Arcane

Known/Learned


CD-Review

Reviewdatum: 19.02.2015
Jahr: 2015
Stil: Progressive Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Arcane
Known/Learned, Sensory Records, 2015
Jim GreyGesang
Michael GagenGitarre & Mandoline
Matthew MartinKeyboards, Piano, Orgel & Mellotron
Blake CoulsonSchlagzeug
Brendan BrownBass (auf "Known")
Mick MillardBass (auf "Learned")
Produziert von: Sam Vallen & Michael Gagen Länge: 121 Min 58 Sek Medium: CD
CD 1: KnownCD 2: Learned
01. Promise (Part 2)01. Hunter, Heart & Home
02. Unturning02. Little Burden
03. Instinct03. Impatience And Slow Poison
04. Womb (In Memoriam)04. Known
05. Selfsame05. Nightingale's Weave
06. Holding Atropos06. Eyes For The Change
07. Keeping Stone: Sound On Fire07. Keeping Stone: Water Awake
08. Learned09. Promise (Part 1)

Die Band ARCANE wurde vor gerade einmal neun Jahren in Brisbane, Australien, gegründet. Ihre musikalischen Wurzeln liegen vor allen Dingen im Bereich des Progressive Metal, auch wenn sie schon die Bühnen mit härteren Acts wie etwa SOILWORK. Aber das, was das Quintett hier bietet, das richtet sich ganz eindeutig an Freunde von musikalischer Kost à la A PERFECT CIRCLE, TOOL oder dank der Keyboard-Sounds auch HAKEN. In den neun Jahren ihrer Existenz bringen es ARCANE auf nun schon vier Alben, wobei die Band das nötige Geld für die Produktionskosten binnen lediglich drei Tagen per Crowdfunding zusammenbekam. Und das Vertrauen hat sich gelohnt.

ARCANE zeigen sich hier von ihrer verspielten und äußerst komplexen Seite, die sich dann auch direkt in den beiden Openern Promise (Part 2) und Unturning niederschlägt, die beide mit knapp achteinhalb Minuten definitiv kein Radio-Format besitzen, dort ob ihrer Vielschichtigkeit und der metallischen Eruptionen aber ohnehin wohl kaum eine Chance bekommen hätten. Aber diese Stücke geben schon die Richtung dafür vor, was anschließend verteilt auf die beiden CDs "Known" und "Learned" auf den Hörer zukommt. Das ist Progressive Metal der eindringlichen und zumeist etwas düstereren Art, der schon mal die Konzentrationsspanne von einer knappen Stunde fordert, dafür aber auch mit zahlreichen musikalischen Höhepunkten belohnt.

Dabei spielen ARCANE auf der kompletten Klaviatur ihrer beeindruckend breit aufgestellten musikalischen Fähigkeiten. Instinct kommt mit zarten Klaviermelodien und fragilem Gesang daher, bis es sich im letzten Drittel metallisch auf- und entlädt. Und auf ähnliche Art und Weise gehen die Australier auch auf den folgenden Songperlen wie etwa Selfsame vor. Sie sind immer für eine oder mehrere musikalische Wendungen zu haben, das kann dann in letzterem Song schon einmal bis hin zu den früher eingesetzten Death Metal-Elementen führen, bevor diese einem epischen Part mit ebensolchem Gesang von Jim Grey Platz machen, der durch die Düsternis bricht wie die Sonne durch dunkle Wolken. Den glorreichen Höhepunkt erhält die erste CD aber durch das abschließende Learned, ein Magnum Opus wie es A Change Of Seasons für DREAM THEATER war.

Der zweite Teil des Doppel-Albums “Learned“ zeigt die Band dann von einer weniger experimentellen und progressiven Seite. Insofern erinnert das Duo ein wenig an die OPETH-Werke “Deliverance“ und “Damnation“, die kurz nacheinander veröffentlicht wurden und zum ersten Mal die beiden musikalischen Seiten der schwedischen Progressive/Death-Metal-Band in all ihrer Deutlichkeit zeigte. Hier ist es eine eher reduzierte Herangehensweise. Wenn man so will kann man hier auch die etwas alternativeren Einflüsse der Band entdecken, denn zum Beispiel die etwas ruhigeren Passagen von etwa Little Burden klingen stellenweise frappierend etwa nach PEARL JAM. Die große Kunst von ARCANE ist es dabei aber, einen fließenden Übergang zu den eher TOOL-inspirierten Momenten hinzubekommen. Aber auch hier findet man natürlich wieder musikalische Schönheit in ihrer reinsten Form mit wundervollen Melodien in jedem Stück, eindringlichem Gesang und eindringlicher Musik.

Auch wenn es sich bei “Known/Learned” nicht um ein traditionelles Konzept-Album mit einer stringenten Geschichte handelt, so bestehen doch inhaltliche Zusammenhänge zwischen einzelnen Songs und dabei auch zwischen den beiden Alben. Insofern kann man die beiden Werke sowohl separat aber auch als Einheit genießen und sich für fast 122 Minuten in ein musikalisches Wunderland entführen lassen, in dem es an jeder Ecke neue, spannende Entdeckungen gibt und auch wundervoll-erhebende, emotional-berührende Momente. Diese lassen den Hörer so schnell nicht wieder los und verführen dazu, dieses im besten Sinne des Wortes progressive Meisterwerk immer wieder zu erkunden und zu genießen. ARCANE haben sich von einer weitgehend unbekannten (oder lediglich lokal bekannten) Band ins Rampenlicht der Progressive Metal-Szene gespielt und brauchen wahrlich keine Konkurrenz oder Vergleiche zu scheuen.

Marc Langels, 18.02.2015

 

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