Maire Brennan

Balingen, Stadthalle, 05.02.2004

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 05.02.2004

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Redakteur(e):

Martin Schneider


Balingen, Stadthalle, 05.02.2004

Setlist: Big rock, Perfect time, Siuil a run, Lady Marianne, Instrumentals, Show me, Change my world, Biliom, Bright star, Falling, I will find you, Alasdair McColla, Tara, Sailing away, Mothers of the desert, Harpsong, Two horizons, Against the wind, Mary of the gaels, Harry's game, Na paisti, In a lifetime, A muirnin o, Nil se'n la, Teidir abhaille riu, Gaoth barra na d'Tonn

Wann waren CLANNAD eigentlich das letzte Mal in Deutschland auf Tournee? 1988 auf der "Sirius"-Tour? Ich weiß es nicht, zumal es mir auch nie vergönnt war diese Band live zu erleben. Seit dem 1997er-Album "Landmarks" haben sich CLANNAD ohnehin eine kreative Pause mit offenen Ende auferlegt.

Auch Sängerin Moya Brennan, die seit 1992 Solo-Alben veröffentlicht, hatte sich die letzten Jahre rar gemacht. "Whisper to the wild water" hat auch schon fünf Jährchen auf dem Buckel und Liveauftritte beschränkten sich auf einige handverlesene Weihnachtskonzerte.
Da ist es geradezu eine kleine Sensation, dass Moya ihr aktuelles Album "Two horizons" auf einer relativ ausgedehnten Deutschland-Tournee vorstellt.

Gut fünfhundert Besucher, von denen die Mehrzahl den Eindruck erweckten, als hätten sie CLANNAD schon in den Siebzigern mehrfach live gesehen, füllten die Balinger Stadthalle etwa zur Hälfte. Nicht schlecht, für die schwäbische Provinz, zumal wenige Tage zuvor Moya bereits in der Landeshauptstadt zu sehen war und auch noch ein Auftritt in Friedrichshafen auf dem Programm steht.

Pünktlich um zwanzig Uhr betrat Moyas siebenköpfige Begleitband die Bühne, wurde mit einem warmen Applaus empfangen, der noch einiges an Intensität zunahm, als kurz darauf die mittlerweile 51-jährige Irin im langen, dunklen Kleid erschien und mit Big rock die Show eröffnete.
Gebannt lauschte das Publikum dieser faszinierenden Stimme, die im Mittelpunkt der Aufführung stand, und verfiel in einen Zustand voller bewundernden Staunens. Es war still im Publikum, so still, dass man eine Stecknadel hätte fallen hören können. Dieser musikalische Hochgenuss in vollendeter Perfektion war allerdings auch wirklich beeindruckend.

Das lag aber auch an der technisch hervorragenden Begleitband, und nicht zuletzt an dem überaus transparenten Sound. Moyas Stücke sind voller Liebe zum Detail arrangiert. Jede Note und jede Klangfarbe hat ihren speziellen Platz und kam selbst in der Livesituation punktgenau. Akustikgitarre, Bass, Keyboards, Geige, Pipes und Whistles, ein verhaltenes Schlagzeug und natürlich bis zu zwei keltische Harfen, das Instrument das musikalisch und inhaltlich im Zentrum der "Two horizons"-Stücke steht, kamen zum Einsatz, ließen sich aber gegenseitig sehr viel Raum zur Entfaltung.

Kaum ein Stück, zu dem Moya nicht in ihren relativ langen Ansagen Erklärungen abgab. Vor allem die Stücke von "Two horizons" kommentierte sie besonders ausführlich, wies immer wieder auf das inhaltliche Konzept des Albums hin und stellte Zusammenhänge her.

Entsprechend der starken Fokusierung auf das aktuelle Album, das trotzdem überraschenderweise nicht komplett präsentiert wurde, dominierten die ruhigen, melancholischen Momente die Aufführung. Moya Brennan hangelte sich von einer atmosphärischen Ballade zur nächsten und verzauberte damit das Publikum.

Das versank träumend in seinen Sitzen, applaudierte artig nach den Stücken, wobei CLANNADs Siuil a run und I will find you die stärksten Reaktionen hervorrief und hätte sich wohl auch nicht darüber beschwert, wenn Moya das Dubliner Telefonbuch rückwärts vorgesungen hätte.

Der Auftritt von Moya Brennan war eine ziemlich einseitige Angelegenheit. Die Band auf der Bühne, musikalisch über jeden Zweifel erhaben, produzierte einen Wall von Emotionen, die das Publikum regelrecht zu lähmen und zu erdrücken schienen. Vom Publikum kam kaum etwas zurück.

Natürlich war das Konzert über weite Strecken stilistisch zu eindimensional ausgelegt. Das Moya Brennan auch hervorragend mit lebhafteren Stücken glänzen kann, bewies sie vor allem im letzten Drittel der Show, als sie verstärkt alte CLANNAD-Nummern aufbot, oder das starke Against the wind ins Rennen schickte, doch da war das Publikum schon zu tief in der eigenen Lethargie gefangen und gar nicht mehr in der Lage über den eigenen Schatten zu springen und echte Begeisterung zu zeigen.

Wenig hilfreich war sicher auch die überaus statische Bühnenpräsenz der Band. Selbst bei dynamischen Stücken, wie Alasdair McColla oder A muirnin o verharrte jeder Musiker wie festgeklebt auf seinem persönlichen Quadratmeter Bühne. So kann der Funke tiefer Begeisterung aber auch nur schwerlich aufs Publikum überspringen.

Da war es wieder, mein Edinburgh-RUNRIG-Trauma. Eine künstlerisch großartige Darbietung kann sich aufgrund der vorherrschenden Rahmenbedingungen nicht vollständig entfalten. So konnten im Publikum nur diejenigen vollständig zufrieden sein, die sich bei einem Konzert in erster Linie passiv berieseln lassen wollen. Für wen allerdings zu einem großartigen Konzertabend zusätzlich die emotionale Interaktion zwischen Band und Publikum gehört, dem bleibt lediglich die Hoffnung, dass er beim nächsten Mal die Chance erhält Moya Brennan Open Air in einem Burghof oder wenigstens in einem unbestuhlten Club erleben zu können.

Doch den ganzen Tag über schon kriege ich Moyas Perfect time nicht mehr aus dem Kopf. Es lässt sich also nicht verleugnen, dass das gestrige Konzert zumindest musikalisch über nachhaltige Langzeitwirkung verfügt.

Besonderer Dank für die Unterstützung an Tim Jarvis (Management Moya Brennan) und Petr Pandula (Magnetic Music).

Martin Schneider, 06.02.2004

 

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