Magnum

Bochum, Zeche, 30.11.2005

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Konzertbericht

Reviewdatum: 30.11.2005

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Redakteur(e):

Ralf Stierlen


Bochum, Zeche, 30.11.2005

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen. Daher nahmen nicht nur die britische Epic-Melodic-Hard-Rock-Legende MAGNUM den zwanzigsten Jahrestag des Erscheinens ihres bahnbrechenden Werkes "On A Storyteller's Night" zum Anlass eine entsprechende Jubiläumstour zu starten, sondern dies bewegte auch den Schreiber dieser Zeilen dazu, vom äußersten Osten der Republik in den tiefsten Westen (wo die Sonne verstaubt) zu fahren. Dort bestand die verlockende Gelegenheit, zum einen die werten Redaktionskollegen Litges und Frank zu treffen und eben MAGNUM in der Bochumer Zeche zu erleben.

Magnum Erste Überraschung: im Gegensatz zu Berlin sind Konzerte hier zu einer Anfangszeit avisiert, die man noch unter dem Oberbegriff "Abend" einordnen kann, nämlich 20 Uhr und zum noch größeren Unterschied fangen die in Bochum auch noch ziemlich pünktlich an. Angenehmerweise ohne Vorband (ich habe ja nichts gegen die fünfhundertsiebenundzwanzigste lokale RAMONES/AC/DC/NIRVANA-Kopie, aber das wäre diesem Abend mit seiner irgendwie nostalgischen, feierlichen und geradezu sentimentalen Stimmung abträglich gewesen) standen die Männer um Tony Clarkin und Bob Catley auf der Bühne.
Ja, Männer ist hier irgendwie doch passender als Jungs, denn die Herren sind, wie wir alle, auch nicht jünger geworden. Aber schnell sollte klar werden, dass hier nicht in die Jahre gekommene Musiker ihre Rente aufbessern wollen, sondern alle noch richtig gut im Saft stehen. Bassist Al Barrow und Drummer Harry James [s.a. THUNDER; Red.] sind ja ohnehin etwas später hinzu gestoßen und quasi die Bandküken, aber auch und gerade Bob Catley wusste stimmlich wirklich zu überzeugen. Tony Clarkin überzeugt mich zwar als (Solo-)Gitarrist nicht so unbedingt, aber er hält schließlich musikalisch den Laden komplett zusammen und seine coole Bühnenausstrahlung ist ebenfall mehr als sehenswert.

Magnum Los ging es im ersten Teil des Konzerts mit einem Streifzug durch die lange (wenn auch mehrjährig unterbrochene) Bandgeschichte, als Türöffner fungierte Brand New Morning, das Titelstück des von Kollegen Ruland schon heftigst abgefeierten Album aus dem Jahre 2004, das aber ebenso gut in die späten Achtziger gepasst hätte. Der Sound war für meine Begriffe ziemlich optimal, kraftvoll, aber dennoch transparent und klar auch in den Höhen, was bei einer Band mit fünf Leuten inklusive Keyboards gar nicht so einfach ist. Apropos Keyboards: Wenn ich Mark Stanway bisher noch nicht erwähnt hatte, soll das nichts Negatives bedeuten. Er ist natürlich für den so unverkennbaren Sound von MAGNUM unerlässlich, sorgt er doch für die nötige Portion Bombast und die ausgewogene Balance zur Gitarre und damit der Abgrenzung zum sonst in den Achtziger Jahren üblichen britischen (Hard-) Rock.

Magnum Aber weiter im Geschehen: Als nächstes stand mit Backstreet Kid ein Song vom "Vigilante"-Album an, das neben "On A Storyteller's Night" vielleicht exemplarischste Werk der Band im Hinblick auf ihren eigenen Stil und Sound sowie ihren Standort in der Rockgeschichte. Und von Anfang an machten die etwa 700 Zuschauer das Konzert zu einem echten Heimspiel, und zwar zu einem mit einem locker herausgespielten 5:0. Die Begeisterung war so groß, dass man schon von einer regelrechten Party sprechen kann, es wurde nicht nur frenetisch bejubelt, sondern auch stimmgewaltig mitgesungen. Und das erstaunlicherweise nicht nur von Leuten, die schon den ersten Release von "On A Storyteller's Night" im zurechnungsfähigen Alter miterlebt haben, sondern auch von sehr viel Jungvolk.
Nach The Spirit vom Album "Chase The Dragon" war dann erstmal Balladenzeit angesagt. Und Bob Catley bewies auch bei Need A Lot Of Love vom "Vigilante"-Release seine stimmliche Hochform.

Magnum Im ersten Teil des Konzertes gab es noch Rockin' Chair, Vigilante, das straighte We All Run vom neuen "Brand New Morning"-Album, sowie die Klassiker Soldier On The Line und Sacred Hour von "Chase The Dragon". Etwas erstaunlich fand ich ja, dass nichts vom "Wings Of Heaven"-Album gespielt wurde, aber das kann man ja beim nächsten Mal nachholen.
Nach einer guten Stunde gab es dann eine Pause zum Luftholen für alle Beteiligten (es war doch ganz schön zugepackt in der Mitte der Zeche), die von geplanten fünfzehn Minuten auf mehr als das Doppelte ausgedehnt wurde. Aber der Umsatz beim Ausschank soll ja auch stimmern.

Magnum Im zweiten Teil gab es dann das legendäre "On A Storyteller's Night" Album - und zwar komplett. Angefangen mit dem vielleicht beeindruckendsten Song in der Bandhistorie, How Far Jerusalem, über das eingängige, geradlinige Just Like An Arrow und dem Titelstück, bei dem Catley den Refrain dem Publikum überlassen konnte, wurden alle Stücke gespielt. Also auch das knackige Two Hearts und die beiden jeden Rocker dahinschmelzen lassenden Balladen Les Mortes Dansant und The Last Dance. Letzteres bildete den Abschluss des Sets und sorgte für Gänsehautfeeling und so manche Träne, nicht nur im Knopfloch, da das Ende des Konzertabends nahte. Immerhin konnte das wirklich grandios abfeiernde Publikum, das auch der Band sichtbar eine gewisse Rührung hervorlockte, als Zugabe noch Kingdom Of Madness erwirken, bevor die Lichter endgültig erloschen.
Ein wirklich großartiges Konzert, bei dem alles stimmte, angefangen vom Sound, über das Publikum bis hin zur Spiellaune der Band. So lässt man sich Jubiläen gerne gefallen.

Ralf Stierlen, 13.01.2006

Fotos: Jörg Litges, 30.11.2005

 

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