Blackmore's Night

The Beginning


CD & DVD-Review

Reviewdatum: 13.01.2013
Jahr: 2012
Stil: Renaissance Folk

Links:

Blackmore's Night Homepage



Redakteur(e):

Marc Langels


Blackmore's Night
The Beginning, EMI, 2012
Ritchie BlackmoreGitarre, Bass, Mandoline, Schlagzeug & Tambourin
Candice NightGesang & Flöte
Produziert von: Blackmore's Night Länge: 263 Min 00 Sek Medium: CD & DVD
CD1: Shadow Of The Moon
01. Shadow Of The Moon09. Renaissance Faire
02. The Clock Ticks On10. Memmingen
03. Be Mine Tonight11. No Second Chance
04. Play Minstrel Play12. Mond Tanz
05. Ocean Gypsy13. Spirit Of The Sea
06. Minstrel Hall14. Greensleeves
07. Magical World15. Wish You Were Here
08. Writing On The Hall16. Possum's Last Dance
CD2: Under A Violet Moon
01. Under A Violet Moon09. Beyond The Sunset
02. Castles And Dreams10. March The Heroes Home
03. Past Time With Good Company11. Spanish Nights (I Remember It Well)
04. Morning Star12. Catherine Howard's Fate
05. Avalon13. Fool's Gold
06. Possum Goes To Prague14. Durch Den Wald Zum Bach Haus
07. Wind In The Willows15. Now And Then
08. Gone With The Wind16. Self Portrait
DVD1: Shadow Of The Moon - Live In Germany 1997-1998
01. Shadow Of The Moon10. Renaissance Faire
02. The Clock Ticks On11. Writing on The Wall
03. Play Minstrel Play12. Mond Tanz
04. Minstrel Hall13. Be Mine Tonight
05. St. Theresa14. Memmingen
06. Under A Violet Moon15. Black Night
07. Magical World16. Man On The Silver Mountain
08. No Second Chance17. Still I'm Sad
09. 16th Century Greensleeves18. Maybe Next Time
DVD2: Under A Violet Moon - Castle Tour 2000
01. Written in The Stars08. Past Time With Good Compaany
02. Morning Star09. Wind In The Willows
03. Renaissance Faire10. March The Heroes Home
04. Fires At Midnight (Midnight Acoustic Performance)11. Gone With The Wind
05. Possum Goes To Prague12. Fires At Midnight
06. Under A Violet Moon13. Now And Then
07. Spanish Nights (I Remember It Well)14. Durch Den Wald Zum Bach Haus

Ritchie Blackmore: In den 1970er und 80er Jahren war er einer der größten Gitarrenhelden, schrieb einige der bekanntesten Hard Rock Hymnen, die die Welt je gehört hat und arbeitete mit einigen der besten Musiker, die die Rock-Szene zu bieten hatte (unter anderem Jon Lord, Ian Gillan, Ronnie James Dio, Ian Paice, Cozy Powell). Dann nach einer eher mittelmäßig erfolgreichen RAINBOW-Reunion kam das Ende des Rock-Helden Ritchie Blackmore. Er stieg aus, sagte sich vom harten Rock los und begann sich mittelalterlich angehauchter, akustischer Musik zuzuwenden. Mit dabei: seine Ehefrau Candice Night. Zusammen wurden sie BLACKMORE’S NIGHT. Der musikalische Wandel vom klassischen Hard Rock zum folkloristischen Akustik-Gitarristen mit einer neugefundenen Vorliebe für mittelalterlich-angehauchte Weisen stieß verständlicherweise nicht bei allen Anhängern auf Gegenliebe. Als zu krass empfanden sie auch die Distanzierung, die Blackmore nach seinem Bruch mit der Rockmusik vollzog.

Den Beginn dieser dritten Karriere lässt das hier vorliegende Boxset "The Beginning" umfänglich noch einmal Revue passieren. Dabei erfreut es den CD-Liebhaber schon zunächst einmal durch seine Aufmachung. Mit purpurfarbenen Samt überzogen und goldenen Lettern ist die Box ein echter Blickfang und sehr angenehm anzufassen. Im Inneren verbergen sich dann die vier Discs (zwei CDs und zwei DVDs) jeweils in einzelnen Ecolbooks verpackt. Ausgiebige Linernotes oder aber etwas ausführende Informationen sucht man allerdings hier vergebens. Dabei wäre eine Einführung aus Sicht des Künstlers gerade angesichts der Radikalität des Wandels wünschenswert gewesen.

Von daher darf man diese Musik auch nicht mit DEEP PURPLE oder RAINBOW in Verbindung sehen, sondern vollkommen losgelöst davon und von den Vorstellungen, die man früher mit dem Namen Blackmore verband. Dann entfaltet die Musik eine eigentümliche Faszination, die manchmal etwas naiv aber vor allen Dingen vertraut anmutet. BLACKMORE'S NIGHT bieten genau das, was man von dieser Musik erwartet. Einfache Melodien mit einfachen Instrumenten.

Dabei wirkt die erste CD dieses Boxsets noch am einfachsten strukturiert und gespielt. Im Nachhinein betrachtet hat man fast das Gefühl, dass Blackmore sich erst selbst noch auf diesem Feld der Musik zurechtfinden muss. Aber es ist gibt auch schon kleine Highlights wie das atmosphärische Ocean Gypsy. Dabei ist es schon beachtenswert, wie gefühlvoll der frühere Meister des großen Heavy Rock-Riffs hier die Nylon-Saiten zupft. Und über der Musik schwebt schon fast elfenhaft die zarte Stimme von Candice Night, die auf geradezu idealtypische Weise zu den Weisen und Melodien passt. Aber insgesamt gesehen ist "Shadow Of The Moon" phasenweise zu verhalten und etwas zu vorhersehbar ausgefallen. Außerdem passt ein Stück wie Writing On The Wall mit seinen viel zu hektischen und zudem schlechten Drum-Computern und Keyboardsounds überhaupt nicht zum Rest des Albums. Das gleichen BLACKMORE'S NIGHT dann durch schöne Versionen von Greensleeves und auch Wish You Were Here (und zwar nicht der PINK FLOYD- sondern der REDNEX-Song) wieder aus. Außerdem haben sie einen speziellen Gast zu bieten: niemand geringeres als Ian Anderson von JETHRO TULL packt bei Play Minstrel Play die Querflöte aus und veredelt den Song. Insgesamt gesehen also ein ordentlicher wenn aber kein überragender Einstand.

Das Ganze wird dann auf der zweiten CD “Under A Violet Moon“ schon deutlich besser. Sowohl die Songs als auch das Zutrauen von Blackmore in seine Künste auf der akustischen Gitarre sind deutlich gestiegen. Dabei ist es schon erstaunlich, wie Blackmore den Wechsel von den kraftvollen Power-Akkorden auf der E-Gitarre zum Finger-picking auf der Akustischen vollbracht hat. Zumal man diese Seite an seinem Spiel in der Vergangenheit bei DEEP PURPLE und RAINBOW nicht zu sehen beziehungsweise hören bekam. Das geht schon gleich mit einem der besten Songs des Albums los. Under A Violet Moon ist rundum gelungen mit einem phantastischen Ritchie Blackmore und einer feengleichen Candice Night, deren Stimme geradezu über den Kompositionen zu schweben scheint. Das zweite Album ist ein mächtiger Entwicklungsschritt nach vorne für BLACKMORE’S NIGHT und macht auch klar, dass die Band keine Eintagsfliege ist. Hier gibt es keine unnötigen und unpassenden Exkursionen. Hier klingt die Band stimmig und alles passt zusammen.

Dieses Bild unterstreichen auch die beiden DVDs, die ebenfalls zu diesem Paket gehören. Sicher optisch ist das gewöhnungsbedürftig und die Assoziation mit einem Waldschrat ist zumindest bei der Backingband der Blackmores nicht zu weit hergeholt. Die Aufnahmen sind von der Qualität (insbesondere bei der ersten DVD “Shadow Of The Moon – Live In Germany 1997-1998“) von eher einfacher Qualität. Mit unnötigen Zwischenschnitten und Einblendungen von Mittelalter-Veranstaltungen. Das wirkt dann phasenweise so, als ob man der Performance der Band nicht traut. Auch klanglich kann das Gebotene nicht mit anderen Veröffentlichungen nicht mithalten. Der Sound ist eher dünn und nicht wirklich differenziert sondern etwas schwammig. Dazwischen erklärt Blackmore, wie er zu dem Interesse an mittelalterlicher Musik und der Abkehr vom Rock’n’Roll kam. Besondere Aufmerksamkeit verdienen dabei natürlich die Stücke aus Blackmores Vergangenheit wie etwa 16th Century Greensleeves, Man On The Silver Mountain, Still I’m Sad und Maybe Next Time (RAINBOW) sowie Black Night (DEEP PURPLE). Enttäuschend ist dabei, dass lediglich Greensleeves dabei komplett gezeigt wird und der Rest recht schnell wieder ausgeblendet werden. Nicht unerwähnt soll dabei die großartige Übersetzung von Maybe Next Time als „Vielleicht das nächster Zeit“ bleiben. Etwas mehr Professionalität wäre da schon angebracht gewesen. Zumindest bekommt man einen guten Eindruck davon, wie die Band funktioniert.

“The Beginning“ ist ein guter Einstieg in die Welt von BLACKMORE’S NIGHT, zumal die Beteiligten selber auf den DVDs recht häufig Gelegenheit dazu bekommen, ihre Beweggründe und Motivationen darzulegen. Man mag das Ende des Rockers Ritchie Blackmore bedauern, aber man muss die Konsequenz bewundern, mit der er sich dieser neuen Band und Musik gewidmet hat. Und es gibt keine Zweifel daran, dass er hier mehr mit dem Herzen bei der Sache ist als in den letzten Jahren bei DEEP PURPLE oder der kurzen RAINBOW-Reunion.

Marc Langels, 13.01.2013

 

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