Rob Tognoni

Morgan Finlay

Aschaffenburg, Colos-Saal, 21.03.2007


Konzertbericht

Reviewdatum: 21.03.2007

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Redakteur(e):

Epi Schmidt


Aschaffenburg, Colos-Saal, 21.03.2007

Mittwoch, der 21. März. Frühlingsanfang. Passenderweise haut es gegen Abend einen Schneeregenschauer auf den Spessart herunter. Zum Glück beruhigt sich das Wetter aber bald und ich durchquere das Mittelgebirge gen Aschaffenburg. Rob Tognoni hat sich angekündigt und die Gelegenheit den Australier erstmals live zu sehen, möchte ich mir ungern entgehen lassen. Sein Auftreten im Colos-Saal verwundert mich leicht, da er in den letzten Jahren doch meistens in kleineren Locations zu erleben war, und - sind wir ehrlich - der Megaseller ist er ja nun auch wieder nicht.
Hab ich gedacht, und trotzdem - wenn auch zunächst zögerlich - findet sich im Saal doch eine ansehnliche Menge ein. Auf die Aschaffenburger Blues-Society ist halt Verlass. Darunter sind sogar ein paar Die-Hards, stilsicher ausgerüstet mit Plüsch-Koala und australischer Flagge.

Morgan Finlay Wer lesen kann und tut, ist im Vorteil, und so überrascht es mich, dass heute auch noch eine "Vorband" spielt. Diese "One-Man-Band" ist der Kanadier Morgan Finlay. Aus Vancouver kommt der, welches er aber schon seit sieben Monaten nicht mehr gesehen hat, denn so lange ist er schon am touren. Ganz offensichtlich hat er aber Spaß hier zu sein und er ist auch ein äußerst sympathischer Typ. Naturgemäß hält sich das Publikum noch etwas von der Bühne zurück, zumal Songs wie The Reason Why oder Seattle - beide von seiner neuen CD "Everything Will Work Out Right" - eher was zum Zuhören sind. Nur mit akustischer Gitarre bewaffnet, fällt man leicht in die Bob Dylan/Neil Young-Sparte, und das ist auch hier der Fall. Seine Gitarre spielt er mit einem sehr harten, fast aggressiven Anschlag, so dass mir manchmal Angst um die Saiten wird. Auch sein Gesang macht keine großen Umwege und kommt sehr direkt und eindringlich, ohne den Zuhörer zu verschrecken. In der knappen halben Stunde kommt jedenfalls keine Langeweile auf und, ich denke, den Tonträgern dieses Jungen sollte man doch mal ein Ohr leihen.

Rob Tognoni Mehr als seine Akustikgitarre hat Morgan Finley nicht abzuräumen und die folgenden Musiker nicht viel aufzubauen, so dass Rob Tognoni, begleitet von Bassist und Schlagzeuger, schon bald nach 21 Uhr auf der Bühne steht. Hinter sich zwei kleine Behringer Gitarrenverstärker-Combos. Von diesen "Modeling Gitarren-Workstations" halte ich, als alter Purist, eigentlich nichts, jedoch sind meine Sound-Bedenken umgehend vom Tisch, respektive der Bühne, als Rob mit My Detonation loslegt und hier gleich einen Fetzer präsentiert, der Lust auf sein neues Album "Capital Wah" macht.
Auch der Rob ist ein überaus sympathischer Mensch, der gerne lacht und dabei richtig gut rockt. Dabei nimmt der Boogie-Stil einen großen Teil seines Repertoires ein und wenn man einen anderen Herrn als 'Boogie Man from Hell' bezeichnet, dann ist der Rob auf jeden Fall der 'Boogie Man from Down Under'. AC/DC-Riffs, Chuck Berry-Licks und auch QUO-Rhythmen geben sich das Plektrum in die Hand bringen doch ganz schön Stimmung in diesen Mittwochabend.
Dass er ein Product Of A Southern Land ist, unterbreitet Rob mit dem gleichnamigen Lied, welches eher zurückhaltender kommt, dabei aber schön groovt. Sein Gitarrenspiel überschreitet nie die Grenzen des verfolgbaren und gerade deswegen reitet es auf dem Level das einfach Spaß macht. Wenn dann noch eine rockig-funkige Nummer wie Itty Bitty Mama ertönt - mit seinen z.T. gerappten Vocals - ist für beste Laune gesorgt. Der Song klingt ein bisschen nach den FOUR HORSEMEN, nicht?
Warum eine Coverversion von Hendrix' Hey Joe, ist mir nicht plausibel, da Herr Tognoni wahrlich genug eigene Songs und Alben hat, die mir mindestens genauso gut gefallen. Mancher im Publikum wird's anders sehen und tatsächlich kann ich mich eines lockeren Mitwippens nicht erwehren. Später sollte noch der Redhouse Blues folgen und auch der ohne ermüdendes Hendrix-Gedudel.
Das folgende Baby, Please Don't Go beinhaltet genug Eigenständigkeit und Einfälle und rockt auch richtig gut, so dass es nix zu kritisieren gibt, sondern man einfach nur gut gelaunt mitmacht. Allesamt sind diese Coverversionen ja schon auf vorangegangenen Alben vertreten.

Rob Tognoni Das Manko von Rob live - ob Konzert oder CD - ist halt einfach die fehlende Rhythmusgitarre. Was bei seinen Studioaufnahmen von hinten her immer gnadenlos schiebt, geht nun mal bei nur einer vertretenen Gitarre verloren. Deswegen gehen Boggie-Stücke wie Coming Home Tonight (bester DR. FEELGOOD-Stuff!) immer noch direkt in die Beine und Hüften und trotzdem ginge es halt noch ein bisschen besser.
Egal, bei Power-Songs wie Black Chair verschwendet man da keine Gedanken dran, sondern schüttelt sein Gehirn im Takt durch. Beim Dark Angel darf man sich etwas ausruhen und mit wechselndem Mienenspiel diesem Heavy-Blues lauschen. Da klingt denn auch wieder der Hendrix-Einfluss durch, wogegen mir ein shuffelnder Texas-Boogie namens Mr. John Lee (The Boogie Man) (noch einer?) doch lieber ist. How, how.
Ganz weit zurück, zu seinem ersten Album "Stones And Colours", geht Rob mit Dirty Occupation. Jenes Album - ebenso wie den Nachfolger "Headstrong" - bietet der Australier zum kostenlosen Download auf seiner Homepage an. Inklusive Cover. Geht's noch netter?
Die Band hinter Rob versieht einen kompetenten Job, folgt dem Frontmann problemlos und kommt ihm nie störend in die Quere. Mit dem Bassisten Uwe Böttcher liefert sich Rob zwischenzeitlich ein kleines Duell, welches - möchte ich meinen - der Bassist ganz klar zu seinen Gunsten entscheidet. Donnerwetter, wie der über die fetten Saiten seines Tieftöners rast! Damit braucht er sich hinter keinem, na, sagen wir Steve Harris oder Billy Sheehan zu verstecken.
Nach gut einer Stunde gibt's eine kleine Pause und wer glaubte, um Mitternacht zuhause sein zu können, muss wirklich um die Ecke gewohnt haben, denn in der zweiten Schicht kommen, inkl. Zugabe, noch mal fast anderthalb Stunden zusammen. Für mich entbehrt diese "zweite Hälfte" nicht einiger Längen, die durch erdige Rocker wie Shakin' The Devil's Hand, Rock'n'Roll-Boogies wie Dave Holes Jim Beam Blues und an AC/DC-angelehnte Kracher wie My Acid Is Kickin' In allerdings auf ein erträgliches Maß minimiert werden.
Zur Zugabe dann DEEP PURPLEs Black Night ist wohl wieder Geschmacksache. Keep Your Hands To Yourself hat mancher im Saal schon selbst zur Genüge gedroschen und trotzdem stachelt Robs Version zum mitbangen an.

Der richtig gute Abend dürfte jedenfalls auch Tognoni-Neulinge überzeugt und auf den Geschmack gebracht haben, so dass die wohl nicht warten werden, bis der Rob sein neues Album in zehn bis zwölf Jahren zum kostenlosen Download anbietet. Wer was für Power-Trios übrig hat, die sich nicht in endlosen Soli ergehen, ist bei Rob Tognoni genau richtig.

Epi Schmidt, 24.03.2007

 

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