Nijmegen, Goffertpark, 15.06.2008

Der Wetterbericht verhieß nichts Gutes, aber Arrows im Regen ist auch nix Neues. Mit Regenjacke und wasserfestem Schuhwerk machen wir uns auf den Weg nach Nijmegen, zum Goffertpark, wo das Arrows dieses Jahr hingezogen ist. Den Goffertpark kennen wir schon vom “Fields Of Rock“. Lange Wege stehen bevor. Und richtig, bis wir mal einen Parkplatz finden (geparkt wird auf offenen Parkplätzen in dem nahe gelegenen Industriegebiet) drehen wir erstmal unsere Runden… Ironischerweise parken wir dann auf dem gleichen Parkplatz wie schon vor ein paar Jahren beim “Fields“. Dann der Fußmarsch zum Gelände…wenigstens die Einlassformalitäten gehen zügig voran, auch brauchen wir uns nicht an der immensen Menge die noch vor den Toren steht, anstellen und bekommen Einlass durch den Pressezugang.

REO Speedwagon

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REO SPEEDWAGON im Hooked on Music

verpassen wir leider und hören noch die letzten Töne von

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GOTTHARD im Hooked on Music

und sind zum Beginn von

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JOURNEY im Hooked on Music

auf dem Gelände. Für mich die erste Überraschung des Tages, ich mochte die 80er Jahre Alben der Band, und bin erstaunt wie gut Sänger Arnel Pineda klingt. Er singt wie und schaut auf die Entfernung aus wie Steve Perry (muss es dann nicht Steve Perry sein?) Ich verstehe die Aufregung der Fans nicht, dass sie den sympathischen Sänger nicht akzeptieren mögen. Wheel In The Sky, Seperate Ways, Don’t Stop Believing, wie bei den Bands die noch folgen werden, auch hier der Griff in die Hitkiste. Der Sound ist extrem fett, wenn auch zu leise, ein Problem was sich durch den ganzen Tag ziehen sollte.

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KANSAS im Hooked on Music

höre ich aus der Ferne. Ich muss erstmal Munten besorgen, das Zahlungsmittel auf dem Gelände, ohne bekommt man kein Bier, kein Essen, nix. Ein kleines Bier oder eine Cola kosten € 2.30 (1 Munte) ein großes Grolsch €3.45 (1.5 Munten), Pommes/Majo 1 Munte, aber es gibt eigentlich alles was man so mag. Pizza, Hähnchen, Pfannkuchen, Sandwiches… nur genug Munten braucht man… aber, wir sind hier nicht beim Gourmetkritiker, also zurück zur Musik… KANSAS sind gut, auch hier mag ich die 80er Jahre Alben sehr. Endlich stehe ich in der Nähe der kleinen Bühne und höre mit Bedacht Carry On Wayward Son, als der Song von undifferenzierten lauten Tönen der Hauptbühne übertönt wird. Sind DEF LEPPARD schon onstage? Naja, hier hört man eh nichts mehr, also rüber und was ist? AC/DCs For Those About To Rock schallt aus den Boxen. Frechheit eigentlich, KANSAS so zu übertönen.

Logo Def Leppard

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DEF LEPPARD im Hooked on Music

selbst haben sich heute nicht wirklich übernommen und gehen auf Nummer sicher. Alle Hits werden geplästert: Rock on, Rock Of Ages, Pour Some Sugar On Me, Photograph. Die Fans freuen sich, wenn ich selbst von der Performance auch nicht wirklich überzeugt bin. Ich war aber nie der große DEF LEPPARD Fan und bin da nicht das Maß der Dinge. Phil Collen ist vom schmächtigen Kerlchen zum Bodybuilder (an-)gewachsen, der trotz des kühlen Wetters seinen nackten Oberkörper zeigt. Joe Elliot singt sicher so gut er kann, Vivian Campell und Rick Savage setzen musikalische Akzente, aber es haut mich nicht wirklich um. Lieber rüber zu

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TWISTED SISTER im Hooked on Music

"We nearly played naked“ meint Dee Snider zum erstaunten Publikum, als TWISTED SISTER in Strassenklamotten auf der Bühne stehen… Durch einen Sturm in New York konnte der Flieger nicht los, und die Band kam erst eine Stunde vor ihrem Auftritt in Amsterdam an, wurde mit einem Heli zum Gelände geflogen und musste sofort auf die Bühne… keine Zeit für Make-up und Kostüme. Generell ist es aber auch egal was TWISTED SISTER anhaben, 52 Stunden wach und jetlagged: die Band hat Spaß an dem Auftritt. Rampensau Dee Snider kokettiert und interagiert mit dem Publikum, das jeden Song dankbar aufsaugt. Der einsetzende Nieselregen scheucht zumindest keine Fans aus der Menge. You Cant Stop Rock’n’Roll oder I Wanna Rock sind das Motto des Gigs. Wenn Dee nur weniger sabbeln würde, passten noch 2 Songs mehr auf die Setlist.

Zurück zur Großen Bühne zu

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WHITESNAKE im Hooked on Music

Ich erwartete den Gig mit großer Spannung, denn das neue Album ist ja gesanglich recht untypisch und ich war auf Coverdales Live-Qualitäten gespannt. Leider werde ich grenzenlos enttäuscht. Ein einziges Gekrächze und Geschreie kommt aus der Kehle des einstigen Ausnahmesängers. Nur bei den tiefen Passagen der Songs kommt der alte Coverdale durch, in den Höhen und Mitten muss er erbämlich pressen, traurig. Die Band selbst spielt schön tight, die Setlist ist eine Best-Of: Here I Go Again, Slide It in, Still Of The Night. Den letzten Song, bei dem “Dutch-Brother” Adrian Vandenberg auf die Bühne kommt, höre ich nur noch, weil ich mich schon mal auf den Weg zur kleinen Bühne mache, auf der Lemmy und Konsorten in den Startlöchern stehen…

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MOTÖRHEAD im Hooked on Music

Die Organisation läuft gut auf dem Arrows, zwar hat man sich einen 10-Minuten-Hänger eingefahren, aber sobald der letzte Ton WHITESNAKE’s verklungen ist, ertönen die Worte “We are MOTÖRHEAD, and we play Rock’n’Roll“. Irgendwie leiden auch MOTÖRHEAD besonders unter dem Problem, welches dem ganzen Festival anhaftet: Es ist verdammt leise, die kleine Bühne natürlich wesentlich leiser als die Hauptbühne, von Lemmy und Co. bin ich da Lauteres gewohnt! Ansonsten ein solider Set der Jungs, der mit Rosalie sogar eine Überraschungs-Song enthält. Leider setzt jetzt wieder Regen ein und da als nächstes KISS auf dem Zettel stehen, gehe ich noch mal schnell los, um mir ein Grolsch zu besorgen und ab geht’s in den vorderen Bühnenbereich, der nur den Inhabern eines Deluxe Tickets und den Pressevertretern zugänglich ist. Ich schaffe es, bis in die zweite/dritte Reihe, als zu tosendem Applaus der Vorhang mit den großen Lettern KISS heruntergelassen wird.

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KISS im Hooked on Music

Pünktlich zum Showbeginn von KISS hört auch der Regen auf und die Sonne kommt raus. Der Vorhang fällt mit einem lauten Knall zu Boden und KISS schweben auf einer Plattform zu den Tönen von Deuce auf die Bühne herunter. Im Publikums gibt’s kein Halten mehr, ob alt oder jung (zum Teil sehr jung), alle freuen sich und begrüßen Gene, Paul, Tommy und Eric mit strahlenden Gesichtern und frenetischem Applaus.

Die Setlist ist identisch zu den anderen Shows der Alive 35 Tour, also das komplette “Alive“-Album, sowie einige Schmankerl quasi als Zugabe. Mich freut es, Klassiker wie Got To Choose, Parasite(geniale Version) oder 100.000 Years live zu sehen und zu hören. Was mir sofort auffällt, ist Pauls kratzige Stimme, die aber auch schon auf den vorherigen Shows nicht optimal war. Und was gar nicht geht ist, dass Gene zu I love it loud Blut spuckt… Das hätte besser zwischen She und 100.000 Years gepasst, aber wahrscheinlich wollte man sich noch was für den späteren Teil der Show aufheben, in dem Paul Stanley bei Love Gun auch über’s Publikum fliegt.

Musikalisch ist es kein Vergleich zu früher, mit Tommy Thayer hat man einen sehr versierten Gitarristen in’s Ace Kostüm gepackt, der Mann hat sich sogar die gleichen Posen wie Ace Frehley draufgeschafft. Eric Singer war ja schon Mitglied bei den unmaskierten KISS, jobbt ansonsten noch bei Alice Cooper und macht seine Arbeit gewohnt gut, nur an seinen Gesang kann ich mich bei Black Diamond nicht gewöhnen, die rauere Stimme von Peter Criss bzw dem anderen Eric (Carr) gefiel mir da besser. Absolute Mittelpunkte bleiben aber Gene Simmons und Paul Stanley, Paul scheint nach erfolgreichen Hüft OPs optisch und körperlich wieder fit zu sein. Schlabberzunge Simmons stapft breitbeinig über die Bühne und animiert das Publikum zum Mitmachen.

Der “Zugabenteil“ besteht unter anderem aus Lick It Up, dem unvermeidlichen I Was Made For Loving You, dem schon erwähnten I Love It Loud, Love Gun und Detroit Rock City, das einen wunderbaren Festivaltag mit einem kleinen Feuerwerk beschließt. Zu God Gave Rock’n’Roll To You (vom Band) verlassen wir das Gelände und pilgern zu unserem Auto zurück. Der Tag war lang, aber schön. Es steht außer Frage das 80% der Leute wegen KISS dort waren, aber das Billing war fantastisch und sollte jedem was gegeben haben. Wann bekommt man in Europa sonst solche Namen präsentiert? Höchstens auf dem Sweden Rock. Wie sagte Kollege Harry am Anfang? “Die Hymnen unserer Jugend…“ Jepp, das waren sie.


Bis 2009, liebes Arrow Rock Festival!

Very Special Thanks gehen an Axel Jusseit/Rock Hard für die geilen Bilder die uns problemlos zur Verfügung gestellt wurden!
You Rock!

Jörg Litges, 15.06.2008
Fotos: Axel Jusseit, 15.06.2008

 

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