Larry Carlton

Bochum, Zeche, 24.03.2016

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 31.03.2016
Stil: Jazz Rock

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Larry Carlton,
Bochum, Zeche, 24.03.2016

"Clapton is God" stand vor 50 Jahren auf der Mauer einer U-Bahnstation in London. Es würde mich nicht wundern, wenn wir dieser Tage an den Gemäuern rund um die Bochumer 'Zeche' eine gesprayte Bezeugung à la "Larry is Legend" entdeckten. Larry Carlton, Großmeister des geschmackvoll und stilsicher intonierten Gitarrentons, gab sich am Gründonnerstag die Ehre und entzückte ein paar hundert devote Jünger im altehrwürdigen und ansehnlich gefüllten Bochumer Musiktempel.

Ließe sich Musik so einfach in Worte fassen wie die von leichter Hand inszenierte Darbietung des Larry Carlton Quartetts, bekäme ich wahrscheinlich den Pulitzer Preis. Da das in so weiter Ferne liegt wie Bochum von Barbados, verlegen wir uns hier und jetzt auf ausgedehnte Schwärmerei.

Das Publikum solle bloß nicht denken, die Band auf der Bühne habe keinen Spaß. Doch, doch, das Leben ist großartig. Larry Carlton wandte sich ob des etwas introvertierten Auftretens der Truppe mit dieser augenzwinkernden Erläuterung ans andächtig lauschende Publikum. "Life is cool". Jawohl, Mr. Carlton, an solchen Abenden ganz bestimmt sogar. Wenn das die wild drauf los quatschenden Irrläufer im Thekenbereich nur auch mal so betrachtet hätten. Sorry, folks, bei solch einem Event wird nicht laut losgequatscht.

Mr. 335 und seine Band haben davon natürlich nichts mitbekommen, sondern sich mächtig konzentriert, aber auch lustvoll genug in ihren Arbeitsauftrag gestürzt. Carltons Truppe bestand erstaunlicherweise aus deutschen Musikern. Dies sei billiger, schmunzelte Larry still in sich hinein und verwies auf den immensen logistischen Aufwand einer Musikreise von den USA nach Europa. Außerdem seien die deutschen Jazzer keinen Deut schlechter als ihre amerikanischen Pendants. Wie recht der inzwischen 68-jährige Kalifornier doch damit hat. Claus Fischer am Bass, Jesse Milliner an den Tasten und Hardy Fischötter am Schlagzeug sorgten nach kurzer Eingewöhnungsphase für den nötigen Schwung auf Großvater Larrys Soloflügen. Balsam für die Ohren. Jedes Solo ein Gedicht. Die Combo präsentierte sich sehr tight, was nach so kurzer Probenzeit wahrlich anerkennens- und bewundernswert erscheint.

Unsere deutschen "Mi(e)tmusiker" empfahlen sich durch ihre hervorragende Arbeit - Bassman Claus Fischer sei hier mit einem Extralob gepriesen - für weitere Sonderaufgaben. Guter, weltgewandter Groove. Nichts anderes als Champions-League. Larrys kalifornischer Gitarrenkollege Lee Ritenour wusste dies schon vor einigen Wochen. So verpflichtete er Jesse Milliner, den harmoniegewandten Musikprofessor aus Mainz, für sein ebenfalls fabelhaftes Konzert in der Bochumer Christuskirche.

Manch einer der Angereisten hätte wohl lieber noch den einen oder anderen Klassiker aus alten Tagen gehört, so etwas wie Nite Crawler oder Rio Samba. Doch Larry beließ bei Steely Dan's Peg und Minute by Minute von den Doobie Brothers. Und natürlich seinen Trademark-SongRoom 335. Ansonsten bot das Quartett eine wohldosierte Mischung aus eher puristisch orientiertem Jazz und Carltons leichtfüßigen Smooth-Jazz-Intermezzi. Nicht wirklich überraschend, aber dafür umso erhebender, weil mit Niveau und dem unaufdringlichen Charme eines Weltstars dargeboten.

Abschlussfrage: Kommen gebrauchte Sprayflaschen eigentlich in den Gelbmüll oder zum Recyclinghof?

Frank Ipach, 24.03.2016

 

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