Heaven & Hell, Doro, Axel Rudi Pell,
Bonn, Museumsmeile, 16.06.2009

Wenn die Götter rufen, lässt sich das Fußvolk nicht lange bitten. Der ungekrönte König aller Metal-Shouter, Ronnie James Dio, schwang sein Zepter am 16. Juni im Jahre des Herrn 2009 auf der Museumsmeile in Bonn. Gemeinsam mit seinen altehrwürdigen Kollegen aus seligen BLACK SABBATH Zeiten, Gitarren-Irrwisch Tony Iommi, Bass-Terminator Geezer Butler und Schlagzeug-Meisterschmied Vinny Appice, gab sich das kleine 67-jährige Goldkehlchen Dio die Ehre, und begeisterte als HEAVEN & HELL getarnte BLACK SABBATH Reinkarnation ca. 3000 devote Untertanen.

Alle waren sie gekommen, Metal- und Heavy-Rock Fans der ersten Stunde, in Ehren ergraut, mit biederem Kurzhaarschnitt und keuscher Jeansjacke, Lederjacken und Ketten bewehrte Alt-Freaks mit Zopf oder wallender Haarpracht, mit hautengen Lederhosen und dickem Kajal-Make-up verzierte Rock-Ladies, die sich neben ihren halbwüchsigen Töchtern und Söhnen aufführten, als sei die Zeit stehen geblieben, als habe man die Formel für die ewige Jugend schon längst abgespeichert und verinnerlicht.

Die Stimmung brutzelte schon bei unserem (neben mir, Kollege Jörg Litges, der für die genialen Fotos verantwortlich zeichnet) Eintreffen gegen 19 Uhr. Den Gitarrenhelden aus dem Ruhrgebiet, Axel Rudi Pell plus Combo, haben wir unglücklicherweise verpasst. Sorry, Axel. Wie kann man aber auch ein Konzert an einem normalen Werktag (Dienstag) schon um 18 Uhr starten? Herrschaften wir hatten eine Anfahrt von weit mehr als 100 Kilometern. Hallo?
Da der komplette Abend aber vom WDR-Fernsehen im Rahmen des guten, alten Rockpalasts aufgezeichnet wurde, darf man dann demnächst auf Entschädigung in Form von Fernsehbildern hoffen.

[Glücklicherweise war unser Kollege Volker Jäkel pünktlich vor Ort und weiß über ARP folgendes zu berichten:]
Anyway, ARP eröffneten pünktlich um 18.00 mit Tear down the walls und hatten einen erstaunlich guten Sound, wobei ich dazusagen muss, dass ich direkt vor der Bühne auf Axels Seite stand und somit mehr den Sound von der Bühne mitbekam als die PA-Beschallung. Die Band zeigte wie immer Spiellaune und die Setlist bot von epischen Hymnen wie Mystica bis breitbeinigen Rockern a la Rock the Nation alles, was den Sound von AXEL RUDI PELL ausmacht. Der Meister himself brachte seine Soli auf den Punkt, verlor sich dennoch das eine oder andere Mal in sehr emotionale Saitenakrobatik.Das gefiel nicht nur mir sondern auch den Menschen, die sich - bedingt durch den noch laufenden Einlass - nun nach und nach vor die Bühne gesellten. So stieg die Stimmung von Minute zu Minute. Viel zu kurz - dennoch klasse Gig! [Danke, Volker!]

Die kleine, blonde Amazone aus Düsseldorf, DORO, rockte sich derweil mit ihrer 4-köpfigen Männer-Band und mit relativ stereotyper Gestik den Arsch ab und verstand es, das Publikum für sich zu gewinnen, es zum Mitsingen- und Mitklatschen zu animieren. Ich muss ehrlich zugeben, mir persönlich gefällt Doro, abgesehen von ihrer schnuckeligen Optik, nicht sonderlich, ihre Musik versumpft etwas zu krass in viel zu häufig bemühten Klischees. Den Fans gefiel es, also war es gut. Basta!

Der Bühnenumbau ging relativ zügig vonstatten und pünktlich um 20:20 Uhr betrat Mr. Tony Iommi unter dem Gejohle der elektrisierten Fans und dem Gezirpe des altbekannten E 5150 Intro die martialisch, aber letztlich doch recht schlicht gewandete Bühne des Open-Air-Gelände in Bonn.

Erster Song: Mob rules, wie die Faust auf's Auge, die Kollegen Dio, Geezer und Vinnie hatten sich längst eingefunden, und eine prickelnde Gänsehaut machte sich breit. Tosender Applaus, zu Recht. Zweiter Song: Children of the sea, man fühlt sich erinnert an "Live from Radio City Music Hall", ein ziemlicher Hammer. Der Sound könnte zwar besser sein, vor allen Dingen fehlt der Druck und die angemessene Heavy-Rock Lautstärke und Dios Vocals scheinen etwas verzerrt rüber zu kommen. Doch was soll das Gemeckere, die königliche Aura der Musiker überstrahlt all diese Banalitäten und im Laufe des Konzertes wird alles immer besser.

Dio singt, wie sollte es anders sein, wie ein Gottgesandter. Tony - der mit den Fingern tanzt - Iommi, meistert sein manuelles Handicap mit großmeisterlicher Bravour, Geezer Butler gleitet so behende und flink über seine vier (1x sogar fünf - ich glaube bei Bible black war's) Bass-Saiten wie einst John Entwistle von THE WHO, und Vinny Appice, der kleine Bruder von Carmine und mit knapp 50 Lenzen der jüngste auf der Bühne, hämmert und drischt unbarmherzig, aber immer einfallsreich auf die Felle seines gigantischen dw-Drum-Kits. Vinnys Drum-Solo beschränkte sich allerdings auf ein normales Maß, geriet sicherlich nicht schlecht, konnte aber den irrwitzigen optischen Reizen seines Schlagzeugaufbaus nicht ganz gerecht werden. Geezer blieb, bis auf seine beeindruckenden Gummifinger, statisch, allerdings enorm banddienlich und Iommi genehmigte sich zwei extravagante Solo-Exkurse auf seiner abgewetzten, braunen Gibson SG, so dass einem die Kinnlade runterklappte.

Die Setlist konnte sich wahrlich hören lassen: I; Bible Black; Time Machine; Fear; Falling Off The Edge Of The World; Follow The Tears; Die Young; Heaven And Hell. Was will man mehr? Die Band, um nicht zu sagen Ronnie James Dio, hatte das Publikum fest im Griff. Als frenetisch eingeforderte Zugabe dann Neon Knights. Gröhlende, singende, selige, zufriedene Zuschauer. HEAVEN & HELL wurden ihrem Status als Heavy-Rock Superhelden mehr als gerecht, der alte Dio bleibt nach wie vor unübertroffen.
Um 21.50 Uhr war dann Schluß. Thank you, thank you, thank you. Der Himmel, der sich am Mittag noch triefend ausgeheult hatte, hielt seine Pforten gottlob geschlossen und mit dem Nachhall des Refrains von Heaven and Hell im Kopf stolperten wir glückselig in Richtung Heimat. Ein absolut gelungener Abend.

Eine Fotostrecke mit weiteren 25 Bildern dieses geilen Konzerts, findet ihr HIER!

Frank Ipach, 16.06.2009

 

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