Sally Sounds Festival

Chung
Smoke Blow
The Subways
Madsen
Thees Uhlmann
The International Noise Conspiracy

Berlin, Fritz Club, 16.09.2005

( English translation by Google Translation by Google )

Festivalbericht

Reviewdatum: 16.09.2005
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Sally Sounds Festival
Berlin, Fritz Club, 16.09.2005

Nachdem im Vorjahr, beim Sally Sounds 2004 noch die Deutschlandhalle mit solchen Krachern wie FETTES BROT, SPORTFREUNDE STILLER, BEATSTEAKS oder MONEYBROTHER stilvoll zu Grabe getragen worden war, wählte man diesmal mit dem Postbahnhof einen etwas intimeren Rahmen für die Neuauflage dieses Festivals für die Freunde alternativer Klänge im Grenzbereich zwischen Rock und Pop. Gleichzeitig konnte dieses Event auch zum Anlass genommen werden, sich die Ohren zum Abschluss der Popkomm wieder etwas freizuspülen, sollten sie zuvor mit zu viel süßlichem Schmalz zugekleistert worden sein.

Der Vorteil des Postbahnhofs, neuerdings auch mit dem Zusatz FritzClub versehen, da als Location für allerlei Veranstaltungen vom gleichnamigen örtlichen Rundfunksenders auserkoren und gesponsort, sind natürlich die zwei Bühnen in unterschiedlichen Räumen, wodurch in Anbetracht der neun geplanten Acts eine einigermaßen straffe Programmabfolge gewährleistet war. Andererseits war der etwas schmale Durchgang aufgrund der doch erheblichen Zuschauermassen (es waren sicherlich mehr als 1.000 Besucher) nahezu verstopft, so dass es unmöglich war, mal kurz den Standort zu wechseln (vor allem wenn man zwecks Fotoshootings auch eine halbwegs günstige Position zur Bühne einnehmen musste). Somit musste sich der Schreiber also auf eine Bühne konzentrieren und wählte die größere der beiden, auf der CHUNG, SMOKE BLOW, THE SUBWAYS, MADSEN und (THE) INTERNATIONAL NOISE CONSPIRACY angesagt waren. Folglich kann hier nichts über die Bands der zweiten Bühne berichtet werden, die da waren: REVOLT, MUFF POTTER, NINE BLACK ALPS und SUGARPLUM FAIRY. So richtig interessiert hätten mich dabei aber auch nur die NINE BLACK ALPS, die in ihrer Heimat mit dem üblichen britischen Understatement als die neuen NIRVANA gefeiert werden, also war das letztlich zu verschmerzen.

Da sich der Sommer in diesem Jahr einfach nicht berappeln wollte, war es auch nichts mit dem geplanten Strandfeeling im Outdoor-Bereich, das Barbeque-Buffet wurde vermutlich in den Backstagefloor im zweiten Stock verlegt und die Skater und BMX-Fahrer vom Berliner Mellowpark tobten sich eben im Eingangsbereich der Halle aus Aber das Wesentlichste war ja ohnehin die Musik.
Also: Here we go.

Chung

Zunächst standen die Bremer Jungs von CHUNG vor dem zu großen Teilen reichlich jungen Publikum. Die Truppe um die ehemaligen PARTY DIKTATOR-Mitglieder Jens Ahlers (Drums) und Nick Neumann (Gesang, Gitarre) eiert nicht lange herum, sondern knallt den Leuten eine Mischung aus Post Punk, Noise, Rock'n'Roll und Jazz-Core um die Ohren, wobei die Keyboards von Till Ganzkopf dem Ganzen eine interessante Note verleihen.

Chung'
Selbst nennen CHUNG ihre Musik recht lautmalerisch "Kung Fu Rawk", "Spongo-Jazz" oder "NoisnRoll2000". Ein gewisser Bezug zur Comicsprache lässt sich also nicht leugnen. In dieser bedeutet CHUNG übrigens "Faustschlag gegen ein Metallmonster", womit eigentlich alles geklärt wäre. Irgendwie ganz sympathisch in den frühen Neunzigern verhaftet, ohne irgendwelchen Vorbildern oder Trends nachzuhecheln, drehen CHUNG wirklich ihr eigenes, raues und dennoch ziemlich tanzbares Ding. Perfekte Einheizer!

Chung @ MySpace
Chung bei Hooked on Music

Smoke Blow

Smoke Blow'
Für mich natürlich der absolute Höhepunkt, leider schon so früh im Billing, die genialen Kieler Hardcore-Punk- und Schweinerocker von SMOKE BLOW. Allenthalben große Spannung, wie sie die Songs ihres neuen, äußerst zugänglichen Albums "Dark Angel" in die Setlist integrieren und live rüberbringen würden. Wie nicht anders zu erwarten: In ganz großer Manier.
Songs wie The Door, Unbroken oder der Knaller Iron In My Soul gehen auf der Bühne - noch einen Zacken härter - ab wie Schmidts Katze und fügen sich perfekt zu den anderen Perlen von "German Angst" oder "Punkadelic - Godfather Of Soul".
Letten konnte es sich natürlich nicht verkneifen, über die jungen weiblichen Fans ein wenig abzulästern, die schon seit Beginn des Abends lautstark "Madsen, Madsen" riefen. Leider war das Ganze, kaum richtig in Schwung gekommen, schon wieder vorbei, da der Zeitplan doch etwas drängte. SMOKE BLOW - wie immer geniale Live-Schlachtrösser mit jetzt noch vielfältigerem Songmaterial, diesmal leider viel zu kurz. Aber sie kommen ja bald wieder.

Offizielle Smoke Blow Homepage
Smoke Blow im Hooked on Music

The Subways

The Subways'
Man ist es ja gewohnt, dass jede Band aus Großbritannien, die vor mehr als 20 Zuschauern spielt, als das nächste ganz große Ding angekündigt wird. THE SUBWAYS machen da keine Ausnahme - und sind natürlich auch ein gefundenens Fressen nicht nur für die Musikredaktionen der Presselandschaft. Hat man es doch mit unverschämt jungen Protagonisten zu tun (gerade mal 18, 19 und 20 Jahre alt mussten sie tatsächlich früher bei der Altersangabe lügen um überhaupt auftreten zu dürfen), die dazu noch miteinander verbandelt sind. So ist Billy Lunn, der Sänger und Gitarrist nicht nur mit Bassistin Charlotte Cooper verheiratet, sondern auch noch der Bruder von Drummer Josh Morgan. Der unterschiedliche Nachname von Billy und Josh erklärt sich im übrigen daraus, dass Billy auf der Bühne den Nachnamen seines Großvaters trägt, quasi im Andenken an diese für ihn wichtige Bezugsperson.
Musikalisch geht es jugendtypisch mit Powerpop zur Sache, auch gerne ein wenig rotzig aus der Garage (aber nicht zuuuu dreckig), irgendwo zwischen THE VINES, ASH, THE LIBERTINES oder auch RAZORLIGHT. Mit Holiday oder dem veritablen UK-Hit Oh Yeah hat man auch ganz nette Songs im Köcher, die obligatorische Ballade gibt es mit She Sun und so richtig rund geht es bei der abschließenden Rock 'N' Roll Queen inklusive Billy Lunn im Stile vom noch jungen Neil Young auf den Amps herumturnend.
Natürlich ist die Setlist noch recht kurz, hat man gerade ein Album mit "Young For Eternity" veröffentlicht, und manches ist noch etwas im jugendlichen Überschwang noch nicht so richtig gehaltvoll geraten, aber vielleicht wird ja wirklich etwas aus diesem Trio aus Welwyn, nördlich von London. Die Zeit wird es zeigen. Heute jedenfalls hatten sie die euphorische Menge bestens hinter sich gebracht und locker im Griff.

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The Subways im Hooked on Music

Madsen

Madsen'
Danach wurde es wieder norddeutsch, standen doch die in diesem Jahr überraschend erfolgreichen Jungs von MADSEN aus dem Wendland auf der Bühne. Wenn man sich so anschaut, welche deutschen Acts gerade richtig gut absahnen, kann man nur noch verwundert den Kopf schütteln angesichts der Tatsache, dass vor gar nicht langer Zeit eine Deutschquote im Rundfunk gefordert wurde. Oder ist das doch irgendwie eine Reaktion auf diese Diskussion? Jedenfalls könnte man die Madsen-Brüder Sebastian (Gesang und Gitarre), Sascha (Drums) und Johannes (Gitarre), die gemeinsam mit Bassist Niko Maurer und Keyboarder Folkert Jahncke zu Werke gehen, auch ohne weiteres in die Hamburger Schule einsortieren, sprich sie machen Musik, die auch schon vor dem Quotengerede und dem Aufkommen immer jüngerer Bands mit Frontfrau (SILBERMOND, JULI, TOKIO HOTEL - ach ne, das ist ja ein Typ, auch wenn man es nicht gleich sieht) erfolgreich war. Eine gewisse Nähe zu TOMTE oder eher noch TOCOTRONIC oder DIE STERNE ist nicht zu verleugnen.
Für den größten/jüngsten Teil des Publikums waren MADSEN jedenfalls der Höhepunkt des Festivals, Immer wieder, Vielleicht und natürlich Die Perfektion räumten richtig gut ab. Trotz allem erschließt sich mir nicht so richtig das Besondere an dieser Band. Aber vielleicht ist das gerade das Geheimnis des Erfolges: Eine gewisse unspektakuläre Bodenständigkeit, ein sympathisches Mittelmass, das eine hohe Identifikation mit Typen schafft, die so auch in der Nachbarschaft leben könnten. Und außerdem will die große Masse ja keine Innovationen hören, sondern freut sich viel mehr über die Behaglichkeit vertrauter Klänge, eine leicht punkige Attitüde darf dann auch mal sein, wenn es nur nicht zu schlimm wird. Alles im leicht hemdsärmligen Jugendkulturzentrums-Niveau, aber mit viel Herzblut dargebracht. Ganz nach dem Motto: Hausmannskost macht immer noch am besten satt.

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Madsen im Hooked on Music

Thess Uhlmann

Thees Uhlmann'
Zur Überbrückung der Umbaupause bis zu der abschließenden THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY gab sich noch das gute Gewissen der neueren Hamburger Schule, Thess Uhlmann, seines Zeichens Musiker u.a. bei TOMTE und neuerdings der HANSEN BAND, Kolumnist bei Spex und Intro, Herausgeber der TOCOTRONIC-Tourtagebücher und Geschäftsführer des Labels Grand Hotel Van Cleef, nur bewaffnet mit der akustischen Gitarre die Ehre. Da er nebenbei noch einer der größten MADSEN-Fans ist, passte das ja ganz gut. Von den kleinen Geschichten und den intelligent-skurrilen Gedanken zwischen den Zeilen hätte man ruhig etwas mehr vertragen können, so wirkte der viel zu kurze Auftritt ein wenig als halbgare Zwischenlösung (was ja aber nicht an Uhlmann lag).

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Thees Uhlmann im Hooked on Music

The (International) Noise Conspiracy

The (International) Noise Conspiracy'
Zum guten Abschluss gab es dann noch die vertonte Weltrevolution mit THE (INTERNATIONAL) NOISE CONSPIRACY. Die Jungs um Frontmann Dennis Lyxzen feuerten ihr kommunistisches Manifest unterlegt von 60er Jahre Punkrock mit einem guten Schuss Soul und einer kernigen Portion Härte unter das nun auch etwas ältere Publikum. Live räumen die Jungs aus Umea, Schweden ohnehin alles ab und dürfen als gelungene Fortentwicklung von REFUSED gelten, indem sie Kopf und Bauch bedienen. Sie meinen es ernst mit ihrer Kapitalismukritik und empfehlen selbst immer wieder Bücher zu lesen statt Musik zu hören, bieten aber auch hinreichend Gelegenheit zum ideologiefreien Abtanzen.
Ein würdiger Abschluss dieses Festivals, das bis in den frühen Morgengrauen reichte. Man darf schon jetzt auf 2006 gespannt sein.

Offizielle The (International) Noise Conspiracy Homepage
The (International) Noise Conspiracy im Hookde on Music

Ralf Stierlen, 22.05.2009

 

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