Andrew Strong

Aschaffenburg, Colos-Saal, 18.03.2014

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 25.03.2014
Stil: R&B, Soul, Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Andrew Strong,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 18.03.2014

Etwas erschrocken bin ich beim ersten Blick in den Saal schon, als ich kurz vor Acht das Colos-Saal betrete. Ich hatte mit größerem Andrang gerechnet. Immerhin tritt hier heute Abend nicht irgendwer auf. Andrew Strong war das Aushängeschild von THE COMMITMENTS, die in dem gleichnamigen Film von 1991 für ein kleines Soul- und R&B-Revival sorgten.
Außerdem war Andrew anschließend als Solokünstler erfolgreich, brachte einige hervorragende Alben heraus und war u. a. im Vorprogramm der ROLLING STONES bei deren "Voodoo Lounge“-Tour in europäischen Stadien zu erleben. Im Vergleich dazu ist die Besucherzahl heute Abend überschaubar. Es kommen aber doch noch ein paar Leute, sodass der Raum von der locker stehenden Menge eingenommen wird.
Kurz nach acht Uhr betritt die Band die Bühne und unter ersten Beifallsrufen auch Andrew Strong. Der trägt die Haare mittlerweile sehr offen und hat offensichtlich auch ein paar Pfunde seit damals verloren. Steht ihm gut und seiner Power ist es nur zuträglich. Mit dieser Power legt er denn auch gleich los und treibt seine Band in ein mitreißendes In The Midnight Hour. Was anderswo als Höhepunkt gedient hätte, wird hier gleich zu Beginn verfeuert. Das sorgt natürlich umgehend für Stimmung, zumal mit Hard To Handle gleich ein zweiter Klassiker hinterher folgt.

Von Beginn an ist der Sound hervorragend. Das ist man von dieser Spielstätte zwar gewohnt, aber sechs Instrumente plus Sänger und Backgroundsängerin muss man erst einmal so gut rüberbringen. Dass es sich auf der Bühne ausnahmslos um Spezialisten handelt, die sich zum Teil erst kurz vor der Tournee kennengelernt haben, dürfte dabei durchaus geholfen haben.
Andrew Strong hat nichts von seinem jugendlichen Enthusiasmus verloren, und lässt sich immer noch von dieser treiben und mitreißen. Nur zweimal verdunkelt sich kurz sein Gesicht. Das erste Mal, weil sein Gitarrenverstärker noch im Standby-Betrieb ist, als er sich am “Schlusslärm“ von In The Midnight Hour beteiligen will, das zweite Mal, als er bei der Ansage von Try A Little Tenderness gern etwas gedämpftes Licht hätte und ihn stattdessen grellweiße Strahler blenden (“that is the total opposite of what i said...“), ansonsten ist er bestens gelaunt und immer bereit das Publikum zum Mitmachen zu animieren.

Das fällt bei Songs wie Grits Ain’t Groceries oder Take Me To The River aber auch nicht weiter schwer. Füße und Hände bewegen sich da umgehend im Rhythmus und auch Lippen und Lungen kommen häufiger zum Einsatz. Da wird’s stellenweise auch etwas heftiger, aber das kommt nur gut.
Andrew selbst ist beileibe nicht nur der “paar-Akkorde-dazu-Drescher“, sondern ist durchaus auch ein guter Leadgitarrist. Da er seine Gitarre ähnlich kraftvoll bearbeitet wie seine Stimmbänder, muss zwischen den Liedern häufig nachgestimmt werden. Nicht nur optisch erinnert der Sänger an Kollegen wie Joe Cocker und Roger Chapman., auch stimmlich geht das in diesen Bereich und dass er einst Girl's Got Rhythm über die STONES-Bühne in Prag plärrte ist mir so gut in Erinnerung wie plausibel. Gesanglich zur Seite steht ihm Lisa Ohm, die seine Stimme perfekt ergänzt, stets mit einem Lächeln und klatschend für Stimmung sorgt und die bei I Thank You auch als Solosängerin glänzt. Bei der Gelegenheit wird auch das Publikum etwas näher an die Bühne beordert, weil der “Sicherheitsabstand“ doch etwas zu groß ist.

Obwohl die ganz Band hochkarätig besetzt ist - und man das auch deutlich hört -, muss man doch den Saxofonisten Dirk Meissner besonders erwähnen. Die übergroße Sonnenbrille unterstreicht ohnehin eine gewisse Extrovertiertheit, aber seine Einwürfe und Sax-Soli sind von großer Klasse und immer druckvoll und aufpeitschend. Ob er mithilft Gimme Some Lovin' so richtig anzuschieben, oder James Browns I Feel Good mit dem entsprechenden – für mich immer leicht schräg klingenden – Saxofonsolo zu versehen – immer ist er dabei an vorderster Front in Aktion und heimst den ein oder anderen Zwischenapplaus völlig zurecht ein.
Auch wenn mal ein ruhigerer Song, wie Dark End Of The Street ertönt, bleibt die Spannung oben und die Blicke der Anwesenden gebannt auf den Protagonisten.
Selten verpasst es der Sänger, auf den Urheber des jeweiligen Songs hinzuweisen. Treat Her Right kündigt er hingegen nur als “Party-Piece“ an. Das Publikum weiß trotzdem umgehend, wann die lautstarken “Hey, Hey, Hey, Hey!“-Rufe zu ertönen haben. Die sich abwechselnden und gegenseitig steigernden Soli tun ihr Übriges, um die entsprechende Partystimmung zu verbreiten.

Als die ersten Antworten auf des Sängers nach Zustimmung zu einem George Harrison zu zögerlich ausfallen, folgt erst die dringlichere Nachfrage und dann eine knackige Version von While My Guitar Gently Weeps mit ordentlich Dampf.
Beim ersten Mal fällt man noch darauf rein, wenn Mr. Strong – der inzwischen ob seiner Leistung ganz schön ins Schwitzen kommt – einen “brand new song“ ankündigt. Die Freude ist umso größer, wenn dann Mustang Sally erklingt. Auch hier wird natürlich ausgiebig mitgegrölt!
Später – bei Try A Little Tenderness - ist schon deutlich, was mit einem weiteren “brand new song“ gemeint ist. Auch diese Nummer steigert sich von einer eher einfühlsamen, langsamen Soul-Nummer zu einem rasanten R&B-Feuerwerk steigert.
Ein Abend, an dem mir sogar James Brown gefällt muss was Besonderes und so ein Abend ist heute. Nicht oft, zieht sich ein Grinsen von Beginn bis zum Schluss einer Show über mein Gesicht. An diesem Dienstag ist das der Fall

Zur Zugabe wird es gar noch rockiger, denn Jimi Hendrix’ Fire und STEPPENWOLFs Born To Be Wild rütteln den Colos-Saal nochmal gewaltig.
Letztlich ist das Programm ähnlich, wie auf der unlängst erschienen Live-Scheibe, aber wenn man selbst vor der Bühne steht, kommt das halt nochmal 100% besser rüber. Das bietet keine CD und kein Video, das gibt’s nur im Konzert. Die Anwesenden werden es bestätigen und so verlassen nach fast zwei Stunden nur zufriedene Gesichter den Club. Meines eingeschlossen!

Epi Schmidt, 18.03.2014

 

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