Orange Goblin

Witchcraft
Grand Magus

Berlin, Kato, 22.06.2004


Konzertbericht

Reviewdatum: 22.06.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Berlin, Kato, 22.06.2004

Ein richtig schönes Doom-Päckchen im Kato, wobei dies natürlich nur eine Grobeinschätzung der Bands ist, aber immerhin sind alle beim Marktführer Rise Above Records unter Vertrag, so dass sich eine gemeinsame Tour von Schweden und Briten geradezu anbot.
Da die Anhänger dieser Musik auch in Berlin nicht gerade in die Tausende gehen, harrte eine überschaubare, aber erwartungsvoll gespannte Zuhörerschar der Dinge, die da kommen sollten.

Witchcraft Zunächst WITCHCRAFT, die ja ein wirklich gelungenes Album vorgelegt haben (siehe unser Review), das man allenfalls von der Klangfarbe zwanglos unter Doom einordnen kann. Ansonsten regieren Seventies, wenn nicht sogar Sixties-Anklänge im Sinne von BLACK SABBATH (der Frühzeit), BLUE CHEER, DOORS, JETHRO TULL und natürlich PENTAGRAM.
Live gefiel mir die Umsetzung des tollen Materials noch nicht so richtig, zumal Magnus Pelanders Gitarre zwar zu sehen, aber kaum zu hören war. Die Soundmischung war zu diesem Zeitpunkt doch reichlich Stonerdoom-lastig, will heißen, lauter Tiefknarz-Bass, heftig laute Drums und dann könnte man den Bass noch etwas lauter machen... Zeitweilig lag der zweite Gitarrist John Hoyles auch ein bißchen neben der Spur. Die größtenteils eher auf beinhart stehenden Zuschauer waren auch eher reserviert, immerhin durfte sich der gute Sänger Magnus Pelander in der Menge über ein "No angels or demons"-T-Shirt (das war die erste EP der Band) freuen.
Nach dreißig Minuten verließen die vier jungen Schweden dann wieder die Bühne, ich denke, dass sie ihre Zeit noch vor sich haben und in einem Line-up mit weniger harten Bands auch noch mehr Anklang finden werden.

Grand Magus Als nächstes kamen dann GRAND MAGUS, die optisch wirklich sämtliche Klischees der harten Nordmänner erfüllen (eigentlich fehlten nur noch die behornten Helme).
Das Stonertrio machte mächtig Druck, allerdings ist mir das Songmaterial auf die Dauer doch etwas zu eintönig. Irgendwie war das ganze ein bißchen Stoner-Poser-mäßig, mit viel heißer Luft und einer Flying-V, die ja doch eher in den Bereich optischer Schnickschnack gehört und weniger eine ernstzunehmende Gitarre ist. Aber da hier ganz gut Druck dahinter war und die Abmischung ein wenig besser gelang (sollte bei einem Trio ja auch klappen), heizte sich die Stimmung doch so langsam auf... und erreichte ihren Höhepunkt, als dann die britischen ORANGE GOBLIN auf der Bühne standen. Sie sind nicht nur die Veteranen des Stonerrock (wenn man ihre Musik überhaupt noch so bezeichnen kann), sondern auch sowas wie die Proggies unter den Stonern.

Orange Goblin Innerhalb der Stücke gibt es ständige Tempo- und Dynamikwechsel, es werden Einflüsse von Hard Rock, Hardcore, Southern Rock und Blues verarbeitet und zu dem ganz eigenen ORANGE GOBLIN-Sound geformt. In erster Linie wurde natürlich das aktuelle Werk "Thieving from the house of God" (siehe unser Review) vorgestellt, aber es gab auch einiges vom Vorgänger "Coup de grace". Nur die älteren, reinen Stonersachen blieben weitestgehend in der Mottenkiste. So brüllte Ben Ward, optisch eine detailgenaue Kopie von Rasputin, der aufgrund seiner Größe von knapp zwei Metern neben dem ziemlich kleingewachsenen Gitarristen Joe Hoare besonders eindrucksvoll wirkt, dem begeistert mitgehenden Publikum die Knaller Some you win, some you lose, Hard luck (mit besonderer Widmung an die EM-Spiele des Abends mit Glückwunsch an die Schweden und einem arrivederci Italia) oder If it ain't broke, break it entgegen.

Orange Goblin Chris Turner an den Drums war äußerst präzise und timingsicher und lotste die Band mit Joe Hoare und Martyn Millard am Bass durch sämtlich rhtymischen Kehrtwendungen. Auch das ZZ-TOP-Stückchen Just got paid legt live natürlich noch ein paar Adrenalinstöße mehr frei.

Nach einer Stunde etwa verließ die Band nur ganz kurz die Bühne, bei der prompt folgenden Zugabe bildete die Feedback-Orgie Crown of locusts den umjubelten Schlußpunkt.
Alles in allem dann doch noch ein gelungener Abend für die Freunde der harten und tiefen Töne.

Ralf Stierlen, 23.06.2004

 

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