Helloween

Primal Fear

Bochum, Zeche, 15.01.2006


Konzertbericht

Reviewdatum: 15.01.2006

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Redakteur(e):

Jörg Litges (* 1965, ✝ 2015)


Bochum, Zeche, 15.01.2006

OK, der erste Hooked on Music Award für das beschissenste Bühnenlicht geht an: HELLOWEEN!
Als Konzertfotograf ist man ja Kummer gewöhnt, aber was HELLOWEEN hier boten, war vielleicht für die Fans nett anzusehen, die Fotografen die nur ersten drei Lieder (wohlgemerkt ohne Blitz) fotografieren durften, wurden dafür mit auf den Fotograben gerichteten Stroboskoplichtern dermaßen abgeschossen, dass mir anschließend die Augen flimmerten. Nix für Epileptiker, der Job. Seltsam auch, dass nach diesen drei Songs das Stroboskoplicht sparsamer eingesetzt wurde. Ebenso wie das Rotlicht. Muss ich da gar was persönlich nehmen?

Primal Fear Spaß beiseite, als Opener musste erstmal Matt Sinners Combo PRIMAL FEAR ran, die ihren Auftritt trotz Hindernisse souverän erledigten. Platz auf der Bühne hatten die Jungs keinen, ihr Drumkit stand noch vor dem von HELLOWEEN, jeden Platz zum Stageacting eliminierend. Somit musste Ralf Scheepers auf zwei dürftig im Fotograben platzierte Wagen mit Monitoren ausweichen um genügend Platz zu haben, schon beeindruckend, wenn der ohnehin nicht kleine Sänger noch mal 20-30 cm an Größe drauflegt.

Primal Fear Am meisten Spaß an diesem Abend schien Bassist Tom Naumann zu haben, er turnte und bangte in seiner kleinen Ecke der Bühne wie der Leibhaftige. Für die großen Posen waren wie immer Matt und Ralf zuständig, sie animierten das Publikum zum klatschen und mitsingen. Aber eins ist klar, Scheepers ist und bleibt ein Rob Halford-Wannabe (stimmlich und optisch), und dass einige der Schreie vom Band kamen, hat das Publikum nicht mitbekommen.

Primal Fear Vom neuen Album wurden Demons And Angels, Rollercoaster, Seven Seals sowie Diabolus offeriert, ansonsten gab's noch Nuclear Fire, Angel In Black, Final Embrace und als Finale Metal is Forever zu hören. Trotz energisch geforderter Zugabe seitens der Fans gab's leider nicht mehr zu hören, ". mehr beim nächsten Mal" versprach Ralf Scheepers. Eigentlich schade, waren doch All For One und/oder Evil Spell noch eingeplant. Mehr als 60 Minuten gab's aber nicht, HELLOWEEN werden schon ihren Grund dafür haben. Denn, ehrlich: Nach dem Auftritt von PRIMAL FEAR lies die Stimmung doch mächtig nach.

Helloween Live gesehen habe ich HELLOWEEN das letzte Mal in ihrer (frühen-)Niedergangsphase mit Geisteskind Michael Kiske am Mikro. Roland Grapow war grade zu den Hamburgern gestoßen. Das war in der Grugahalle, und die Bühne war in der Halle quer aufgebaut. Ich meine, es war die "Pink Bubbles" Tour. Alles was danach an Alben auf den Markt kam war eigentlich nix mehr für mich. Nach dem ordentlichen "Keepers 3" Album war ich gespannt, wie Andy Deris die Songs (auch der anderen "Keeper"-Alben) live interpretieren würde. Und all das auf der kleinen Zechen-Bühne.

Helloween Eins vorweg. Die Performance war perfekt. Zu perfekt für meinen Geschmack. Die aufgesetzte Spielfreude von Grosskopf und Weiki (war der schon immer so dünn?) mit strahlendem Lachen war echt zuviel für mich. Lassen die sich ihr Grinsen vor der Show in die Backen meißeln oder was? Klar, sie posen wie die Bekloppten, auch die theatralische Gestik von Andy Deris ist bestimmt ganz toll. Erinnert mich aber eher an ein griechisches Theaterstück als an eine Metal-Show. Keine Spontaneität, jede Bewegung scheint einstudiert. Selbst das witzige Intermezzo beim Gitarrensolo, bei dem sich Gitarrero Sascha Gerstner und Drummer Dani Loeble, mit einer Minigitarre bewaffnet, duellieren, kann mich nicht mehr wirklich vom Hocker hauen.

Helloween Zwar wurden meine beiden Lieblingstücke von der "Keepers 3" gespielt (King For A 1000 Years und Occasion Avenue), aber ansonsten gab die reguläre Setlist außer Eagle Fly Free und Future World für mich nicht viel her. Kein Murderer, Judas, geschweige denn die "Keepers" kompatiblen I'm Alive, A Little Time oder Rise And Fall. Aber ein 12-minütiges Drumsolo gab's. Selbst das Publikum, von Andi Deris noch hochgelobt, ging nicht mit. Sogar in den ersten Reihen sah man keine sich zum Himmel streckenden Fäuste. Da habe ich die Zeche aber schon ganz anders aus dem Häuschen gesehen und da war sie nicht ausverkauft!

Helloween Ein kleiner Fauxpas passierte auch noch: Beim letzten Ton vor dem "Mitmachteil" (stand tatsächlich so auf der Setlist!) von Future World ging's rums, und nur die Notbeleuchtung der Zeche funktionierte noch. Strom weg! Shit happens. Dass nach der Zwangspause dann aber mit dem avisierten Mitmachteil weitergemacht wurde, anstatt erstmal einen Song zu spielen um die Show wieder in Fluss zu bringen, zeigt mir einmal mehr wie einstudiert die ganze Sache doch war. Wenn man die Setlist versteckt, meinen sie dann die Show ist zu Ende?!
Bei den Zugaben kam man dann noch mal aus dem Quark, kein Wunder, war es doch das Chart-Hit-Medley Mrs.God, I Want Out und Dr.Stein, die wenigstens mal gut abgaloppierten.

Helloween Nee, Jungs, das war nicht wirklich befriedigend. Für mich sieht es so aus, dass HELLOWEEN ihre Vergangenheit vernachlässigen, nur weil sie mit den Namen Kiske und Hansen behaftet ist. Da halfen alle von Andi am Anfang des Konzerts verteilten Wasserflaschen nix, die braucht das Publikum erst wenn's ausgelaugt ist. Und das war es heute definitiv nicht, auch nicht am Ende der Show!

Wenn HELLOWEEN nicht aufpassen überholen die "Nachäffer" Bands sie locker. Achwas, die fahren Kreise um sie!

Jörg Litges, 15.01.2006

 

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