Stefan Gwildis

Michy Reinecke

Bochum, Zeche, 11.05.2005

( English translation by Google Translation by Google )

Konzertbericht

Reviewdatum: 11.05.2005

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Redakteur(e):

Frank Ipach


Bochum, Zeche, 11.05.2005

Voll war´s in der Zeche Bochum. In dieser Form hab ich das nicht erwartet. In der Tat machten sich um die 800 Leute auf den Weg, um sich Deutschlands neuen Soul-Barden aus Hamburg-Barmbek anzuschauen. Neu ist natürlich ein Witz, denn Stefan Gwildis treibt sich seit zig Jahren zumindest in der Hamburger Szene mit mehr oder weniger Erfolg herum und bewies mit dem einen oder anderen Projekt schon seine künstlerischen Ambitionen. Nun mutiert Gwildis allerdings zum gesamtdeutschen Phänomen, bringt seine Alben mittlerweilen in recht hohen fünfstelligen Verkaufszahlen über die Ladentheken und erfreut sich einer allgemeinen Beliebtheit bei Fans und Medien.

Herr Gwildis ist aber auch ein richtig sympathischer Kerl. Und mit seiner launigen Idee, englischzüngige Soulklassiker in ein zeitgemässes und spritziges deutsches Sprachkleid zu wanden, trifft er offenbar genau den Nerv, den die Musikfreunde offenbar etwas verkümmern liessen. Wie bereits erwähnt, voll war´s.

Erstaunlich viele ältere Zuschauer bevölkerten die Zeche, will sagen die Klientel zwischen 35 und 55, die ja sonst nicht unbedingt das heimische Sofa verlassen , um sich Mittwochs abends ein Live-Konzert zu genehmigen. Weniger erstaunlich der hohe Frauenanteil im Publikum, die singender-und tanzender Weise ihre Lust an der pfiffigen Musik bekundeten. Eine Lady stand direkt hinter mir und trötete mir lauthals in die Ohren, hui . . . Ob es mir denn was ausmache ? Mitnichten Madame, mitnichten.

Michy Reinecke

Der Saal stand quasi schon während des sogenannten Opening Acts, den Stefan Gwildis´ alter Kumpel und Songtextelieferant Michy Reincke gab, Kopf. Reincke, ebenfalls mit jahrzehntelanger Erfahrung auf dem strammen Akustikgitarren-Buckel, warf dem gutgelaunten Publikum ein gutes halbes Dutzend eingängiger Melodien vor die federnden Beine und garnierte seine leichtgewichtigen, aber feinen Songs mit An-und Absagen voller Esprit. Als er dann zum wer-weiss-wievielten Male in seinem TÜV-abgelaufenen Taxi nach Paris fuhr, bekam er tatkräftigen Anschub aus hunderten von Kehlen. Michy freute sich und das Publikum nicht minder.

Stefan Gwildis

Ja, und dann, dann schlurfte der Herr Gwildis auf die Bühne. Schwarzer Anzug, rotes Hemd, orangefarbenes Einstecktuch, oha, aber Stefan entschuldigte sich später noch für das farblich derangierte Einstecktuch mittels einer witzigen Grand-Prix-Anekdote. Und seine schöne rote Halbakustische (war´s ´ne Gretsch ? Ich denk schon . . .) brachte er mit und zelebrierte ein schenkelklopfendes Intro, welches sich in bluesiger Grundform für die zahlreich erschienenen Gäste bedankte. Herrlich !

Na, da konnte eigentlich nichts mehr schief gehen. Der Saal wurde binnen weniger Minuten in blendende Laune versetzt, die Musik tat ihr übriges. Der P.A.-Sound war gekonnt gemischt, sehr angenehm. Die Musiker, die man grösstenteils auch von Gwildis beiden Soul-Alben kennt, begleiteten ihren Vorsänger mit angemessener Hingabe und bekamen zur Belohnung und zur Freude des johlenden Publikums das eine oder andere Solo beschert. Insbesondere Orgel und E-Gitarre feuerten einige galloppierende bis wildgewordene Soli über den Bühnenrand. Die Musikerkollegen schnappten sich in den entsprechenden Momenten die bereitgestellten Handscheinwerfer und setzten den jeweiligen Solisten ins rechte Licht. Einmal im Fokus stehen . . .

Stefan Gwildis

Das Stimmungsbarometer bewegte sich ständig auf einem recht hohen Level. Zum einen weil sich Gwildis eh schon meist weltbekannter Hits bedient, die nicht selten zum Tanzen einluden. Und zum anderen, weil die Fans sich durch die süffigen deutschen Texte animiert sahen, immer wieder lauthals mitzugrölen. Gwildis bewies ein feines Näschen und sicherlich auch genügend Bühnenerfahrung, das Publikum in die richtigen Bahnen zu lenken. In zahlreichen Szenen bewies unser Stefan gar sein komödiantisches Talent, gab den Witzbold, gab den Narr, plauderte aus dem Nähkästchen, schwadronierte über die Barmbeker Heimat, scherzte über seine behütete Kindheit und schlüpfte letzlich sogar in die Rolle eines deutschen Al Jarreau, als er mit Scat-Gesang und vokalen Akustik-Bass-Imitationen zu überraschen wusste.

Stefan Gwildis

Nun, von Langeweile konnte da keine Rede sein. Unvorstellbar, dass einer der Fans unzufrieden nach Hause ging. Stefan Gwildis und seine Band zogen eine Party vom Leder, die sich gewaschen hatte. Kann man mehr von einem Mittwochabend verlangen als Lachen, Tanzen und Singen ?



Frank Ipach, 12.05.2005
Jörg Litges, 12.05.2005

 

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