Genepool

Findus

Berlin, Wild At Heart, 12.01.2007


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.01.2007

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Berlin, Wild at Heart, 12.01.2007

Recht kurzfristig entschlossen ging es mal wieder ins legendäre Kreuzberger Wild At Heart, nachdem sich GENEPOOLdiesmal endlich mit dem unvergleichlichen Jack Letten am Mikro angekündigt hatten, der ja bei der letzten Tour aus terminlichen Gründen (wegen Arbeit mit seinem Mutterschiff SMOKE BLOW) auslassen musste. Gespannt war ich auch auf den neuen Drummer und da sollte ich doch gleich eine freudige Überraschung erleben, als ich der Band ansichtig wurde, war da doch ein bekanntes Gesicht hinter der Schießbude: Jens Küchenthal von den JELLY PLANETS ersetzte den ausgeschiedenen Kolja Matzke. Ein Psychedeliker unter Punkern? Na, da hat ja sicherlich der Guido Lucas nachhaltig Einfluss genommen, der ja nicht nur bei GENEPOOL Bass spielt sondern, wie so viele Bands, auch schon JELLY PLANET produziert hat. Außerdem sind alle in den achtzigern aufgewachsen, also das passt schon prima.

Aber zunächst galt es noch die support band zu überstehen. Glücklicherweise hatte man sich noch anderweitig die Zeit vertrieben angesichts des zu erwartenden späten Startschusses (Freitag abend in Berlin heißt Konzertbeginn extra spät), so dass die Ankunft eigentlich etwas spät war, zumal der Schuppen (endlich! Bei GENEPOOL) ziemlich gut gefüllt war. Also erst mal zu Bühne vorkämpfen (das darf man in dem engen Schlauch wörtlich nehmen) aber Himmel, was ist das!! FINDUS heißen fünf Bubis, kommen aus dem Kaff Kröß in Ostholstein und haben ihr erstes Demo bei Letten mit diesem und Greif Hellhammer von SMOKE BLOW aufgenommen, weshalb man eigentlich doch ein bisschen was erwartete. Aber das hier war wirklich bestenfalls Schülerband-Niveau und auch das nur knapp. Die Musik schlingerte rumpelig zwischen Pop und Punkersatz, es rappelte und schepperte und ich habe selten einen so gelangweilten Keyboarder wie den guten Elias gesehen. Das hatte direkt schon wieder was Erheiterndes. Ansonsten aber lieber nix dazu, geht noch ein paar Runden üben, Kinners, ihr seid ja wohl auch noch recht jung.

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Mitternacht war schon erreicht, als es dann endlich mit GENEPOOL los ging. Letten diesmal wieder mit schwarzer Frisur und im abgerissenen Psychobilly Outfit, über das er noch ein Netz gezogen hatte. Letten kommentierte sein tuckiges Aussehen dann auch damit, dass er ohnehin nach Köln übersiedeln wolle. Ansonsten gab es optisch noch anzumerken, dass Guido immer klappriger wirkt, aber zusammen mit Paco Delgado wieder die grandiosen Twin-Guitar(bzw. Bass) Posen abzog, sofern dass auf der kleinen Bühne eben möglich war. Denn Letten legte sich natürlich auch wieder mächtig ins Zeug als alte Bühnensau.
Es gab die ganzen schönen "alten" Sachen von "Everything Goes In Circles", das außer der Reihe veröffentlichten BLONDIE-Cover War Child plus zwei neue Songs.

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Dabei passte das alles schon ziemlich gut, eingedenk der Tatsache, dass man mit Jens gemeinsam noch nicht so oft mit diesem Material auf den Brettern gestanden ist. Die knackig-wavigen Gitarrensounds, irgendwo zwischen groovig und gruftig, kamen sehr gut rüber, Guido legte einen die Nackenhaare kräuselnden Bassteppich darunter, Jens prügelte ordentlich auf die Felle ein und ein sich wie üblich schön verrenkender Letten muckte sich die Seele aus dem Leib. Und mittlerweile hat auch Berlin begriffen, was diese Band drauf hat: die Stimmung war zum ersten Mal bei einem Konzert des Fünfers in der Hauptstadt richtig ordentlich zu nennen. Ich glaube, da wächst wirklich etwas heran, was man, so sparsam ich diesen Ausdruck verwende, durchaus als "Kultband" bezeichnen kann. Denn hier finden sich unheimlich starke Musiker und Individuen zusammen, die ein gemeinsames Ziel verfolgen und dabei an einem Strang ziehen, da sie einfach Bock darauf haben, das alles Hier, So und Jetzt zu machen. Und die ganz genau wissen, wie das klingen muss: wie viel Dreck, wie viel Rotz und wie viel Düsternis dieses klassische Old School Brett verträgt. Dazu der wie die sprichwörtliche Faust aufs Auge passende Letten, das macht einfach allen tierisch viel Spass, ob sie nun auf oder vor der Bühne stehen. Ein sehr gelungener Abend, der für die Band auch ein bisschen Aufbruchstimmung bedeutet und der für das zu erwartende neue Album einiges erhoffen lässt.

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