Ayreon

Transitus

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 14.09.2020
Jahr: 2020
Stil: Progressive Metal
Spiellänge: 80:49
Produzent: Arjen Anthony Lucassen

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Plattenfirma: Mascot Label Group

Promotion: Netinfect


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Epica

Megadeth

Titel
01. Fatum Horrificum
02. Daniel’s Descent Into Transitus
03. Listen To My Story
04. Two Worlds Now One
05. Talk Of The Town
06. Old Friend
07. Dumb Piece Of Rock
08. Get Out! Now!
09. Seven Days, Seven Nights
10. Condemned Without A Trial
11. Daniel’s Funeral
 
12. Hopelessly Slipping Away
13. This Human Equation
14. Henry’s Plot
15. Message From Beyond
16. Daniel’s Vision
17. She Is Innocent
18. Lavinia’s Confession
19. Inferno
20. Your Story Is Over!
21. Abby In Transitus
22. The Great Beyond
Musiker Instrument
Arjan Anthony Lucassen Gesang, Gitarre & Bass
Tommy Karevik Gesang
Dee Snider Gesang
Cammie Gilbert Gesang
Paul Manzi Gesang
Simone Simons Gesang
Marcela Bovio Gesang
Amanda Somerville Gesang
Caroline Westendorp Gesang
Johanne James Gesang
Michael Mills Gesang
Dianne van Giersbergen Gesang
Joe Satriani Gitarre
Marty Friedman Gitarre
Joost van den Broek Keyboards
Patty Gurdy Drehleier
Ben Mathot Violine
Jeroen Goossens Flöte
Juan van Emmerloot Schlagzeug

Knapp drei Jahre hat es gedauert, seit dem letzten AYREON-Studio-Album “The Source“. In dieser Zeit war Arjen Anthony Lucassen – der Mann hinter diesem und zahlreichen oder zahllosen anderen musikalischen Projekten – aber nicht untätig. Er brachte nicht nur gleich zwei Live-Mitschnitte heraus (“AYREON Universe – The Best Of AYREON Live“ und “Electric Castle And Other Tales“) sondern arbeitete auch weiterhin an einer neuen Geschichte. Diese bewegt sich aber nicht erneut in einer Fantasy-Welt sondern erzählt eine Story um Liebe, Standesdünken, brüderliche Zwietracht und Hinterlist vor einem eher historischen Background im Jahr 1884.

Um die Geschichte schnell voranzubringen bedient sich Lucassen auch hier eines Erzählers, der die einzelnen Stücke verbindet und das jeweilige Setting sowie die handelnden Personen einführt. Dafür hat der Niederländer einen bekannten Briten verpflichtet: Tom Baker (besser bekannt als der vierte Doktor in der BBC-Serie “Dr. Who“). Das Konzept der Geschichte ist mit Gothic- und Horror-Elementen angereicht und basiert auf einer Geschichte um Leben, Tod und allerlei übernatürliche Phänomene. Damit weist es Reminizenzen an Mystery- und Psychothriller wie “The Others”, “Das Grauen” und “Ghost – Nachricht von Sam” auf.

(Foto: Lori Linstruth)

Um diese Geschichte umzusetzen hat sich Lucassen natürlich einmal mehr die Créme de la Créme der internationalen Metal-Szene ins Studio geladen (oder sie ihren Beitrag in den eigenen Studios beisteuern lassen). Den Haupt-Charakter der Geschichte, Daniel, singt Tommy Karevik, den die Fans entweder von KAMELOT oder SEVENTH WONDER her kennen. Seine Freundin Abby wird von Cammie Gilbert (OCEANS OF SLUMBER) verkörpert, den durchtriebenen Bruder Henry singt Paul Manzi (Ex-ARENA, THE SWEET), während der herrschsüchtige Vater die Stimme von Dee Snider (Ex-TWISTED SISTER) geliehen bekommt. Hinzu kommt noch Simone Simons von EPICA, die den Engel des Todes interpretiert. Bei den Instrumentalisten stechen natürlich zwei Namen ganz klar heraus: nämlich die beiden Gitarren-Helden Joe Satriani und Marty Friedman (Ex-MEGADETH), die mit ihren Soli die jeweiligen Songs zusätzlich noch veredeln.

Das Songwriting auf diesem neuen Album beschreibt Lucassen selbst als sein bislang filmischstes und im postiven Sinne ungeheuerlichstes Oeuvre. Er erklärt: „Der Spirit von Progressive Rock besteht darin, zu experimentieren und immer wieder Neuland zu betreten. Genau das hatte ich mit “Transitus“ im Sinn. Deshalb ist es anders geworden, als man es von AYREON bisher kennt – theatralischer und ein bisschen wie ein Musical.” In der Musik tauchen dieses Mal auch Einflüsse von Film-Komponisten wie John Carpenter, Ennio Morricone oder Jerry Goldsmith auf, ebenso wie Elemente, die dann eben auch mal an Rockopern wie “Jesus Christ Superstar” oder “Tommy” erinnern. Da das Album daneben aber auch wieder bombastische Wucht mit hingebungsvollem Rock mischt, ist es eben aber auch ein würdiges AYREON-Album. Ansonsten hätte es Lucassen wohl unter einer anderen Flagge veröffentlicht.

Denn wie so oft schon ist es dem Niederländer gelungen, nicht nur eine gute Geschichte zu konzipieren, sondern sie auch in dichte und dramatische musikalische Kompositionen einzubetten, die den Hörer in das Geschehen hineinsaugen und dort gefangen halten. Dafür sorgen denn auch die wirklich wieder einmal brillant ausgesuchten Sänger, allen voran natürlich Tommy Karevik, der die Hauptlast der Performance auf seinen Schulter trägt und diese Verantwortung souverän meistert. Daneben überrascht die (zumindest mir bisher) recht unbekannte Cammie Gilbert mit einer ebenso facettenreichen wie bewegenden Leistung. Und auch die „Nebenrolle“ sind absolut perfekt besetzt, egal ob es sich um die wie immer brillante Simone Simons als „Engel des Todes“ handelt, oder Paul Manzi als den hinterlistigen Bruder und Amanda Somerville als seine Komplizin Lavinia, Dee Snider ist der perfekte intoleranten und seinem Standesdenken verpflichtete Vater. Marcela Bovio und Caroline Westendorp sind furiose Furien.

Zudem ist es Lucassen erneut gelungen, dem Album einen wirklich beeindruckenden Fluss zu geben. Die Stücke gehen wie in einem guten Theater-Stück (und irgendwie ist es ja auch kaum ein Unterschied) nahezu Hand-in-Hand (auch wenn sie natürlich immer wieder von Baker in seiner Rolle als Erzähler der Geschichte getrennt werden). Dabei entwickeln sie aber eine Dynamik, die die Handlung der Dramaturgie entsprechend zu immer neuen Höhepunkten führt, die dem Hörer nur vereinzelte Pausen zum Durchschnaufen und Innehalten lassen (wie etwa bei Seven Days, Seven Nights zwischen den beiden Krachern Get Out! Now! und Condemned Without A Trial). Gegen Ende der Geschichte werden die Lieder sogar etwas hektischer und schaukeln die ohnehin ja schon emotionale Geschichte noch einmal zu einem dramatischen Finale furioso.

Lucassen hat sich mit "Transitus" noch einmal selber übertroffen. Ich würde jetzt nicht behaupten, dass es das beste AYREON-Album per se ist (das hängt ohnehin häufig auch bei jedem Hörer mit anderen Faktoren zusammen), aber es ist dem Maestro erneut gelungen, ein rundum stimmiges und spannendes Album mit wirklich tollen Gast-Beiträgen vorzulegen, das jedem Fan der bisherigen Werke wohl auch ganz hervorragend gefallen wird. Dabei kommt “Transitus“ in insgesamt drei Formaten auf den Markt: neben der CD auch als farbiges Doppel-Vinyl mit Gatefold-Cover sowie als Earbook mit insgesamt vier CDs und einer DVD, die neben einigen weiteren Specials einen 5.1-Mix des Albums beinhaltet. Als besondere Zugabe erscheint die Geschichte zusammen mit dem Album als 28-seitiges Comic-Buch aus der Feder des chilenischen Zeichners Felix Vega.

 

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