Blind Guardian

At The Edge Of Time


CD-Review

Reviewdatum: 05.08.2010
Jahr: 2010
Stil: Power-/Speed-/Symphonic-Metal

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Redakteur(e):

Marc Langels


Blind Guardian
At The Edge Of Time, Nuclear Blast, 2010
Hansi KürschGesang
André OlbrichGitarre
Marcus SiepenGitarre
Frederik EhmkeSchlagzeug, Percussions, Flöte & Dudelsack
Gastmusiker
Oliver HolzwarthBass
Matthias UlmerKeyboards & Klavier
Eberhard HahnFlöte
Klaus MarquardtVioline
Dirim CeserogluVioline
FILMharmonic Orchestra Prague
Bach Chor BremerhavenGesang
The Choir CompanyGesang
Produziert von: Charlie Bauerfeind & Blind Guardian Länge: 63 Min 57 Sek Medium: CD
01. Sacred Worlds06. Valkyries
02. Tanelorn (Into The Void)07. Control The Divine
03. Road Of No Release08. War Of The Thrones (Piano)
04. Ride Into Obsession09. A Voice In The Dark
05. Curse My Name10. Wheel Of Time

Vier Jahre haben BLIND GUARDIAN uns warten lassen, um sich mit “At The Edge Of Time“ furios zurück zu melden. Die Krefelder waren ja schon immer die Vorreiter dafür, symphonische Elemente mit hartem Power-/Speed-Metal zu verbinden. Auf ihrer aktuellen CD haben es die „blinden Wächter“ wieder einmal geschafft, ihr bisheriges Schaffen zumindest in einer Hinsicht zu toppen, denn niemals klang die Verbindung von Orchester und Metal-Band so harmonisch wie hier. Einen kleinen Vorgeschmack darauf hatte die Band ja schon mit Sacred Worlds zum Spiel “Sacred 2“ vorgelegt und dieser Hammer-Track eröffnet dann auch in leicht abgewandelter Form das Album direkt auf dem allerhöchsten Niveau. Viel besser können sich metallische Epik und symphonische Verspieltheit kaum ergänzen.

Das verwundert insofern nicht, als dass BLIND GUARDIAN sich die nötige Zeit genommen haben, nach einem geeigneten Orchester zu suchen, das bereits Erfahrung mit Metal-Künstlern hatte. Zudem haben BLIND GUARDIAN jemanden gefunden, der ihre Musik in entsprechende Partituren für ein gesamtes Orchester umsetzen kann und dabei die Sprache eines Orchesters versteht, sprich warum eine Melodie besser von Celli als von Violinen gespielt wird. Und deshalb sind es auch gerade diese Stücke, die bei mir den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Aber auch die anderen Songs überzeugen „durch die Bank weg“. Dabei fällt auf, dass es BLIND GUARDIAN gelungen ist, zum Ende des Albums tatsächlich vom Songwriting her noch einmal zuzulegen.

Was das Album darüber hinaus noch auszeichnet ist eine kleine Rückbesinnung der Band. Denn viele - vor allem ältere – Anhänger der Band hatten bei den letzten Alben moniert, dass die Band ein wenig ihre Speed-Vergangenheit vergessen hatte und häufiger im gemäßigteren Power-Bereich agierte. Packend waren die Songs aber weiterhin. Nun gibt also zumindest stellenweise wieder einige Speed-Passagen, die an frühe Klassiker wie Valhalla erinnern. Als Beispiele hierfür seien nur mal Tanelorn (Into The Void), Ride Into Obsession und Valkyries oder aber A Voice In The Dark angeführt. Ein neues Majesty gibt es jedoch nicht. Aber alle Stücke verfügen wie immer über diesen typischen BLIND GUARDIAN-Hymnen-Chor, der für die Stücke der Krefelder so charakteristisch ist und die Band unter Millionen Epigonen jederzeit deutlich hervorhebt.

Über der Musik thront wieder Hansi Kürschs einmalige Stimme, die sicherlich wieder ihre Kritiker finden wird. Und auch auf dem diesem Album geht Kürsch wieder einige Male an seine persönliche Leistungs-Grenze. Und ganz ehrlich, das ist zumindest immer mal kurz den Songs ein wenig abträglich. Zum Glück zerstört es aber nie den positiven Gesamteindruck. Auch hier gilt wieder: manchmal ist weniger eben auch mehr. Aber diese wenigen negativen Stellen kann Kürsch mit einigen wunderbaren Gesangsmelodien mehr als nur wieder „gerade rücken“. Melodien wie der Opener Sacred Worlds oder auch Wheel Of Time bleiben den ganzen Tag lang im Ohr hängen und sorgen dafür, dass man das Album immer wieder gerne in den CD-Player packt – so es denn zunächst erst Mal rauskam. Zumal bilden diese beiden Stücke die perfekte musikalische Klammer für das Album.

Keine Änderung gibt es weiterhin bei den Texten. Diese sind wie gewohnt überwiegend von Fantasy-Stories beeinflusst. Etwas anderes würde mittlerweile wohl auch nicht mehr zu BLIND GUARDIAN passen. Zumal dies sehr gut mit der Musik harmoniert, die ebenfalls eine „gewisse“ epische – fast filmische - Breite besitzt. Eben genau so wie es bei Fantasy-Büchern der Fall ist. Ebenfalls gewohnt stark ist die Produktion von Charlie Bauerfeind, der es schafft die verschiedenen musikalischen Ebenen geschickt und stimmig miteinander zu verweben. Und das soll ihm erst einmal jemand nachmachen, bei dieser Fülle an Instrumenten.

Sicher einige der gezeigten Stücke dürften auf der Bühne nicht umzusetzen sein, aber es ist eher positiv zu sehen, dass sich die Band davon nicht in ihrer Kreativität beschneiden lässt. Und vielleicht schaffen BLIND GUARDIAN ja auch einmal eine Umsetzung, wie sie RAGE mit dem Lingua Mortis Orchestra gelungen ist. Zumal da ja auch noch die Pläne sind, eine reine Orchester-CD aufzunehmen. Im Anschluss könnte man da ja noch auf Tournee gehen und ein Set mit und eines ohne orchestrale Unterstützung spielen.

BLIND GUARDIAN haben mit “At The Edge Of Time“ erneut ihre Ausnahmestellung im Bereich Speed-Metal mit symphonischen Anstrich und Anspruch unterstrichen. Einige Fans werden vielleicht monieren, dass „Hits“ wie etwa Welcome To Dying, Time What Is Time, Born In A Mourning Hall oder Mirror Mirror auf diesem Album fehlen, anderen wird wiederum die konsequente Weiterentwicklung fehlen. Da empfiehlt es sich für Bands eben doch, die Forderungen auszublenden und den eigenen Weg unbeirrt und konsequent weiterzugehen. Dabei mag manchmal ein Werk wie “Night At The Opera“ herauskommen, bei dem man zu viel wagt und versucht. Aber andererseits könnte es eben auch ein Album werden wie “At The Edge Of Time“ – klassisch, konsequent, beeindruckend, überzeugend. Und ob es ein Klassiker wird, kann ohnehin nur die Zeit zeigen, denn als Klassiker wird kein Album geboren.

Marc Langels, 04.08.2010

 

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