Gamma Ray

Secret Sphere
Freedom Call

Bochum, Zeche, 09.02.2010


Konzertbericht

Reviewdatum: 12.02.2010
Stil: Power Metal

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Redakteur(e):

Thomas Dietz


Gamma Ray, Freedom Call, Secret Sphere,
Bochum, Zeche, 09.02.2010

Die Zeche Bochum ist heute Abend mehr als gut gefüllt. Grund dafür sind GAMMA RAY, die hier heute im Zuge ihrer laufenden Europa-Tour einen Zwischenstopp einlegen, um ihr aktuelles Album "To The Metal" vorzustellen. Es ist einige Jahre her, dass sie das letzte Mal die gute alte Zeche beehrt haben. Dementsprechend hoch ist eben an diesem Dienstagabend die Besucherzahl und mindestens genau so hoch ist auch die Vorfreude auf die vier sympathischen Hanseaten. Also rein ins Getümmel.

Als ich um Punkt 19:30 am Ort des Geschehens eintreffe, ertönen gerade die ersten Klänge des Openers SECRET SPHERE. Dieser Umstand wird sich in der Zeche wohl auch nie ändern. Man sollte stets eine halbe Stunde vor eigentlichem Konzertbeginn anwesend sein, um auch wirklich nichts zu verpassen. Aber man gewöhnt sich ja an alles.

SECRET SPHERE kommen aus Italien und spielen passablen bis eingängigen Power Metal mit progressiven Einflüssen. Das ganze bewegt sich zudem zu großen Teilen unterhalb der Kitsch-Grenze von RHAPSODY OF FIRE, was man der Band schon mal hoch anrechnen sollte. In der knappen Spielzeit, die die sechs Italiener zur Verfügung haben, präsentieren sie sich zwar als gut eingespielt, aber keinesfalls als sonderlich mitreißend. Dies hält allerdings nicht wenige Leute im Publikum davon ab, die ersten kopfnickenden Bewegungen zu vollführen und das Bemühen der Band mit ehrlich gemeintem Applaus zu honorieren. Man muss ihnen allerdings auch zu Gute halten, dass der eigentliche Sänger wohl seit mehreren Tagen erkrankt ist und somit heute wieder ein Ersatzmann auf der Bühne steht, dem es allerdings an Erfahrung mangelt. Auch das Ablesen sämtlicher Songtexte ist nicht gerade förderlich für die Performance. Das Publikum ist jedoch zufrieden und als Eröffnung für diesen Abend ist das Ganze sicherlich ok.

Nach kurzer Pause folgen nun FREEDOM CALL, die zweite Spielwiese von GAMMA RAY- Drummer Daniel Zimmermann. Dieser sitzt heute jedoch nicht hinterm Schlagzeug, um der Doppelbelastung von zwei Sets pro Abend zu entgehen. Auf der kompletten Tour wird er vom derzeitigen SINNER-Schlagzeuger Klaus Sperling (ex- PRIMAL FEAR) ersetzt. FREEDOM CALL sind ja seit Jahren bekannt dafür, mit ihren Auftritten für Partylaune zu sorgen und auch am heutigen Abend bringen sie richtig Stimmung in die Bude. Die Band ist ein klassischer Fall von "man liebt oder man hasst sie". Auch ich komme hier leider um diesen unsäglichen Begriff des "Happy Metal" nicht herum, denn für diese schwülstigen und vor Pathos triefenden Kompositionen gibt's kaum noch einen anderen Ausdruck. Wenn man dies allerdings ausblendet und sich einfach von der Band mitreißen lässt, kann man heute wieder eine Menge Spaß haben. Das denkt sich auch das Publikum und siehe da, es funktioniert. Eine hüpfende Menschenmenge ist man zwar nicht unbedingt von Metal-Konzerten gewohnt, aber dies soll der Sache ja keinen Abbruch tun. Nach 45 schweißtreibenden Minuten wird die Meute glücklich und zufrieden in die Umbaupause entlassen und ist in der richtigen Stimmung für die Haupt-Band des Abends.

GAMMA RAY zählen zu den erfolgreichsten deutschen Heavy Metal Bands aller Zeiten, haben seit Beginn Ihrer Karriere kein einziges schwaches Album veröffentlicht und sind auch live immer wieder ein wahres Feuerwerk. Das alles und noch viel mehr beweisen sie auch heute Abend wieder. Aber immer der Reihe nach. Der Band wird ein umjubelter Empfang bereitet als sie mit Gardens Of The Sinner die Show beginnt. Vom ersten Takt an wird das Publikum von den vier Hamburgern mitgerissen, dass es kein Halten mehr gibt. Strahlemann Kai Hansen ist wie immer bestens gelaunt, hoch motiviert und zeigt auch heute wieder wie Kommunikation mit dem Publikum zu laufen hat. Nicht die Spur von Selbstbeweihräucherung und egozentrischem Auftreten (siehe MANOWAR). Nein. GAMMA RAY verschmelzen förmlich mit den Fans und sind dabei immer authentisch, bodenständig und publikumsnah. So muss das sein! Vom neuen Album gibt's heute gleich fünf Lieder zu hören und die passende Info von Herrn Hansen, dass "To The Metal" bereits eine gute Platzierung in den deutschen Charts erreicht hat. Um in Kais Worten zu sprechen: "Metal kann noch was!" Der Rest der Setlist besteht aus Hits und Klassikern wie Armageddon vom 99er "Powerplant"- Album und natürlich dem allseits bekannten Rebellion In Dreamland. Die Doublebass-getriebene Speed Metal-Nummer Man On A Mission bildet dann vorerst den Abschluss des regulären Sets.

Natürlich wird umgehend von der laut jubelnden Masse frenetisch eine Zugabe gefordert. Überraschenderweise kommt dann Kai Hansen ganz lässig mit Zigarette im Mundwinkel auf die Bühne zurück und erklärt, dass er es schade findet, dass in Zeiten des Internets das Publikum schon vor dem Konzert weiß, was die Band spielen wird. Daraufhin kommt es zu einer kleinen Programmänderung und Heading For Tomorrow wird in voller Länge dargeboten. Den Abschluss bilden heute No World Order und Send Me A Sign. War wohl nix mit alten HELLOWEEN- Klassikern. Aber das muss ja auch nicht immer sein. Die Zugabe wirkt sehr spontan und kommt daher mit einem eigenen Charme rüber. Gut so! Denn dieses 0815 Runterspulen kennt man ja von genügend anderen Bands. Nach insgesamt 100 Minuten fantastischer musikalischer Unterhaltung, wird das Publikum entlassen, um danach direkt den Merchandise-Stand zu belagern. Bei der breitgefächerten Auswahl (u.a. zwei verschiedene Tour-Shirts) ist hier sicher das Richtige für jeden dabei.

Wenn es wirklich noch Leute gibt, die GAMMA RAY noch nicht live erlebt haben, sind sie hiermit dringend aufgerufen, das nachzuholen. Das war wieder ein rundum gelungener Auftritt, ohne wenn und aber. Mehr davon!

Fette Fotostrecken aller Bands, wie immer, hier, hier und hier!

Thomas Dietz, 09.02.2010

 

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