Bianca DeLeon

The Long Slow Decline Or Carmelita


CD-Review

Reviewdatum: 01.01.2000
Jahr: 2005

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Bianca DeLeon
The Long Slow Decline Of Carmelita, Lonesome Highway Music, 2005
Bianca DeLeon Vocals, Acoustic Guitar
Max Baca Bass, Bajo Sexto, Percussion
Mikael Guerra Accordion, Background Vocals
Bobby Flores Fiddle, Pedal Steel
Redd Volkaert Electric Guitar
Flaco Jiminez Accordion
Eddie Cantu Drums
Produziert von: Bianca DeLeon & Max Baca, Greg Kane Länge: 43 Min 23 Sek Medium: CD
1. Don't Drink The Water Poncho8. Six Pack Of Misery
2. Nowhere Mexico9. Friends
3. In The Moon Light10. Muy Cerca De Mi
4. Somebody Shot Manuel11. Guitarra Mia
5. For Lost Love12. High And Lonesome
6. In The Shadow Of Sagebrush13. Countin' Pennies
7. The Long Slow Decline Of Carmelita

Falls jemand mal einen Urlaub im südlichen Texas geniessen möchte, sich den teuren Flug aber grad nicht leisten kann, sollte er sich die neue Scheibe von Bianca DeLeon, "The Long Slow Decline Of Carmelita" auflegen. Ein wenig Imaginationskraft vorausgesetzt, entführt uns DeLeon sozusagen in die geheimnisumwitterten Winkel ihres Heimatstaates, die jenseits des Allerwelts-Tourismus das pure Leben spiegeln. Szenen, Bilder und Eindrücke, die mittels einer profanen Pauschalreise kaum jemand zu sehen bekäme.

Ganz in der Art ihrer männlichen Kollegen, Robert Earl Keen, John Prine et al, skizziert sie ihr Texas mal als lasterhaftes, mal als liebenswertes Fleckchen Erde. Zwar findet man selten witzige bzw. scharfzüngige oder ironische Plots in ihren Stories, doch weniger interessant werden sie dadurch nicht.
Da fabuliert sie von gestrauchelten Existenzen und kriminellen Energien, bitteren Enttäuschungen und hochfliegenden Träumen, ganz so wie es sich offenbar an der texanisch-mexikanischen Grenze abzuspielen scheint. Da sie selbst im grenznahen Städtchen Corpus Christi aufwuchs und nicht gerade Bilderbuch-Kindheit durchlebte, weiss Bianca natürlich wovon sie redet. Ihre Freundschaft zum leider verblichenen Übervater Townes van Zandt mag hier natürlich ebenfalls Quell ihrer Inspiration gewesen sein.

Das Ganze würzt Frau DeLeon mit einer handverlesenen Schar erfahrener Musiker, die zwar fast ausnahmslos aus der sogenannten zweiten Garde des reichen texanischen Musikerpools stammen, aber dennoch, wie sollte es auch anders sein, profunde Kenntnis ihrer Wurzeln und unverbrauchte Spielfreude präsentieren.
Einzig Flaco Jiminez (immerhin Grammy dekoriert) am Akkordeon und Redd Volkaert mit scharfem Telecaster-Twang (spielte u.a. für Leute wie Merle Haggard, George Jones, Dolly Parton, Buck Owens), darf man mit Fug und Recht zu den namhafteren Mitstreitern dieses Albums zählen.

Wie es sich für eine standhafte Vertreterin zünftiger Folklore gehört, würzt Bianca ihre Songs mit reichlich Fiddle und Akkordeon-Schleifen, mischt hier ein wenig Pedal-Steel, dort eine mexikanische Nylon-String-Guitar und ein paar landestypische Percussion unter ihre gefühlvollen Kompositionen. So gelingt es allen Beteiligten, eine völlig unverkrampfte, eine echte und glaubwürdige Produktion in naturgetreuem Sound vorzustellen.

Auf diese Weise entsteht quasi ein bunt durcheinander gewürfeltes texanisches Sittengemälde, das sich mit allerlei Querverweisen auf Country, Folk, Tex-Mex bis hin zu Zydeco-Impulsen die Grenze entlangschlängelt. Eine reife Leistung. Ganz so, wie es sich für einen Texas-Troubadour geziemt.

Frank Ipach, 15.06.2005

 

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