Loudness

Mystic Prophecy

Aschaffenburg, Colos-Saal, 24.07.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 05.08.2010
Stil: Heavy Metal, Power Metal

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Redakteur(e):

Michael Koenig


Loudness, Mystic Prophecy,
Aschaffenburg, Colos-Saal, 24.07.2010

Für das vorvergangene Wochenende hatte sich in Aschaffenburg musikalischer Besuch aus Fernost angekündigt. Die Heavy Metal-Veteranen von LOUDNESS aus Japan wollten den Colos-Saal rocken. Als Anheizer waren die deutsch-griechisch-italienischen, hierzulande nicht ganz unbekannten, Power Metaler MYSTIC PROPHECY vorgesehen. Die Zeichen standen demnach auf äußerst metallhaltigen Sturm. Nix wie hin also.

Vor den harten Tönen wird mir aber zunächst mal ein echtes Kontrastprogramm dazu geboten. Auf dem Weg zum Colos-Saal komme ich immer an einer, seit einigen Jahren existierenden, großen Seniorenwohneinrichtung vorbei. Dort im Hof feiert man unüberhörbar das alljährliche Sommerfest inklusive Stimmungskapelle und deutschen Schlagern. Ein LOUDNESS-Anhänger, dem ich begegne, sagt dann auch so schön trocken: „Da gehen wir nachher noch mal hin.“ Da sich besagte Residenz in beinahe direkter Nachbarschaft von dem Club befindet, sind die beruhigenden Schunkelweisen auch im dortigen Sanitärbereich noch durch das geöffnete Fenster zu vernehmen.

Im Colos-Saal angekommen, wird mir deutlich, dass an diesem Abend wohl doch mit eher bescheidenem Besuch zu rechnen ist. Natürlich sind in erster Linie Leute über dreißig zugegen. Immerhin haben auch einige Landsmänner und -frauen der Headliner hierher gefunden.

Gegen 21:10 Uhr betreten MYSTIC PROPHECY (Roberto Dimitri Liapakis [Gesang], Constantine [Leitgitarre], Markus Pohl [Rhythmusgitarre], Connie Andreszka [Bass] und Claudio Sisto [Schlagzeug]) die Bretter der Bühne. Auch wenn ihr wuchtiger und mächtiger Power Metal nicht so ganz aufs Billing passt, nutzen sie die Gunst der Stunde bzw. ihrer knapp fünfzigminütigen Spielzeit. Die Truppe kredenzt vor allem eigene Stücke aus den Jahren 2006 bis 2009, die live hervorragend zünden (ganz stark To The Devil I Pray vom aktuellen Studioalbum ’Fireangel’ mit einer Klassemelodie). Der sehr sympathische Fünfer zeigt seine ganze Konzerterfahrung und –routine, lässt dabei die Freude am Musikmachen jedoch nicht vermissen. Die gesanglichen und instrumentalen Leistungen stimmen. Der schwäbelnde Frontmann hat die Lage jederzeit freundlich unter Kontrolle. Es werden weder Einsätze, noch Soli verdaddelt. Das Stageacting passt auch wie die berühmte Faust aufs Auge. Genau richtig, ohne allzu große Übertreibungen. So gelingt es den Jungs, viele der Besucher, die sie und ihre Musik noch nicht kennen (darunter auch mich) nach und nach auf ihre Seite zu ziehen. Natürlich dürfen die obligatorischen Mitsing- und Mitklatschspielchen, die jedoch im Rahmen bleiben, nicht fehlen.
Besonders bemerkenswert erscheint mir, dass MYSTIC PROPHECY dem erst kürzlich viel zu früh verstorbenen Ronnie James Dio eine recht anständige und heftige Kurzversion von BLACK SABBATHS Heaven And Hell widmen.
Den Abschluss bildet dann schließlich ein erheblich schneller und krachiger als das Original gespieltes, zeitweise nicht zu erkennendes und deshalb meiner Meinung nach weniger gelungenes, bereits seit 2007 existierendes Paranoid-Cover (BLACK SABBATH).

Der Sound des hauseigenen Systems ist zwar sehr laut, meistens aber trotzdem transparent und die ebenfalls fest installierte Lichtanlage untermalt den Auftritt stimmungsvoll.

Alles in allem: Beide Daumen hoch für diesen insgesamt wahrlich überzeugenden, um etwa 22:00 Uhr beendeten Gig. Die dürfen gerne wiederkommen.

Die darauf folgende Umbaupause dauert ca. zwanzig Minuten. Ein Blick auf meinen Zeitmesser verrät mir, dass LOUDNESS ab 22:20 Uhr loslegen.
Wir haben es hier mit einer Premiere zu tun. Zum ersten Mal sind die Asiaten nämlich als Topact auf Clubtour durch Deutschland unterwegs. Das überrascht schon ein wenig, wenn man bedenkt, dass die Ur-Formation zwar erst 2001 wieder zusammengefunden hatte, diese aber immerhin schon 1981 gegründet worden war. Andererseits auch wieder nicht, wenn man sich verdeutlicht, dass ihnen der große, weltweite Durchbruch, weshalb auch immer, niemals vergönnt gewesen ist. Diese Tatsache und ihre nicht gerade inflationsartige Anwesenheit in Deutschland dürften den heute zurückhaltenden Zuspruch hauptsächlich erklären.
Minoru Niihara (Gesang, kurz nach Gründung eingestiegen, zwischenzeitlich ausgestiegen, seit 2001 wieder dabei), Akira Takasaki (Gitarre, Gründungsmitglied), Masayoshi Yamashita (Bass, kurz nach Gründung eingestiegen, zwischenzeitlich ausgestiegen und seit 2001 wieder dabei) und Masayuki Suzuki (Schlagzeug, kam vor zwei Jahren für das damals verstorbene Gründungsmitglied Munetaka Higuchi, der zwischenzeitlich ausgestiegen und seit 2001 wieder dabei war, zur Band) lassen sich davon jedoch nicht verdrießen und sind von Beginn an gewillt, den Anwesenden zu zeigen, wo der Heavy Metal-Hammer hängt. Sie gehen nach einem kurzen Klassikintro gleich in die Vollen. Hier steht eine kleine Schar auf der Bühne, welche die schweren und lauten Klänge der 1980er Jahre mit Inbrunst am Leben erhält und verkörpert. Vor allem der kleine, drahtige, irgendwie an Klaus Meine von den SCORPIONS erinnernde Frontmann beherrscht jedes noch so abgedrehte Rockstargehabe aus dem Effeff. Alleine ihm zuzuschauen, macht schon Spaß hoch zehn. Da wird mit dem Publikum interagiert und die ganz große Gestik gepflegt, dass es nur so eine Freude ist. Das ist Posergehabe in Reinkultur. Dabei sitzt ihm gewaltig der Schalk im Nacken. Als er sich bei der Vorgruppe bedankt und ihm mit seinem putzigen Englisch nach mehreren Versuchen die richtige Aussprache von MYSTIC PROPHECY nicht gelingen will, meint er sinngemäß nur: „Was wollt ihr, ich bin schließlich Japaner.“

Bei all diesem lustigen und schrägen Showtheater darf aber nicht vergessen werden, die Musik gebührend zu würdigen. Der Mix aus Klassikern und aktuellem Material (letztes Album ’King Of Pain’ vom Mai 2010) funktioniert perfekt. Die Zuschauer sind vom ersten Ton an bis zum Schluss voll dabei, zeigen sich begeistert und singen und klatschen nur allzu gerne mit. Die Band wirkt absolut harmonisch und wie aus einem Guss. Akira Takasaki glänzt mit seinem eigenständigen und virtuosen Gitarrenspiel, das in einigen herrlichen Soli gipfelt. Die Rhythmusgruppe schlägt sich vorbildlich und sorgt für einen irrsinnigen Groove. Der abgedrehte Gesang setzt der Darbietung dann noch die Krone auf. LOUDNESS beweisen an diesem Abend, dass sie immer noch jeden Laden aufmischen können.
LOUDNESS beschliessen ihren regulären Set gegen 23:25 Uhr. Nach einer kurzen Zugabe ist um 23:40 Uhr endgültig Sense. Sie bringen es also insgesamt auf eine Spieldauer von ca. achtzig Minuten. Viel zu kurz natürlich, aber eben auch sehr energiegeladen.

Trotz der hohen Lautstärke überlastet der Sound zumindest mein Gehör gerade so noch nicht. Die Lichteffekte passen zum Gesamtbild.

Das quicklebendige Quartett aus Japan verbreitet mit seiner ganz eigenen Art den Heavy Metal, wie er in den 1980ern angesagt war, zu zelebrieren eine riesige Menge Freude und Vergnügen. Besser und unterhaltsamer geht es kaum.

Diese Veranstaltung hätte definitiv mehr Resonanz verdient gehabt.

Michael Koenig, 24.07.2010

 

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