Bang Your Head Festival

Balingen, Messegelände, 15.07.2010

( English translation by Google Translation by Google )

Festivalbericht

Reviewdatum: 04.09.2010
Jahr: 2010

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Bang Your Head Festival
Balingen, Messegelände, 15.07.2010 - 17.07.2010

15 Jahre Bang Your Head! Wahnsinn!
Für mich persönlich ist es das zehnte Open Air und dazu kommen noch zwei der frühen Hallenfestivals in den Neunzigern in Tübingen.
Zudem schließt sich der Kreis. Zu meinem ersten Bang Your Head lockte mich die damalige DEMON-Reunionshow und in diesem Jahr sind die Briten wieder mal mit dabei. Das ist ein guter Grund mit einer anderen Tradition zu brechen und statt wie üblich erst am Freitag bereits zum inoffiziellen Startschuss am Donnerstag in die angrenzende Messehalle einzufallen.

Donnerstag, 15.07.2010

Das Motto: ‚An Evening of New Wave Of British Heavy Metal' und ein Billing, das sich gewaschen hat.


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ROXXCALIBUR im Hooked on Music

Setlist: Big Ben, Running For The Line, Gates Of Gehanna, Rainbow Warrior, Lady Of Mars, Destiny, Seven Days Of Splendour, Witchfynder General, See You In Hell, Emergency, If I Were King, Neon Nights

Damit auch gleich jeder weiß, was angesagt ist, gibt es zum Auftakt eine kleine Nachhilfestunde von ROXXCALIBUR. Die Tribute-Band erweist sich wieder einmal als spielfreudig, wirkt authentisch und schafft es den Geist längst vergessener Tage herauf zu beschwören. Ohne den nachfolgenden Bands ins Gehege zu kommen präsentiert der Fünfer eine gelungene Songauswahl, bei der dieses Mal Exoten (TRIDENT, BLEAK HOUSE), Semilegenden (DARK STAR, VARDIS) und anerkannte Klassiker (GIRLSCHOOL, WITCHFYNDER GENERAL) gleichermaßen gewürdigt werden. Die anwesenden, mittlerweile ins Schwabenalter gekommenen, Kinder der NWoBHM sind begeistert.


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BLITZKRIEG im Hooked on Music

Setlist: The Phantom, Dark City, Theatre Of The Damned, Unholy Trinity, My Life Is My Own, Escape From The Village, Pull The Trigger, Tortured Souls, Mob Rules, Blitzkrieg

Machen wir uns nichts vor: Ohne METALLICAs Coverversion ihrer Bandhymne hätten Brian Ross und seine Mitstreiter wohl kaum ihren heutigen Status erreicht. BLITZKRIEG sind immer wieder gern gesehene Gäste auf den einschlägigen Festivals und verstehen es mit ihrem zeitlosen, rauhen Metal die Fans gediegen zu unterhalten. Die sympathische Band absolviert einen soliden Auftritt und setzt mit Pull The Trigger neben dem finalen Signature-Song ein weiteres Ausrufezeichen an diesem Abend.


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DEMON im Hooked on Music

Setlist: Full Moon/Night Of The Demon, Into The Nightmare, Blue Skies In Red Square/Commercial Dynamite, Blackheath, Sign Of A Madman, Liar, Rememberance Day, Standing On The Edge, Life On The Wire, Don't Break The Circle, Starstruck

Einzelne Festivalshows sind mittlerweile die letzte verbliebene Möglichkeit um sich der Magie von DEMON hinzugeben. Auf einer großen Bühne mit ordentlichem Licht kommen die Briten allerdings auch wesentlich besser zur Geltung wie bei den zuletzt spärlich besuchten Clubshows unter bescheidenen Bedingungen. Dave Hill gibt immer noch den charismatischen Madman, die Songs klingen frisch wie am ersten Tag und natürlich ist die Spielzeit wieder einmal viel zu knapp bemessen um wirklich jeden Klassiker auffahren zu können. Umso erfreulicher, dass sich die Band auch ihrer "Breakout"-/"Taking The World By Storm"-Phase gebührend widmet. Ein starker Auftritt und hoffentlich war es nicht die letzte Gelegenheit DEMON live zu erleben.
Allein die Tatsache, dass die schicken - und zugegebenermaßen fanfreundlich günstigen - Bandshirts ruck zuck ausverkauft sind, unterstreicht, dass die Band immer noch viele Freunde hat.


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SAXON im Hooked on Music

Setlist: Heavy Metal Thunder, Dogs Of War, To Hell And Back Again, Live To Rock, Dallas 1 PM, Motorcycle Man, And The Bands Played On, Demon Sweeny Todd, Strong Arm Of The Law, The Eagle Has Landed, 20.000 Ft., 747, Wheels Of Steel, Princess Of The Night, Crusader, Solid Ball Of Rock, Denim & Leather

SAXON gehen immer! Band und Publikum haben heute richtig Bock aufeinander und pushen sich bei tropischen Temperaturen in der stickigen Halle gegenseitig bis an die Grenze des Machbaren. Als Dank dafür zaubern die Sachsen sogar noch die (offiziell) ungeplante Zugabe Solid Ball Of Rock aus dem Hut.
Schade, dass SAXON das Motto des Abends durch einige Songs neueren Datums verwässern. Wie geil wäre denn ein Set ausschließlich mit Songs von "Wheels Of Steel", "Strong Arm Of The Law" und "Denim And Leather" gewesen?
Wenn schon aktuelle Songs auftauchen, dann hätte ich gerne meinen derzeitigen SAXON-Lieblingssong Batallions Of Steel darunter gehabt. Fronter Biff erwischt nicht seinen allerbesten Tag, das Hitfeuerwerk macht seine leichten technischen Mängel aber locker wieder wett. Alles in Allem habe ich die NwoBHM-Veteranen schon lange nicht mehr so stark und spielfreudig erlebt.

Die gelungene Auftaktveranstaltung macht mächtig Lust auf die nächsten beiden Festivaltage. Endlich wieder vernünftige Leute um einen rum. ;=)

Freitag, 16.07.2010


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THE NEW BLACK im Hooked on Music

Erfreulicherweise sind die Bang Your Head-Macher wieder davon abgekommen zum Auftakt am Freitag den Sieger eines Nachwuchsfestivals zu verheizen. Die Konsequenz: Schon seit Jahren gab es keinen so hochkarätigen Festival-Opener mehr wie THE NEW BLACK. Allein Christoph Leim an der Gitarre macht mit seiner Bühnenpräsenz mächtig was her. Die Band vereint auf sehr angenehme Weise Tradition und Moderne. Groove trifft auf harten Rock mit einem Schuss Alternative. Ein wenig fühlt man sich wie in einer Jam Session von THIN LIZZY und BLACK LABEL SOCIETY. Eine spannende Angelegenheit mit einem herausragenden Welcome To Point Black, während The King I Was bereits einen ersten Vorgeschmack auf das kommende Studioalbum "Better In Black" der neuen Schwarzen bietet.


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ENFORCER im Hooked on Music

Setlist: Midnight Vice, Mistress From Hell, On The Loose, Katana, Roll The Dice, Diamonds, Scream Of The Savage, Walk With Me, Take Me To Hell, Evil Attacker

Sie sind jung, wild, ungezügelt und einer der große Hoffnungsträger der Schwermetalltraditonalisten. ENFORCER schwitzen rohen 80er-Metal aus jeder Pore und reißen einen energiegeladenen Set herunter, der wohlwollend aufgenommen wird. Alles schön und gut. Jetzt brauchen die Schweden nur noch ein paar Songs, die man nicht schon nach fünf Minuten wieder vergessen hat.


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GRAND MAGUS im Hooked on Music

Setlist: Kingslayer, Like The Oar Strikes The Water, Silver Into Steel, At Midnight They'll Get Wise, Wolf's Return, I The Jury, Hammer Of The North, Iron Will, The Shadow Knows

Liegt es an der Mittagshitze, oder ersticken die schwerfällig-mächtigen Riffs von GRAND MAGUS all zu enthusiastische Publikumsreaktionen bereits im Keim? Es geht nicht viel im Publikum, umso mehr überzeugt das Schwedentrio auf der Bühne. Es regiert Heavy Metal mit Bekenntnis zu den Doomwurzeln des Genres in seiner ursprünglichsten Form. Die Fans erzittern unter dem unbarmherzigen Hammer Of The North und erleben die legitimen Erben von HEAVEN & HELL. Trotzdem: Ein Trio hat es einfach schwer eine so große Bühne mit ihrer Präsenz zu füllen, und bei Tageslicht ist das doppelt schwer. Irgendwie sind GRAND MAGUS ein bisschen zur falschen Zeit am falschen Ort.


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FORBIDDEN im Hooked on Music

Setlist: Infinite, R.I.P., Step By Step, Through The Eyes Of Glass, Adapt Or Die, Children Of The Sea, Chalice Of Blood

Jetzt etwas Bay Aera-Thrash gefällig? FORBIDDEN scharren schon mit den Hufen und erhöhen die Schlagzahl gewaltig. Der Fünfer bietet exakt, was man erwarten kann: Eine engagierte, energiegeladene Show, die als Kontrastprogramm durchaus Unterhaltungswert besitzt. Deutlich wird aber auch, dass FORBIDDEN weder zu den ganz Großen des Genres gehören, noch jemals dazu gehören werden. Dazu fehlt es an echten ‚Hits' und technischer Finesse.


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SABATON im Hooked on Music

Setlist: Ghost Division, Panzer Batallion, Coat Of Arms, Saboteurs, Cliffs Of Galipoli, The Price Of A Mile, Screaming Eagles, The Art Of War, Metal Machine/Metal Crüe

SABATON zünden ein wahres Feuerwerk und das liegt nicht nur an den eingesetzten Pyros. Großartig wie die Schweden Melodie und Härte mit Epik und Bombast zu einem originellen Sound vereinen. Dazu haben sie starke Songs, bieten eine mitreißende Performance und sammeln mit unterhaltsamen Ansagen weitere Sympathiepunkte. Erstmals an diesem Tag schießen bei einer Band geschlossen die Fäuste im Publikum gen Himmel. Operation gelungen: Der Geheimtipp hat Balingen im Sturm erobert und viele neue Freunde gewonnen.


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LOUDNESS im Hooked on Music

Setlist: Crazy Nights, Crazy Doctor, Esper, Heavy Chains, In The Mirror, Let It Go, S.D.I, Loudness

Die Vorfreude auf die Nippon-Metaller ist riesig um nach dem Auftritt einer gewissen Ernüchterung zu weichen. Akira Takasaki ist und bleibt ein Gott an der Gitarre, aber die Bühnenpräsentation der Truppe wirkt doch etwas eigenartig und das Outfit der Vier zeugt nicht gerade von metallischem Modebewusstsein.
Die Setlist ohne ihre beiden stärksten Tracks Dream Fantasy und Ashes In The Sky überzeugt auch nur bedingt.
Der Auftritt an sich ist okay, aber mehr auch nicht. Vom fesselnden Spirit ihrer Supportshows für GARY MOORE auf der "Run For Cover"-Tour ist heute nichts zu spüren. Der Exotenbonus allein reißt es dann auch nicht raus.


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ANVIL im Hooked on Music

Setlist: March Of The Crabs, 666, School Love, Winged Assassins, This Is Thirteen, Mothra, Thumb Hang, White Rhino (Drum Solo), Metal On Metal

Dann sind die kanadischen Kultmetaller von ANVIL an der Reihe, die nicht zuletzt durch die Banddokumentation ziemlich unerwartet eine ganze Menge neuer Fans dazugewonnen haben.
Es sei ihnen gegönnt. Sonnenscheinchen Lips ist ja ein sehr sympathisches Kerlchen. Der Auftakt der Show fällt noch ziemlich stark aus, aber mit zunehmnder Dauer wird es immer zäher. Die ganz große Karriere blieb dem Trio ja auch nicht von ungefähr versagt. Es fehlt dann einfach doch der letzte Funke, der aus einer soliden Band eine herausragnde Truppe macht. Und ganz ehrlich: Für eine so lange Karriere haben ANVIL relativ wenig zeitlose Klassiker zu Stande gebracht. Das starke Metal On Metal sorgt zwar am Ende noch mal für einen Stimmungshöhepunkt, aber ein eingefleischter Fan der Band werde ich in dem Leben trotzdem nicht mehr.


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JON OLIVA'S PAIN im Hooked on Music

Setlist: Lies, Chance, Jesus Saves, Sirens, The Dungeons Are Calling, Death Rides A Black Horse, Edge Of Thorns, Gutter Ballet, Believe, Festival, Rainbow In The Dark, Hall Of The Mountain King

'Schwergewicht' trifft es gleich in mehrfacher Hinsicht. Musikalisch - da besteht keinerlei Diskussionsspielraum - zumal sich die Band überwiegend auf SAVATGE-Klassiker konzentriert und dabei vor allem bei den Songs ab 1989 ein überaus glückliches Händchen hat. Der überragende Song des aktuellen Albums "Festival", Death Rides A Black Horse, ist auch dabei. Klasse.
Allerdings hat Mastermind Jon Oliva gewichtstechnisch auch noch mal einige Pfunde drauf gepackt. Der Weg vom Mikro zu den Tasteninstrumenten bereitet ihm sichtlich körperliche Strapazen. Gegen den Mountain King war MEAT LOAF selbst zu besten Zeiten ein rankes, schlankes Kerlchen.
Vielleicht mal etwas weniger Burger und Pommes, dann ist auch ein etwas agileres Stageacting wieder möglich. Dennoch: Ein starker Gig.


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DORO im Hooked on Music

Setlist: You're My Family, I Rule The Ruins, Earthshaker Rock, Burning The Witches, Egypt (The Chains Are On), Für Immer, Burn It Up, Celebrate, Metal Racer, Always Live To Win, Breaking The Law, All We Are

Ähnlich wie SAXON, geht ein Auftritt der großen Dame des Heavy Metal auch immer.
Auch 2010 erlebt Balingen eine solide und engagierte Performance, bei der vielleicht sogar noch ein Schwung mehr Pathos als sonst üblich mitschwingt.
Unterhaltsam ist das allemal und Hits wie Earthshaker Rock, Burning The Witches oder das unkaputtbare All We Are zünden immer. Man weiß zwar schon vorher, was einen bei DORO erwartet, aber gut ist es trotzdem. Quasi das Schnitzel mit Pommes im Festivalmenü.
Auf ihre Fans kann sich die Düsseldorferin verlassen. Die Publikumsreaktionen sind erwartungsgemäß enthusiastisch und legen die Messlatte für die beiden letzten Acts des ersten Tages sehr hoch.


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KROKUS im Hooked on Music

Setlist: Long Stick Goes Boom, American Woman, Rock'n'Roll Handshake, Tokyo Nights, Fire, Burning Bones, Screaming In The Night, Easy Rocker, Bedside Radio, Heatstrokes, Hoodoo Woman, Born To Be Wild

Bei ihrem letzten Gastspiel in Balingen konnten mich die Eidgenossen nicht überzeugen. Jetzt, fünf Jahre später, sieht das etwas anders aus. KROKUS haben sich im klassischen Line up der Achtziger reformiert und mit "Hoodoo" zwar kein überragendes, aber ein gefälliges Comeback-Album abgeliefert.
Letzteres ist nicht so wichtig, stehen doch überwiegend die Klassiker der frühen Achtziger im Mittelpunkt. Die Band hat Bock auf ne zünftige Rock'n'Roll-Party, groovt wie ein weibliches Borstentier und wirft die Routine einer langen Karriere obendrein in die Waagschale. Die neigt sich schnell in eine Richtung, dass der Daumen nach oben geht.
Will man KROKUS vorwerfen, dass sie nur einfach gestrickten Stimmungsmetal für die Partyfraktion machen? Open Air-tauglich ist die Drei Akkorde-Mucke allemal und kommt bei der breiten Masse verdammt gut an. Playing The Outlaw hätte der Setlist noch gut zu Gesicht gestanden, aber man kann nicht alles haben.


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HAMMERFALL im Hooked on Music

Setlist: Punish And Enslave, The Dragon Lies Bleeding, Crimson Thunder, Hallowed Be My Name, Renegade, Last Man Standing, Bloodbound, Heeding The Call, Rebel Inside, Any Means Necessary, Stronger Than All, Riders Of The Storm, Secrets, Let The Hammer Fall, Man On The Silver Mountain, Hearts On Fire

HAMMERFALL und das Bang Your Head sind eine Schicksalsgemeinschaft, starteten die Schweden doch hier mit einem gefeierten Auftritt ihren Triumphzug im Zeichen traditionellen Heavy Metals. Da liegt es ziemlich nahe ihnen beim Jubiläumsfestival endlich die Headliner-Position zuzugestehen.
Viel falsch kann man damit als Veranstalter nicht machen. Oder doch? Vielleicht ist es einfach Pech, dass HAMMERFALL nicht ihren besten Tag erwischen und einige Songs in der Setlist auftauchen, bei denen man nur verwundert den Kopf schüttelt.
Trotzdem: Allein mit ihrer Routine sorgt der Fünfer dafür, dass es ein akzeptabler Schlusspunkt des ersten Tages wird. Klassisches Synchronposen und jede Menge Pyros sind nicht die schlechteste Basis. Joachim Cans Laudatio auf die deutschen Metal Fans ist zwar etwas dick aufgetragen, aber lang nicht so peinlich wie das Geschwafel bei MANOWAR-Konzerten. Zur Zugabe kommt noch DARK TRANQUILLITYs Mikael Stanne mit auf die Bühne um bei RAINBOWs Man On The Silvermountain mitzumischen.
Weder für das Festival noch für die Band ist der Gig eine Sternstunde, aber so negativ wie viele den Auftritt sehen ist es dann auch wieder nicht.

Samstag, 17.07.2010


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TOXIN im Hooked on Music

Wer zu spät kommt, der verpasst mit TOXIN einen brandheißen Newcomer. Die Jungspunde aus New York stehen zwar gerade mal 25 Minuten auf der Bühne, aber die haben es in sich. Sleazy wie AEROSMITH, partytauglich wie POISON, unbekümmert wie die frühen BON JOVI und mit typisch amerikanischer Entertainermentalität ausgestattet machen sie einfach riesigen Spaß.
Ich bin ja wirklich gespannt, ob die Jungs es packen. Mit TWISTED SISTER und Brad Michels haben sie zumindest prominente Fürsprecher. Sicher sind sie nicht die Zukunft des Rock'n'Roll, haben aber das Potenzial um mehr als nur eine weitere Randnotiz in der Szene abzugeben.


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SAVAGE GRACE im Hooked on Music

Setlist: Bound To Be Free, Into The Fire, After The Fall From Grace, We Came We Saw We Conquered, Master Of Disguise, The Dominatress, Sins Of The Damned, Exciter

ROXXCALIBUR plus Chris Logue und schon können SAVAGE GRACE wieder ihr Unwesen treiben. Das hat mehr von 'Master Of Disguise' wie von 'We Came, We Saw, We Conquered', aber fairerweise muss man eingestehen, dass diese Reinkarnation der Speed Metal Kult-Band erstaunlich viele Fans für die frühe Uhrzeit vor die Bühne lockt. Alle Beteiligten haben ihren Spaß und was will man denn mehr?


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BULLET im Hooked on Music

Setlist: Pay The Price, Stand Up And Shout, Dusk 'Til Dawn, Turn It Up Loud, Heading For The Top, One Deal With The Devil, Rambling Man, Bite The Bullet, Road King, Bang Your Head

Erinnert sich noch jemand an die deutschen BULLET in den Achtzigern? Die klangen schon damals wie ihre schwedischen Namenskollegen heute nach einer heißen Mischung aus AC/DC, ACCEPT und KROKUS. Das ist keine Spur originell, aber mit so einem Sound hat man aber leichtes Spiel auf einem Festival. Noch lange nachdem die Band nach einem ordentlichen Set die Bühne verlassen hat, singen die Fans lauthals die Melodielinie von Bang Your Head.
Haben wir da soeben die neue, inoffizielle Festivalhymne gehört?


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SACRED STEEL im Hooked on Music

Setlist: Metal Is War, Battle Angel, Open Wide The Gate, Heavy Metal To The End, Denial Of Judas, Maniacs Of Speed, Kill The King, Carnage Victory, Slaughter Prophecy, Wargods Of Metal

'True Swabian Heavy Metal' von SACRED STEEL. Da wird kein Klischee ausgespart, aber das muss bei den Jungs einfach so sein. Die selbstironischen Ansagen sorgen für manchen freiwilligen Lacher und mit ihnen ließe sich hier locker eine halbe Seite füllen. Die kurzweilige Show hat hohen Unterhaltungswert und Hymnen wie Heavy Metal To The End - müsste das aber nicht 'til heißen? - kann man sich nur schwer entziehen. Obwohl die Geschichte eine Spur von Comedy hat, sollte man die Band keinesfalls unterschätzen. Jedenfalls ist die Truppe sehr unterhaltsam.


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HADES im Hooked on Music

Setlist: Exist To Resist, Widow's Mite (Chapter Eleven), The Leaders?, King In Exile, I To Eye, Rebel Without A Brain, Voodoo, Opinionate/Communication Breakdown, On To Iliad, Nightstalker

Des einen Freud - des anderen Leid. Sicher hätten viele gerne JAG PANZER gesehen, aber HADES hat auch was, zumal die Band das erste Mal beim Bang Your Head aufläuft.
Alan Teccio, Dan Lorenzo & Co. überzeugen bei ihrem zweiten Comeback auf der Bühne durch ihr ungemein sympathisches Auftreten und natürlich durch ihren hochklassigen Power Metal mit gelegentlichen progressiven und thrashigen Anleihen. Hinsichtlich der Songauswahl machen es sich HADES einfach. Bis auf das BLACK SABBATH-Cover Voodoo im Zuge der Ronnie James Dio-Huldigung, einem kurzen Kniefall vor LED ZEPPELIN (Communication Breakdown) und dem Opener Exist To Resist stammen alle Songs aus den ersten beiden Alben "Resisting Success" und "If At First You Don't Succeed". Diese Entscheidung ist sicher mehrheitsfähig, wenngleich neuerem Material gegenüber etwas unfair.


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TREAT im Hooked on Music

Setlist: The War Is Over, Ready For The Taking, Paper Tiger, Rev It Up/Party All Over/Too Wild, We Own The Night, Sole Survivor, Get You On The Run, Conspiarcy, Skies Of Mongolia, World Of Promisses

Die dänischen Melodic Rocker sind eine der großen Überraschungen des Festivals. Natürlich weiß man noch von den Livequalitäten der Band aus den späten Achtzigern, dazu liegt mit "Coup De Grace" ein überzeugendes Comeback-Album vor. Das sind schon vielversprechende Voraussetzungen, aber dass TREAT dann dermaßen abräumen überrascht doch.
Der Grundstein des Erfolgs ist das starke Songmaterial, wobei die neuen Werke The War Is Over, Skies Of Mongolia oder das knuffige Paper Tiger Großtaten der Vergangenheit wie Get You On The Run in Nichts nachstehen. Wer die Band kennt, weiß: TREAT hätten sogar noch jederzeit nachlegen können.
Dazu eine Band, die ohne Allüren auf der Bühne gute Laune verbreitet und das Gefühl vermittelt sich für ihr Publikum den Allerwertesten abzuspielen.
Vielleicht ist es ganz gut, das der Truppe der große Durchbruch versagt geblieben ist, denn sonst würden sich die Dänen heute wohl wie BON JOVI in den großen Stadien tummeln, anstatt auf einem beschaulichen Metal Open Air 16.000 Besuchern eine Melodic Rock Lehrstunde zu erteilen.


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FATES WARNING im Hooked on Music

Setlist: One, Life In Still Water, A Pleasant Shade Of Grey Part III, We Only Say Goodbye, The Eleventh Hour, Point Of View, Through Different Eyes, Monument

Umgekehrte Vorzeichen bei FATES WARNING. Vor dem Festival galten die Prog-Metaller als der Geheimtipp, nach dem Auftritt lautet der Grundtenor: Ja, die haben wohl auch gespielt.
Dabei kann man der Band, die sich für die Show im "Parallels"-Line Up (re)formiert hat noch nicht einmal einen Vorwurf machen. Sie haben einfach das Pech, dass ihr Auftritt von einem sintflutartigen Regenfall begleitet wird und die Mehrzahl der Besucher vor der Witterung die Flucht ergreift.
Vielleicht hätte ein Set mit ganz alten Songs aus der "Awaken The Guardian"-/"The Spectre Within"-Phase dem etwas entgegen gewirkt, aber die eher getragenen Kompositionen der späteren Phase laden nicht gerade zum verweilen im Siff ein. Auf der Bühne passiert eh wenig bis gar nichts und zuhören kann man auch von einem trockenen Plätzchen aus.
Ein klarer Fall von dumm gelaufen, denn musikalisch war es schon richtig geil.


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QUIREBOYS im Hooked on Music

Setlist: Intro/Instrumental Jam, Bite The Hand That Feeds, Misled, The Finer Stuff, Tramps And Thieves, There She Goes Again, I Love This Dirty Town, This Is Ropck'n'Roll, Man On The Loose, Starstruck, 7 O'Clock

Okay. Jetzt kann man wirklich würfeln, ob TREAT oder die QUIREBOYS die größere positive Überraschung waren.
Spike ist einer der coolsten Frontmen auf dem Festival. Göttlich, wie er fast schon unverschämt lässig mit einem Glas Rotwein in der Hand dandylike zum Mikrofon tänzelt. Fehlt nur noch eine Kultansage wie 'This is Rock'n'Roll', doch halt… die Nummer kommt erst spät im Set.
Was aber folgt ist eine eindrucksvolle Demonstration, dass schlichter Pubrock, wenn er mit Leidenschaft und Hingabe gespielt wird auch ein rappelvolles Open Air Gelände mitreißen kann.
Die Gitarre schrammelt, das Honky Tonk-Piano hämmert und Spike krächzt unnachahmlich ins Mikro. Das ist die Gute Laune-Party pur. Ein bisschen was hat es von den einst rebellischen STONES, ne Menge von den FACES, vor allem aber füllen die QUIREBOYS die Lücke, die der Rock'n'Roller Rod Stewart hinterlassen hat, indem er zum Popstar wurde. Bockstark!


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NEVERMORE im Hooked on Music

Setlist: Beyond Within', The River Dragon Has Come, Termination Proclaimation, Born, Emptiness Unobstructed, The Heart Collector, Your Poison Throne, The Godless Endevour, Inside Four Walls, Enemies Of Reality

Nach den arschgeilen Briten und ihrer ausgelassenen Rock'n'Roll-Party - Hey, wo war eigentlich Sex Party und: Hey, wo war Hey You? - sind NEVERMORE ein krasser Stilbruch.
Ich hab wirklich nichts gegen die Band und das aktuelle Album "The Obsidian Conspiracy" ist ein verdammt scharfes Teil. Der Auftritt ist aber komplett für die Tonne.
Eine NEVERMORE-Performance steht und fällt mit Gitarrist Jeff Loomis und noch mehr mit Frontman Warrel Dane. Der Sänger erwischt einen rabenschwarzen Tag. Technisch bleibt er weit unter seinen Möglichkeiten, dazu hat er eine Laune zum Davonlaufen. Das liegt nicht nur an den technischen Problemen, die er zu seiner Entschuldigung kurz anspricht. Da liegen auch noch andere Dinge im Argen.
Die Band quält sich lustlos und unmotiviert mehr als eine Stunde lang über die Bühne und ist im Vergleich zu ihren früheren Gastspielen in Balingen nur ein bemitleidenswert erbärmlicher Schatten ihrer selbst.


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QUEENSRYCHE im Hooked on Music

Setlist: Hit The Black, Sacred Ground, Man Down, The Hands, Damaged, The Thin Line, Breaking The Silence, Silent Lucidity, The Right Side Of My Mind, Neon Knights, I Don't Believe In Love, Jet City Woman

Vielleicht bin ich ja etwas doof, vielleicht ist aber der QUEENSRYCHE-Auftritt auch eine einzige Fanverarsche! Immerhin kündigen die Plakate eine 'Best of'-Show an. Unter dem Aspekt hat gut die Hälfte der gespielten Songs nichts im Set verloren. Diese Tracks raus geschmissen und durch Best I Can, Take Hold Of The Flame, En Force, Queen Of The Reich, The Lady Wore Black, The Killing Words und wegen mir noch Walk In The Shadows ersetzt, und ich hätte der Band die Absolution erteilt. Es muss ja nicht immer total "Mindcrime"-lastig sein, obwohl da auch noch eine Handvoll Nummern lauern, die eher das Prädikat 'Best Of' verdient haben.
So aber ärgert man sich die halbe Zeit darüber, wie die Band mit halbgarem Material ihre Spielzeit vergeudet. Die Form stimmt, aber das Thema wurde komplett verfehlt.


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TWISTED SISTER im Hooked on Music

Setlist: Come Out And Play, The Kids Are Back, Stay Hungry, Captain Howdy, Shoot 'em Down, You Can't Stop Rock'n'Roll, The Fire Still Burns, I Am (I'm Me), We're Not Gonna Take It, The Price, I Believe in Rock'n'Roll, Burn In Hell/Drum Solo, I Wanna Rock, Under The Blade, Long Live Rock'n'Roll, S.M.F.

Seattle hat mit beiden Vertretern gepatzt. Das nächste Mal sollte man vielleicht HEART eine Chance geben. Jetzt muss New York den Abend retten und für einen versöhnlichen Abschluss sorgen.
Für die Hausband TWISTED SISTER ist das natürlich eine leichte Übung. Zum Abschluss des Festivals also noch mal eine Portion Poser Party Metal, jede Menge Hits, lustige Mitsingspielchen und eine solide Lightshow mit abschließendem Feuerwerk. Passt.
Nach drei Tagen Metal mit einigen wirklich grandiosen Auftritten kann man nun noch genüsslich einen Caipirina schlürfen und sich mit den Leuten fürs nächste Jahr verabreden.

In Memory Of Ronnie James Dio

Im Vorfeld baten die Veranstalter die teilnehmenden Bands einen Song von Ronnie James Dio in ihren Set aufzunehmen um dem Sangesgott die letzte Ehre zu erweisen. Die Aktion fand rege Beteiligung wie ihr der folgenden Übersicht der dargebotenen Beiträge entnehmen könnt.

BLITZKRIEG - Mob Rules
BULLET - Stand Up And Shout
DEMON - Starstruck
DORO - Egypt (The Chains Are On)
FORBIDDEN - Children Of The Sea
HADES - Voodoo
HAMMERFALL - Man On The Silvermountain
JON OLIVAS PAIN - Rainbow In The Dark
QUEENSRYCHE - Neon Knights
QUIREBOYS - Starstruck
ROXXCALIBUR - Neon Nights
SACRED STEEL - Kill The King
TWISTED SISTER - Long Live Rock'n'Roll

Zudem widmeten SABATON Cliffs Of Galipoli, KROKUS Fire und NEVERMORE mit The Heart Collector eigene Songs dem Sänger. Für die Besucher lag ein Kondolzenbuch aus, um sich von Ronnie zu verabschieden.

Besonderer Dank an Biggy von Brooke-Lynn Promotion.

Martin Schneider, 04.09.2010

 

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