Billylee Janey

What's Your Trick

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 20.06.2009
Jahr: 2009
Stil: Blues Rock, Hard Rock

Links:

Billylee Janey Homepage



Redakteur(e):

Christian Gerecht


Billylee Janey
What's Your Trick, Rockadrome, 2009
Billylee JaneyGuitars & Vocals
Skip LoweDrums & Percussion
Dan JohnsonBass
Produziert von: Tom Tatman Länge: 44 Min 26 Sek Medium: CD
01. What's Your Trick07. Wicked Stick
02. Broken Heart Song08. Thing Gone Wild
03. Just A Dream09. Turbo Don
04. Dawg Howl Moan10. Thank You For The Sunshine
05. Mojo Talker11. Wicked Stick Reprise
06. Someday Soon

Neulich, als Frankie's Päckchen mit einer kleinen Auswahl des kommenden JFK CD-Programms im Briefkasten lag und der Schreiber es kurz darauf mit hippeligen Fingern öffnete, hüpfte ihm quietschvergnügt ein dezent buntes Cover mit innenliegender, hin und wieder herausblitzender CD entgegen. Es saß nur kurz auf des Rezensenten Hand, zwinkerte verheißungsvoll mit den Augen und sprang dann juchzend und Hallelujah-singend auf den Küchentisch. Verwundert rieb sich der Schreiber die Augen, denn ein steppendes CD-Cover, eingetütet in eine platzsparende Klarsichthülle, das jucheizend ein Hallelujah nach dem anderen ausstieß, trifft man nicht alle Tage. Beinahe ängstlich guckten die anderen CDs aus dem geöffneten Päckchen. So, als dächten sie, wie schrecklich es wäre, wenn das dezent bunte Cover mitsamt seiner CD und Hallelujah-quietschenden Endlosschleife zurück in den Schoß des heimeligen Luftpolsterkuverts kehren würde. Doch das steppende Cover nebst CD machte keinerlei Anstalten dazu. Vielmehr begann es auf dem Küchentisch des Schreibers aus dem Stand heraus Saltos zu springen, an der Kante des Tisches zu balancieren um sich, gleich darauf, wie ein bekiffter Derwisch, im Kreis zu drehen. Unmöglich zu erkennen, wer da nun mit aller Macht um Aufmerksamkeit heischte. Irgendwie wurde es dem dicken Mann, zumal die Endlosschleife nach wie vor ein Hallelujah nach dem anderen pries, zu bunt.
"Pflatsch!", die flache und nicht gerade kleine Hand des Rezensenten fiel auf das hüpfende Dingens hernieder wie Gottes Zorn auf Sodom. Doch weitere zwei, drei gequälte Hallelujahs entrannen dem dezent bunten Cover.
"Klatsch! Da hast du noch eine!", zischte der Schreiber. Ein wimmerndes "Hallelu..." entrann der Klarsichtfolie und dann zuckten sowohl das geplättete Cover, wie auch die CD ein allerletztes Mal.*)
Endlich war es mal möglich, dass Cover in Ruhe zu betrachten. Ein paar verbogene Uri Geller Löffel schwebten über zwei geöffneten Händen und erst auf den zweiten Blick offenbarte es seine Herkunft. In winzigen Lettern stand "The Billylee Janey Band" darauf...
Billylee Janey...? Erkennen erhellte des Rezensenten Gesichtszüge: Dieser alte Dino schlägt sich ja schon seit Ewigkeiten durch den großen Rockmusikzirkus!
Seit 1972 ist Janey Mitglied dieser über 50-jährigen Zirkusveranstaltung und hat sich, zumindest mit seinem bekanntesten Album "No Rest For The Wicked", das er 1975/76 mit seinem Powertrio TRUTH AND JANEY aufnahm, eine ziemliche Reputation erspielt. Seit diesen glorreichen Tagen war Billylee Janey natürlich nicht untätig. Alle paar Jahre erschien, mal mit der, mal mit jener Band, ein ums andere Album. Alle gingen sie im Sog der vielen anderen Veröffentlichungen unter. Das galt im weitesten Sinn auch für sein letztes Werk "Soul Driver", das anstelle des "Drivers" besser einen "Klempner" dabei gehabt hätte...
Dabei hat es Billylee, der neben harten Blues Rock Riffs gerne mal funkt und frickelt, rein Gitarrentechnisch voll drauf. Und das ist jetzt nicht nur salopp dahingesagt. Der Mann kann wirklich Gitarre spielen! Warum er dies aber immer so selbstverliebt tun muss(te), ist, bzw. war, auch dem Schreiber immer ein Rätsel.

Nachdem die im Cover versteckte, neue CD der BILLYLEE JANEY BAND in den Player gewandert war (und tatsächlich noch Töne von sich gab), spitzten sich die Ohren erstmal von alleine. Die Scheibe, übrigens mit "What's Your Trick" benamst, startet nämlich gleich mit dem Titelsong und das ist eine sehr gute Wahl! What's Your Trick ist eine Mördernummer auf der Janey eine absolut tödliche Gitarre spielt und sie mächtig krachen, heulen, zirpen und brummen lässt. Ein Einstieg nach Maß!
Funk! -Natürlich! Ein Janey Album ohne Funknummern ist nicht möglich. Der Broken Heart Song hat aber, der Schreiber ist, zugegebener Maßen, kein großer "Funker", ebenfalls Format. Janey's Gesangsstil ist kraftvoll, seine Gitarre lässt keinen Effekt aus, der sich zwischen hier und Giesing in den letzten 35 Jahren angesammelt hat, die Band unterfüttert diese Gitarrenorgie mit einem eisern-groovenden Fundament und die Boxen des Rezensenten beginnen bereits jetzt um die Membranen herum zu glimmen.
Mit Just A Dream folgt eine fantastische Halbballade, die Janey etwas zurückhaltender, aber dennoch mit einem irrsinnigen Drive zu Besten gibt. Die Nummer hat wirkliches Format und zeigt den alten Hard 'n Blues Recken von seiner besten Seite!
Absolut gleichwertig (verdammt, irgendwo muss an der Scheibe doch ein Haken sein) kommt Dawg Howl Moan daher. Harter Blues Rock von seiner dreckigen Seite und nun doch mit einer Spur von dem Gefrickel, das Janey halt so zu eigen ist. Eine Spur nur, aber die lässt nichts Gutes ahnen...! Immerhin bringt er den rauen Song in trockenen Tüchern nach Hause und letztlich bleibt auch ein gehörig Maß an Anerkennung über die geleistete Axt-Arbeit.
Mojo Talker hingegen ist ein eher aufdringlicher Funk-Frickler, der die Gedanken des Schreibers sofort auf Janey's Schattenseiten lenkt. Rezitativgesang zwischen Rap und Vocoder, die Gitarre shuffelt aufdringlich und ist mit ca. 317 verschiedenen Effekten beladen. Auch der Groove der beiden Janey Mitstreiter ist so frickelig-nervös, dass den Schreiber nach etwa zwei Minuten das Gefühl überkommt, einen gewaltigen "Affen" im Zulauf zu haben. Und trotzdem, ich muss es unumwunden und fairer Halber zugeben: Diese Sch**ß-Nummer hat echte Ohrwurmqualitäten, denn der verflixte Rhythmus bleibt in den verschlissenen Gehörgängen hängen wie die Klette am Wollpullover...! Komisch? Ja, find ich auch!
Erholung spendet gleich darauf das wunderbare Instrumental Someday Soon. Hier lässt der Herr Janey die Gitarre regelrecht fliegen! Die Band groovt ganz fein und zurückhaltend, so dass sich das Ohr direktemang an der sensationell gespielten Gitarre festsaugt. Eine wirklich schöne Nummer; meine Hochachtung!!
Diesem herrlichen Instrumental folgt ein etwas überspannter Funk. Wicked Stick nennt sich diese James Brown Gedächtnisnummer, die aber zum Glück nicht ganz so nervös daher kommt wie Mojo Talker. Janey frickelt und funkt mit hoher Lautstärke ziemlich aggressiv vor sich hin, presst ein ums andere Mal sein "Wicked Stick" durch die Zähne und spielt den Hörer regelrecht duselig. Der Track hat zweifellos seinen Reiz, ist mir aber insgesamt ein bisschen zu overdosed.

...ich wusste, die Scheibe hat einen Haken! -Und spätestens nach Thing Gone Wild wird das auch die allgemeine Gitarrenfraktion erkennen und Schweißperlen auf der Stirn bekommen. Dieses Take ist nicht mehr als eine reichlich egoistisch-narzistische Selbstdarstellung, die Billylee Janey gar nicht nötig hätte. Der Grundrhythmus ist ein funkig-aufgeblasener Shuffle (immerhin solide von Bass und Drums unterlegt), der wieder mit tausenden Furz- und Wah-Wah-Gimmicks (schrieb ich gerade Furz-...?! - Nee, Fuzz-!) versehen wird. In der Form könnten sich JANEY und TARQUIN, VAI und PETRUCCI bei Aldi (MEOLA ;-)) mal gegenseitig mit der Axt duellieren. Am Schluss, sag ich jetzt schon voraus, beißen sie alle tödlich getroffen ins Gras...
Turbo Don heißt die nächste Nummer und sie marschiert mit den anderen Frickel-Takes stramm geradeaus. Immerhin darf hier auch mal der Drummer brillieren, gewinnt über Janey's Gitarrenkünste kurzzeitig die Oberhand und verschafft dem Take so ein gewisses Maß an Sympathie.
Auch wenn der Einstieg in Thank You For The Sunshine ähnlich nervös wirkt, so entwickelt sich dessen Intro doch in einen soliden, ja geradewegs sehr guten Song. Janey lässt zwar auch hier keinen Versuch aus überdeutlich seine Gitarre zu strapazieren, aber die Nummer ist insgesamt so gut, dass er nicht mehr viel falsch machen kann.
Zum Ende hin erfolgt dann doch noch ein Todesstoß in Richtung des Rezensenten! Wicked Stick Reprise ist eine einzige, knapp dreiminütige Effektorgie, die mit Songwriting rein gar nix zu tun hat und eher in die Kategorie von LOU REEDs "Metal Machine Music" gehört. Sorry, damit kann ich nicht viel anfangen. ZAPPA oder BEEFHEART hätten diese verfuzzten Feedback-Sequenzen vermutlich mit grotesk-dadaistischen Texten unterlegt und daraus einen ihrer sympathisch-kranken Songs kreiert. Diese Kreativität fehlt Janey; bzw. beschränkt sich dessen Kreativität auf eben nur diese Gitarreneffekte.

Fazit: Mit "What's Your Trick" liefert die BILLYLEE JANEY BAND ein solideres Album ab, als zuletzt mit "Soul Driver"; der Schritt zurück zum Trio tut Janey ganz offensichtlich gut. Zumindest wird der erste Teil der Scheibe von wirklich sehr guten Tracks gekrönt. Immer dann, wenn sich Janey mehr auf das Songwriting, denn auf sein Gitarrengefrickel konzentriert, entstehen wohl wirklich gute Nummern.
Ab Take 7 wird die CD dann eher anstrengend. Zwar versöhnt Thank You For The Sunshine wieder ein Stück weit, aber so ein schaler Nachgeschmack bleibt dennoch.
Trotzdem ist "What's Your Trick" wegen seiner genannten, wirklich ausgezeichneten, und jede Blues/Hardrock Sammlung bereichernden, Nummern ein empfehlenswertes Album. Gleichsam kann man sich auch hier nicht des Eindrucks erwehren, Janey müsste mit allen Mitteln, Hallelujah preisend und mit Händen und Füßen zappelnd, auf seine Gitarrenkünste aufmerksam machen...
...aber das musst du gar nicht, Billylee, wir wissen, dass du gut bist!

*) Ihr glaubt die Story nicht?
Na dann streut euch mal ein bisschen getrockneten Fliegenpilz über die Kartoffeln...

Christian "Grisu" Gerecht, 18.06.2009

 

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