BANG YOUR HEAD 2002The odyssey continues...
28. & 29.6.2002, Balingen, Messegelände
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Irgendwie taten sich die Bang Your Head-Macher vom Heavy oder was? in diesem Jahr schwer ein auf den ersten Blick ähnlich attraktives Programm wie in den vergangenen Jahren zusammenzustellen. Viele vielversprechenden Pläne lösten sich in Luft auf. TWISTED SISTER sagten ab, weil sich die Band intern nicht einigen konnten, ob sie mit oder ohne Make-Up auftreten sollten. Der als 'very special guest' engagierte Bruce Dickinson wollte plötzlich nur noch als Headliner seinen Hintern auf die Bühne schwingen, doch zu dem Zeitpunkt waren die Verträge mit SLAYER und SAXON bereits unter Dach und Fach. Alice Cooper, Ted Nugent, DEF LEPPARD, THIN LIZZY, MÖTLEY CRÜE, SKID ROW, POISON, QUEENSRYCHE... sie alle waren im Gespräch, und aus den unterschiedlichsten Gründen nahm man von einem Engagement Abstand.
Schließlich stand das Line-Up und Horst, Jagger & Co. bekamen eine volle Breitseite an Kritik vor den Latz geknallt.
Wie kann man nur SLAYER als Headliner verpflichten? Warum nicht diese oder jene Band? Warum spielen RHAPSODY so früh, und RAWHEAD REXX so spät? Und, und, und...
Als ob das noch nicht genug war, fielen MAGNUM und SYMPHONY X kurzfristig aus gesundheitlichen Gründen aus und DORO und BONFIRE mussten spontan einspringen...
Ich glaube, nur wer selbst schon Konzerte veranstaltet hat kann in etwa nachempfinden, welch Druck und Belastung von den Verantwortlichen abfiel als RIVAL am Freitag pünktlich die Bühne enterten und alles seinen geregelten Lauf zu nehmen schien.

Freitag, 28.6.2002

RIVAL (Bildergalerie)
Für eine Undergroundband wie RIVAL ist ein Auftritt auf dem BYH selbst zu dieser Tageszeit vor relativ wenig Zuschauern wie ein Sechser im Lotto. Die Jungs aus Chicago konnten eine gewisse Unsicherheit und Nervosität nur teilweise kaschieren, boten aber trotzdem einen ansprechenden Gig zum Auftakt des zweitägigen Open Air-Spektakels.
Streckenweise erinnerte mich die Band mit ihrem rauen, ungeschliffenen Powermetal an eine härtere Ausgabe von WAYSTED. Jedenfalls konnten RIVAL mit Krachern wie Beast of the night, Tides of fate oder dem speedigen Rausschmeißer Time waits for noone einen Achtungserfolg landen und die Kumpels zu Hause werden über die mitgebrachten 'Beweisfotos' vom Publikum und dem Festivalgelände Bauklötze staunen.

RHAPSODY (Bildergalerie)
Setlist: Knightrider of doom, Emerald sword, The march of the swordmaster, Holy thunderforce, Village of the dwarves, Dawn of victory
Ja, auch ich gehöre zu denen, die der Ansicht sind, dass RHAPSODY eine weitaus bessere Position im Billing verdient gehabt hätten. Die Italiener ließen sich aber davon in keinster Weise beeindrucken und fuhren kurz vor Mittag eine große Bühnenproduktion auf, die fast der eines Headliners würdig war. Schon beim von zwei Pantomimen dargestellten Intro zu Knightrider of doom in Verbindung mit dem glasklaren, druckvollen Sound stellten sich mir die Nackenhaare vor Begeisterung auf. Die Songauswahl war zudem mit Emerald sword, The march of the swordmaster, Holy thunderforce, Village of the dwarves und Dawn of victory angesichts der knappen Spielzeit nahezu perfekt. Einige Pyros, wie Funkenregen und grüne Flammenfontänen, und der gigantische Bühnenbackdrop sorgten genauso für eine visuelle Aufwertung der Performance, wie der Auftritt einiger Gastmusiker den Anteil der zusätzlich eingespielten Sounds verringerte. RHAPSODY waren ohne Zweifel einer der Höhepunkte des diesjährigen Festivals.

JAG PANZER (Bildergalerie)
Mit JAG PANZER folgte gleich der nächste Hammer zu früher Stunde. Meine Erwartungen an die Band um den Vier-Oktaven-Ausnahmesänger Henry 'The Tyrant' Conklin waren zugegebenermaßen sehr hoch, doch die Band übertraf sie spielend. Ein charismatischer Frontman, wie 'The Tyrant', der sein Publikum von den ersten Takten von Chain of command an, spielend im Griff hat, ist natürlich schon einmal die halbe Miete. Meine Fresse, was machte es Spaß, diesem Künstler zuzusehen, wie er über die Bühne tobt. Dazu schmetterte die Band eine Powermetalhymne nach der anderen ins Publikum, und berücksichtigte dabei erfreulicherweise alle Phasen der Bandgeschichte. Take to the sky wurde genauso enthusiastisch vom zahlreich vor der Bühne versammelten Publikum abgefeiert, wie King at a price oder Generally hostile. Ein sehr überzeugender Auftritt einer überaus sympathischen Band.

BONFIRE (Bildergalerie)
Setlist: Daytona nights, Bang down the door, Hot to Rock, Don't touch the light, Sweet obsession, Proud of my country, American nights, Under blue skies, Strike back, Sweet home Alabama, Ready 4 reaction/Champion
BONFIRE als Ersatz für SYMPHONY X - Aus meiner Sicht eine etwas unglückliche Wahl. Zumindest hätte man versuchen sollen, eine stilistisch ähnlichere Band zu engagieren. Ich hätte spontan mal bei EVERON angefragt, hätten die doch den Progressiv-Jüngern weitaus eher gemundet und wären zudem auch noch den enttäuschten MAGNUM-Anhängern runter gegangen wie Öl. Oder warum nicht einfach die ohnehin anwesenden FALCONER oder SHADOW KEEP zusätzlich zu den Auftritten im WOM auf die Festivalbühne holen? Wie dem auch sei...
Nach JAG PANZER lichteten sich die Reihen vor der Bühne zunächst ganz gewaltig, aber nur für kurze Zeit. Man kann zu BONFIRE stehen wie man will, aber live bieten sie einfach Partyrock der Spitzenklasse. Damit eroberten sie auch recht schnell das doch eher metallisch ausgerichtete Publikum in Balingen.
Sicherlich lässt sich darüber streiten, ob das schwachsinnige, weil überflüssige Schlagzeugsolo wirklich nötig war. Fraglich ist auch, ob man Sweet home Alabama mit dem Back in black-Riff kreuzen muss, beziehungsweise, ob man das Ding nicht besser gleich in die Tonne kickt. Man darf auch gerne kritisch anmerken, dass Sänger Klaus Lessmann noch tausend Mal gegen Braune Idioten auf den Straßen (O-Ton) wettern kann, ihnen aber bei jeder Show mit Proud of my country eine perfekte Rechtfertigungshymne liefert. Ich wage einfach zu bezweifeln, dass er verhindern kann, dass diese Nummer bei den Kameradschaftsabenden entsprechender Gesinnungsgenossen missbraucht wird.
Das alles ändert aber nichts daran, dass BONFIRE live eine äußerst unterhaltsame Band waren und Balingen durch den völligen Verzicht auf Balladen zusätzlich einheizten.

CANDLEMASS
Nach den Partyrockern BONFIRE wären die Doomer CANDLEMASS schon ein krasser Kontrast gewesen, aber dazu sollte es gar nicht erst kommen. Die Instrumente der Schweden waren am Flughafen aufgehalten worden und da es sich um spezialangefertigte 'Linkshändergitarren' handelte, halfen auch spontane 'Ausleihangebote' der Musikerkollegen nicht weiter. CANDLEMASS waren der Ansicht sie brauchen ihre eigenen Instrumente um ihren Lavasound zelebrieren zu können. Spontan wurden CANDLEMASS auf den nächsten Tag verschoben und in einer Blitzaktion TITAN FORCE aus dem Hotel angekarrt, bzw. Henry 'The Tyrant' Conklin aus der laufenden JAG PANZER-Autogrammstunde abgezogen.

TITAN FORCE (Bildergalerie)
Setlist: Small price to pay, Chase your dream, Master of disguise, The darkness, Shadow of a promise, Fields of valour
So stürmte 'The Tyrant' zum zweiten Mal innerhalb von zwei Stunden auf die Bühne. Muss ich erwähnen, dass er auch mit TITAN FORCE für eine der Sternstunden in der Festivalgeschichte sorgte? Es war wirklich beeindruckend, wie eine der am sträflichsten unterbewerteten Bands der frühen 90er reanimiert wurde. Dankbar sog das Publikum die Klassiker des Debuts und des Nachfolgewerkes "Winner/Loser" in sich auf. Zudem ließ der 'neue', aus einer Demo-Session stammende Song The darkness die Hoffnung aufkeimen, dass TITAN FORCE doch noch nicht endgültig Geschichte sind. Gerade heute wäre eine Band wie TITAN FORCE, die stilistisch in die Fußstapfen der frühen QUEENSRYCHE, FIFTH ANGEL, CRIMSON GLORY und LETHAL tritt, wichtiger denn je.

OVERKILL
Anstelle von OVERKILL machten sich überraschenderweise GAMMA RAY für ihren Auftritt bereit. Wie ich erfuhr war am Vorabend beim Auftritt in Nürnberg OVERKILLs Sänger Blitz im Hirsch von der Bühne gestürzt und ins Koma gefallen. Das klang überhaupt nicht gut und sorgte etwas für bedrückte Stimmung, aber: The show must go on. (Anm. des Verfassers: Mittlerweile wurde bekannt, dass 'Blitz' einen leichten Schlaganfall erlitt.)

GAMMA RAY (Bildergalerie)
Setlist: Rebellion in dreamland, Dethrone tyranny, Ride the sky, New world order, Fire below, Land of the free, Man on a mission, Eagle, Valley of the kings, Somewhere in dreamland
Nun, GAMMA RAY sind eine der Bands, bei denen sich das Überraschungsmoment in Grenzen hält, oder um es positiv zu formulieren: Eine verlässliche Größe. Kai Hansen & Co. boten einen ansprechenden Gig mit vielen Klassikern und einigen Songs vom aktuellen Album "No world order" wie Eagle oder den Beinahe-Titeltrack New world order.
Rebellion in dreamland, Somewhere out in space, Man on mission, Valley of the kings oder Land of the free sorgten ebenso für Begeisterung im Publikum wie der alter HELLOWEEN-Klassiker Ride the sky. Wem das alles zu vorhersehbar war, dem empfahl Kai Hansen die Tour im Herbst unter dem Motto "Skeletons in the closet". Da wollen GAMMA RAY ausschließlich selten oder sogar nie live vorgestellte Songs präsentieren. Das könnte höchst spannend werden.

FOZZY (Bildergalerie)
Setlist: Stand up and shout, Eat the rich, Stay hungry, Balls to the wall, Crucify yourself, Freewheel burning, Where eagles dare/Wrathchild, TNT, Live wire
Mut haben die Veranstalter, eine Band wie FOZZY zu verpflichten. Das Debutalbum der Jungs um den WWF-Wrestling-Star Chris Jericho erschien erst am Montag nach dem Festival und dementsprechend kannte in Balingen kein Schwein FOZZY. Na ja, abgesehen von der Gestalt in Pfadfinderuniform mit Schweinsmaske, die eifrig den ganzen Tag über Merchandiseartikel verschenkte um so gut Wetter für die Band zu machen.
Keine Frage, FOZZY gingen ganz gut ab und heizten dem Publikum gehörig ein. Moongoose McQueen aka Chris Jericho ist ein agiler Frontman, der sein Publikum fesseln kann. Hier kommt ihm natürlich seine Bühnenerfahrung als Wrestler eindeutig zu Gute. Der Rest der Band versteht ebenfalls sein Handwerk, aber das konnte man von Leuten wie Andy Sneap oder Rich Ward auch erwarten.
Als Coverband überzeugten FOZZY mit Metalstandards wie Stand up and shout, Stay hungry, Balls to the wall oder Freewheel burning. Trotzdem blieb die Band den Beweis schuldig über ein eigenes Profil zu verfügen. Schade, dass die Interpretationen nicht halbwegs soviel Humor, Witz und Ideenreichtum versprühten, wie die sorgfältig ausgetüftelte Bandhistory. Somit waren FOZZY zwar unterhaltsam, aber die Spielzeit hätte man lieber RHAPSODY, JAG PANZER, TITAN FORCE oder NIGHTWISH zugeschanzt.

NIGHTWISH (Bildergalerie)
Setlist: Bless the child, End of all hope, Cover me, Kinslayer, Dead to the world, Sacrament of wilderness, Slaying the dreamer, Beauty of the beast, Wishmaster, Sleeping sun, Over the hills and far away
NIGHTWISH waren für viele Besucher, mich eingeschlossen, der wahre Headliner am Freitag. Zumindest waren weitaus mehr NIGHTWISH- als SAXON-Shirts in der Menge auszumachen.
Die Finnen boten einen wahrlich Ehrfurcht gebietenden Auftritt, vorausgesetzt man steht auf diesen opulenten, bombastischen, orchestralen Heavy Rock mit Tarjas Operngesang. Andernfalls habe ich aber auch vollstes Verständnis, wenn jemand NIGHTWISH auf Dauer als zu anstrengend und nervig abtut.
Siebzig kurzweilige Minuten lang zog die Band alle Register ihres musikalischen Könnens. Es fällt schwer, den Auftritt mit Worten zu beschreiben. Kann man mit Musik mehr bewirken, als dass sie den Hörer die Welt um sich herum vergessen lässt? Die Luft scheint von Magie erfüllt, wenn Tarja ihre kraftvolle, ausdruckstarke Stimme erhebt. Diese pflanzt Emotionen in die Herzen der Zuhörer, und wen sie doch nicht emotional zu fesseln vermag, dem ringt sie zumindest tiefen Respekt für ihre Perfektion ab.
Doch NIGHTWISH sind weit mehr als nur eine Ausnahmesängerin. In dem ganzen, durchaus berechtigten Rummel um Tarja wird viel zu oft vergessen, über welch exzellenten Songwriter die Band mit Keyboarder Tuomas Holopainen verfügt. Vier komplette Alben, fast vollständig aus seiner Feder, ohne auch nur einen schwächeren Song, sprechen eine deutliche Sprache.
Geschickt wurden Stücke des neuen Albums "Century child" in den Set mit eingebaut, die neben bekanntem Material wie Wishmaster oder Away mühelos bestehen konnten.
NIGHTWISH sind eine Band, die Fans anspruchsvoller Musik aus unterschiedlichen Lagern, auch außerhalb der Metal-Szene, eint, und deshalb ganz groß werden könnte. Ich hoffe, dass ich mich irre, es steht jedoch zu befürchten, dass es dazu nicht kommen wird, weil Tarja ihre persönliche Zukunft als 'seriöse' Operndiva sieht. Der Auftritt unterstrich, welch großer Verlust das wäre. So lange Tarja dem Rock erhalten bleibt, sollte man jede sich bietende Gelegenheit nutzen sich von NIGHTWISH verzaubern zu lassen.

SAXON (Bildergalerie)
Setlist: Killing ground, 747 (Strangers in the night), Dogs of war, Court of the crimson king, Dallas 1PM, Backs to the wall, Motorcycle man, The eagle has landed. Forever free, Power and the glory, Conquistadores, Fritz Randow Drum Solo, Heavy Metal thunder, Strong arm of the law, Princess of the night, Crusader, Solid ball of Rock, Wheels of steel, Denim and leather
Nach Nachtigall Tarja Turunen wirkte SAXON-Frontman Biff Byford wie ein altersschwacher Wellensittich. Bitte versteht mich nicht falsch. Ich mag Biff und schätze ihn als einen fähigen Heavy Metal Shouter, aber nach so einer phantastischen Sängerin wirkte seine Gesangsleistung doch eher dürftig. Aber was soll's? Wir hatten genug Arien und die Qualitäten von SAXON liegen definitiv auf einem anderen Gebiet.
Die Altmeister der New Wave Of British Heavy Metal haben mittlerweile so viele Klassiker in petto, dass sie nach einer groben Vorauswahl die Setlist Abend für Abend auswürfeln könnten. Wer weiß, vielleicht machen sie das ja sogar. Sicher nicht vor jeder Show, aber eventuell vor jeder Tournee.
SAXON nutzten ihren Headliner-Status und hatten die alte Bühnendeko der 84er-Crusader-US-Tour wieder ausgegraben. Eine Burgkulisse dominierte den Bühnenhintergrund, und mittlerweile sollte es sich herumgesprochen haben, dass ich ein großer Fan stimmungsvoller Bühnenausstattung bin.
Natürlich war auch der mittlerweile fast schon legendäre, beeindruckende SAXON-Adler mit dabei, der vor allem bei The eagle has landed und bei den Mitgrölsongs im Zugabenblock mit seinen unzähligen Strahlern auf dem Festivalgelände die Nacht wieder zum Tag machte. Vielleicht könnten SAXON den ja mal PRIMAL FEAR ausleihen....
Die Band brannte ein musikalisches Feuerwerk ab. Der Set bestand fast ausschließlich aus den stärksten Nummern, der mittlerweile fast unzähligen SAXON-Alben mit Schwerpunkt auf den glorreichen Achtzigern. Damit konnte die Band natürlich wenig falsch machen und lieferte dem Publikum die erwartete Vollbedienung. Es machte einfach irre Spaß nach langer Zeit mal wieder Songs wie Princess of the night, Denim and leather oder 747 live zu hören. Da fällt es nicht ins Gewicht, dass der inzwischen ergraute Biff auch nur noch über maximal fünf unterschiedliche Gesten, bzw. Posen verfügt und das sicher jeder im Publikum der Band spontan noch eine handvoll Songtitel hätte zurufen können, die man ebenfalls gerne gehört hätte.
Hoffentlich bleiben uns SAXON in dieser Form noch lange erhalten.

Samstag, 29.6.2002

S.A. ADAMS / MÄGO DE OZ
Die ersten beiden Acts am Samstag früh verpasste ich. Wenn man aber so um sich lauschte, dann haben vor allem die Spanier MÄGO DE OZ, die am Freitag noch ein großes Festival in ihrer Heimat headlinten, einen sehr positiven Eindruck hinterlassen.

TANKARD
Rechtzeitig zum Frühschoppen mit TANKARD traf ich auf dem Festivalgelände ein. Die hessischen Thrasher zogen zwar einen ansehnlichen Moshpit vor die Bühne, in dem es recht heftig zur Sache ging, doch mich persönlich ließ der Gig ziemlich kalt. Vermutlich muss man einfach ein eingefleischter Fan sein, oder schon ein paar Bier intus haben um an dieser, vorsichtig ausgedrückt, sehr einfach gestrickten Mucke gefallen zu finden. Nichts gegen gut gemachten Thrash, aber etwas anspruchsvoller und technisch versierter darf das schon sein. Zwischen dem stumpfen Geknüppel von TANKARD und Bands wie OVERKILL oder TESTAMENT liegen einfach Welten, zumindest wenn man diesen Auftritt als Maßstab nimmt.

VANDEN PLAS (Bildergalerie)
Da waren VANDEN PLAS schon ein ganz anderes Kaliber. Meine Befürchtung die Pfälzer Progressivmetaller würden einen sehr schweren Stand haben, bewahrheitete sich erfreulicherweise nicht. Zum einen sind VANDEN PLAS trotz der melodisch-progressiven Ausrichtung lange nicht so abgedreht wie DREAM THEATER, lassen es aber trotzdem ordentlich krachen, und zum anderen waren doch eine ganze Menge Fans extra aus Frankreich angereist, wo VANDEN PLAS einen weitaus höheren Stellenwert als hierzulande genießen.
So wurde der Auftritt für die Pfälzer ein voller Erfolg, was sich später auch am Andrang bei der Signing-Session ablesen ließ. Mit Songs wie Rainmaker oder To the fire und ihrer energiegeladenen Performance dürfte die Band durch diesen Auftritt einige neue Anhänger hinzugewonnen haben.

IRON SAVIOR
Ja, es war nicht ganz einfach, an diesem Wochenende den Überblick zu behalten. Der Auftritt von IRON SAVIOR wurde nach hinten verschoben, weil ein Musiker seinen Flieger verpasst hatte und nicht rechtzeitig in Balingen eingetroffen wäre.

SHAKRA (Bildergalerie)
SHAKRA hinterließen einen weitaus besseren Eindruck, als bei meiner letzten Begegnung mit den Schweizern im Rahmen der GREAT WHITE-Tour vor zwei Jahren. Irgendwie hatte ich das Gefühl, dass die Eidgenossen, die von einer ganzen Menge Fans aus ihrer Heimat begleitet wurden, vor allem härtetechnisch zugelegt haben. Das stand ihnen sehr gut zu Gesicht, wobei immer noch partytauglicher Heavyrock das Terrain war, auf dem sich die Band bewegte. Da GOTTHARD sich wohl endgültig in Mainstreamgefilde verabschiedet haben, könnten SHAKRA diese Lücke ausfüllen.
Der neue Sänger Mark Fox wusste sowohl stimmlich, als auch als Entertainer zu überzeugen, hinterließ bei mir aber trotzdem einen etwas komischen, wenngleich sympathischen Eindruck. Ich hab eine Weile gebraucht, bis ich darauf kam weshalb. Das Bürschchen erinnerte mich von der Optik her an einen langhaarigen, einige Jahre älteren Harry Potter-Klon. Sorry, Mark - kannst ja nichts dafür.
SHAKRA sorgten für gute Laune und glänzten mit einer enormen Spielfreude. Tracks wie The sun will shine oder Stranger sind natürlich auch ein Pfund mit dem man wuchten kann, und wenn im Laufe der Zeit noch ein paar Kracher dieser Güte dazu kommen, dann führt an dieser Band kein Weg mehr vorbei. Unter dem Strich ein solider Auftritt und das Gefühl, dass diese Band noch lange nicht am Limit angelangt ist.

CANDLEMASS (Bildergalerie)
Setlist: The well of souls, Mirror mirror, Samarithian, At the gallows end, Under the oak, Blackstone wielder / Solitude, Crystal ball
Dann endlich der Auftritt auf den viele gewartet hatten: Die Reunion-Show von CANDLEMASS.
Bei solchen Auftritten wird gerne die Worthülse 'Kult' angeführt, und oft stellt man sich die Frage, ob der 'Kultfaktor' einer Band nicht gnadenlos überschätzt wird, und einfach nur mit aller Gewalt eine mausetote Kapelle reanimiert werden soll. CANDLEMASS fegten solche Gedanken in Nullkommanix zur Seite.
Ich habe der Band in der Vergangenheit nie größere Aufmerksamkeit geschenkt, doch das wird sich ganz schnell ändern. Was Messiah Marcollin und seine Mitstreiter im gleißenden Sonnenlicht an musikalischer Schwere und Finsternis verströmten, war einfach nur beeindruckend. Vielleicht haben viele Anfang der Siebziger ähnlich empfunden, als sie das erste Mal mit BLACK SABBATH in Berührung kamen.
"Epicus Doomicus Metallicus" - der Titel eines der klassischen CANDLEMASS-Alben - ist immer noch Programm. Schwerfällige epische, doch stets gnadenlos harte Doomungeheuer schoben sich majestätisch aus den Lautsprechern und walzten alles platt was sich ihnen in den Weg stellte.
Der charismatische Frontman Messiah Marcollin hatte seine Mönchskutte ausgemottet und zog durch die gestenreiche Untermalung seiner starken Gesangsperformance alle Blicke auf sich. Was Messiah und CANDLEMASS besonders auszeichnet: Trotz der düsteren Musik, die sie auf die Menschheit loslassen, sind es durch die Bank keine 'Berufsbösewichter'. Man hat das Gefühl, die Band kann über sich selber augenzwinkernd lächeln und sie haben wirklich Spaß an ihrer eher bedrückenden Musik. Nicht selten folgt bei Messiah auf eine teuflische Grimasse sofort ein breites Grinsen.
Das war schon verdammt stark, was CANDLEMASS abzogen und ich lege mich fest: Diese Reunion ist für die gesamte Doom-Metal-Szene weitaus wichtiger und prägender, als jeder weitere Versuch von BLACK SABBATH und Ozzy Osbourne, doch noch einmal gemeinsam was auf die Beine zu stellen.

IRON SAVIOR (Bildergalerie)

Nach CANDLEMASS auf die Bühne zu müssen, wäre auch anderen Bands schwer gefallen. Für IRON SAVIOR war es ein fast aussichtsloses Unterfangen. Das Publikum stand noch ganz unter dem Banne der furiosen Darbietung des Messiah und nun sollte es einer Band zu Füßen liegen, die allein dadurch, dass Frontman Piet Sielck zugleich eine der Gitarren bediente, weitaus statischer wirkte.
Dazu kam, dass die Hamburger keinesfalls eine schlechte Band sind, aber mit ihrem schnellen, melodischen Powermetal auch nicht gerade das Rad neu erfinden. Das hatte man alles schon mal irgendwo gehört und gesehen. Trotzdem gelang es IRON SAVIOR, vor allem dank einiger Hymnen wie Titans of our time, sich achtbar aus der Affäre zu ziehen. Um aber selbst zu den Titanen zu gehören, müssen Piet Sielck & Co. beim nächsten Mal noch eine Schippe draufpacken.

RAWHEAD REXX (Bildergalerie)

RAWHEAD REXX: Eine Band mit Lokalkolorit, die bislang ein, zugegeben gutes, Album auf dem Markt hat, dessen Veröffentlichung aber auch schon ein Weilchen her ist. Der Nachfolger ist zwar in Arbeit, wird aber wohl erst Anfang 2003 veröffentlicht werden. Hm, eine Band mit dieser Ausgangsbasis an so exponierter Stelle im Festival positioniert... ein Schelm, wer Böses dabei denkt.
Aber bei RAWHEAD REXX war ohnehin eine ganze Menge anders, als bei den anderen Bands. Während der ersten drei Songs war der Zugang zum Fotograben nicht gestattet. Statt dessen sollte man ab Song Nummer vier fotografieren. Nun, einigen Kollegen missfiel diese Vorgehensweise offensichtlich so sehr, dass bei keiner anderen Band so viel Platz im Fotograben herrschte, wie bei RAWHEAD REXX.
Kommen wir aber zur Musik. Jürgen Volk und seine Mannen gingen recht engagiert zu Werke und feuerten eine Power-Metal-Hymne nach der anderen von ihrem Debüt-Album ab. Die Show wurde von unzähligen Pyroeffekten begleitet, doch der berühmt berüchtigte Funke wollte selbst bei echten musikalischen Knallern wie Holy war nicht so recht überspringen.
Das änderte sich erst gegen Ende des Sets, der mit der BLACK SABBATH-Coverversion Heaven and hell eingeläutet wurde. Der Auftritt des Bandmaskottchens, des RAWHEAD REXX, der verblüffende Ähnlichkeit mit den frühen Inkarnationen von IRON MAIDENs Eddie hat, ließ die Stimmung weiter ansteigen. Doch so richtig zur Sache ging es im Publikum erst, als Geoff Thorpe als Gast zur Band stieß. Quasi mit RAWHEAD REXX als Backing-Band präsentierte er die VICIOUS RUMORS-Klassiker On the edge und Abandon, was für einen halbwegs versöhnlichen Abschluss sorgte. Zur allgemeinen Überraschung leisteten sich RAWHEAD REXX dann sogar den Luxus auf ihren fraglos stärksten Song The scream zu verzichten, der sicher noch für ein weiteres Stimmungshoch gesorgt hätte.
Da die Band erst mit den Fremdkompositionen so richtig durchstartete muss die Frage gestattet sein, ob RAWHEAD REXX nicht doch etwas zu hoch im Billing angesetzt waren.

NEVERMORE (Bildergalerie)
Setlist: The riverdragon has come, We disintegrate, This sacrament, Narcosynthesis, The heart-collector, Beyond within, The sound of silence, Enemies of reality, Dead heart in a dead world, Ride the lightning
Vielleicht hatte sich das Publikum auch einfach für NEVERMORE geschont. Schon Minuten bevor die Band die Bühne betrat hallten "NEVERMORE-, NEVERMORE"-Rufe über das Gelände. Die Stimmung explodierte förmlich, als Sänger Warrel Dane in langem schwarzen Mantel, mit Hut und Sonnenbrille getarnt, die am meisten umjubelten sechzig Minuten des Festivals eröffnete.
Der Gig des Seattle-Fünfers war für mich die ganz große Überraschung des diesjährigen Bang Your Head-Festivals. Es war weniger die erwartete und nicht zu bestreitenden Klasse der Band, sondern die Erkenntnis, dass die Qualität NEVERMOREs mittlerweile von so vielen Fans so enthusiastisch honoriert wird.
Völlig gleichgültig, was die Band zum Besten gab, vor der Bühne tobte der Mob und ab der Mitte des zweiten Songs setzte ausgiebiges, von Warrel Dane gefördertes Stagediving ein. Den ersten Diver wollten die Ordner noch rüde zur Raison bringen, was Warrel engagiert verhinderte. Von da an wurde das wilde Treiben von der Security zumindest toleriert.
Musikalisch gab es an dem energiegeladenen Auftritt NEVERMOREs rein gar nichts auszusetzen. Der schwäbische Headbanger aus der ersten Reihe, der noch vor dem ersten Ton Warrel die Anweisung 'Spiel gfälligschd des schnelle ond harde Zeigs!' gab, dürfte voll auf seine Kosten gekommen sein. NEVERMORE gaben ganz gewaltig Gas und eine beeindruckende Vorstellung ihres von komplexen Strukturen dominierten Powermetals.
Eine gelungen Version von METALLICAs Klassiker Ride the lightning bildete einen gelungenen Abschluss des Konzertes, wenngleich es der am einfachsten gestrickte Song der letzten Stunde war. Stilvoll auch der Abgang der Band: Es wurden einfach so viele Stagediver auf die Bühne gehievt, dass an eine Fortsetzung des Auftritts nicht mehr zu denken war und im allgemeinen Getümmel machten sich NEVERMORE klammheimlich vom Acker.

DORO (Bildergalerie)
Setlist: Hellbound, Burning the witches, I rule the ruins, Burn it up, Chained, Metal Tango, Für immer, Hellraiser, East meets west, Fight, White wedding, All we are, Jade, Ich will alles
Arme Doro Pesch, nach so einem Inferno auftreten zu müssen. Die 'Grande dame' des Heavy Rocks weiß aber mit solchen Situationen umzugehen, und hat selbstverständlich eine ganze Menge musikalischer Highlights in petto.
Ich hatte schon seit Jahren kein DORO-Konzert mehr besucht, was mit eine Spätfolge der Achtziger war, als DORO oder WARLOCK einem bei beinahe jeder zweiten Tour als Support aufgenötigt wurden. Zudem hat man ja so seine Vorurteile was einen erwartet: Viele Balladen und jede Menge der deutschsprachigen Songs, die mir persönlich doch oftmals zu pathetisch ausfallen. Aber von wegen! Die Show war überraschend WARLOCK-lastig und vor allem setzten DORO (die Band) überwiegend auf härteres Material.
Damit zog die gebbürtige Düsseldorferin einen Großteil des Publikums schnell auf ihre Seite. Seien wir doch ehrlich, es macht ja auch Spaß mal wieder so Klassiker wie Burning the witches, All we are oder Metal Tango zu hören. Die beiden neuen Songs Fight und Chained fügten sich ganz gut ein, ernteten aber verständlicherweise lange nicht so starke Reaktionen.
DORO überzeugten als ansprechender Liveact und rührten mit dem Auftritt gewaltig die Werbetrommel für die Headlinertour im Herbst. Sollte man sich vielleicht reinziehen.

HALFORD (Bildergalerie)
Setlist: Crucible, Golgotha, Painkiller, Riding on the wind, Cyberworld, Exciter, Resurrection, Made in hell, One will, Betrayal, Hearts of darkness, Freewheel burning, The hellion, Electric eye
Rob Halford - Metal God! Selten so gelacht! Keine Frage, Rob Halford hat wie kaum ein anderer Sänger die Heavy Metal-Szene geprägt, Maßstäbe gesetzt und unzählige Sangeskollegen nachhaltig beeinflusst, doch das ist Schnee von gestern. Okay, mit "Resurrection" hatte Rob nach langer Zeit mal wieder ein richtig geiles Heavy Metal-Album vorgelegt und auf den neusten Streich "Crucible" war man wieder richtig heiß, so ganz wie in den alten seligen Tagen mit JUDAS PRIEST. Doch was hilft es, wenn der gute Mann live den mühsam erarbeiteten guten Ruf so leichtfertig wieder ruiniert.
Auf die Gefahr hin, mich bei einigen Die-hard-Fans extrem unbeliebt zu machen. Live bringt es Rob einfach nicht mehr! Der Auftritt von HALFORD in Balingen war mit eins der erbärmlichsten Konzerte, das mir im letzten Vierteljahrhundert untergekommen ist. Ich lege aber äußersten Wert auf die Feststellung, dass sich meine Kritik nur auf Rob Halford, nicht aber auf seine durchaus gute Band bezieht.
Der Meister ist inzwischen so neben der Kappe, dass er seine Songtexte von einem Teleprompter ablesen muss. Okay, werden einige einwenden, das macht Ozzy auch. Und? Ratet mal, warum ich mir Ozzy 1986 das letzte Mal angeschaut habe!
Wenn der gute Rob ab und an eine Gedächtnisstütze bräuchte: Wegen mir, aber der schafft wirklich keine einzige Textzeile mehr auswendig und das hat fatale Auswirkungen für die Show. So klammerte sich Rob Halford an seinen Mikroständer und starrte angestrengt vor sich auf den Teleprompter. In den Instrumentalpassagen ging Rob drei Schritte zurück, lief einmal unmotiviert im Kreis und kehrte wieder an seinen ursprünglichen Platz zurück.
Am schlimmsten aber war, dass Rob Halford jeglichen Respekt vor dem Publikum vermissen ließ. Er zog einfach seinen Stiefel durch, ohne ein einziges Wort an das Auditorium zu richten. Kein 'Hello', kein 'Thank you', kein gar nichts. Ganz ehrlich, Rob hätte auf dem Mond spielen können und das Ganze per Satellit nach Balingen übertragen lassen können. Die Distanz zum Publikum wäre nicht größer gewesen.
Im Publikum bildeten sich unterschiedliche Fraktionen. Die einen verstanden nicht ganz, was sich auf der Bühne abspielte, retteten sich in die 'Was für ein arroganter Socken, aber irgendwo ist es trotzdem geil'-Floskel. Ein anderer Teil war einfach nur geschockt und entsetzt und nicht gerade wenige flüchteten sich in Hohn und Spott, und amüsierten sich köstlich auf Robs Kosten.
Ach ja, stimmlich war der Metal-God (ha ha ha!) ganz gut drauf und auch an der Setlist gab es wenig auszusetzen. Trotzdem: In dieser Verfassung sollte Rob aber ernsthaft darüber nachdenken nur noch im Studio zu arbeiten. Und bitte, keine Reunion mit JUDAS PRIEST! Wenigstens seine alte Band sollte Rob nicht auch noch kaputt machen!

SLAYER (Bildergalerie)
Setlist: Darkness of Christ, Disciple, War ensemble, Stain of mind, Dittohead, Postmortem, Raining blood, Hell awaits, Die by the sword, Born of fire, Bloodline, God sent death, Spirit in black, Dead skin mask, Seasons in the abyss, Mandatory suicide, Chemical warfare, South of heaven, Angel of death
SLAYER! SLAYER sind halt SLAYER! Was soll man sonst noch groß über diese Band schreiben? Dass ich SLAYER für gnadenlos überbewertet halte und ihr letztes wirklich relevantes Album "Reign in blood" im vergangenen Jahr fünfzehnjähriges Veröffentlichungsjubiläum hatte? Interessiert an dieser Stelle vielleicht eher weniger. Probieren wir es damit: Live sind SLAYER eine Macht!
Wobei ich mir aber auch hier schwer tue das Phänomen SLAYER zu ergründen. Die Band verfügt weder über eine außergewöhnliche Bühnenshow, die Performance von Araya & Co. ist eher statisch-langweilig, noch passiert musikalisch sonderlich viel. Da stehen einfach vier Typen auf der Bühne und schmettern ihrem Publikum Schädelspalterhymnen um die Ohren. Zugegeben, SLAYER haben ihren Brutalosound im Laufe der Jahre perfektioniert (manche bedauern das auch) und warten live mit schöner Regelmäßigkeit mit einem ungeheuer guten Sound auf. Aber ist das wirklich schon das Erfolgsgeheimnis?
Manchmal kann ich mich nicht dem Eindruck erwehren, dass der große Erfolg SLAYERs auf einem ähnlichen Prinzip wie dem der Love Parade basiert: 'Eigentlich finde ich die Band / den Event / die Musik nicht wirklich gut, aber wenn das so vielen gefällt, dann muss da doch was dran sein'.
Und wenn solche blasphemischen Gedanken die Oberhand zu gewinnen drohen, dann kommen SLAYER daher, knallen dir ihr unübertroffenes Hell awaits oder ein trockenes Die by the sword vor den Latz und alles ist wieder in Butter.
SLAYER sind halt SLAYER! In Balingen haben sie kompromisslos ihr Ding durchgezogen, sind damit für mich bei überraschend vielen Besuchern verdammt gut angekommen und haben die passende Antwort auf die Frage 'würdiger Headliner oder nicht' gegeben.

Und sonst?
Das Bang Your Head erwies sich, wie bereits im Vorjahr, als ein relativ gemütliches, stressfreies Festival. In diesem Jahr gab es zwar einige Leute mehr, die erhöhte Promillewerte aufwiesen, aber trotzdem blieben Reibereien aus.
Einen nicht unerheblichen Beitrag dazu lieferte die Security vom Music Circus mit einem vorbildlichen Auftreten. Viele Gesichter kannte man schon vom Vorjahr, man grüßte sich, es gab einige nette Gespräche und es entwickelte sich ein mehr als angenehmes Miteinander. Dass der Ton während SLAYER etwas rauer wurde, als auch im Publikum die Stimmung schwerer einzuschätzen war, ist nur all zu verständlich.
Die sanitäre Situation war für ein Festival dieser Größenordnung in Ordnung. Den Versuch, die offiziellen Toiletten des Balinger Messegeländes zu nutzen gab ich angesichts der ewig langen Schlangen allerdings schnell auf. Doch über das Gelände waren ausreichend 'Ausweich-Dixies' aufgestellt, bei denen ich keine längere Wartezeiten beobachten konnte.
Durch die Vielzahl an Getränke- und Essenständen musste auch in diesem Bereich niemand längere Wartezeiten in Kauf nehmen. Neu war bei den Getränken ein Bon-System, dass auf den ersten Blick furchtbar kompliziert klang, aber einem zumindest direkt an den Ausschankstellen das Hantieren mit Bargeld ersparte. Erfreulich auch, dass die Euroeinführung nicht zu spürbar teureren Preisen geführt hatte.
War ich im Vorjahr vom Essensangebot und dessen Qualität recht angetan gewesen, so war dies in diesem Jahr ein Schwachpunkt. Das Angebot war reichhaltig wie eh und je, und der Besucher konnte zwischen Pizza, Döner, Fisch, Nudelgerichten, Gegrilltem, Baguettes, Burgern und vielem mehr wählen. Allerdings ließ die Qualität zu wünschen übrig oder um es auf den Punkt zu bringen: Es hat einfach nicht geschmeckt.
Über das Campingareal kann ich keine Aussagen treffen, da ich das Angebot meines Bruders nutzte, bei ihm in Freudenstadt zu übernachten. Dafür kam ich in den Genuss meine Erfahrungen mit den 1-Tages-Parkplätzen zu machen. Warum für den Freitag 10 Euro Parkgebühren und für den Samstag dann 5 Euro fällig wurden, muss mir unbedingt mal jemand erklären. Oder bin ich da einfach Balinger Beutelschneidern aufgesessen?
Die Veranstalter in Balingen lieferten aber wieder einmal den Beweis, dass sie in der Lage sind, eine Großveranstaltung dieser Art hervorragend zu organisieren und zu managen. Das Bang Your Head setzt Maßstäbe, an denen sich andere Veranstaltungen messen lassen müssen. See ya next year.

Besonderer Dank gilt Jagger & Horst (Bang Your Head, Heavy oder was?), Alex & Ute für Kost und Logis, meiner Frau Bärbel fürs Hundehüten und den Ausgangsschein und Jörg Litges (Scans)..

Martin Schneider , Juli 2002

 

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