Thunder

Colour Of Noise

Aschaffenburg, Colos-Saal, 20.06.2015


Konzertbericht

Reviewdatum: 30.06.2015
Stil: British Blues Rock

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Thunder, Colour Of Noise,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 20.06.2015

Ganz klar, so voll habe ich das Colos-Saal schon eine Weile nicht mehr gesehen. So viel offensichtlich Rock-orientiertes Publikum im Aschaffenburger Vorzeige-Club auch nicht. Und ich muss sagen: Das sieht gut aus, das fühlt sich gut an. Und natürlich hört es sich gut an, wenn Britanniens Vorzeige-Hard-Rock-Combo der letzten Jahrzehnte, THUNDER, hierher zurückkehrt, wo sie sich 2009 – zumindest von mir – verabschiedet hat.
Im Gepäck, oder vielmehr als Vorhut, haben sie die Kollegen von von der Insel COLOUR OF NOISE. Die schon nicht mehr ganz taufrischen Gesellen sehen sich in der Tradition von FREE, BAD COMPANY, LED ZEPPELIN …, nun ja, kennen wir und letztlich war das bei der Hauptband vor Jahrzehnten kaum anders. Die Mannen um Lead-Sänger Matt Mitchell mühen sich allerdings redlich und wiewohl mehr im 80er Hard Rock, mit leichten Metal-Einflüssen, und bekommen – für eine Vorband absolut nicht üblich – auch schon gleich Stimmung ins Publikum. Aus dem Line-Up dürfte Rockfans der späten 80er Jahre noch Gitarrist Bruce John Dickinson ein Begriff sein, schwang der doch einst bei den LITTLE ANGELS eine heiße Axt. Riffbetont auch hier die Songs, wie Head On, Drive It Like You Stole It und das mitreißende Hit Rock Bottom. Vielleicht nicht überoriginell, aber stimmungsmachend und mit Power, sodass man in das für den September angekündigte Album mal reinhören sollte. …

Bei THUNDER hat sich zwar hier und da was geändert, aber AC/DCs Thunderstruck läutet immer noch deren Showbeginn ein. Das Quintett betritt die Bühne und legt gleich mit dem Titelsong des neuen Studiowerks “Wonder Days“ los. Anscheinend sind die Anwesenden ausreichend vertraut, mit dem neuen Albun, denn da wird nicht nur mitgesungen, sondern auch ordentlich mit-gebangt. Sound und Lautstärke passen und das bewährte Triebwerk aus Harry James und Chris Childs sorgen für den nötigen Druck. Die Stimmung ist also gleich auf 100%, was natürlich an Lead-Sänger Danny Bowes liegt, der nur wenige Tage nach einer Erkrankung bereits wieder voll auf der Höhe ist (lässt sich zumindest kaum was anmerken) und natürlich auch an dem hochkarätigen Songmaterial, welches es verdauen kann, einen genialen Rocktitel wie River Of Pain gleich als Zweites “zu verschleudern“.

THUNDER sind, das wissen wir, eine Band von fünf grandiosen Musikern, aber ohne die Klassiker von Luke Morley ginge es natürlich nicht und nach all den Jahren kriegt der immer noch künftige Klassiker wie Black Water hin. Ein weiterer Ohrwurm, der die Rock-Radiosender rauf und runter gespielt gehört.
Morley ist, neben Bowes, der Aktivposten auf der Bühne, und feuert nicht nur energiegeladene Soli in die Reihen, sondern glänzt auch mit den perfekten Harmonien, wenn es um den Background-Gesang geht. Sein Partner an der Sechsaitigen (und zeitweise an der Orgel), Ben Matthews, ist auch noch krankheitsgezeichnet und nicht ganz so agil wie vor Jahren, aber immer noch der verlässliche Pfeiler, der das Rhythmus-Getriebe mit antreibt und auch manches Solo unterbringt.

Fast schon erstaunlich viel neue Songs spielt die Band. Es folgen Resurrection Day und die Ballade Broken kurz hintereinander und trotzdem bleibt die Stimmung im Saal auf dem Siedepunkt. Wie gesagt: Danny Bowes ist hier Hauptverantwortlicher und lässt praktisch nie nach, das Publikum miteinzubeziehen und zum Klatschen, Hüpfen, Schreien (“Make some noise!“) und Mitsingen zu animieren. Bei Nummern wie The Devil Made Me Do It gelingt Letzteres selbstredend am besten. Und der Stimmband-Test geht weiter, wenn Backstreet Symphony, der Party-Rocker vom allerersten Album die Temperaturen im Konzertraum deutlich erhöht. Nach all den Jahren immer noch eine dermaßen geile Nummer!

Luke Morley wechselt zwischenzeitlich von der Les Paul zur Telecaster, um das bluesige I’ll Be Waiting noch besser mit kleinen Lick-Schmankerln verzieren zu können, die in diesem cleaneren Sound auf der Fender einfach besser kommen.
The Thing I Want und When The Music Played kommen wieder vom neuen Album und demonstrieren so dessen hohe Qualität. Auch diese “Neuankömmlinge“ sind den Anwesenden bereits geläufig – oder kommen diesen so vor – und werden voll mitgerockt.

Klar, Gewinner so eines Abends sind die seit Jahren bewährten Hard Rock-Hits von THUNDER, von denen mit dem grandiosen Love Walked In (ein weiterer Knaller ohne Abnutzungsanzeichen) und I Love You More Than Rock’n’Roll zwei weitere folgen und den Schluss des Konzertes erst einmal verkünden.

Den vehementen “Zugabe“-Rufen muss natürlich nachgekommen werden und ein weiterer Stimmband-Test folgt in Zugabe mit Higher Ground. Keine Chance für die Fans, an Bowes stimmliche Fähigkeiten heranzukommen, aber man gibt sein Bestes.
Danny Bowes bleibt der unermüdliche Animator, der höchstens für ein Gitarrensolo mal zur Seite tritt, aber ansonsten immer Mittelpunkt des Geschehens ist und geschickt mit dem Publikum interagiert.
Da werden auch schon einmal Männlein gegen Weiblein ausgespielt, wenn es der Stimmung dienlich ist. Wobei die, wie im finalen und unvermeidlichen Dirty Love nicht größer sein könnte.
Nach so vielen Jahren hat es die Band einfach immer noch dermaßen geil drauf, eine Rock-Show abzuziehen, dass man sich echt fragt, wie man irgendwann ohne sie auskommen soll.
Ich konnte mir vor Jahren kaum vorstellen, dass ein THUNDER-Konzert ohne Songs wie She’s So Fine oder Low Life In High Places funktionieren könnte, aber … es geht! Und zwar trotzdem verdammt gut und verdammt rockig und verdammt … hoffentlich gibt es diese Band noch lange und noch mit vielen Alben und vielen Konzerten. Denn ich seh‘ da weit und breit niemanden, der diese, dann entstehende, Lücke ausfüllen könnte.
Ein wahrhafter “Wonder Evening“ in Aschaffenburg.

Epi Schmidt, 20.06.2015

 

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