Black Sabbath

Technical Ecstasy [Super Deluxe Edition]

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 15.09.2021
Jahr: 2021
Stil: Hard Rock
Spiellänge: 180:02
Produzent: Black Sabbath & Steven Wilson

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Plattenfirma: BMG

Promotion: Netinfect


Redakteur(e):

Marc Langels


s. weitere Künstler zum Review:

Steven Wilson

Porcupine Tree

Blackfield

Elton John

Meat Loaf

Heart

Titel
Disc One: Original Album 1976 (2021 Remaster)
01. Back Street Kids
02. You Won’t Change Me
03. It’s Alright
04. Gypsy
05. All Moving Parts (Stand Still)
06. Rock ’N’ Roll Doctor
07. She’s Gone
08. Dirty Women
Disc Two: New Steven Wilson Mix
01. Back Street Kids
02. You Won’t Change Me
03. It’s Alright
04. Gypsy
05. All Moving Parts (Stand Still)
06. Rock ’N’ Roll Doctor
07. She’s Gone
08. Dirty Women
Disc Three: Outtakes & Alternative Mixes
 
01. Back Street Kids - Alternative Mix
02. You Won’t Change Me - Alternative Mix
03. Gypsy - Alternative Mix
04. All Moving Parts (Stand Still) - Alternative Mix
05. Rock ’N’ Roll Doctor - Alternative Mix
06. She’s Gone - Outake Version
07. Dirty Women - Alternative Mix
08. She’s Gone - Instrumental Mix
Disc Four: Live World Tour 1976-77
01. Symptom Of The Universe
02. War Pigs
03. Gypsy
04. Black Sabbath
05. All Moving Parts (Stand Still)
06. Dirty Women
07. Drum Solo/Guitar Solo
08. Electric Funeral
09. Snowblind
10. Children Of The Grave
Musiker Instrument
Ozzy Osbourne Gesang
Tony Iommi Gitarre
Geezer Butler Bass
Bill Ward Schlagzeug & Gesang (
Gastmusiker:
Gerald Woodruffe Keyboards

Die Neu-Auflagen klassischer Alben sind insofern durchaus auch von musikalischer Bedeutung, weil sie dem Hörer die Gelegenheit geben, sich aus einer anderen Perspektive noch einmal mit ja eigentlich vertrauten Liedern zu befassen, die ihn vielleicht schon sein ganzes Leben begleiten. Und dabei kann es auch durchaus geschehen, dass einstmals nicht so viel beachtete Werke einen ganz neuen Reiz entfalten und neue Seiten offenbaren. So ist es zumindest mir jetzt bei der neuen Super Deluxe Box von “Technical Ecstasy“ ergangen. Denn das siebte Album in der Diskographie der britischen Heavy Metal-Legenden BLACK SABBATH führte bei mir bisher eher ein Nischen-Dasein – mit der Betonung auf bisher.

Das lag unter anderem auch daran, dass ich die Band damals in den 1980er Jahren entdeckte und dann natürlich alle bis zu dem Zeitpunkt erschienen Scheiben in sehr kurzer zeitlicher Reihenfolge auf mich einprasselten. Und dabei waren es natürlich eher Werke wie das Debüt, “Paranoid“, “Master Of Reality“, “Vol. 4“, “Sabbath Booody Sabbath“ oder die beiden Werke mit Ronnie James Dio, “Heaven And Hell“ sowie “The Mob Rules“, die meine Faszination für die Band entfachten. Und diese Alben, beziehungsweise die darauf enthaltenen Klassiker-Songs, waren es dann auch, die für mich den Sound der band definierten – und alles was nicht danach klang, war entsprechend wenig interessant.

Foto Credit: Sam Emerson

Und zu den Alben, die eben nicht so richtig zu meiner Vorstellung des „richtigen“ BLACK SABBATH-Sounds passten, gehörten damals neben dem finalen Ozzy Osbourne-Werk “Never Say Die“ auch “Sabotage“ und eben “Technical Ecstasy“. Aber wie ich heute weiß, tat ich damit zumindest den beiden letztgenannten Werke auch ein gutes Stück weit Unrecht. Denn die Alben waren sicherlich nicht „typisch“ SABBATH, aber sie zeigten eben einfach nur eine andere musikalische Seite der Band auf. Denn Iommi, Osbourne, Butler und Ward griffen hier musikalische Entwicklungen im Bereich des Hard Rock auf, die Musik in Richtung mehr Opulenz und Verspieltheit sowie dem Streben nach klanglicher und spielerischer Perfektion führten. Etwas, was eben damals auch Künstler wie Elton John und Meat Loaf anstrebten – und sehr erfolgreich umsetzen.

Und so kam eine recht ungewöhnlich klingende Scheibe zustande. Schon der Opener Back Street Kids klang eher nach straightem Rock und erinnert von seinem Grund-Riff an Barracuda, obwohl der HEART-Hit ja erst ein Jahr später erschien. Auf jeden Fall war es ein ungewöhnlicher Einstand, der im Laufe des Songs zudem noch mit RUSH-Referenzen wie dem Keyboard-Sound und den verwendeten Akkorden daherkam, die man so von BLACK SABBATH noch nie gehört hatte. Und der sehr abrupte Abschluss sorgt auch heute immer noch für ein ungewohntes Hörerlebnis. Das folgende You Won‘t Change Me will dann offensichtlich nicht nur vom Titel her eine Anspielung auf die zahlreichen Veränderungen im Klang-Kosmos sein, sondern den Hörer zunächst mit den Gitarren-Riff in falsche Sicherheit wiegen, denn anschließend klingen die vier Briten ungewohnt spacig mit einer den Sound dominierenden Hammond-Orgel, einem Piano-Part und dem ja häufig etwas entrückt wirkenden Gesang von Osbourne.

Aber wer damals dachte nach zwei Stücken wohl schon alles gehört zu haben, der wurde bei dem Klavier- und Akustik-Gitarren- Stück It‘s Alright erneut überrascht, denn hier versuchte sich Schlagzeuger Bill Ward – wie man zugeben muss ganz passabel – als Sänger. Und eine so vielschichtige (gerade instrumentell betrachtet) Komposition wie etwa das dann folgende Gypsy hervorbrachte. hatten Iommi, Osbourne, Butler und Ward bis dahin nicht abgeliefert. Das gilt auch für das funkig groovende und sehr entspannte All Moving Parts (Stand Still). Was die Hörer allerdings eher weniger bekamen, das waren typische BLACK SABBATH-Nummern. Als eine solche geht wohl einzig und alleine Rock ‘N‘ Roll Doctor durch, das dann auch konsequenterweise immer der Vertreter von “Technical Ecstasy“ auf allen Best Of-Zusammenstellungen der Band war.Denn She‘s Gone ist wieder eine Ballade, dieses Mal von Streichern getragen.Und Dirty Women beschließt das Album ebenso eher getragen, wenn auch rockig klingend und mit einem fast schon proggigen Mittelteil.

Auch wenn “Technical Ecstasy“ dementsprechend wohl nie als typisches BLACK SABBATH-Album betrachtet werden wird, so muss man doch den Hut ziehen vor dem musikalischen Wagemut, den die Band damals an den Tag legte. Denn es wäre wohl eher leicht gewesen, eine typische Scheibe mit doomigen Riffs, düsteren Klängen und Themen wie Drogen, Krieg und Vernichtung zu schreiben. Und auch wenn selbst Ozzy Osbourne das Album in Interviews eher heruntermacht, so muss man anerkennen, dass die Lieder an sich eigentlich überwiegend richtig gut geworden sind. Sie entsprechen eben nur nicht dem typischen Bild, das die Fans von der Band hatten und nach wie vor haben. Vermutlich wäre “Technical Ecstasy“ unter einem anderen Namen eher wohlwollend aufgenommen worden, aber das ist ein Problem, dem sich zuvor und auch anschließend zahlreiche andere Bands und Künstler ebenfalls stellen mussten. Das sollte den Hörer aber nicht davon abhalten, sich das Werk noch einmal unvoreingenommen anzuhören.

Dazu lädt diese Box geradezu ausgiebig ein, denn nicht nur ist das Orignal-Album hier in einer remasterten Version zu hören, sondern auf der zweiten CD noch einmal in einem neuen Mix, für den wieder einmal niemand Geringeres als Klang-Guru Steven Wilson (Ex-POCUPINE TREE, BLACKFIELD, NO-MAN, STORM CORROSION, BASS COMMUNION) verantwortlich zeichnet, der dafür die alten analogen Tapes verwenden durfte. Da können sich audiophile Fans also auf die Suche nach den kleinen Klangunterschieden machen und noch tiefer in den ja überraschend vielschichtigen Sound-Kosmos der Scheibe eindringen. Und das gleich in doppelter Hinsicht, denn die in der Deluxe Box enthaltene CD beinhaltet noch einmal alternative Mixe, einen Outtake und einen Instrumental-Mix (jeweils von She‘s Gone) fast der gesamten Scheibe. Einzig von It‘s Alright gab es offenbar keine verwendbaren Alternativen. Abgeschlossen wird diese Box – die wie immer keine Wünsche offen lässt – von einer CD mit Live-Aufnahmen der damaligen Welt-Tournee 1976/77. Der Sound der Scheibe hat dabei eine ordentliche Qualität und die Band rockt sich neben den drei aktuellen Songs Gypsy, All Moving Parts (Stand Still) und Dirty Women noch durch die Klassiker Symptom Of The Universe, War Pigs, Black Sabbath, Electric Funeral, Snowblind und Children Of The Grave. Für Fans ist das natürlich eine wahre Schatztruhe voll mit neu zu entdeckenden Live-Aufnahmen.

Diese erneut wieder wunderbar zusammengestellte Deluxe Box Set kommt, wie schon die Vorgänger, erneut mit einem ausführlichen Booklet mit dem Artwork, Liner Notes, seltener Memorabilia und Fotos aus der Zeit und einer Replika des 1976-77 Welt Tour Konzert Buches sowie einem großen, farbigen Poster. Das rundet den mehr als nur positiven Eindruck ab, den die Super Deluxe Box von “Technical Ecstasy“ abgibt. Denn auch wenn ich am Anfang eher skeptisch war und eher weitere Band-Klassiker wie das Debüt oder “Sabbath Bloody Sabbath“ – einmal abgesehen vom besten Metal-Album der 1980er Jahre “Heaven And Hell“ – erwartet hätte, so muss ich doch sagen, dass diese Box meine Meinung zu der bisher sträflich übersehenen Werk gründlich geändert hat. Es gehört zwar immer noch in das Pantheon der BLACK SABBATH-Scheiben, aber es ist definitiv ein absoluter Geheimtipp, gerade um die über den puren Doom und Metal hinausgehnde, immens große musikalische Bandbreite der Band zu veranschaulichen.

 

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