Captain Beefheart

Trout Mask Replica

( English translation by Google Translation by Google )

CD-Review

Reviewdatum: 27.05.2008
Jahr: 1970

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Redakteur(e):

Christian Gerecht


Trout Mask Replica, Reprise Records/Warner, 1970
Captain BeefheartLead Vocals, Bass Clarinet, Tenor Sax, Soprano Sax
Zoot Horn RolloGlass Finger Guitar, Flute
Antennae Jimmy SemensSteel-Appendage Guitar
The Mascara SnakeBass Clarinet, Vocals
Rockette MortonBass & Narration
DrumboDrums
Special Guest: Doug MoonGuitar on "China Pig"
Produziert von: Frank Zappa Länge: 79 Min 06 Sek Medium: CD
01. Frownland15. Pena
02. The Dust Blows Foreward 'N The Dust Blows Back16. Well
03. Dachau Blues17. When Big Joan Sets Up
04. Ella Guru18. Fallin' Ditch
05. Hair: Pie Bake 119. Sugar 'N Spikes
06. Moonlight On Vermont20. Ant Man Bee
07. Pachuco Cadaver21. Orange Claw Hammer
08. Bills Corpse22. Wild Life
09. Sweet Sweet Bulbs23. She's Too Much For My Mirror
10. Neon Meat Dream Of A Octafish24. Hobo Chang Ba
11. China Pig25. The Blimp (Mousetrapreplica)
12. My Human Gets Me Blues26. Steal Softly Thru Snow
13. Dali's Car27. Old Fart At Play
14. Hair Pie: Bake 228. Veteran's Day Poppy

Dieses Album, so sperrig, schwer und verquer es daher kommt ist in seiner Gesamtheit nur eins: KUNST!
Nun lässt sich über Kunst trefflich streiten. Sehr trefflich sogar! -Aber das möchte ich gar nicht. Ich versuche nur, an das, bei jedem Menschen auf irgendeine Weise vorhandene Kunstverständnis zu appelieren; zu vermitteln, dass Kunst mal blendend schön, aber auch mal roh und dreckig, wild und apokalyptisch sein kann.
Mit Letzterer haben wir es hier zu tun.

Würde man diese CD der Allgemeinheit zwangsweise auf die Ohren drücken, würden 95 Prozent vor Schreck in den nächsten Graben hüpfen. "Musik, als wenn die Russen kämen...", sagte mein Großvater kopfschüttelnd als er mich einmal beim Abspielen der damaligen DoLP überraschte. Die Sorgenfalte auf seiner Stirn habe ich immer noch (es liegen gut 30 Jahre dazwischen) im Gedächtnis. Eine Sorgenfalte, die sich auch heute noch bei allen "normalen" Musikkonsumenten, egal ob sie Eltern, Großeltern, Onkels oder Tanten sind, durchs Gesicht zöge.
-Aber genau dass ist der Ansatzpunkt, an dem ich diese Musik festmache! Viele von den älteren Semestern erinnern sich sicherlich noch an die Früh- und Mittsechziger Jahre, als Stones, Yardbirds, Who, später auch die Düüls und was weiß ich wer noch alles, die jungen Leute verrückt machten. Viele haben sicherlich auch noch die abwertende Meinung der damaligen Erwachsenengeneration im Ohr: Als Negermusik und Hippieschmus beschimpfte man alles, was auch nur ein bisschen wild, rauh oder auch nur hype war. Heute findet sich kaum noch jemand, der sich über die genannten Bands oder deren Alben ereifern würde.
-Nur auf "Trout Mask Replica" dreschen nach wir vor alle ein! Diese Scheibe ist auch heute noch vielen ein unverstandenes Rätsel voller vermeintlicher Misstöne und Urlaute, das befremdet, verstört oder geradezu provoziert.
Tja Leute, dass, und nichts anderes, war der Sinn dieses Albums! -Und wie frisch und unverbraucht es auch heute noch ist, zeigen die Reaktionen darauf, die man in allen möglichen Foren und Reviews zu lesen bekommt:
Da sind die wenigen, die die Scheibe, den Captain und seine Musik verstanden und damit ihren Deal gemacht haben; Leute, die diese Musik durchaus "erleben" und "erhören" können. Dann gibt es eine ganze Schar an Mitläufern, die das Album zwar im Schrank stehen haben (weil man's ja haben muss) aber nie wirklich damit zurecht kamen. -Und dann gibt es die große Mehrheit, die mit dieser Musik absolut nichts anfangen kann.
Gerade die Letztgenannten muss man respektieren, denn Musik dieser Art kann man niemanden schmackhaft machen, aufdröseln oder gar aufdrängen. Vielleicht gelingt es aber, diese Leute neugierig zu machen. Vielleicht traut sich ja sogar der eine oder andere an diese sperrige Kiste heran. -Und vielleicht lernt eine kleine Zahl Neugieriger, dieses Album zu schätzen!

Natürlich muss jeder, der auf die "Trout Mask Replica" zugeht, damit rechnen, dass ihn diese Scheibe über Gebühr fordert. Sie ist definitiv das sperrigste Stück der Rockmusikhistorie!
Aber das macht nichts, denn wenn der Haken mal hängt, dann beginnt man sich von ganz alleine mit den einzelnen Takes zu beschäftigen; wird merken, dass da durchaus "eingängige" Nummern dabei sind, aber auch welche, die sich (vermeintlich) niemals ergründen lassen. Wer sich "Trout Mask Replica" (wenigstens in Teilen) einmal "erhört" hat, dem bietet sie einen schier unglaublichen Hörgenuss, der auch nach dem hundertsten Durchgang immer wieder Neues offenbart!
Ich kann und will hier keine einzelnen Titel hervorheben. Das macht überhaupt keinen Sinn, denn die Scheibe ist ein Gesamtkunstwerk.
Ich kann auch niemanden dazu raten, sie sich in voller Länge auf die Ohren zu drücken, denn dazu ist sie zu anstrengend. Man muss sich dieses Gesamtkunstwerk Stück um Stück erarbeiten, wobei sie nur funktionieren kann, wenn man offen und frei von Vorurteilen an sie heran geht.

Musikalisch bietet "Trout Mask Replika" einen rauhen, wilden Bluesrock, der immer wieder von Jazz- und Boogie-Elementen und teils "freien Musikformen" durchdrungen wird. Einzelne Titel beruhen auf reinem Blues, andere kann man vielmehr dem Freejazz zuordenen. "Trout Mask Replica' ist ein wilder Ritt, ja ein wahres Rodeo durch die genannten Musikstile!
Der mitunter bis an den Rande der Selbstzerstörung gehende Gesangsstil des Captains tut sein übriges.
Vielleicht ist das die musikalische Apokalypse, vielleicht ist es der Soundtrack zu Dante's Inferno, vielleicht ist es das einzig wirkliche Aufbäumen gegen die Kommerzialisierung der Rockmusik, vielleicht ist es aber auch nur so, als wenn die "Russen" kämen...

Wem empfiehlt man nun so ein Album? Sicherlich erstmal allen geduldigen und beharrlichen Menschen, die Rockmusik "leben". Dann all denen, die mit vermeintlichen Misstönen (sei es aus der Jazz- oder der Rock-Ecke) umgehen können und wollen. -Und letztlich auch all denen, die sich die (musikalische) Kunst auf die Fahnen geschrieben haben. Wobei die "Trout Mask Replica" hier mehr mit einem Hieronymus Bosch oder Joseph Beuys zu vergleichen ist, als mit Dürer oder Tizian. Außerdem ist auch derjenige klar im Vorteil, der den Begriff Dada nicht mit "gaga" verwechselt...
"Trout Mask Replica" ist ein Album, das schmerzt, das von Blut, Schweiß, Dreck und Tränen lebt. -Und genauso muss man sich diese Scheibe "erhören"!
Sie ist ein ganz massives, schweres Stück Arbeit. Wer sich dessen bewusst ist, wird wirklich sein Leben lang nicht mehr davon (oder zumindest von einzelnen Titeln) lassen können.

Christian "Grisu" Gerecht, 27.05.2008

 

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