Vernon Reid

Berlin, Tränenpalast, 14.07.2004

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Konzertbericht

Reviewdatum: 14.07.2004

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Berlin, Tränenpalast, 14.07.2004

VERNON REID & MASQUE im Rahmen der alljährlichen Blue Nites im Tränenpalast direkt zwischen Bahnhof Friedrichstraße und Reichstagsufer. Das ist natürlich ein Pflichttermin für alle Gitarrenfans, Hobbygitarristen, LIVING COLOUR-Freunde und überhaupt musikalisch interessierte.
Entsprechend ordentlich beworben war die Veranstaltung eigentlich auch (Tipp des Tages im "Tip Magazin" mit ausführlichem Bericht, Konzert-Tipp im Fernsehsender RBB). Aber dennoch machte der Tränenpalast seinem Namen alle Ehre, angesichts der sehr überschaubaren Zuschauerzahl. Aber Vernon solo ist halt etwas schwerere Kost...

Vernon Reid Als Opener gibt es National Anthem als eher getragene Fusion mit sphärischen Gitarrenklängen und einem Solo von Leon Grunbaum auf dem (auf ausdrücklichen Wunsch unseres Chefredakteurs muss ich es noch einmal erwähnen) Sinchillian Tip Tip Tip Cheepeee.
[Was ist das für ein Clown, dieser sog. Chefredakteur? Wenn ich, der Hausmeister, hier was zu sagen hätte...]
Deutlich zupackender dann das nachfolgende The Slouch, wie das meiste an diesem Abend vom aktuellen Album "Known unkown" (siehe unser Review). Schnell wird die Extraklasse des Gitarristen Vernon Reid deutlich, der variantenreich und mit einer Münder offen zurücklassenden Technik und Geschwindigkeit in jeglicher Spielart moderner Fusion zuhause ist: sei es funkig, bluesig, heavy oder als Ausflug in modale Jazzgefilde. Und ich spreche hier nicht von weichgespülter Fahrstuhlfusion, wie sie in den Vereinigten Staaten überall zu hören ist im Stile der RIPPINGTONS, YELLOW JACKETS oder SPYRO GYRA's. Nein, hier geht es richtig knackig zur Sache, auf dem unspektakulären, aber soliden Fundament von Bassist Hank Schroy und Drummer Marlon Browden, wie You Say He's Just A Psychic Friend vom 1996er Album "Mistaken Identity" beweist.

Vernon Reid Anschließend der Titeltrack des aktuellen MASQUE-Albums "Known Unknown", der mit seiner sonnig-strahlenden Gitarrenmelodie an den viel zu früh verstorbenen Sonny Sharrock erinnert.
Die Thelonious Monk-Komposition Brilliant Corners widmet Reid einem weiteren prominenten Mitglied der Heaven Allstars, Elvin Jones, um dann in irrsinniger Geschwindigkeit über's Griffbrett zu jagen.
Nach etwas Free Funk im Stile LIVING COLOURs (What Time Is It?) folgt das epische The Projects, wieder von "Mistaken Identity". Recht überraschend dann das DEPECHE MODE Cover Enjoy The Silence samt etwas dünner Gesangseinlage von Vernon "das Singen überlasse ich in Zukunft lieber wieder anderen" Reid. Das furiose, an die legendären Bitches-Brew-Sessions von Miles Davis erinnernde Down And Out In Kigali And Freetown wird durch ein ausgiebiges Basssolo von Hank Schroy angereichert, während ansonsten außer dem Meister selbst mit seinen unzähligen Gitarrensounds Leon Grunbaum mit Keyboards, Clavinet und Saxophon für die unterschiedlichsten Klangfarben sorgt.
Richtig schön groovendes Reggaefeeling gibt es mit Flatbush And Church, das sogar einige der wenigen Erschienenen zu einem Tänzchen animiert. Lee Morgan's Sidewinders wird dann wieder zu einer Demonstration von Vernon Reids Flinkfingern bei der man nur noch staunen kann.

Dem bluesigen Time folgt zum Abschluß des regulären Sets das knackige Voodoo Pimp Stroll, bei dem die pinkfarbene Malcolm X-Gitarre von Hamer zum Einsatz kommt. Ein grandioses Outskirts, das bei manchem Hobbygitarristen erst ungläubiges Kopfschütteln und dann leise Resignation zurücklässt, beschließt ein fulminantes Konzert, das nur deutlich mehr Zuhörer verdient hätte. Vernon Reid ist definitiv einer der besten lebenden Gitarristen unseres Planeten und im Rock genauso zuhause wie im Jazz und in der Fusion.
Mit dem gegenseitigen Versprechen, sich bald wieder zu sehen verlassen Band und Zuschauer den Tränenpalast nach anderthalb atemberaubenden Stunden.

Ralf Stierlen, 16.07.2004

 

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