Mike Zito

Samantha Fish

Bensheim, Musiktheater Rex, 20.11.2014


Konzertbericht

Reviewdatum: 25.11.2014
Stil: Blues, Country Rock

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Mike Zito Homepage



Redakteur(e):

Epi Schmidt


Mike Zito, Samantha Fish,
Bensheim, Musiktheater Rex, 20.11.2014

Donnerstagabend, nicht der schlechteste Abend der Woche, denn natürlich winkt schon das Wochenende und um diesen Abend zusätzlich aufzuwerten, hocken sich mein Kumpel Tim und ich ins Auto um uns ein besonderes Package zu gönnen: Mike Zito und Samantha Fish.
Mike Zito ist vielen hierzulande in erster Linie als wichtige Säule im Groove-Apparat der ROYAL SOUTHERN BROTHERHOOD bekannt, mit denen er auch noch vor gar nicht langer Zeit in Deutschland tourte, bei denen er aber unlängst seinen Abschied nahm. Dazu an anderer Stelle mehr. Samantha Fish wiederum war gleich an zwei aufeinanderfolgenden BLUES CARAVAN-Tourneen beteiligt und heimste da ebenso Lorbeeren ein, wie mit ihren absolut empfehlenswerten Solo-Alben. Da beide Künstler bei Ruf Records unter Vertrag stehen und sich zudem seit Jahren kennen, bot sich dieses Billing hier an.

“Ladies first“ heißt es für gewöhnlich und auch hier ist die knapp berockte Samantha diejenige, welche zuerst auf die Bühne darf. Zitos Rhythmusgruppe THE WHEEL begleitet sie. Das Rex ist gut gefüllt und durch die lockere Art des Kansas City-Girls sorgt gleich für Stimmung. Der Sound passt und das treibende Miles To Go eröffnet nicht nur ihr aktuelles Album ”Black Wind Howlin’” sondern auch diesen Konzertabend. Das stieben gleich die Funken, wenn Samantha mit Slide über die Saiten ihrer “Cigar-Box-Guitar“ fegt. Dabei geht es nicht so sehr ums Filigrane, sondern um den Drive, die Power und den Sound. Alles Drei ist hier gegeben und wird entsprechend beklatscht.
Natürlich ist das Publikum im leicht vorgerückten Alter, wodurch aber auch eine Nummer, wie Howlin‘ Wolfs My Baby Caught The Train von einigen erkannt wird. Auch das mit der “Zigarrenkiste“ gespielt, die einen beeindruckenden Sound hat und mal an ZEPPELIN, mal an die neueren Geschichten von Paul McCartney erinnert. Leicht abgewandelt muss ich an das Zitat: „It’s the player, not the instrument” denken.

Für das stampfende Go To Hell kommt Mike Zito, wie schon bei der Studioaufnahme, mit auf die Bühne und so groovt das Teil gleich noch mehr. Hier gleich einmal ein Lob an die Rhythmusgruppe THE WHEEL, die hier wirklich einen tollen Job gemacht hat. Ohne sich in den Vordergrund zu schieben, bilden Basser und Schlagzeuger ein stabiles Fundament und bringen die Besucher zum Mitgrooven.
Tom Pettys Louisiana Rain kommt richtig gut und bringt mehr Country-Flair in den Set, der letztlich aber mit Black Wind Howlin’ (sehr schöne Unisono-Linien von Stimme und Gitarre) wieder zum Blues zurückkehrt und am Schluss mit BLACK SABBATH’ War Pigs noch einmal ein überraschend hartes Finale erfährt. Ein toller Auftritt von Samantha Fish, der man deutlich gesteigertes Selbstbewusstsein anmerkt, und die man (ich) auch durchaus mit einem kompletten Konzertprogramm auf der Bühne sehen möchte.

Es wird gleich noch eine Ecke grooviger, als Mike Zito das Zepter übernimmt. Verstärkt durch seinen Saxofonisten Jimmy Carpenter – leider ohne Keyboard – hat Break A Leg schon einen äußerst ansteckenden, funky Rhyhtmus. Mikes hervorragendes, flüssiges, Gitarrenspiel ist ein weiterer Aspekt, der den Besucher schnell begeistert.
Gone To Texas nimmt zwar das Tempo etwas raus, aber um Geschwindigkeit geht’s hier heute Abend auch nicht. Es sind diese Melodien, das Zusammenspiel der Musiker und die großartigen Songs. Und die Stimme von Mike Zito, die neben seinen Gitarrenkünsten sein zweites Plus ist. Auch als Slide-Spieler taugt Zito. Ein Sonny Landreth ist er zwar nicht, aber man merkt bei Rainbow Bridge wohin die Richtung geht.
Als Nächstes schaut Samantha für einen Gegenbesuch auf der Bühne vorbei und die Beiden harmonieren bei dieser Country-Ballade perfekt

Düsterer, bluesig, wird es bei Peal River. Sehr spannungsgeladen und fein dynamisch strukturiert, baut sich der Song gut auf und wird teils auch recht heftig. Neben seinen hervorragenden Saxofon-Beiträgen, ist Jimmy Carpenter auch ein guter Harmonie-Sänger und da er gerade ein eigenes Album veröffentlich hat, lässt ihn Zito den funky Titelsong aus “Walk Away“ präsentieren. Kommt gut und keine Frage, dass Jimmy anschließend noch engagierter zur Sache geht.
Mike Zito übernimmt wieder und der Subtraction Blues hoppelt munter über die Bühne und durch den Saal. Längst ist Samantha Fish Stammgast auf der Bühne und ergänzt sich mit ihrem Mentor instrumental wie gesanglich aufs Beste.
Luther Allisons wird die Ehre mit seinem Bad News erwiesen und auch das folgende Judgement Day bleibt knietief im Blues verwurzelt.

Im Großen und Ganzen, ist aber auch viel country-angehauchtes im Programm des Gitarristen vorhanden. Die Grenzen werden da aber gern verschoben.
Nach einer letzten Zugabe hinterlassen Mike Zito, Samantha Fish & The Wheel ausnahmslos glückliche Gesichter und eine Besuchermenge, die sich sicher sein kann, hier eine denkwürdige Show erlebt zu haben, denn ob das in dieser Zusammenstellung noch einmal klappt, dürfte fraglich sein. Hier sind zwei Künstler zu sehen gewesen, die ihren Weg machen werden und machen.

Epi Schmidt, 20.11.2014

 

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