Chick Corea Elektric Band

Live At Montreux 2004

( English translation by Google Translation by Google )

DVD-Review

Reviewdatum: 08.04.2011
Jahr: 2011
Stil: Jazz

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Redakteur(e):

Marc Langels


Chick Corea Elektric Band
Live At Montreux 2004, Eagle Rock, 2011
Chick CoreaKlavier & Keyboards
Eric MarienthalSaxophon
Frank GambaleGitarre
John PatitucciBass
Dave WecklSchlagzeug & Percussion
Produziert von: Claude Nobs Länge: 167 Min 00 Sek Medium: DVD
Part 107. The Long Passage
01. Port ViewPart 2
02. Check Blast08. C.T.A.
03. Mistress Luck: I. A Portrait II. The Party09. Eternal Child
04. Port View (Reprise)10. Got A Match?
05. Johnny's Landing11. Spain
06. Alan Corday12. Blue Miles

Ich kann mich noch ziemlich gut an meine erste Live-Begenung mit Jazz-Musik erinnern. Es muss 1987 oder 1988 bei den Viersener Jazz-Tage gewesen sein. Zunächst in einem etwas verrauchten Keller bei einem niederländischen Quartett (dessen Namen ich wieder vegessen habe) und anschließend im großen Theater-Saal bei einem Auftritt der CHICK COREA ELEKTRIC BAND. Und wenn mir vorher Jazz eher langsam und getragen vorkam, so war das ab diesem Moment vorbei.

Denn Band-Leader und Pianist Chick Corea, Gitarrist Frank Gambale, Basser John Patitucci, Saxophonist Eric Marienthal sowie Schlagzeuger Dave Weckl brannten an diesem Abend ein musikalisches Feuerwerk ab. Dabei wechselten sie mit spielerischer Leichtigkeit zwischen hoch-melodiösen Parts in aberwitzige Geschwindigkeiten, versuchten sich gegenseitig im Punkto Höchstgeschwindigkeit auf ihren Instrumenten auszustechen, warfen sich die Bälle in Frage-und-Antwort-Spielen zu, um sich anschließend in Unisono-Passagen wieder zu duellieren. Kurz und gut: ich war rundum begeistert.

Dem harten Rock habe ich damals nicht abgeschworen, aber meinen musikalischen Horizont etwas erweitert. Dabei ist es besonders der Fusion-Jazz, der es mir angetan hat und den wenige Bands in einer solchen Perfektion darbieten, wie es die CHICK COREA ELEKTRIC BAND tut. Insofern war es klar, dass ich diese DVD haben wollte. Und es war mir auch schon klar, Chick Corea und die Elektric Band würden nicht enttäuschen.

Und natürlich tun sie das auch nicht, denn selbst an einem schlechten Tag würden Corea, Patitucci, Gambale, Weckl und Marienthal noch so ziemlich jede andere Gruppe in Grund und Boden spielen. Das darf bei der individuellen Klasse natürlich nicht verwundern, schließlich gehören die Musiker an ihrem jeweiligen Instrument in die absolute Spitzenklasse. Aber an diesem Abend waren sie zudem noch in echter Spiellaune und begeisterten das Publikum in einem recht kleinen Saal (verglichen mit anderen Aufnahmen aus Montreux) und forderten regelmäßig Szenen-Applaus. Und gleich bei mehreren Liedern werden die Zuschauer von Corea zu einem Frage-und-Antwort-Spielchen eingeladen.

Über die einzelnen Musiker noch Worte zu verlieren ist wie die berühmten Eulen nach Athen (oder die Tulpen nach Amsterdam) zu bringen. Chick Corea gehört neben Herbie Hancock sicherlich zu den vielseitigsten und renommiertesten Jazz-Pianisten der letzten Jahrzehnte. Kein Wunder also, dass sie beide auch in Miles Davis’ Formationen und später auch im Duett auftraten. Der Australier Frank Gambale genießt insbesondere aufgrund seiner exzellenten Sweeping-Technik und seiner in Spiel und Ton etwas aggressiveren Spielweise einen ebensolch hervorragenden Ruf in der Gitarristen-Szene. Er bewahrt an manchen Stellen die Band davor, zu seicht zu klingen. Dies liegt aber nicht nur an Saxophonist Eric Marienthal, auch wenn sein Ton phasenweise etwas zu sehr an Kenny G. erinnert. Aber der Absolvent des Berklee College Of Music (das er mit der Bestnote verließ) kann auch anders, nur zeigt er das meiner Meinung nach hier etwas zu selten. Aber für mich ist die Rhythmus-Sektion das Highlight dieser Band: zum einen der technisch exzellente und stilistisch breit aufgestellte Bassist John Patitucci (spielte unter anderem für B.B. King, Sting, Bonni Raitt und BON JOVI), der mit seinen ultraschnell-gezupften Soli begeistert, aber vor allem die Krake am Schlagzeug: Dave Weckl. Wenn man nur hinhört ist es nahezu unglaublich, dass Weckl dies alles mit nur zwei Armen und zwei Beinen spielt. Er ist vielleicht DER perfekte Jazz-Schlagzeuger.

Der Jazz wird wegen seiner Komplexität und ihrem Anspruch allzu gerne rein als „intellektuell“ oder als „Musik für denkende Menschen“ (im englischen „thinking man’s music“) abgetan, aber das würde ja bedeuten, dass sich Jazz im reinen musiktheoretischen Bahnen bewegen und jedes Gespür für Melodie ausblenden müsste, um den eigenen Ansprüchen gerecht zu werden. Dass sich Anspruch und Melodie aber nicht ausschließen müssen, beweisen Corea & Co. an diesem Abend über die gesamte Länge des Konzerts. Natürlich werden auch hier schnelle Läufe geboten, aber diese gehen flüssig in langgezogene Melodiebögen über, die dem Hörer das Herz aufgehen lassen und trotzdem dem Kenner und Musiker den höchsten Respekt abverlangen.

Sicher ist “Live At Montreux 2004“ der CHICK COREA ELEKTRIC BAND keine Hintergrund-Musik für einen Abend mit entspannten Gesprächen. Dafür verlangt diese Art Musik natürlich nach zu viel Aufmerksamkeit. Aber, wer sich auf diese DVD einlässt, bekommt höchste musikalische Klasse, vereint mit Spielfreude und feinstem Gespür für „Melodien zum Niederknien“. Da fällt es nicht schwer, dem Fernseher für knapp unter drei Stunden seine ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Nur unterbrechen wird man dieses Konzert nicht wollen. Da fällt es auch nicht weiter ins Gewicht, dass hier keine Boni geboten werden, dieses Konzert an sich genügt voll und ganz.

Marc Langels, 07.04.2011

 

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