Red Sparowes

Berlin, Magnet Club, 30.03.2006

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 30.03.2006

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen

Peter Tenzler


Berlin, Magnet Club, 30.03.2006

Düstere Zeiten im Magnet Club. Zum Glück nur in musikalischer Hinsicht, war doch der Laden für einen Donnerstagabend ziemlich gut besucht. Es hatte sich glücklicherweise herumgesprochen, dass es sich bei den RED SPAROWES um eine Art All-Star-Band des mächtigen Slowcore handelt, wirken doch unter anderem Mitglieder von ISIS, NEUROSIS und HALIFAX PIER mit.
Zur Einstimmung gab es zunächst die Braunschweiger Band TEPHRA, deren düster-brachialer Post-Hardcore mit einem gelegentlichem Schuss Brutalo-Emo dank optischer Effekte und einem mittlerweile hinzugesellten Keyboarder um einige neue Facetten angereichert worden ist, mir aber insgesamt immer noch ein wenig gleichförmig erscheint. Das tat aber der guten Stimmung keinen Abbruch, die Temperaturen stiegen schon ganz beträchtlich im vielleicht für diesen Abend auch etwas unterdimensionierten Magnet.

Red Sparowes Schließlich stand dann nach einer überschaubaren Umbaupause der Topact auf der Bühne: die RED SPAROWES, ins Leben gerufen von Bryant Clifford Meyer und Jeff Caxide von ISIS, der mittlerweile durch Andy Arahood (ANGEL HAIR) ersetzt worden ist. Die rein instrumentalen, gewaltigen Songepen der Band sind bei aller ausufernden Vielschichtigkeit ungeheuer kompakt, dicht und homogen. In der Art, wie sie einzelne Schichten von Gitarren und Bässen über dem rhythmischen Gerüst von Drummer David Clifford übereinander legen, um sich ständig verschiebende, urtümliche Klangkaskaden zu erzeugen, ähneln die RED SPAROWES Bands wie AEREOGRAMME, CULT OF LUNA oder OCEANSIZE, wobei sie allerdings durch den vollständigen Verzicht auf Gesang noch konzentrierter, noch puristischer wirken.

Red Sparowes Hier gibt es keine Brüllattacken oder Screamo-Einlagen als emotionale Ausbrüche, hier bauen die Gitarren mächtige Gebilde auf um sie mit lautem Getöse zerbersten zu lassen und dann die den geradezu minimalistischen, ambient-artigen Mosaiksteinchen wieder neu aufzunehmen. Es stehen sich unendlich schöne, regelrecht liebliche Töne und brüllende Klangfratzen gegenüber, es reiben sich die Riffs aneinander bis die Funken sprühen. Nahezu unbeweglich stehen die Musiker auf der nur von den Projektionen des Beamers beleuchteten Bühne, nahezu unbeweglich auch das Publikum, das diese Atmosphäre des Auftritts in sich aufsaugt. Bassist Greg Burns (HALIFAX PIER) bediente ab und an auch die Pedal Steel, um die ganze Stimmung mit etwas erdnäheren Sounds anzureichern.

Red Sparowes Zwar war der Sound nicht ganz optimal (ist vielleicht auch nicht ganz einfach bei dieser Besetzung in einem kleinen, gut gefüllten Club), aber die Eindrücke blieben dennoch nachdrücklich im Gedächtnis der Zuhörer haften: die RED SPAROWES lieferten Musik, die entrückt und gleichzeitig erdschwer, monumental und gleichzeitig zerbrechlich ist und versöhnen die Intellektualität des Postrock mit der Emotionalität des noisegetränktenen Alternativerock und spinnen bildgewaltige, tongewordene Kurzfilme für die Köpfe ihrer Zuhörer. Mehr als nur ein All-Star-Projekt praktizieren sie perfektes Teamplay und verschmelzen zu einem einheitlichen, wenn auch komplexen Klangkörper. Nicht unanstrengend, aber überwältigend, wird man doch als Zuhörer mitaufgesogen und nach guten siebzig Minuten erschöpft aber glücklich wieder ausgeworfen. Beim nächsten Mal wäre für diese großartige Band vielleicht auch eine etwas größere Location angebracht, wenngleich die Enge das Erlebnis noch zusätzlich intensiviert hat.

Ralf Stierlen, 03.05.2006

Bilder: Peter Tenzler, 30.03.2006

 

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