Schandmaul

Down Below

Berlin, Kesselhaus, 07.05.2004

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 07.05.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Berlin, Kesselhaus, 07.05.2004

Lange Schlangen vor dem Kesselhaus bereits zu Beginn der Einlasszeit um 21:00 Uhr künden vom großen Verlangen der Berliner nach neuen Taten der SCHANDMÄULER. Ein schön gemischtes Publikum, vom Gothic-Anhänger über den Punker bis zum Stino findet sich alles, auch altersmäßig relativ breit gefächert.
Als man endlich im Kesselhaus drin ist, haben sich dort ca. 800 Leute eingefunden, also pickepackevoll.

Zunächst gibt es den Support von DOWN BELOW. Aber ohje, so sehr die Platte der Jungs aus Roßlau zu gefallen weiß (siehe unser Review), so sehr geht das, jedenfalls heute abend, in die Binsen.
Findet auf "Silent wings : eternity" eine ernsthafte und spannende Auseinandersetzung mit der Suche nach Tut-ench-Amuns Grab, den sich darum rankenden Legenden und Mythen statt, verkommt es in dem relativ kurzen Auftritt zum bloßen Effekt, der dazu noch nicht einmal sonderlich originell über die Bühne kommt.
Herrschen auf dem Album auch musikalisch vielfältige Zwischentöne in den Bereichen Pop, Wave und (eher wenig) Metal, so führt der Verzicht auf Synthesizer in der Live-Umsetzung dazu, dass DOWN BELOW als Metalband daherkommen, die ziemlich fixiert auf Sänger Neo:scope erscheint, der noch dazu im ziemlich mäßigen Sound untergeht. Die Reaktionen eines Großteils des Publikums sind dann auch recht heftig ablehnend. Schade, hoffentlich ziehen die Roßlauer ihre Lehren daraus und lassen sich ansonsten nicht entmutigen. Offensichtlich passte das auch nicht zu SCHANDMAUL und deren Publikum.

Aber schließlich ist es soweit und Thomas, Anna, Birgit, Ducky, Stefan und Matthias entern unter lautem Jubel die Bühne. Die Symbiose aus mittelalterlichen Klängen und zeitgemäßen Sounds gelingt meiner Meinung nach bei SCHANDMAUL deutlich stimmiger und schlüssiger als bei vielen vergleichbaren Bands, die teilweise zu sehr in Richtung Metal oder Darkwave driften.
An diesem Abend gab es den sensationellen Einstieg auf Platz 13 in den Charts des neuen Albums "Wie Pech und Schwefel" zu feiern, obwohl Ducky klarstellte, dass Chartspositionen nicht eigentlich wichtig sind. Entscheidend ist der Spass der Leute an der Musik und dies wußte sowohl die Band zu vermitteln als es sich auch an den Reaktionen des Publikums ablesen ließ.

Zu den vielen (guten) neuen Stücken wie den Opener Das Geisterschiff, Drachentöter, Leb' [Die haben einen Song über unseren Martin "Drachentöter" Schneider gemacht? Die Redaktion ist begeistert], Stein der Weisen oder Das Tuch kommen die SCHANDMAUL-Klassiker wie Herren der Winde, Walpurgisnacht, Waldgeflüster, Der letzte Tanz, Sturmnacht oder natürlich Teufelsweib, die vom Auditorium begeistert aufgenommen und, je nach Temperament, in flotte Tanzbewegungen oder unkoordiniertes Gepoge umgesetzt werden.

Wie überhaupt wieder festzustellen ist, dass SCHANDMAUL live eine regelrechte Tanzband sind, man wünscht sich ab und zu vielleicht ein bißchen mehr von den ruhigen Momenten, aber das Volk will feiern und die Münchner geben dem Volk, was es verlangt. Die großartige Birgit Muggenthaler, die mit Dudelsack, Schalmeien und Flöten erst für das richtige mittelalterliche Folkfeeling sorgt, kann zwar krankheitsbedingt nicht die ganz ausgelassene Show bieten (ich spreche von Show, ihr Spiel war über jeden Zweifel erhaben), aber das wird natürlich durch die frenetisch bejubelte Anna Kraenzlein an der Violine und die Herren der Schöpfung wettgemacht.
Thomas Lindner könnte vielleicht ein noch etwas geschmeidigerer Entertainer werden, aber er ist natürlich in erster Linie ein (hervorragender) Sänger. Man kann in jedem Falle festhalten, dass sich bei SCHANDMAUL sechs ausgezeichnete Individualisten zu einer geschlossenen Einheit zusammengefunden haben, bei der keiner sein Ego in den Vordergrund stellen muss. Und dies bewirkt eine positive Ausstrahlung auf die Zuschauer und damit letztlich auch den Erfolg, der sich in erster Linie über die Liveauftritte definiert, und dessen Ende noch nicht abzusehen scheint: Auf der aktuellen Tour haben sich die Zuschauerzahlen erheblich vervielfacht, der Besuch eines Konzertes der Band birgt regelrechtes Suchtpotential.

Nach alles in allem guten zwei Stunden entließen die SCHANDMÄULER ihr Publikum glücklich in die Nacht.
Da Aufnahmen jedweder Art untersagt waren, gibt es leider keine Fotos.

Ralf Stierlen, 11.05.2004

 

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