Tesla

Chalice

Bochum, Matrix, 28.10.2007


Konzertbericht

Reviewdatum: 28.10.2007

Links:

Tesla Homepage

Tesla @ facebook

Tesla @ twitter



Redakteur(e):

Jürgen Ruland

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Aschaffenburg, Colos-Saal, 30.10.2007

Endlich: TESLA in good old Germany. Klar, dass das hooked-on-music vor Ort ist, quasi ein Mini-Redaktionstreffen, kommen hier doch gleich mehrere Meinungen zu Wort, zuerst Kollege Jürgen Ruland mit seiner Frau Bea, dann gebe ich noch meinen Senf dazu.

TESLA sind in Deutschland unerklärlicherweise bis dato kaum live in Erscheinung getreten. Mir ist irgendwas im Vorprogramm der SCORPIONS zu Beginn der Neunziger in Erinnerung, aber vielleicht irre ich mich da auch. "Metal Harry" erzählte mir nach Konzertende etwas von drei seinerzeitigen Promo-Gigs. Sei es wie es ist, endlich (!) hat es die Band auch in unsere Breitengrade verschlagen. "Old-school", so wie die Band während des Gigs ihre Musik betitelte, waren die Alben des US-amerikanischen Fünfers eigentlich seit Beginn ihrer Karriere. Zum Erscheinungszeitpunkt ihres Debuts "Mechanical Resonance" (1986) kloppten sich Poser & Thrasher, während die Überlebenden der NWOBHM (New Wave Of British Heavy Metal) bereits viel von ihrem ursprünglichen Elan verloren hatten. Für Fans des melodiösen Hardrocks kamen TESLA damals als die sprichwörtliche Erlösung aus "god's own country", wie die multikulturelle Bevölkerung der "Estadas Unitas" ihr Staatengebilde zuweilen gerne bezeichnet. Kritik hin, Kritik her, die nach dem Erfinder Nikola Tesla (so eine Art europäisches Pendant zu Thomas A. Edison) benannte Band ist zuweilen auch zu durchaus kritischen Tönen (bzw. Texten) in der Lage, wie das frenetisch abgefeierte Freedom Slaves ("Psychotic Supper", 1991) beispielhaft bewies.

Der Bochumer Veranstaltungsort "Matrix" mag für mein Verständnis der ideale Ort für Gothic-Konzerte oder - Discos sein, aber die in der gleichen Stadt beheimatete "Zeche" hingegen hat, neben ihrem Kultstatus, auch bessere Sichtverhältnisse für Leute unter 1,90 Meter Körperlänge, sowie die vermutlich bessere Akustik zu bieten. Wahrscheinlich jedoch auch ein geringeres Fassungsvermögen ... jedenfalls mochte mir der schlauchartige Konzertsaal nicht so recht gefallen, selbst wenn das gesamte Ambiente an sich als durchaus ansprechend bezeichnet werden darf.
Bea: Da Hast Du vollkommen recht, die Akustik war schon etwas gewöhnungsbedürftig. Ich hatte das Gefühl, dass der Sound in der engen Röhre von Wand zu Wand hin und her geworfen wurde. Als "ansprechend" würde ich auch mal die Leistung der Vorgruppe CHALICE einstufen. Sichtlich bemüht, das mit beachtlichen Arrangements versehene Songmaterial auf's Volk vor der Bühne loszulassen, fehlte den Songs im Vergleich zu den "Großen" halt auch das gewisse "Etwas". Unterhaltsam war's, den zahlreichen Anwesenden gefiel es größtenteils. Was will man als Special Guest mehr?
Bea: Die waren schon gut, aber die Vocals nicht immer exakt auf dem Ton ...... was soll's, die hatten Spaß an der Sache und kamen sehr authentisch rüber.

Chalice Chalice

Den Auftritt von TESLA kann man als durchweg überzeugend bezeichnen. Satte zwei Stunden ein "Best Of"-Programm, sogar mit zwei Tracks (Bad Reputation, Rock Bottom) vom aktuellen Cover-Album "Real To Reel". Besser gesagt von Part 1, denn Teil Numero zwei ist angeblich nur online erhältlich - Fragende am Merchandise-Stand wurden auf's Internet verwiesen. Verstehen muss man das nicht. TESLA live stellt ein kompaktes Hardrock-Kraftwerk dar. Ein gitarristisches Feuerwerk, das einen seiner Höhepunkte in dem von Frank Hannon als "german song" angekündigten UFO-Klassiker Rock Bottom fand, welches einst der deutsche Gitarrist Michael Willy Schenker (... so steht's im Booklet ...) mitkomponierte.

Das groovige, mit Slide-Solo versehene Heavens's Trail (No Way Out), der "Hit" Love Song (frenetisch abgefeiert), ein mächtiges Modern Day Cowboy oder der Gassenhauer Little Suzi, an der Songsauswahl gab es nix zu meckern. Zugegeben, über Gettin' Better hätte ich mich sehr gefreut, aber wie's im Leben halt so ist - man kann eben nicht alles haben. Ein Programm mit Schwerpunkt auf ihren ersten drei Alben hat mich allerdings auch ohne den erwähnten Track ziemlich begeistert, wobei die Freude noch gesteigert wurde durch das Spielen von Into The Now vom gleichnamigen, zu Unrecht teilweise hart kritisierten, letzten Album (2004) mit eigenem Material.
Bea: Vom ersten Ton an kochte der ganze Saal. Ich habe headgebangt und getanzt bis zur totalen Erschöpfung. Als dann auch noch Rock Bottom angespielt wurde mit diesem Wahnsinns-Gitarrenriff, musste ich noch einen drauf legen.

Tesla Tesla

Die Musiker wirkten auf mich erstaunlich jung-geblieben und stellten in dieser Form für mich die überzeugendere US-Variante, im Vergleich zu den angeschlagenen britischen Metal-Schlachtschiffen IRON MAIDEN oder JUDAS PRIEST, dar. Während diese phasenweise wie ihre eigenen Karikaturen erscheinen, wirken TESLA vergleichsweise wie aus einem Jungbrunnen entstiegen.
Bea: Die müssen wirklich fit sein, bei dem dargebotenen Pensum, zwei volle Stunden ohne irgendwelche Verschnaufpausen!!! Ich war ja schon vom Zuhören und Mitfeiern fix und alle. Mächtige Akkorde, mitreißende Leads, fette Bässe, treibende Drums und die kratzigen Vocals Jeff Keiths ergeben eine live nahezu unschlagbare Einheit, welche das Publikum in einen regelrechten Begeisterungstaumel versetzte.

Tesla Tesla


Bea: .....ach übrigens, die Vocals von Jeff Keith sind nicht nur tonrein, sondern auch von einer einzigartigen Klangfärbung. Der weiß seine Stimme vortrefflich einzusetzen! Neben Frank Hannon wirkte der zweite, vor den Aufnahmen zu "Real To Reel" für Tommy Skeoch eingestiegene Gitarrist Dave Rude eher zurückhaltend. Hannon spielte für mich überraschend einen Großteil der Soli und war neben Jeff Keith die klar dominierende Person on stage. Beeindruckend allerdings die viel zu wenigen Momente des Einsatzes von Twin-Lead-Gitarren wie beim THIN LIZZY-Song Bad Reputation. Leider hatte die Lautstärke bis zur Zugabe Edison's Medicine nahezu ohrenbetäubende Ausmaße angenommen, so dass TESLA zum Ende hin bedauerlicherweise fast im eigenen Lärm untergingen. Dieses kleine Missgeschick konnte dem hervorragenden Gesamteindruck allerdings nichts mehr anhaben. Klasse Konzert !!!!
Bea: .....nur der nächste Morgen hatte es voll in sich, früh raus und "ab auffe Arbeit"!!!

Tesla Tesla

Bea und Jürgen Ruland, 29.10.2007

Eigentlich fällt mir ob der Ausführungen der werten Kollegen nicht mehr viel ein. Ich hatte als Einsteiger Comin' Atcha Live erwartet, aber auch Rock Me To The Top verfehlte seine Wirkung nicht, die sehr gut gefüllte Matrix feierte vom ersten Ton an frenetisch mit. Comin' Atcha Live gab's übrigens im Doppelpack mit Signs kurz vor den Zugaben. Ich hätte gerne noch mehr von der "Real To Reel" gehört, Warpigs zum Beispiel. Man kann ja zu Cover-Scheiben stehen wie man will, TESLA haben einfach eine gute Arbeit gemacht und Mörderversionen auf CD gepresst. Bad Reputation live war der Hammer, die Gitarren röhrten dermaßen, das "Phil selig" auf seiner Wolke 7 vor Wonne rumgehopst ist.

Tesla Tesla

Ich war ja nun aufgrund meiner Foto-Beauftragung die ganze Zeit in Reihe 2-3 und muss sagen, dass es da schon vom Anfang an recht übersteuert war, gegen Ende war es fast unerträglich laut. Jeff Keith wirkte wie ein Lausbube, schäkerte ganz gerne mit dem Publikum. Erst bei genauerem Hinsehen zeigten sich die Falten, die das Leben zeichnete. An der Rhythm-Section gabs nix zu mäkeln, schön druckvoll und treibend. Frank Hannon wirkte äußerlich ein bisschen wie bei einer Sleaze-Metalband ausgeliehen, passte sich aber musikalisch hervorragend ein. Ansonsten schließe ich mich der einhelligen Meinung an: Geiles Konzert!
Ey, Ipach! Haste was verpasst! [Es gibt wichtigere Sachen, als sich Sonntagabends in Bochum ein Konzert reinzuziehen ... aber ein wenig ärgere ich mich schon. - F.I.]

Jörg Litges, 29.10.2007

 

(C) 2008 - 2019 by Hooked on Music