Antonio Farao

Far Out


CD-Review

Reviewdatum: 31.01.2003
Jahr: 2003

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Redakteur(e):

Joachim Domrath


Antonio Farao
Far Out, C.A.M. Jazz/Sony, 2003
Antonio Faraò Piano
Bob Berg Tenor Saxophone
Martin Gjakonovski Bass
Dejan Terzic Drums
Aufgenommen in den Bauer Studios, Ludwigshafen Länge: 59 Min 46 Sek Medium: CD
1. Seven Steps To Heaven (5:02)7. Fields (5:23)
2. Andalusia (9:24)8. Simple (5:03)
3. More (3:12)9. For My Friend (4:53)
4. Cat Steps (3:32)10. One Way (7:26)
5. Walking With My Soul (5:55)11. Fields (4:13)
6. Far Out (5:24)

Antonio Faraò ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr in der heutigen Jazz Szene. Herbie Hancock zählt sich zu seinen größten Fans.

"Far Out" ist sein aktuelles Album. Und der Opener Seven Steps To Heaven ist seine eigene Interpretation des Hard Bop-Klassikers von Miles Davis. Die Trompete wurde gegen das Saxophon von Bob Berg getauscht. Ansonsten kommt der Song stimmungsmäßig ähnlich faszinierend aus den Boxen wie das Original.
Und kein Geringerer als Faraò Fan Herbie Hancock hat damals vor 40 Jahren in die Tasten gehauen.
Antonios Pianospiel klingt fett und sehr variantenreich. Erinnerungen an Bobby Timmons werden wachgerufen. Neben aller Lust am Improvisieren behält Antonio immer die melodische Grundtendenz im Ohr.

Andalusia mit seinen fast zehn Minuten schreitet ebenfalls auf den Pfaden des Hard Bop und die vier Musiker liefern sich einen faszinierenden Schlagabtausch. Bob Bergs Saxophon klingt dynamisch und sehr facettenreich. Eine gelungene Symbiose aus Wayne Shorter und dem leider kürzlich verstorbenen Harold Land.
Bassist Martin Gjakonovski (Hermosa) und Drummer Dejan Terzic (u.a Ugetsu) spielen ihren Part ebenfalls auf hohem instrumentalem Niveau.

Highlights aus Cat Steps sind wieder die begeisternden Soli von Antonio und Bob. Ein melodischer Leckerbissen, der auch Nicht-Jazz-Fans gefallen dürfte.
Und gekonnt spinnen die vier ihren äußerst melodischen und rhythmisch delikaten Bogen auf dem tollen Far Out weiter. Drummer Dejan Terzic hat keine Mühen dem schnellen Tempo von Bob und Antonio zu folgen. Ein erstklassiger Schlagzeuger, der äußerst effektiv aber nie vordergründig spielt.
Far Out hat jetzt schon das Zeug zum Jazz-Klassiker, ähnlich wie damals zB. Watermelon Man.

Das folgende, wunderschön entspannte, Fields zeigt einen Antonio Faraò, der auch das defensive Pianospiel locker beherrscht.
Die reine Piano Version am Schluß der CD ist sogar noch eine delikate Steigerung.

Wer immer schon wissen wollte, wie man auch bei extremen Tempo nie die Melodie aus den Augen verliert, sollte sich One Way anhören. Ein feines Meisterstück von wuchtiger rhythmischer Explosivität.
Neben dem schon erwähnten Far Out ein weiterer Knüller auf diesem Album.

"Far Out" ist ein hochmelodisches Jazz-Album, vollgepackt mit intensiven instrumentalen Leistungen und musikalischen Emotionen. Die vier Musiker spielen wie aus einem Guß.
Dass der Sound der CD großartig ist, versteht sich von selbst. Selbst die sensibelsten Klangfreaks dürften begeistert sein.

Eine traurige Nachricht am Rande: Bob Berg verunglückte im Dezember 2002 tödlich. Insofern ist "Far Out" auch sein Vermächtnis.

Joachim Domrath , 31.01.2003

 

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