten. Die Band spielt nahezu so tight wie im Studio und der bei zahlreichen Fans auch gerne mal als „Brüllwürfel“ verschriene Comeau macht seine Sache auf diesen Aufnahmen wirklich sehr gut. Dabei klingt er live fast schon facettenreicher und wesentlich variabler als im Studio. Dies ist gerade beim äußerst abwechslungsreichen Material der Band von Nöten. Denn Waters kitzelt aus seinen Sängern gerne schon mal „Alles“ heraus.

Allerdings ist der Sound der Aufnahme so ausgewogen und perfekt, dass man sich kaum des Eindrucks erwehren kann, dass da im Studio „nachgeholfen“ wurde. Selbst die schwierigsten Momente, des ja ohnehin nicht gerade monotonen Songmaterials werden hier mit einer beängstigenden Perfektion dargeboten. Kein offenkundiger Spielfehler will auch beim wiederholten Durchhören auffallen und man muss Waters und seinem Zweit-Gitarristen Curran Murphy eine nahezu perfekte spielerische Harmonie selbst in den anspruchsvollsten Unisono-Passagen bescheinigen. Das lässt die Augenbraue des Rezensenten auf einer Seite dann schon einmal etwas in die Höhe zucken und ein vulkanisches „faszinierend“ raunen.

Aber wenn man mal über diese kleine „Ungereimtheit“ hinwegsieht bekommt man hier eine exzellente Live-CD ohne Schwächen geboten. Musik, Musiker, Klang, Song-Auswahl verdienen allesamt die absolute Höchstnote. Der Schwerpunkt der Setlist lag auf dem damals aktuellen Werk “Waking The Fury“, was nicht wirklich verwundern kann, denn schließlich wird das Album ja auf einer Tournee auch beworben. Und das taten ANNIHILATOR hier auch weidlich. Gleich sechs Stücke sind auf “Double Live Annihilation“ vertreten und schlagen sich überraschend gut. Zumal der Sound hier fast noch druckvoller erscheint als im Studio – insbesondere bei den Gitarren.

Damit zieht “Double Live Annihilation“ eine nahezu perfekte Bilanz der ersten knapp 15 Jahre der Band-Geschichte und zeigt dabei noch einmal auf, welch ein Arsenal an potenziellen Thrash Metal-Hits Waters in dieser Zeit geschrieben hat. King Of The Kill, Set The World On Fire, I Am In Command, Refresh The Demon, Never, Neverland, Phantasmagoria, Alison Hell und dem AC/DC-Gedächtnis-Kracher Shallow Grave sind dabei nur die offensichtlichen Hits. Dabei sind die Live-Versionen von Murder, The Box, The Darkest Day oder Syn. Kill 1 nicht minder beeindruckend und begeisternd.

Marc Langels, 30.10.2013

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music