BAP

Rockpalast

Rockpalast 22.11.1999 - Musical Dome

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 20.07.2009
Jahr: 2009
Stil: Kölsch Rock

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Redakteur(e):

Michael Koenig


BAP
Rockpalast 22.11.1999 - Musical Dome, EMI Music Germany, 2009
Sheryl HackettPercussion, Gesang, Gitarre
Werner KopalBass
Helmut KrummingaGitarre, Gesang
Michael NassTasteninstrumente, Gesang
Wolfgang NiedeckenGesang, Gitarre
Jens StreiflingGitarre, Gebläse, Mandoline, Gesang
Jürgen ZöllerSchlagzeug
Produziert von: Gerd F. Schultze Länge: 208 Min 57 Sek Medium: DVD
DVD 1 (146 Min 26 Sek):
01. Rockpalast Vorspann13. Verdamp lang her
02. Vum donnernde Lääve14. Jede Draum jedräump
03. 'Ne schöne Jrooss15. Jupp
04. Niemohls verstonn16. Arsch huh, Zäng ussenander
05. Diss Naach ess alles drinn17. Mayday!
06. Rock'n'Roll-Star18. Leechterkette locke
07. Müsli Män19. Novembermorje
08. Für 'ne Moment20. Ahn 'ner Leitplank
09. Rita, mir zwei21. Miss Samantha's Exklusiv-Discount-Jeschenkboutik
10. Wat, usser Rock'n'Roll?22. Ruut-wiess-blau querjestriefte Frau
11. Allerletzte Chance23. Ewije Affhängerei
12. Nemm mich met24. Maat et joot
DVD 2 (62 Min 31 Sek):
01. Vill passiert sickher04. Et letzte Leed
02. Hungry Heart05. Helfe kann Dir keiner
03. Hück ess sing Band en der Stadt
Bonus:
01. Interview von Peter Rüchel mit Wolfgang Niedecken 199905. Trailer BAP - Rockpalast 1996 - Koblenz
02. Trailer BAP - Rockpalast 1981 - Markthalle06. Trailer BAP - Rockpalast 2001 - "Tote Brücke"
03. Trailer BAP - Rockpalast 1982 - Loreley07. Trailer BAP - Rockpalast 2006 - Kölnarena
04. Trailer BAP - Rockpalast 1986 - Grugahalle

Die Veröffentlichungsoffensive der EMI, sämtliche Auftritte von BAP beim Rockpalast unter dem Oberbegriff der BAP DVD-Edition betreffend, wurde erfolgreich beendet. Inzwischen sind alle sieben Titel erschienen. Zeitlich spannt sich dabei der Bogen über die Jahre von 1981 bis 2006. Das Hooked on Music hat sich ja bereits mit den Dokumentationen über die Gigs vom "28.11.1981", "15.03.1986" und "18.11.1996" beschäftigt. In dieser Rezension soll es nun um den auf zwei Discs verteilten Komplettmitschnitt einer Show während der Tour zu dem Album ’Tonfilm’, die am 22.11.1999 stattfand, gehen.

Hier handelt es sich, wie Wolfgang Niedecken im Verlaufe des Abends höchst selbst mehrmals bemerkt, um ein Unplugged-Konzert. Das sollte auch gar nicht weiter verwundern, wenn man bedenkt, dass besagte Platte eben beinahe ausschließlich elektrofreie Kost bietet. Darauf sind acht neue und acht bereits von früheren Einspielungen her bekannte Titel zu finden. Als Schauplatz dieses Ereignisses dient der höchst gediegene und bis auf den letzten Platz gefüllte Musical Dome in Köln. Es ist eine Premiere, spielt die Combo doch zum ersten Mal an diesem Ort. Voll bestuhlt, d.h. mit festen Sitzen ausstaffiert, und rotem Teppich auf der geräumigen Bühne. Irgendwie wirken BAP, übrigens sehr distinguiert gewandet, in diesem Rahmen wie Fremdkörper. Mir kommt es so vor, als würde sich Herr Niedecken dort auch nicht wirklich wohl fühlen. Zumindest entnehme ich das der einen oder anderen seiner Äußerungen. Auch nimmt er das stromlose Musizieren immer wieder selber auf die Schippe. So meint er, dass die Leute am Vorabend in Essen zu dem Stück ’Ne schöne Jrooss geschunkelt hätten. Überhaupt erzählt und erklärt der Frontmann jede Menge zu Entstehung und Hintergrund von einzelnen Songs und zur Geschichte der Truppe, sowie den gravierenden Veränderungen, die diese zum damaligen Zeitpunkt gerade durchgemacht hatte und vielem anderen, wie den Umgang mit plötzlichem Erfolg. Nicht zu vergessen ist der Fußballergebnisdienst bezüglich eines Auswärtsspiels des 1. FC Köln.

Auf der Setlist steht die überwiegende Zahl der Stücke von ’Tonfilm’ zuzüglich etlicher Nummern aus verschiedenen Phasen der Bandhistorie. Fremdwerke kommen in Form von Vum donnernde Lääve (Wolf Biermann), Rock’n’Roll Star (THE BYRDS),Vill passiert sickher (Bob Dylan) und Hungry Heart (Bruce Springsteen) zu Ehren. Daneben werden auch einige Titel dargeboten, an denen nicht zur Gruppe gehörige Leute mitkomponierten. Die Qualität der musikalischen Darbietung ist über jeden Zweifel erhaben. Besonders hervorzuheben sind die Gesangseinlagen von Sheryl Hackett, die 2005 viel zu früh sterben musste, z.B. bei Hungry Heart. Das Publikum geht gut mit. Es bleibt längst nicht die ganze Zeit in seinen bequemen Polstern sitzen, feiert BAP brav ab und bekommt, getreu dem Tourmotto, auf einer großen Leinwand an der Rückwand der Bühne zu den einzelnen Tunes und im Zuge der ausführlichen Bandvorstellung zu jedem Musiker jeweils passende Bilder präsentiert. Und auch die inzwischen leider obligatorischen Mitsing- und Mitklatschaufforderungen ereilen die Leute. Da gibt es kein Entkommen.

Insgesamt will BAP die Umsetzung des nahezu steckdosenfreien Konzeptes nicht wirklich überzeugend gelingen. Irgendwie scheinen sie gehemmt oder gebremst zu agieren. Es kommt mir fast so vor, als wüsste vor allem Wolfgang Niedecken nicht so recht, was er denn nun eigentlich will oder ob ihm das alles jetzt Spaß machen soll. Er wirkt jedenfalls längst nicht immer zufrieden und flüchtet sich dann in Ironie und Albernheiten.

Der Bonus besteht aus einem aufschlussreichen Interview, das Peter Rüchel im Jahre 1999 mit Wolfgang Niedecken führte und den Werbefilmchen zu den übrigen sechs veröffentlichten DVDs der Rockpalast-Auftritte von BAP. Im Laufe der knappen 15 Minuten des Gespräches nimmt Niedecken unter anderem ausführlich zur Tonfilmtour, dem dazugehörigen Album, den Umbesetzungen innerhalb der Gruppe, sein Songwriting, Majors Ausstieg und den Einfluss des Kinos auf seine musikalische Arbeit Stellung. Leider macht es Peter Rüchel weder dem BAP-Chef, noch den Zuhörern, allzu leicht, seinen immer wieder hobbypsychologisch verschwurbelten Fragen zu folgen.

Im beigefügten Faltblatt kommentiert Peter Rüchel unter anderem die Personalwechsel in der Band und deren Auswirkungen im Verhältnis zu den Fans und nennt die damals neu bei BAP eingestiegenen Leute. Außerdem sind dort verschiedene Fotos zu betrachten. Eines davon zeigt die Truppe mit Wolf Biermann, ein anderes im gepflegten Big Band-Outfit, Krawatten inklusive.

Das Hauptmenü von DVD 1 ist, wie gehabt, denkbar einfach aus den drei Punkten “Konzert“, “Titelauswahl“ und “Einstellungen“ (Auswahl der Tonspur) aufgebaut. DVD 2 bietet außer diesen Kategorien noch “Specials“ an, wohinter sich, wie wohl kaum ernsthaft anzweifelbar sein dürfte, das Interview und die Trailer verbergen. Des weiteren sind hier die “Credits“ abrufbar.

Das Bild hat das Format PAL und das Seitenformat lautet 4 : 3. Der Regionalcode lautet 0. Beim Sound hat man die Wahl zwischen Dolby Stereo 2.0 und Dolby Digital 5.1. Sprachen sind, wie nicht anders zu erwarten, Deutsch bzw. Kölsch. Untertitel stehen nicht zur Verfügung, was auch nicht weiter schlimm ist, da Herr Niedecken während des Konzertes immer wieder aus seiner Mundart ins Hochdeutsche übersetzt, wenn er es denn für nötig erachtet. Bei den Moderationen hält er sich mit dem Dialekt aber sowieso sehr zurück und die Texte der Songs sind eigentlich auch gar nicht so schwer zu verstehen. Zumindest für Altfans und Kölner. Die beiden Bild- und Tonträger sind von der FSK ohne Altersbeschränkung freigegeben.

Bild und Ton sind von bestechender Qualität. Die Kameras liefern Klassebilder aus allen nur erdenklichen Perspektiven. Der glasklare Sound lässt jedes Detail erkennen.

’BAP - Rockpalast 22.11.1999 - Musical Dome’ ist sicher für alle von Interesse, denen die damaligen wirklich erheblichen Veränderungen im Bandgefüge nichts ausmachten bzw. machen und/oder die sie begrüßten bzw. begrüßen und/oder die etwas mit beinahe ausschließlichen Unplugged-Aufführungen anzufangen wissen. Mich überzeugen, trotz der zweifellos vorhandenen hohen spielerischen Klasse, vor allem die alles in allem fast rocklosen Versionen der älteren und alten Songs nicht. Da fehlt beinahe jedweder Biss. Mit Kölschrock hat das hier Gebotene nun wahrlich kaum was zu tun. Da ist nicht viel dahinter. Irgendwie kommt das Ganze zu verkrampft, zu konstruiert und zu wenig spontan daher. Weder das Ambiente, noch das Outfit der Band passen, meiner Auffassung nach, zu BAP. Ich für meinen Teil halte mich da schon lieber an die unter Strom stehenden Studioeinspielungen und Live-Aufnahmen von Niedecken, Heuser & Co. bis in die 1990er Jahre.

Michael Koenig, 19.06.2009

 

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