Bob Dylan

Travelin‘ Thru – Featuring Johnny Cash – The Bootleg Series Vol. 15 (1967-1969)

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 11.11.2019
Jahr: 2019
Stil: Folk, Country
Spiellänge: 134:10
Produzent: Jeff Rosen and Steve Berkowitz

Links:

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Plattenfirma: Columbia/Sony Music


Redakteur(e):

Epi Schmidt


s. weitere Künstler zum Review:

Carl Perkins

Johnny Cash

Titel
Disc One:
“John Wesley Harding“ sessions – Alternate Versions
01. Drifter‘s Escape – Take 1
02. I Dreamed I Saw St. Augustine – Take 2
03. All Along The Watchtower – Take 3
04. John Wesley Harding – Take 1
05. As I Went Out One Morning – Take 1
06. I Pity The Poor Immigrant – Take 4
07. I Am A Lonesome Hobo – Take 4
“Nashville Skyline“ sessions – Alternate Versions and Outtake
08. I Threw It All Away – Take 1
09. To Be Alone With You – Take 1
10. Lay, Lady, Lay – Take 2
11. One More Night – Take 2
12. Western Road – Take 1
13. Peggy Day – Take 1
14. Tell Me That It Isn‘t True – Take 2
15. Country Pie – Take 2
Disc Two:
The Bob Dylan – Johnny Cash Sessions
01. I Still Miss Someone – Take 5
02. Don‘t Think Twice, It‘s All All Right/Understand Your Man - Rehearsel
03. One Too Many Mornings – Take 3
04. Mountain Dew – Take 1
05. Mountain Dew – Take 2
06. I Still Miss Someone – Take 2
07. Careless Love – Take 1
08. Matchbox – Take 1
09. That‘s All Right, Mama – Take 1
10. Mystery Train/This Train Is Bound For Glory – Take 1
 
11. Big River – Take 1
12. Girl From The North Country - Rehearsel
13. Girl From The North Country – Take 1
14. I Walk The Line – Take 2
15. Guess Things Happen That Way - Rehearsel
16. Guess Things Happen That Way – Take 3
17. Five Feet High And Rising – Take 1
18. You Are My Sunshine – Take 1
19. Ring Of Fire – Take 1
Disc Three:
The Bob Dylan – Johnny Cash Sessions
01. Studio Chatter
02. Wanted Man – Take 1
03. Amen - Rehearsel
04. Just A Closer Walk With Three – Take 1
05. Jimmy Rodgers Medley No. 1 – Take 1
06. Jimmy Rodgers Medley No. 2 – Take 2
Live on The Johnny Cash Show
07. I Threw It All Away
08. Living The Blues
09. Girl From The North Country (Duet with Johnny Cash)
“Self Portrait“ sessions - Outtakes
10. Ring Of Fire
11. Folsom Prison Blues
With Earl Scruggs
12. Earl Scruggs Interview
13. East Virginia Blues
14. To Be Alone With You
15. Honey, Just Allow Me One More Chance
16. Nashville Skyline Rag
Musiker Instrument
Bob Dylan Vocals, Guitar, Piano, Harmonica
Johnny Cash Vocals, Guitar
Charlie McCoy Bass, Harmonica
Kenneth Buttrey Drums
Bob Wilson Piano, Organ
Peter Drake Steel Guitar
Kelton D. Herstone, Norman Blake, Charlie Daniels, Wayne Moss, Fred F. Carter Guitar
Carl Perkins, Bob Wootton Guitar
Marshall Grant Bass
W.S. Holland Drums
Delores Edgin, Dottie Dillard Background Vocals
Earl Scruggs Banjo
Randy Scruggs Acoustic Guitar
Gary Scruggs Electric Bass

Wer hätte das zu Beginn gedacht? Die “Bootleg Series“-Reihe von Bob Dylan ist mittlerweile bei der 15. Folge angekommen! Und so wie das bisher gelaufen ist, scheint da kein Ende abzusehen. Mit Karriere des Barden verhält es sich ja ähnlich…

Diese 15. Folge – wie immer schön verpackt in Box und mit fettem Booklet – umfasst drei CDs (erschienen auf auf Vinyl) und beschäftigt sich mit den Jahren 1967 bis 69. Schließt damit also direkt an “The Bootleg Series Vol. 10“ an, bzw. hängt sich davor, da jene die Jahre 1969 – 71 reflektierte. Hört man sich diese beiden Folgen in der Reihenfolge an, erschließt sich einem sehr schön, wie sich Dylan in der Zeit entwickelte und er sich mit seiner Musik vom Folk ujd Blues mehr der Country-Musik zuwandte.  Die Freundschaft zu und der Einfluss von Johnny Cash spielten ganz offensichtlich ihren Part in dieser Phase Dylans.

Der Country-Star kommt aber erst ab CD 2 ins Spiel. CD 1 beginnt im Oktober/November 1967 bei den Sessions zum Album “John Wesley Harding“. Nur im Trio – mit Charlie McCoy am Bass und Kenneth Buttrey am Schlagzeug – bringt Dylan die Texte, die zunächst reine Gedichte waren, in Liedform. Hier hört man noch viel vom frühen Bob Dylan, klingt also noch sehr “folkig“. Doch gerade diese wortgewaltigen Verse kommen in diesen spartanischen Arrangements richtig gut, zumal auch der Klang dieser Aufnahmen überzeugt. Bei All Along The Watchtower fehlt mir gegenüber späteren Versionen, oder auch von anderen Künstler, nichts. John Wesley Harding klopft dann schon mal vorsichtig im Country-Lager an. Es ist direkt zu spüren, dass die Musiker hier sehr konzentriert zu Werke gingen und knapp zwei Monate später stand das Album ja auch schon in den Läden.

Aus 1968 gibt es hier nichts zu vermelden und so stammen die nächsten Aufnahmen aus dem Februar 1969, als es an die Sessions zum Album “Nashville Skyline“ ging. Die Besetzung wurde hier deutlich erweitert – Orgel, Steel Guitar, ein paar richtige “Country-Picker“ kamen hinzu – und man bewegte sich, synchron zu Dylans Privatleben, mehr Richtung Landleben. Auch hier sind alle Takes von hoher Qualität und Klassiker, wie Lay, Lady, Lady offenbar ihr Potenzial bereits hier. Auch hier wird schnell klar, welch hochkarätige Musiker beteiligt waren. Bei den Songs One More Night, Peggy Day und Country Pie schürft man so richtig tief in der Country-Musik. Fans der BOTTLE ROCKETS sollten sich besonders letztgenannten Titel mal anhören. Da kommt einem sicher einiges bekannt vor.  Daneben findet sich mit To Be Alone With You und dem bislang unbekannten Western Road auch zwei bluesige Stücke unter diesen Songs.

Ab CD 2 gesellt sich Johnny Cash hinzu. Wir befinden uns immer noch im Februar 1969, also noch bevor  “Nashville Skyline“ fertiggestellt war. Die Backing-Band ist hier dann Cashs Truppe um Bob Wootton, Marshall Grant und W.S. Holland, ergänzt um Carl Perkins bei ein paar Songs. Gleich im ersten Titel,  I Still Miss Someone singt Cash deutlich die einst von Dylan falsch verstanden Zeile “I wonder if she‘s sorry, for leaving me so undone“, anstelle von “… for leaving what we begun“ und es scheint, als wenn er sich bemühen muss, hier nicht zu Lachen.

Bei Don‘t Think Twice, It‘s All Right/Understand Your Man singen die beiden tatsächlich die beiden Songs gleichzeitig. Und wechseln auch noch zum jeweiligen anderen Song. Man muss das gehört haben um es richtig zu verstehen. Mir ein Rätsel, wie die das geschafft haben, aber offensichtlich hatten nicht nur die beiden ihren Spaß. Im Hintergrund hört man June Carter Cash lachen. Ansonsten ist deutlich, wie gut sich die beiden Künstler menschlich wie musikalisch verstanden. Cash bringt wohl mehr Country-Fundament mit ein, aber es immer wieder bemerkenswert, wie Dylan einen ergänzenden Beitrag liefert und die Songs ganz anders klingen lässt, wenn er den Lead-Gesang übernimmt. Bei Mountain Dew zum Beispielkann man den direkten Vergleich anstellen, wenn in einem Take Dylan, im anderen Cash der Sänger ist. Schön auch, wie die beiden in Walk The Line “duettieren“.

Die Musik ist natürlich routiniert, Cashs Truppe spielt die Songs im Schlaf. Als Carl Perkins hinzustößt kramt man natürlich ein paar (damals noch nicht ganz so) alte Standards hervor und rockt sich gemächlich durch Perkins‘ Matchbox sowie Elvis That‘s All Right, Mama und Mystery Train. Cash bringt den Zug mit This Train Is Bound For Glory wieder zurück in die Country-Schiene. Richtig gut gefällt mir, wie die beiden Big River mit ordentlichem Drive rüber bringen.

Die dritte CD setzt die Dylan – Cash Sessions fort, am bemerkenswertesten wohl mit dem zusammen geschriebenen Wanted Man. Hier noch in einer Frühfassung, in der die beiden noch mit dem Text experimentiert haben. Die Verehrung für den “Singing Brakeman“ Jimmy Rodgers – sozusagen einer der Gründungsväter der Country-Musik – mündet in die beiden Jimmy Rodgers Medleys. Ganz gerecht können sie dem nicht werden, denn weder Cash noch Dylan konnten den “Blue Yodel“ der Country-Legende ordentlich imitieren.

Enthalten ist hier dann noch der Auftritt Dylans in der “Johnny Show Show“. Die Ähnlichkeit von I Threw It All Away zu Lay, Lady, Lay wird hier überdeutlich. Bei Girl From The North Country steigt Johnny Cash dann, wie in seiner Show üblich, für einen Song mit ein. Wird dadurch nicht die tollste Version dieses Liedes, aber natürlich trotzdem interessant. Für Dylan war Cash auf jeden Fall ungeheuer prägend.

Im Mai 1969 – wir sind bei den Sessions zum Album “Self Portrait“ (ja, so schnell ging das damals!) - wurden die Cash-Titel Ring Of Fire und Folsom Prison Blues geprobt. Verständlicherweise und trotz ansprechender Bemühung schaffte es keiner der Titel auf das Album. Diese Songs sind zu sehr durch Johnny Cash geprägt.

Als das Album im Juni 1970 erschien, war Dylan schon wieder im Studio (bzw. dem Haus des Künstlers Thomas B. Allen) gewesen um mit dem Banjo-Virtuosen Earl Scruggs Songs aufzunehmen, die uns wieder tief in die Country-Musik führen und die zum Teil auf Alben von Scruggs erschienen sind. Macht jedenfalls Spaß, den Interpreten bei ihrer “home-made-music“ zuzuhören.

Also birgt auch “Vol. 15“ reichlich Material, welches mithilft den Weg Bob Dylans zu verstehen und zu verfolgen. Gerade mal zwei dieser Aufnahmen waren bisher verfügbar. Da muss man als Dylan-Fan nicht lange überlegen.

 

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